strommarkt-zwei-punkt-null-header-wikipedia-net4energy
hero-bg

Strommarkt 2.0

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

26.01.2022

Letztes Update

23.08.2022

 

So funktioniert der Strommarkt 2.0

Inhalt des Wiki-Artikels

Der Strommarkt in Deutschland ist seit seinem Bestehen von stetigen Veränderungen geprägt. Aufgrund der Energiewende ist die Weiterentwicklung und Flexibilisierung des Strommarkts unerlässlich. Nach einem Beschluss des deutschen Gesetzgebers soll der Strommarkt 2.0 zukünftig für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung sorgen. Maßgeblich ist das Gesetz zur Weiterentwicklung des Strommarktes – kurz Strommarktgesetz – aus dem Jahr 2016.

Der deutsche Strommarkt im Wandel

Bis zum Jahr 1998 war der deutsche Strommarkt in Hand von Gebietsmonopolisten. Jedes Unternehmen hatte sein eigenes Versorgungsgebiet. Verbraucher konnten nur von einem einzigen Anbieter Strom beziehen und nicht unter diversen Angeboten wählen.

Als die Liberalisierung der Energiewirtschaft eingeläutet wurde, gab es zunächst Gegenstimmen aus dem Management der Unternehmen, da sie ein solches Vorhaben für nicht realisierbar hielten. Die Praxis zeigte jedoch, dass sich die Umsetzung recht schnell realisieren ließ. 1999 kam mit Yello Strom die erste neue Energiemarke auf den liberalisierten Markt. Das Unternehmen erzeugt selbst keinen Strom und besitzt auch keine eigenen Netze.

Anfangs nutzten vor allem große Industrie- und Handelsfirmen das Angebot der Anbieterwahl, nur wenige Privatkunden wechselten ihren Anbieter. Dies änderte sich mit der Zeit, unter anderem auch durch Portale im Internet, die einen direkten Vergleich unterschiedlicher Anbieter ermöglichen. Laut des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben seit der Liberalisierung bis zum Jahr 2019 rund 44 Prozent aller Haushalte ihren Stromanbieter gewechselt.

Während die Energiewende voranschreitet, werden konventionelle Energieträger wie Kohle und Uran durch erneuerbare Energien bei der Stromerzeugung ersetzt. Deutschland hat den Ausstieg sowohl aus der Kohle- als auch der Atomkraft beschlossen:

  • Atomausstieg bis 2022
  • Kohleausstieg bis spätestens 2038

Bezüglich der Kohlekraft wird 2026, 2029 und 2032 geprüft, ob der Ausstieg eventuell früher realisiert werden kann. Dazu müssten die Stilllegungen der Stein- und Braunkohlekraftwerke, die für die Zeit nach 2030 vorgesehen sind, früher erfolgen. Falls möglich, soll der Kohleausstieg um drei Jahre vorgezogen werden.

Konzept des Energy-Only-Markts

Der Strommarkt 2.0 basiert auf einem Energy-Only-Konzept. Beim Energy-Only-Markt (EOM) handelt es sich um ein Konzept, das dem Kapazitätsmarkt im Stromsektor gegenübersteht. Während im Fall des Kapazitätsmarkts auch die Bereitschaft zur Stromerzeugung vergütet wird, ist der EOM dadurch charakterisiert, dass ausschließlich für tatsächlich erzeugte Energie eine Vergütung gezahlt wird. Im Rahmen eines Energy-Only-Markts kann der Strom auf folgende Weise gehandelt werden:

  • Handel an der Strombörse
  • OTC-Handel auf Basis bilateraler Geschäftsvereinbarungen

An der Strombörse wird erzeugter Strom in Megawattstunden (MWh) gehandelt. Die Stromerzeuger verkaufen elektrische Energie an Stromgroßhändler, die sie an den Endverbraucher weitergeben. Die reine Bereitstellung von Kraftwerksleistung wird bei einem Energy-Only-Konzept lediglich indirekt über unbedingte Lieferverträge vergütet. Dies ist zum Beispiel bei Termingeschäften der Fall, wenn zu einem festen Termin eine bestimmte Menge Strom geliefert werden soll.

