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Redispatch

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

26.05.2021

Letztes Update

18.08.2022

Erklärung Redispatch, Dispatch und Redispatch 2.0

Inhalt des Wiki-Artikels

Laut Definition ist ein Redispatch ein Eingriff in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, um die Überlastung von Leitungsabschnitten des Stromnetzes zu vermeiden. Wenn an einer Stelle im Netz ein Engpass droht, reduzieren die Kraftwerke auf der einen Seite des Engpasses ihre Einspeiseleistung, während die Kraftwerke auf der anderen Seite ihre Einspeiseleistung erhöhen. Dadurch wird ein dem Engpass entgegenwirkender Lastfluss erzeugt.

Durch die Umstellung der Stromerzeugung auf erneuerbare Energien sind häufiger Dispatches erforderlich. Bei Windkraft- und Solaranlagen unterliegt der Stromertrag wetterabhängigen Schwankungen. Um Spannungsschwankungen zu kompensieren, muss ausreichend Blindleistung bereitstehen. Sie muss gleichmäßig verteilt verfügbar sein, denn sie wird zur Spannungshaltung in den Übertragungsnetzen gebraucht. Kraftwerksbetreiber sind nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) dazu verpflichtet, an Maßnahmen zur Sicherstellung der Netzqualität mitzuwirken. Für die Bereithaltung von Blindleistung und andere Redispatch-Maßnahmen erhalten sie eine angemessene Vergütung.

Dispatch: Übersetzung und Definition

Die deutsche Übersetzung für Dispatch lautet Kraftwerkseinsatzplanung, in der Praxis ist der Fachbegriff Dispatch in Deutschland gängig. Im Rahmen der Einsatzplanung bestimmen die Kraftwerksbetreiber, welche Kraftwerke eingesetzt werden. Dabei wird auch festgelegt, wie lange das jeweilige Kraftwerk im Einsatz sein und ob es in Teil- oder Volllast fahren soll. Ziel des Dispatches ist, eine möglichst gewinnbringende Fahrweise des Kraftwerkparks zu erreichen. Die Ergebnisse der Einsatzplanung werden im sogenannten Fahrplan zusammengefasst. Diesen Fahrplan müssen die Kraftwerksbetreiber täglich beim zuständigen Übertragungsnetzbetreiber für den Folgetag einreichen, die Angaben sind verbindlich. Die Fahrpläne aller Kraftwerksbetreiber zusammengenommen ergeben den bundesdeutschen Dispatch, oder anders ausgedrückt: den geplanten Einsatz aller Kraftwerke in Deutschland.1

Redispatch und Einspeisemanagement

Redispatch und Einspeisemanagement sind Maßnahmen, um Transportengpässen im Stromnetz entgegenzuwirken. In seinem Wortsinne bedeutet Redispatch eine Änderung des Dispatches. Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber werten die Fahrpläne der Kraftwerksbetreiber aus. Ergibt sich daraus, dass Engpässe drohen, weisen sie die Kraftwerksbetreiber an, die Fahrpläne zu ändern, also einen Redispatch vorzunehmen. Darüber hinaus können die Übertragungsnetzbetreiber einen Redispatch anordnen, wenn es kurzfristig zu Überlastungen des Stromnetzes kommen sollte. Mit Hilfe von Redispatches werden Netz- und Systemstabilität gewährleistet und Netzunterbrechungen abgewendet. Denn wenn zu viel Kraftwerksleistung ins Netz eingespeist wird, überschreitet dies die technische Leistungsfähigkeit der Leitungen. Wird in einem Leitungsabschnitt eine bestimmte Grenze überschritten, schaltet er sich automatisch ab, damit keine Schäden entstehen. Infolgedessen steigt die Belastung für andere Abschnitte, in die der Stromfluss ausweicht, die dann auch abschalten.

