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Stromnetzentgelte

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

27.01.2022

Letztes Update

27.01.2022

  • Wiki
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  • Stromnetzentgelte

Neuerungen bei den Stromnetzentgelten

Inhalt des Wiki-Artikels

Der Strompreis setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, eine davon ist das Stromnetzentgelt. Stromanbieter müssen für die Nutzung der Versorgungsnetze einen bestimmten Betrag an die zuständigen Netzbetreiber entrichten. Die Stromnetzentgelte werden von den Anschlussnetzbetreibern erhoben und fallen bis 2023 noch regional unterschiedlich aus. Kosten, die für die Nutzung der Netze anfallen, geben die Stromanbieter an ihre Kunden weiter.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Neben den Netzentgelten sind weitere Kostenbestandteile im Strompreis enthalten. Dazu zählen die Kosten für die Strombeschaffung, -verteilung und -messung, die Gewinnmarge der Anbieter sowie Steuern, Abgaben und Umlagen. Welchen Anteil die einzelnen Bestandteile am gesamten Strompreis haben, hat die Bundesnetzagentur im Rahmen des Monitoringberichts 2020 ermittelt:

Kostenbestandteil

Anteil am Strompreis

Strombeschaffung, Vertrieb und Gewinnmarge

26 %

Mehrwertsteuer (16 %) und Stromsteuer (7 %)

23 %

Nettonetzentgelt

20,4 %

Messung und Messstellenbetrieb

2,3 %

Konzessionsabgabe

5,6 %

EEG-Umlage

21,2 %

Umlage nach dem KWK-Gesetz

0,9 %

Umlage nach § 19 der Stromnetzentgeltverordnung

0,8 %

Umlage für abschaltbare Lasten

0,02 %

 

Warum müssen Stromnetzentgelte gezahlt werden?

Mit den Stromnetzentgelten finanzieren Netzbetreiber die zur Übertragung von elektrischer Energie notwendige Infrastruktur. Die Kosten für den Bau, den Betrieb und die Instandhaltung werden über die Netzentgelte gedeckt. Auch für die Errichtung von HGÜ-Leitungen werden die Stromnetzentgelte genutzt. Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber stellen die Kosten für den Ausbau verbrauchsabhängig den Stromversorgern in Rechnung, die sie ebenfalls verbrauchsabhängig an ihre Kunden weitergeben.

Die Höhe der Kosten für den Netzausbau ist von Region zu Region verschieden. In Gebieten, in denen neue Übertragungsnetze gebaut werden, fallen die Stromnetzentgelte höher aus. Im Norden und Osten Deutschlands entstehen viele neue Stromtrassen, die von Windenergieanlagen erzeugten Strom in die Verbraucherzentren in Süddeutschland transportieren sollen. Dementsprechend sind die Netzentgelte in diesen Regionen höher als in anderen Teilen des Landes.

Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte

Da der Ausbau des Stromnetzes im gesamtgesellschaftlichen Interesse ist, hat die Bundesregierung beschlossen, dass die Übertragungsnetzentgelte anzugleichen sind. Die rechtlichen Grundlagen dafür sind im 2017 in Kraft getretenen „Gesetz zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur“ festgeschrieben, das kurz Netzentgeltmodernisierungsgesetz oder NEMoG genannt wird. Auf diesen basiert die „Verordnung zur schrittweisen Einführung bundeseinheitlicher Übertragungsnetzentgelte“ aus dem Jahr 2018. Ab Anfang 2023 sollen die Übertragungsnetzentgelte bundesweit einheitlich sein. Dies ist auch in der „Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen“, der sogenannten Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV), festgehalten. In Paragraf 14a heißt es:

Mit Wirkung zum 1. Januar 2023 haben die Betreiber von Übertragungsnetzen mit Regelzonenverantwortung bundeseinheitliche Netzentgelte zu bilden. Nicht vereinheitlicht werden die Entgelte für den Messstellenbetrieb und für singulär genutzte Betriebsmittel nach § 19 Absatz 3.

Reformierung der vermiedenen Netzentgelte

Eine spezielle Art der Stromnetzentgelte sind vermiedene Netzentgelte. Diese erhalten dezentrale Stromerzeuger, die elektrische Energie unterhalb der Höchstspannung in das Versorgungsnetz einspeisen, von den Verteilnetzbetreibern. Die Kosten tragen letztendlich die Stromverbraucher. Die vermiedenen Netzentgelte wurden 2005 unter der Annahme eingeführt, dass sich durch dezentrale Stromerzeugung die Kosten für den Netzausbau reduzieren.

