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Übertragungsnetz

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

05.01.2021

Letztes Update

18.08.2022

Das Übertragungsnetz in Deutschland und die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber

Inhalt des Wiki-Artikels

Das Übertragungsnetz für Strom in Deutschland

Das Übertragungsnetz ist der Teil des Stromnetzes, der große Strommengen über weite Entfernungen leitet. Der Transport erfolgt auf der Hoch- und Höchstspannungsebene mit 220 beziehungsweise 380 Kilovolt. Von den Kraftwerken und Stromerzeugungsanlagen wird elektrische Energie zu den regionalen Verteilernetzen geleitet. Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35 000 Kilometer lang und mit den Stromnetzen der Nachbarländer verbunden. Um die Übertragung im Höchstspannungsbereich und die überregionale Versorgung kümmern sich in Deutschland vier Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB): Amprion, TenneT, TransnetBW und 50Hertz. Die Übertragungsnetzbetreiber überwachen ihr Stromnetz und sorgen für Sicherheit und Stabilität.1

Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber

In Deutschland gliedert sich das Übertragungsnetz in vier Regelzonen, die jeweils von einem ÜNB betreut werden. Das Netzgebiet von Amprion befindet sich im Westen des Landes, es reicht von Niedersachsen bis an die Alpen und umfasst 11 000 Kilometer Höchstspannungsleitungen. Über 170 Schalt- und Umspannanlagen überträgt Amprion den Strom aus dem Höchstspannungsnetz in regionale und lokale Verteilnetze. Ein Ausbau des Netzes oder die Verstärkung bestehender Leitungen sind auf 3500 Kilometern geplant. Moderne Technologien wie die Höchstspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ), Anlagen zur Blindleistungskompensation und Konverter werden integriert, um das Übertragungsnetz zukunftsfähig zu gestalten.2

TenneT ist für ein grenzüberschreitendes Übertragungsnetz zuständig, das sich in großen Teilen Deutschlands und den Niederlanden erstreckt. In den Niederlanden wird Strom mit einer Hochspannung ab 110 Kilovolt transportiert, in Deutschland liegt die Spannung bei mindestens 220 Kilovolt, die Frequenz entspricht mit 50 Hertz in beiden Ländern dem europäischen Standard. In Umspannwerken wird die Hochspannung in Niederspannung umgewandelt und in Verteilernetze eingespeist. Der Netzausbau ist von Modernisierungen und Anpassungen an die Energiewende geprägt, so dass durch dezentrale Windkraftanlagen, Solaranlagen und andere erneuerbare Energieträger nutzende Stromerzeugungsanlagen gewonnene elektrische Energie ins Übertragungsnetz eingebracht werden kann.3

Von der TransnetBW GmbH wird ein regionales Übertragungsnetz in Baden-Württemberg betrieben. Der Übertragungsnetzbetreiber baut das eigene Netz aus, ist darüber hinaus aber auch mit den anderen ÜNB in den bundes- und europaweiten Netzausbau eingebunden. Gemeinsam haben die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber den „Netzentwicklungsplan Strom 2012“ erstellt. In diesem Plan sind die Netzausbau- und Optimierungsmaßnahmen festgehalten, die für die Umstellung von fossilen Energieträgern auf erneuerbare Energien notwendig sind.4

Das Übertragungsnetz von 50Hertz erstreckt sich über den gesamten Osten Deutschlands, Berlin und bis nach Hamburg, insgesamt deckt es eine Fläche von rund 109 702 km² ab. Es hat eine Länge von ungefähr 10 490 Kilometern. Der Strom wird mit Spannungen von 150, 220 oder 380 Kilovolt übertragen. Die elektrische Energie für das Übertragungsnetz wird vor allem durch Großkraftwerke sowie Onshore- und Offshore-Windparks erzeugt. In Umspannwerken wird die Höchstspannung von Transformatoren umgewandelt und als Niederspannung über ein Verteilnetz zum Endverbraucher transportiert. Insgesamt verfügt das Übertragungsnetz über 88 Entnahmestellen, davon sind 27 der Netzebene Höchstspannung zugeordnet und 61 der Umspannebene Höchst- zu Hochspannung.5

Übertragungsnetze für die Zukunft

Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien wachsen die Anforderungen an das Übertragungsnetz in Deutschland. Darüber hinaus erfordert die Öffnung der grenzüberschreitendenden Stromleitungen einen Ausbau des Netzes. In den vergangenen Jahren blieb der Netzausbau jedoch weit hinter dem Ausbau der erneuerbaren Energien zurück, eine Synchronisierung ist dringend erforderlich. Mit dem „Aktionsplan Stromnetz“ setzt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) nun auf eine Doppelstrategie. Zum einen soll das bestehende Übertragungsnetz für eine höhere Auslastung optimiert werden, zum anderen soll der Netzausbau beschleunigt werden. Im Rahmen dieser Maßnahmen werden neue Technologien erprobt und eingesetzt. Durch Digitalisierung und Automatisierung soll eine optimale Auslastung der Übertragungsnetze erreicht werden. Neben den Übertragungsnetzen müssen auch die Verteilernetze modernisiert werden, geplant sind sogenannte Smart Grids, intelligente Stromnetze. Die Zusammenarbeit zwischen den Verteilnetz- und den Übertragungsnetzbetreibern ist zu verbessern, um das ganze Potenzial der modernisierten Stromnetze ausschöpfen zu können. Der Netzausbau liegt derzeit weit hinter den Planungen zurück und muss deshalb beschleunigt werden. Der „Aktionsplan Stromnetz“ sieht dafür folgende Maßnahmen vor:

  • Vorausschauendes Controlling für jedes Netzvorhaben
  • Gesetzliche Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus
  • Ökonomische Anreize für schnelleren Netzausbau sowie Optimierung des Stromnetzes

In den Jahren 2009, 2013 und 2015 wurde ein Ausbau des Stromnetzes in Deutschland beschlossen und geplant, insgesamt sollen 7656 Kilometer neu gebaut oder modernisiert werden. Die Zahl der Netzausbauvorhaben beläuft sich auf 65. Im März 2020 waren allerdings lediglich 950 Kilometer der geplanten Vorhaben in Betrieb, weitere 328 Kilometer waren fertiggestellt, aber noch nicht in Betrieb genommen. Damit hat der Ausbau des Übertragungsnetzes und der Verteilernetze bisher nicht einmal die 2009 beschlossenen Vorgaben von 1655 Kilometern erreicht.

Grundlegend für den Ausbau des Übertragungsnetzes sind vor allem zwei Gesetze. Durch das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) wird der Ausbau von 380-Kilovolt-Drehstrom-Höchstspannungsleitungen im Übertragungsnetz festgelegt. Das Gesetz über den Bundesbedarfsplan (BBPIG) hat den beschleunigten Ausbau von Höchstspannungsleitungen im Übertragungsnetz zum Inhalt. Eines der Projekte im Rahmen des Netzausbaus, das bereits fertiggestellt wurde, ist die Elbekreuzung 2, die im Oktober 2019 in Betrieb genommen wurde. In den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein verläuft die 45 Kilometer lange Leitung, die auf eine Übertragungsleistung von 9600 Megawatt kommt.6

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