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Passivhaus

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

22.11.2020

Letztes Update

18.08.2022

Anforderungen an ein Passivhaus, Zertifizierungen und Fördermöglichkeiten

Inhalt des Wiki-Artikels

Passivhaus – Anforderungen, Zertifizierung, Förderung

Ein Passivhaus ist ein besonders energieeffizientes Gebäude, das den Wärmeverbrauch effektiv senkt. Das Gebäude ist so gut isoliert, dass es kaum Wärme an die Umgebung abgibt, selbst im Winter wird oft keine Heizung benötigt. Die Isolierung wird durch eine spezielle Wärmedämmung von Außenwänden, Dach und Bodenplatte sowie mehrfach verglaste Fenster erreicht. Passivhäuser tragen ihren Namen, weil sie den geringen Wärmeverlust, der dennoch auftritt, durch passive Energiequellen ausgleichen. Dazu zählen die Abwärme von elektrischen Geräten, die Körperwärme der Bewohner und Sonnenwärme, die durch große Fenster einfällt. Abhängig von der Bauweise und dem Standort wird entweder gar keine oder nur eine kleine Heizungsanlage benötigt, um auch an kalten Tagen eine angenehme Raumtemperatur zu erreichen.1

Zertifizierung für Passivhäuser

Das Passivhaus ist ein Baukonzept, keine geschützte Marke. Eine Zertifizierung bietet das unabhängige Passivhaus-Institut an, damit Bauherren und Bauherrinen sicher sein können, das ein neu errichtetes Gebäude die Standards für ein Passivhaus erfüllt. Nicht nur Häuser können zertifiziert werden, sondern auch Produkte, Detaillösungen, Fachingenieure, Planer, Handwerker und Berater. Zum Erwerb des Zertifikats müssen die Berufsgruppen eine Prüfung bestehen. Von dem Institut werden die Zertifikate „Energiesparhaus“, „Zertifiziertes Passivhaus“ und „EnerPhit – Zertifizierte Modernisierung“ vergeben. Der Einbau von zertifizierten Komponenten hilft dabei, den gewünschten Standard zu erreichen.2

Anforderungen an ein Passivhaus

Bereits bei der Auswahl des Grundstücks fängt die Planung eines Passivhauses an. Das Gelände sollte nach Süden hin möglichst wenig verschattet sein. Entscheidend ist eine kompakte Bauweise, Erker, Gauben und andere Vor- und Rücksprünge sollten weitestgehend vermieden werden. Die Wärmedämmung sollte möglichst keine Unterbrechungen aufweisen. Große Fenster in Richtung Süden sind allen Passivhäusern gemein, um Sonnenwärme einzufangen. Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses liegt gewöhnlich unter 15 kWh/(m2a). Die energieeffizienten Häuser verbrauchen im Vergleich zu nicht sanierten Altbauten bis zu 90 Prozent weniger Heizwärme, gegenüber einem dem Durchschnitt entsprechenden Neubau im Sinne der Energieeinsparverordnung lassen sich 30 bis 45 Prozent einsparen.

Neben einer effektiven Wärmedämmung ist die Lüftungsanlage eine entscheidende Komponente, um die Anforderungen an ein Passivhaus zu erfüllen. Über einen Erdreich- oder Solewärmetauscher kommt Frischluft ins Haus, die dann durch die thermische Energie verbrauchter Luft erwärmt wird. Sollte die Wärmerückgewinnung an kalten Wintertagen nicht ausreichend sein, wird die Frischluft über das Lüftungssystem aufgeheizt. Die verbrauchte Luft wird über die Küche und Badezimmer abgesaugt. Die Leitungen der Lüftungsanlage sollten so kurz wie möglich sein und großzügige Querschnitte aufweisen, um Strömungsgeräusche und den elektrischen Aufwand gering zu halten. Durch die Wärmerückgewinnung bleiben 80 bis 95 Prozent der Energie erhalten. Bei dem Einbau einer Heizungsanlage wird diese individuell ausgewählt, um genau auf den Bedarf des Passivhauses abgestimmt zu sein. Ein Kennwert, um die Energieeffizienz von Passivhäusern zu gewährleisten, ist der Verbrauch an Primärenergie: Inklusive Haushaltsstrom ist er auf 120 kWh/(m²a) begrenzt.3

