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Rebound Effekt

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

22.11.2020

Letztes Update

19.05.2022

Rebound Effekt – Erklärung, Auswirkungen und Lösungen zur Reduzierung von Rebound-Effekten

Inhalt des Wiki-Artikels

Der Rebound-Effekt einfach erklärt

Ein Rebound-Effekt tritt auf, wenn die Sekundäreffekte einer Maßnahme den Zielen der Primärmaßnahme entgegenstehen. Der Begriff stammt aus der Energieökonomie. In übertragener Bedeutung wird er auch in anderen Bereichen gebraucht, zum Beispiel in der Psychologie oder beim Basketball. Im Hinblick auf Effizienzsteigerungen treten Rebound-Effekte auf, wenn ein Energieträger aufgrund einer Effizienzsteigerung vermehrt nachgefragt wird, so dass weniger Ressourcen als prinzipiell möglich eingespart werden. Eine Erklärung für den Rebound-Effekt aus ökonomischer Perspektive ist, dass die Preise beziehungsweise die Nutzungskosten für die Produkte sinken. Die Maßnahme und die auftretenden Nachfrageeffekte müssen ursächlich miteinander verknüpft sein, damit ein Rebound-Effekt vorliegt.1

Direkte und indirekte Rebound-Effekte

Es gibt zwei Arten von Rebound-Effekten: direkte und indirekte. Ein direkter Rebound-Effekt liegt dann vor, wenn eine Maßnahme ein energieeffizienteres Produkt oder eine energieeffizientere Dienstleistung sowie eine daraus resultierende gesteigerte Nachfrage zur Folge hat. So kann es vorkommen, dass die Energieeffizienz überhaupt nicht mehr zum Tragen kommt. Beispielsweise bleiben Energiesparlampen länger eingeschaltet oder ein wenig Kraftstoff verbrauchendes Auto wird häufiger gefahren.

Indirekte Rebound-Effekte liegen vor, wenn eine erhöhte Nachfrage nach einem anderen Produkt oder einer anderen Dienstleistung auftritt, weil durch die Effizienzsteigerung finanzielle Mittel frei wurden. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn durch ein energieeffizienteres Auto Kosten eingespart wurden, das Geld dann aber in eine Flugreise investiert wird: Neben dem Energieverbrauch steigen auch die CO2-Emissionen.

Führt eine effizienzsteigernde Maßnahme zu einer vermehrten gesamtwirtschaftlichen Nachfrage nach Ressourcen, liegt ein gesamtwirtschaftlicher Rebound-Effekt vor. Ein Beispiel dafür ist, wenn aus einer höheren Nachfrage nach effizienten Autos aufgrund geänderter Produktions- und Nachfragestruktur sinkende Treibstoffpreise resultieren, die eine Nachfragesteigerung nach sich ziehen.2

Forschungen zum Rebound-Effekt

Rebound-Effekte wurden bislang vor allem aus ökonomischer Perspektive untersucht, ihre Ursachen sind Gegenstand laufender Forschungen. Es wird angenommen, dass finanzielle und psychologische Einflussfaktoren einen Rebound-Effekt auslösen können. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert sozialökologische Forschungsvorhaben zu Rebound-Effekten mit dem Ziel, aus den Forschungsergebnissen geeignete Maßnahmen zur Eindämmung von Rebound-Effekten abzuleiten. Auf diese Weise soll der Ressourcenverbrauch nachhaltig reduziert werden. Eine Senkung des Ressourcenverbrauchs ist im Rahmen der in Deutschland geplanten Energiewende notwendig.3

