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Quotenmodell

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

26.11.2021

Letztes Update

26.11.2021

 

Das Quotenmodell zur Förderung erneuerbarer Energien

Inhalt des Wiki-Artikels

Ein Quotenmodell ist ein planerisches Modell zum Festlegen von Quoten. Es wird unter anderem von Staaten genutzt, um einen bestimmten Anteil erneuerbarer Energien in einem Sektor wie beispielsweise dem Strommarkt festzulegen. In der Regel werden Quotenmodelle zusammen mit einem Zertifikatehandel eingeführt. Neben dem Quotenmodell gibt es andere Modelle zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Strommarkt, zum Beispiel das Einspeisevergütungsmodell.

Wie funktioniert das Quotenmodell?

Nutzt ein Staat das Quotenmodell im Stromsektor, dann legt er fest, wie hoch der Anteil an erneuerbaren Energien bei der Stromerzeugung und beim Stromhandel sein muss. Die Kontrolle erfolgt meist über eine Zertifizierung. Die verschiedenen Akteure am Strommarkt weisen mit Ökostrom-Zertifikaten nach, dass sie die vorgegebene Menge eingehalten haben. Haben sie die Quote nicht erfüllt, kann eine Strafzahlung fällig werden. Die Zertifikate sind handelbar, so dass die Akteure je nachdem, ob sie mehr oder weniger der vorgegebenen Menge an Ökostrom produzieren oder handeln, diese zukaufen oder verkaufen können.

Kritik am Quotenmodell im Stromsektor

Das Quotenmodell zur Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien am Strommarkt steht in der Kritik. Bemängelt wird vor allem, dass es teuer ist und nur wenig Planungssicherheit für Investoren bietet. In einer Studie hat das Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES) Quotenmodelle mit den Instrumenten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) hinsichtlich der Kosten verglichen – aus diesen Gründen sei das Quotensystem insgesamt teurer:

  • Risikoaufschläge aufgrund geringerer Investitionssicherheit
  • Höherer Bedarf an Speichern aufgrund einer größeren Zentralisierung erneuerbarer Energien
  • Höhere Herstellungskosten für Anlagen aufgrund einer geringeren Ausbaudynamik

Zudem ergeben sich aus dem Zertifikatehandel beim Quotenmodell höhere Transaktionskosten. Von einem Quotenmodell profitieren vor allem große Energieversorger, die über ausreichend Kapital verfügen, um Investitionen trotz geringer Planungssicherheit riskieren. Sie können bei einem Quotenmodell hohe Gewinne bei niedrigen Erzeugungskosten zu Lasten der Stromverbraucher erzielen.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die gesetzten Ziele oft nicht erreicht werden, wenn ein Quotenmodell Anwendung findet. Verschiedene europäische Länder hatten ein Quotenmodell im Stromsektor eingeführt, mit Ausnahme vom schwedischen wiesen diese Quotensysteme hohe Vergütungen und niedrige Effektivitätsindikatoren auf.

Europäische Länder mit Quotenmodell

Einige europäische Länder hatten sich für ein Quotenmodell entschieden, um den Anteil erneuerbarer Energien am Strommarkt zu erhöhen, doch nicht alle haben es beibehalten. Zu den Ländern, die im Stromsektor ein Quotenmodell einführten, gehören:

  • Belgien
  • Großbritannien
  • Italien
  • Polen
  • Schweden

In Belgien, Großbritannien, Italien und Polen waren die Ausbaukosten für Strom aus erneuerbaren Energien nach Einführung des Quotenmodells gestiegen. Großbritannien hatte sein Quotenmodell 2002 eingeführt, die gesetzten Ziele wurden aber immer wieder verfehlt, so dass es seit 2010 Einspeisetarife gibt. Für die Stromkonzerne war es günstiger gewesen, mit fossilen Energieträgern Strom erzeugende Kraftwerke weiter zu betreiben und Strafen zu zahlen, als in erneuerbare Energien zu investieren.