Förderung für Passivhäuser

Wer in Deutschland ein Passivhaus baut, kann eine Förderung bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen. Für das Förderprogramm „Energieeffizient Bauen“ stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Mittel zur Verfügung. Wie hoch der Zuschuss beziehungsweise ein zinsgünstiges Darlehen ausfällt, ist von der Energieeffizienz des Gebäudes abhängig. Auch der Kauf eines Passivhauses oder einer energieeffizienten Eigentumswohnung wird gefördert, wenn es sich um einen Ersterwerb handelt. Darüber hinaus kann von der Förderung profitieren, wer ein unbeheiztes Nicht-Wohngebäude wie eine Scheune zu Wohnraum umgestaltet. Ferienhäuser und Ferienwohnungen werden dagegen nicht gefördert. Ein Tilgungszuschuss bis zu 30 000 € ist möglich, so dass sich die Preise für Passivhäuser insgesamt im Rahmen halten. Durch die Förderung soll erreicht werden, das sich in Deutschland ein energieeffizienter Gebäudebestand durchsetzt und dadurch die CO2-Emissionen im Sinne der geplanten Energiewende sinken.4

Vorteile und Nachteile eines Passivhauses

Der entscheidende Vorteil eines Passivhauses ist, dass sich damit Energie einsparen lässt und so die Kosten für die Unterhaltung deutlich gesenkt werden können. Durch den Einbau einer Solaranlage und einer Wärmepumpe kommt nur noch elektrische Energie zum Einsatz, auf fossile Brennstoffe wie Öl oder Gas kann verzichtet werden. Das kommt der Umwelt zugute, da Schadstoffe wie CO2 vermieden werden. Wärmepumpen können nicht nur zum Beheizen der Räume, sondern auch für die Warmwasserbereitung genutzt werden. Das Raumklima in einem Passivhaus ist dank der kontrollierten Wohnraumlüftung in der Regel besser als in konventionellen Häusern. Da die Luftzufuhr unabhängig vom Öffnen der Fenster ist, sind Bewohnerinnen und Bewohner besser vor Lärm, Staub, Pollen und Schadstoffen geschützt. Die Lüftungsanlage sorgt außerdem dafür, dass die Luftfeuchtigkeit stets niedrig ist, Schimmelbildung ist dadurch kaum möglich. Da keine Heizkörper benötigt werden, kann der Platz anderweitig genutzt werden und das Putzen wird einfacher.

Neben den Vorteilen hat ein Passivhaus aber auch ein paar Nachteile. Durch Alterungserscheinungen der verwendeten Materialien und Verschleiß sinkt die Energieeffizienz mit der Zeit, zum Beispiel kann Polyurethan-Schaum porös werden, Holz arbeitet, so dass Holzelemente sich verschieben können. Ein weiterer Nachteil ist, dass die Temperaturen in den Räumen nicht separat geregelt werden können. Durch den Einbau von ungedämmten Zugluftrohren kann jedoch erreicht werden, dass in Badezimmern mehr Wärme und in Schlafzimmern mehr Luft abgegeben wird. Auf diese Weise sind die Räume, in denen geschlafen wird, etwas kühler und die Bäder wärmer. Manche empfinden die Luft in einem Passivhaus vielleicht als zu trocken, insbesondere in der kalten Jahreszeit. Dem kann entgegengewirkt werden, indem die Lüftungsanlage beim Verlassen des Hauses heruntergeregelt wird, allerdings können die Räume dadurch auskühlen. Abhilfe verspricht eine automatische oder fernsteuerbare Lüftung oder Heizung, wie sie in einem Smart Home zum Einsatz kommt.5

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