Auswirkungen von Rebound-Effekten

Empirische Schätzungen zu Rebound-Effekten weichen teils stark voneinander ab, da ihnen unterschiedliche Methoden zugrunde liegen und die einbezogenen Effekte variieren. Darüber hinaus sind Wachstums- und Strukturwandeleffekte nicht immer klar abgrenzbar. Die direkten Rebound-Effekte bei der Raumwärmenutzung werden auf zehn bis 30 Prozent geschätzt. In den Bereichen Verkehr und Beleuchtung erreichen sie bis zu 20 Prozent. Die Energieeinsparungen für die entsprechenden Dienstleistungen können also im Durchschnitt um bis zu ein Viertel geringer ausfallen als im Optimalfall, in dem die technischen Möglichkeiten voll ausgeschöpft werden. Mit der Berücksichtigung von indirekten Rebound-Effekten nimmt der Effizienzgewinn womöglich noch weiter ab. Es ist sogar möglich, dass die Einspareffekte überkompensiert werden und der Rebound-Effekt bei mehr als 100 Prozent liegt. Dieses Phänomen wird Backfire-Effekt genannt und tritt für gewöhnlich nur selten auf. Es handelt sich dabei um keinen reinen Rebound-Effekt mehr, da ein Backfire mit Wachstums- und Strukturwandelprozessen einhergeht.4

Rebound-Effekte reduzieren

Um den Energie- und Ressourcenverbrauch weiter zu senken, ist die Reduzierung bestehender sowie die Vermeidung künftiger Rebound-Effekte notwendig. Produktstandards und Förderprogramme leisten ihren Beitrag dazu, darüber hinaus ist es Aufgabe der Umweltpolitik, eine Lösung zu entwickeln. Mittels regulativer Instrumente lassen sich Anreize schaffen, die das Verhalten der Akteure beeinflussen. So können etwa Effizienzgewinne durch Steuern oder steigende Rohstoff- oder Energiepreise absorbiert werden. Als Instrumente zur Eindämmung von Rebound-Effekten könnten unter anderem folgende Lösungen dienen:

  • Kopplung von Effizienzförderung und Abgaben auf die Nutzung einer Ressource: Die finanziellen Einsparungen, die aus der Effizienzförderung resultieren, werden durch eine Abgabe auf den Ressourcen-, Energie- oder CO2-Verbrauch weitestgehend abgeschöpft.
  • Effizienzstandards nach Kategorien auslegen: Auflagen werden nach Parametern wie Größe und Leistung ausgerichtet, damit die kleineren effizienten Produkte nicht von den größeren vom Markt verdrängt werden. Psychologisch bedingte Rebound-Effekte sollen reduziert werden, indem dem Verbraucher die absolute Energieeinsparung bewusst gemacht wird.
  • Nutzung einer Ressource durch ein „Cap“ beschränken: Ein „Cap“ ist ein als absolut definiertes Verbrauchsziel, das nicht überschritten werden darf. Jedem Nutzer steht nur ein bestimmtes Kontingent an einer Ressource zu. Wer eine Ressource darüber hinaus nutzen will, muss Zertifikate anderer Nutzer erwerben, die weniger von der Ressource verbrauchen, als ihnen zusteht.
  • Kopplung von Effizienzförderung und Standardeinstellungen bei der Nutzung einer Technologie: Standardeinstellungen bei der Nutzung von geförderten neuen Technologien können dazu beitragen, Rebound-Effekte zu verringern, die aus einem ineffizienten Nutzerverhalten resultieren. Wer die Werkseinstellungen ändern will, muss sich erst einmal mit der neuen Technologie auseinandersetzen, so dass der Anreiz besteht, die das Energieeinsparpotenzial ausschöpfende Standardeinstellung zu belassen.
  • Regelmäßige Überprüfung finanzieller Förderinstrumente für effiziente Technologien: Um finanzielle Rebound-Effekte zu vermeiden, sollten Förderinstrumente in regelmäßigen Abständen überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden. Denn falls bereits am Markt etablierte Produkte und Dienstleistungen weiterhin eine Förderung erhalten, kann die Nachfrage nach einer bestimmten Ressource unerwünscht stark ansteigen.
  • Einsatz von maßgeschneiderten Informations- und Kommunikationsmaßnahmen: Psychologisch bedingten Rebound-Effekten kann mit Informations- und Kommunikationsmaßnahmen entgegengewirkt werden. Die Maßnahmen können ganz unterschiedlich aussehen. Zum Beispiel kann das Wissen, mit einem effizienteren Produkt Energiekosten zu sparen, die Nachfrage nach diesem erhöhen.5
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