Um auch mit dem Strommarkt 2.0 die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, ergänzen Flexibilitätsoptionen wie der Regelenergiemarkt den Energy-Only-Markt in Deutschland. Darüber hinaus stehen Reserven zur Verfügung, die sich in ihrer Konzeption am Kapazitätsmarkt orientieren:

  • Netzreserve
  • Kapazitätsreserve
  • Sicherheitsreserve

Der entscheidende Unterschied zwischen einem Kapazitätsmarkt und einer Kapazitätsreserve ist, dass Letztere ausschließlich aus Kraftwerken gespeist wird, die nicht am Strommarkt teilnehmen. Sie beeinflussen also den Wettbewerb und die Preisbildung nicht. Als Vorteil des Strommarkts 2.0 mit Energy-Only-Konzept gilt, dass er insgesamt kostengünstiger als ein Strommarkt mit zusätzlichem Kapazitätsmarkt ist.

Kennzeichen des Strommarkts 2.0

Mit dem Strommarktgesetz wurde die Umsetzung konkreter Maßnahmen eingeleitet. Die grundlegenden Mechanismen des Strommarkts bleiben beim Strommarkt 2.0 erhalten. Ein zusätzlicher Kapazitätsmarkt ist allerdings nicht nötig, um die Versorgungssicherheit in Deutschland zu wahren. Der Strommarkt 2.0 beruht auf dem Konzept freier Preisbildung und konsequenter Lieferverpflichtungen. Diverse Maßnahmen flexibilisieren den Strommarkt, wie zum Beispiel:

  • Netzentgelte für mehr Lastflexibilität
  • Weiterentwicklung der Regelleistungsmärkte
  • Überwachung der Versorgungssicherheit
  • Kapazitätsreserve als Absicherung

Die Preise richten sich beim Strommarkt 2.0 nach der Verfügbarkeit. Über den Preis können Stromanbieter Einfluss auf die Verbrauchszeiten nehmen. Bei geringer Nachfrage kann ein niedriger Preis dafür sorgen, dass flexible Verbraucher aufgrund der Vergünstigung diese Zeiten nutzen. Dadurch ergibt sich eine Entlastung zu Spitzenzeiten. Flexibilitätshindernisse werden auf dem Strommarkt 2.0 nach und nach abgebaut. Der neue Strommarkt baut auf flexiblen Erzeugungskapazitäten, flexiblen Verbrauchern und Speichern auf.

Zur Erhöhung der Lastflexibilität wurden Anreize für Großverbraucher eingeführt, wenn sie sich systemdienlich verhalten. Sie erhalten dann reduzierte Netzentgelte. Für die Sicherung der Netzstabilität tragen die deutschen Übertragungsnetzbetreiber Verantwortung. Sie setzen Regelleistung ein, um das Stromsystem stabil zu halten. Für den Strommarkt 2.0 werden die Regelleistungsmärkte weiterentwickelt. Mehr Anbieter erhalten Zugang, so dass sich der Wettbewerb erhöht und infolgedessen mit einer Senkung der Kosten zu rechnen ist.

Die Versorgungssicherheit wird beim Strommarkt 2.0 mit einem fortlaufenden Monitoring überwacht, bei dem modernste Technik zum Einsatz kommt. Eine Absicherung gegenüber Extremsituationen stellt die mit dem Strommarkt 2.0 eingeführte Kapazitätsreserve dar. Sie wird für unvorhersehbare Situationen vorgehalten, damit auch dann die Versorgung mit Strom gesichert ist. Hält die Strombörse einmal kein Angebot bereit, um Stromerzeugung und -nachfrage auszugleichen, springt die Kapazitätsreserve ein. Zunächst werden zwei Gigawatt Strom als Kapazitätsreserve bereitgehalten, der Umfang wird mindestens alle zwei Jahre überprüft und gegebenenfalls angepasst.

strommarkt-2.0-hybridauto-e-book-guide-net4energy
Du möchtest mehr über das Erdgasauto erfahren? Lade dir jetzt unseren ultimativen Guide herunter!
jetzt kaufen