Das Quotenmodell in Schweden

Schweden fördert erneuerbare Energien mit Hilfe eines Quotenmodells mit Zertifikatshandel. Durch das marktbasierte Fördersystem soll der Anteil an erneuerbaren Energien am Strom kostengünstig steigen. Betreiber von Erneuerbare-Energien-Anlagen bekommen für jede produzierte Megawattstunde ein Stromzertifikat vom Staat. Diese können sie veräußern, den Preis bestimmt der Markt. Die Zertifikate stellen also eine zusätzliche Einnahmequelle für die Betreiber dar, die Ökostrom erzeugen. Sie erhalten sie ab Inbetriebnahme ihrer Anlage für einen Zeitraum von 15 Jahren, längstens allerdings bis 2045.

Neben Stromerzeugern haben in Schweden auch Stromlieferanten und gewisse Unternehmen Quoten zu erfüllen. Sie müssen einen bestimmten Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien beziehen. Können sie ihre Quote nicht erfüllen, besteht die Möglichkeit, durch den Kauf von Zertifikaten Ausgleich zu schaffen. Verfehlen sie die Quote, ist eine Strafzahlung fällig.

Jedes Jahr wird die Quote für den Anteil an erneuerbaren Energien am Strommarkt vom Staat festgelegt. Die Stromversorger geben die Kosten, die ihnen durch den Zukauf von Zertifikaten entstehen, über die Stromrechnung an die Endkunden weiter. Begünstigungen bei der Kalkulation ihrer Quotenverpflichtung gibt es für registrierte stromintensive Unternehmen. Seit 2012 hat Schweden einen gemeinsamen Markt für Strom und Zertifikate mit Norwegen. Im Vergleich zu den Quotenmodellen der anderen Länder schlägt sich das schwedische gut, jedoch hat es auch dort zu einem verlangsamten Ausbau der erneuerbaren Energien geführt.

Warum gibt es kein Quotenmodell in Deutschland?

Auch in Deutschland wurde die Einführung eines Quotenmodells diskutiert. In einem Sondergutachten mit dem Titel „Energie 2013: Wettbewerb in Zeiten der Energiewende“ hatte die Monopolkommission dafür plädiert, die feste Abnahmevergütungen für Strom durch ein Quotenmodell zu ersetzen. Die Bundesregierung lehnte diesen Vorschlag mit der Begründung ab, dass die Erfahrungen anderer Länder aufgezeigt hätten, dass gerade in der Anfangsphase hohe Kosten entstehen können. Das EEG sei weiterhin das geeignete Mittel, um den Ausbau erneuerbarer Energien zu fördern.

Während beim Quotenmodell die Investitions- und Planungssicherheit relativ gering ist, erhalten Anlagenbetreiber im Rahmen des EEG eine festgelegte Ökostrom-Umlage über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Auf diese Weise ist eine hohe Investitions- und Planungssicherheit gegeben, die Anlagenbetreiber zu einem verstärkten Ausbau motiviert. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien sinken die Finanzierungskosten.

In ihrer Stellungnahme erklärt die Bundesregierung, dass ein Quotenmodell durchaus Effizienzvorteile habe, aber hohe Mehrkosten zur Folge haben könnte, da es technologieneutral fördert. Beim Quotenmodell sind die Akteure am Strommarkt lediglich verpflichtet, Ökostrom anzubieten, aus welcher Quelle dieser stammt, ist irrelevant. Sie könnten aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen die günstigsten Energiequellen bevorzugen, zum Beispiel Windenergieanlagen an Land, und den Ausbau anderer Technologien vernachlässigen. Zudem bestehe das Risiko, dass der Ausbau nicht wie erwartet voranschreite.

Statt ein Quotenmodell zu etablieren, hat die Bundesregierung das Erneuerbare-Energien-Gesetz reformiert. Mit dem EEG 2014 wurde der atmende Deckel als Instrument zur Steuerung von Photovoltaik, Windenergie an Land und Biomasse eingeführt. Mit dem atmenden Deckel und anderen Steuerungsinstrumenten soll der Ausbau der erneuerbaren Energien zielgerichtet erfolgen.

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