Es hat sich aber herausgestellt, dass das Stromnetz dennoch ausgebaut werden muss, da dezentral erzeugter Strom nicht immer direkt vor Ort verbraucht wird. Er muss über das Versorgungsnetz zum Verbraucher geleitet werden. Unter anderem machen die Offshore-Windparks in Nordsee und Ostsee einen Ausbau erforderlich, da sie eine große Menge an Strom produzieren, die verteilt werden muss. Deshalb wurden mit Einführung des NEMoG die vermiedenen Netzentgelte reformiert.

Seit 2018 gilt für Bestandsanlagen, dass die Zahlung der vermiedenen Netzentgelte auf dem Niveau von 2016 bleibt. Die spezielle Art der Stromnetzentgelte wird nach und nach abgeschmolzen, das bedeutet: Abhängig von der Anlagenart werden ab einem bestimmten Zeitpunkt keine vermiedenen Netzentgelte mehr gezahlt. Dabei erfolgt eine Unterscheidung zwischen volatilen und nicht-volatilen Anlagen.

Volatile Erzeugungsanlagen wie Photovoltaik- und Windkraftanlagen lassen sich schwer steuern, während sich nicht-volatile – wie etwa Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) – relativ leicht steuern lassen. Für die Abschmelzung der Zahlungen aus den vermiedenen Netzentgelten gilt:

  • Seit 2018 erhalten neue volatile Anlagen keine Zahlungen mehr
  • Bei Bestandsanlagen wurden die Zahlungen in drei Schritten bis 2020 abgeschmolzen
  • Ab 2023 bekommen steuerbare Anlagen keine Zahlungen mehr, wenn sie nach diesem Zeitpunkt ans Netz gehen

Kritik an den Stromnetzentgelten

Die Stromnetzentgelte stehen bereits seit Jahren in der Kritik. Bemängelt wird vor allem, dass die Kosten nicht transparent sind und keine ausreichende Regulierung erfolgt. Ein Gutachten zur Transparenz der Netzentgelte hat die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erstellt. Sie kommt zu dem Schluss, dass durch die Reform der Stromnetzentgelte private Haushalte übermäßig stark belastet werden: Statt einem Modell zur Spitzenglättung sollte deshalb ein verbraucherfreundliches Modell mit zeitvariablen Netzentgelten gesetzlich verankert werden. Im Gutachten sind folgende Gründe für die Intransparenz der Stromnetzentgelte aufgeführt:

  • Unzureichendes Monitoring der Stromnetzentgelte
  • Die Kostenermittlung ist nicht mehr nachvollziehbar, weil die Netzentgelte noch aus den Zeiten zentralistischer Stromsysteme stammen
  • Unzureichende und uneinheitliche Regelungen zur Veröffentlichung der Zusammensetzung der Stromnetzentgelte
  • Es werden kaum Daten veröffentlicht, nur ein Fünftel der genehmigten Erlösobergrenzen sind öffentlich verfügbar
  • In den Netzentgeltbescheiden werden im Falle von Veröffentlichungen zentrale Daten geschwärzt

Als Regulierungsbehörden fungieren die Bundesnetzagentur und die Landesregulierungsbehörden. Sie kommen ihrer Pflicht zur Veröffentlichung der Netzentgeltentscheide kaum nach. Laut der Agora Energiewende, einem unabhängigen Thinktank zu energie- und klimapolitischen Themen, haben die Regulierungsbehörden und die Netzbetreiber ein falsches Verständnis von schützenswerten Betriebsgeheimnissen bei regulierten Monopolbetrieben. Darüber hinaus sei die Rechtsprechung fragwürdig, weil:

  • Klagen von Letztverbrauchern und Energielieferanten gegen Entgeltgenehmigungen nicht zulässig sind, die Netznutzer werden auf den Zivilrechtsweg verwiesen
  • Vor Zivilgerichten können Netznutzer den Schaden aus überhöhten Netzentgelten nicht benennen, da sie keine oder nur eine rudimentäre Einsicht in die Entgeltgenehmigungen haben

Zusammengenommen fehlt aufgrund mangelnder Transparenz und der Verweigerung des Rechtsschutzes in der Praxis die Kontrolle. Zukünftig wird diese aber immer wichtiger, da Stromnetzentgelte in den kommenden Jahren den größten Anteil an der Stromrechnung ausmachen könnten. Es besteht also politischer Handlungsbedarf, damit die zahlenden Netznutzer überprüfen können, ob die Kosten für die Stromnetzentgelte, die ihnen in Rechnung gestellt werden, zutreffend sind.

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