Der Begriff Einspeisemanagement bezeichnet eine speziell geregelte Netzsicherheitsmaßnahme zur Entlastung von Netzengpässen. Die Regelungen zum Einspeisemanagement sind im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in den Paragrafen 14 und 15 festgehalten. Das Einspeisemanagement tritt ausschließlich dann in Kraft, wenn dem Netzengpass nicht mit anderen Maßnahmen – wie zum Beispiel dem Abregeln konventioneller Kraftwerke – entgegengewirkt werden kann. Kommt es zum Einsatz, kann der zuständige Netzbetreiber auch die Einspeisung von Strom aus KWK-, Erneuerbare-Energien- und Grubengas-Anlagen zeitweise abregeln, wenn Engpässe im Netz drohen. Muss eine Anlage aufgrund des Einspeisemanagements abregeln, hat der Betreiber ein Anrecht auf Entschädigung durch den Netzbetreiber. Die Kosten dürfen die Netzbetreiber auf die Netzentgelte umlegen, falls die Maßnahme erforderlich und nicht durch eigenes Verschulden, etwa durch mangelnden Netzausbau, ausgelöst war. Einen Leitfaden zum Einspeisemanagement, der kostenlos als PDF zur Verfügung steht, hat die Bundesnetzagentur herausgegeben. Er soll Netz- und Anlagenbetreibern, Unternehmen sowie Bürgerinnen und Bürgern zur Orientierung dienen. Redispatch und Einspeisemanagement tragen dazu bei, die Versorgungssicherheit der Verbraucher zu sichern.2

Was ist Redispatch 2.0?

Im Mai 2019 trat das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABeG 2.0) in Kraft, das Regelungen zu einem erweiterten Redispatch enthält. Teilnehmer am Strommarkt wie Anlagenbetreiber, Direktvermarkter und Netzbetreiber sind verpflichtet, diese Regelungen ab dem 1. Oktober 2021 umzusetzen. Bis zur Einführung von Redispatch 2.0 erfolgt ein Redispatch durch die Abregelung konventioneller Kraftwerke mit einer Leistung von mehr als zehn Megawatt. Mit dem Redispatch 2.0 werden Stromerzeugungsanlagen ab einer Leistung von 100 Kilowatt einbezogen, nachrangig auch steuerbare Anlagen mit einer geringeren Leistung. Bei einem Redispatch können dann auch Erneuerbare-Energien-, Speicher- und KWK-Anlagen abgeregelt werden. Die Regelungen zum Redispatch 2.0 sehen außerdem vor, dass Betreiber von Verteilnetzen an der Behebung von Engpässen in den vorgelagerten Netzen mitwirken. Aufgrund der vermehrten Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien und dem Ausbau der E-Mobilität ist zu erwarten, dass sich das Engpass-Management schwerpunktmäßig von den Übertragungsnetzen auf die Verteilnetze verlagern wird.3

Redispatch 3.0

Die Netzführungsprozesse werden mit Redispatch 2.0 auf ein planwertbasiertes Verfahren umgestellt. Diesem Prozess sollen weitere Optimierungen folgen. Es wird auf ein dezentrales und KI-basiertes Reduktionsvorgehen bei Netzengpässen hingearbeitet. Auch private Kleinstanlagen zur Stromerzeugung sollen bei Redispatch 3.0 einbezogen werden. Dafür muss das derzeitige Netzleitsystem um eine cloudbasierte IoT-Lösung ergänzt werden, damit eine direkte Kommunikation mit Stromerzeugungsanlagen und Verbrauchseinheiten mit einer Nennleistung unter 100 Kilowatt möglich ist. Zukünftig sollen sie über Smart Meter als Kommunikationsendpunkte erreichbar sein. Mit Redispatch 3.0 ist Folgendes möglich:4

  • Stamm- und Planungsdatenverwaltung von Redispatch-Objekten
  • Einspeise- und Lastprognosen
  • Stammdaten-, Topologie- und Zeitreihendatenrepository
  • Netzdatenmanagement und Netzzustandsanalysen
  • Redispatch-Dimensionierung und -Abrufe
  • Bilanzkreismanagement
  • Abrechnung
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