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Primärenergieverbrauch

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

26.05.2021

Letztes Update

14.06.2022

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  • Primärenergieverbrauch

 

Primärenergieverbrauch in Deutschland und weltweit

Inhalt des Wiki-Artikels

Der Primärenergieverbrauch (PEV) ist eine Kenngröße, die den Energiegehalt aller im Inland eingesetzten Energieträger angibt. Sowohl Primärenergieträger als auch Sekundärenergieträger fließen in den Primärenergieverbrauch ein. Primärenergie wird der nutzbare Energiegehalt von natürlich vorkommenden Energieträgern genannt, aus ihr entsteht durch Umwandlungsprozesse Sekundärenergie. Bei umweltökonomischen Betrachtungen spielt der Primärenergieverbrauch eine wichtige Rolle. An ihm lässt sich ablesen, wie hoch der Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen ist und welche Umweltbelastungen sich aus der Gewinnung, dem Transport, der Aufbereitung und der Verbrennung von Primärenergieträgern ergeben. Vor allem aus der Nutzung von fossilen Energieträgern resultiert eine hohe Umweltbelastung, da bei der Verbrennung Stoffe wie Kohlenstoffdioxid (CO2) emittieren, die den Treibhauseffekt verstärken.1

Den Primärenergieverbrauch berechnen

Der Primärenergieverbrauch wird berechnet, indem man zur Summe aller im Inland gewonnen Energieträger den Saldo, der sich aus den importierten und exportierten Energiemengen ergibt, addiert und die auf Hochsee lagernden Energievorräte subtrahiert. Für Statistiken wird der Primärenergieverbrauch über den Wirkungsgrad ermittelt. Diese Methode führt allerdings zu einer verzerrten Darstellung. Der Wirkungsgrad von Energieträgern, die verfeuert werden, ergibt sich aus der eingesetzten Menge und ihrem Heizwert. Für Strom aus erneuerbaren Energien und Nuklearstrom werden die folgenden Werte angenommen:

 

Energie aus... Wirkungsgrad
Windkraft 100%
Wasserkraft 100%
Photovoltaik 100%
Geothermie 10%
Kernenergie 33%

 

Bei der Berechnung fällt deshalb der Primärenergieverbrauch von erneuerbaren Energien deutlich geringer als der von fossilen oder nuklearen Brennstoffen aus. So entsteht der Eindruck, dass durch die Substitution von nicht-regenerativen Brennstoffen deren Anteil am PEV stärker zurückgeht, als es tatsächlich der Fall ist. Zugleich ergibt sich ein rechnerisch bedingter geringerer Anstieg des Anteils an erneuerbaren Energien, der einen geringeren Ausbaueffekt suggeriert.

Der Primärenergieverbrauch wird durch diverse Faktoren beeinflusst, zum Beispiel durch die wirtschaftliche Konjunktur, Rohstoffpreise und technische Entwicklungen. Darüber hinaus haben die Witterungsverhältnisse Einfluss auf den Primärenergieverbrauch, denn in warmen Jahren besteht ein geringerer Heizwärmebedarf als in kalten Jahren.2

Primär- und Endenergieverbrauch im Energieausweis

Im Energieausweis ist der energetische Zustand eines Gebäudes festgehalten. Er enthält allgemeine Informationen zum Haus, Angaben zu den eingesetzten Heizstoffen und die Energiekennwerte des Gebäudes. Es sind ein Primärenergiekennwert und ein Endenergiekennwert im Energieausweis angegeben. Der Primärenergiekennwert zeigt den Primärenergieverbrauch des Gebäudes auf, er berücksichtigt den gesamten Prozess der Energiebereitstellung ab der Gewinnung von Primärenergie aus beispielsweise einer Ölquelle oder einem Kohlekraftwerk. Am Primärenergieverbrauch lässt sich ablesen, wie klimafreundlich ein Haus ist.

Der Endenergiekennwert informiert darüber, wie hoch der Jahresenergieverbrauch eines Gebäudes ist. Er wird in Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter (m²) Nutzfläche pro Jahr (a) angegeben. Je höher der Endenergiekennwert ist, desto mehr Endenergie verbraucht ein Gebäude. Bei dem Kennwert wird nachträglich berücksichtigt, wenn Energie aus erneuerbaren Energiequellen oder der nachwachsende Rohstoff Holz verbraucht wurde. Denn wenn zum Beispiel über eine Solaranlage auf dem Dach gewonnene Energie eingesetzt wird, entfallen im Vergleich zu fossilen Brennstoffen der Ressourcenabbau, die Aufbereitung und der Transport. Holz gilt als klimaneutraler Brennstoff, weil es beim Wachsen so viel CO2 bindet, wie bei der Verbrennung der gleichen Menge freigesetzt wird. Mit der effizienten Nutzung von erneuerbaren Energien fällt der Primärenergieverbrauch eines Gebäudes geringer als sein Endenergieverbrauch aus.3

Primärenergieverbrauch weltweit

Im Jahr 2019 lag der Primärenergieverbrauch weltweit bei 583,9 Exajoule. Bei diesem Wert sind lediglich gewerbsmäßig gehandelte Brennstoffe einbezogen. Nicht berücksichtigt sind Brennstoffe wie Holz, Torf und tierische Abfälle, die zwar in zahlreichen Ländern genutzt werden, über die aber keine verlässlichen Angaben vorliegen. Erdöl hat mit mehr als 193 Exajoule einen großen Anteil am globalen Primärenergieverbrauch. Dieser ist in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen, 1990 belief er sich noch auf rund 367 Exajoule. Die größten Primärenergieverbraucher weltweit sind China und die USA, gefolgt von Indien und Russland. Die Region mit dem höchsten Primärenergieverbrauch ist der asiatisch-pazifische Raum. Neben China und Indien weisen auch die asiatischen Länder Japan und Südkorea einen recht hohen Primärenergieverbrauch auf.4

Der Primärenergieverbrauch Deutschlands

Deutschland wies 2020 einen Primärenergieverbrauch von 11,8 Exajoule auf. Erneuerbare Energien hatten in diesem Jahr einen Anteil von 17 Prozent am Primärenergieverbrauch. Damit ist er im Vergleich zum Vorjahr angewachsen, 2019 lag er noch bei 14,6 Prozent. Den größten Anteil am Primärenergieverbrauch in Deutschland, nämlich rund ein Drittel, macht Mineralöl aus. An zweiter Stelle steht Erdgas, mit großem Abstand folgen Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie. Der Ausstieg aus Kohle- und Kernenergie im Rahmen der Energiewende sorgt dafür, dass sich deren Anteile weiter verringern.

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, seinen Primärenergieverbrauch kontinuierlich zu senken. Mit dem „Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung“ hat das Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eine langfristige Strategie zur Sicherstellung einer zuverlässigen, wirtschaftlichen und umweltverträglichen Energieversorgung herausgegeben. In der Energieeffizienzstrategie 2050 sind Energieeffizienzziele und der Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE 2.0) definiert. Im Vergleich zum Referenzjahr 2008 soll der Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent, bis 2020 um 30 Prozent und bis 2050 um 50 % zurückgehen. Gegenüber dem Referenzjahr ist der Primärenergieverbrauch in Deutschland 2020 um 18,7 Prozent gesunken – das angestrebte Ziel wurde also knapp verfehlt.5  

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