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Niedrigenergiestandard

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

05.04.2021

Letztes Update

29.07.2021

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  • Niedrigenergiestandard

Niedrigenergiestandard: Definition und Entwicklung von Gebäudeklassen

Inhalt des Wiki-Artikels

Niedrigenergiestandard – Definition und weitere Gebäudestandards

Gebäude, die den Niedrigenergiestandard erfüllen, sind besonders energieeffizient und leisten damit einen Beitrag zum Gelingen der Energiewende in Deutschland. Zudem sinken die Kosten für die Versorgung des Hauses mit Energie.

Bereits in den 1990er Jahren hat der Bund den Bau von Neubauten mit Niedrigenergiestandard über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert, um die Umsetzung der 1977 in Kraft getretenen Wärmeschutzverordnung (WSVO) voranzubringen. Laut Definition war der Niedrigenergiestandard erfüllt, wenn ein Gebäude die von der WSVO geforderten Höchstwerte um 25 Prozent unterschritt. Außerdem waren auch schon Maßnahmen an Bestandsbauten förderungsfähig, insofern sie den Anforderungen der WSVO genügten.

Die Wärmeschutzverordnung wurde von der Energieeinsparverordnung (EnEV) abgelöst und das Niedrigenergiehaus zum Mindeststandard bei Neubauten. Neben dem Niedrigenergiestandard wurden weitere Standards definiert. Heutzutage ist es sogar möglich, Häuser zu bauen, die mehr Energie erzeugen als verbrauchen. Aufgrund der Europäischen Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden (EPBD 2010) ist seit 2021 der Niedrigstenergiestandard bei Neubauten Pflicht.1

Energieverbrauch im deutschen Gebäudesektor

Rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in Deutschland gehen zu Lasten von Wohngebäuden. Vor allem die Wärmeerzeugung verbraucht viel Energie. Rund 70 Prozent der Wohngebäude in Deutschland sind älter als 30 Jahre, so dass in diesem Bereich ein großes Einsparpotenzial besteht. Um die Durchführung von Sanierungen voranzutreiben, hat die Bundesregierung den Etat des Gebäudesanierungsprogramms der KfW erhöht. Außerdem soll es mehr Angebote für eine Energieberatung geben.2

Gebäudestandards in der EU

Abhängig von ihrer Energieeffizienz sind Gebäude festgelegten Standards zugehörig. Der Gebäudebestand in Deutschland umfasst vor allem Minusenergiegebäude, das sind Gebäude, die den eigenen Energiebedarf nicht durch eigene Energiegewinnung decken können und somit eine negative Energiebilanz aufweisen. Der Niedrigstenergiestandard kann innerhalb der EU voneinander abweichen, da die EPBD 2010 vorsieht, dass die genaue Definition von Niedrigstenergiehaus den einzelnen Mitgliedsstaaten überlassen bleibt.

Es gibt weitere Standards, die noch höhere Anforderungen als der Niedrigenergiestandard und der Niedrigstenergiestandard an Gebäude stellen. Der Nullenergiestandard sieht vor, dass ein Gebäude den eigenen Energiebedarf durch selbst gewonnene Energie decken kann. Ein Gebäude mit Plusenergiestandard erzeugt sogar mehr Energie, als zum Wohnen darin benötigt wird. Die Energiegewinnung erfolgt über erneuerbare Energien, wie zum Beispiel die Photovoltaik.

Gebäude mit Niedrigenergiestandard

Nach ihrem Standard werden Gebäude in verschiedene energetische Klassen unterteilt. Sehr heterogen ist der Gebäudebestand von vor 1977, so dass kaum allgemeingültige Aussagen zum Energiebedarf gemacht werden können. Für die Gebäudeklasse der Wärmeschutzverordnung 1977 gelten Energiekennwerte, die sich allein am mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten orientieren. Mit der Wärmeschutzverordnung 1982 wurden die Anforderungen an die Gebäudedämmung erhöht. Die Wärmeschutzverordnung 1995 hatte zum Ziel, den energetischen Standard von Gebäuden um 30 Prozent gegenüber 1982 zu verbessern. Zudem wurde mit ihr das Bilanzverfahren für den Jahresheizwärmebedarf eingeführt. All diese Gebäudeklassen erfüllen den Niedrigenergiestandard nicht.

Mit der Einführung der EnEV sollte der Niedrigenergiestandard zur Regel werden. Ursprünglich sollte die Gebäudeklasse EnEV um circa 25 bis 35 Prozent energieeffizientere Gebäude als nach der Wärmeschutzverordnung umfassen, was allerdings nicht konsequent umgesetzt wurde. Seit ein realer Niedrigenergiestandard eingeführt wurde, existieren die beiden Gebäudeklassen parallel. Als Niedrigenergiehaus gilt ein Gebäude, das die Anforderungen der Wärmeschutzverordnung 1995 um 25 bis 35 Prozent unterschreitet. Nach dem Niedrigenergiestandard wurden weitere Standards definiert, die noch höhere Anforderungen an Gebäude stellen.

Ein neu gebautes Haus muss mindestens dem Niedrigstenergiestandard entsprechen. In Deutschland ist das Niedrigstenergiehaus als Gebäude definiert, dass die Anforderungen für ein KfW-Energieeffizienzhaus 55 nach der EnEV 2009 erfüllt. Darüber hinaus gelten Gebäude, die vor 2009 saniert wurden, als Niedrigstenergiehäuser, wenn sie einen spezifischen Jahresprimärenergiebedarf von höchstens 40 kWh/(m2a) aufweisen und sich der Transmissionswärmeverlust auf maximal 0,28 W/(m2K) beläuft. Das Ultra-Niedrigenergiehaus und das Drei-Liter-Haus zeichnen sich durch eine besonders dichte Gebäudehülle und einen sehr hohen Dämmstandard aus. Die Architektur und die Anlagentechnik dieser Häuser sind auf die Nutzung von Solarenergie ausgerichtet.

Beim Passivhaus wird der Heizenergiebedarf durch eine effiziente thermische Gebäudehülle und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung so weit reduziert, dass eine Zuluftheizung zur Deckung ausreicht. Der Heizwärmebedarf eines Passivhauses darf bei maximal 15 kWh/(m2a) liegen. Bei einem Nullenergiegebäude handelt es sich um ein ans Versorgungsnetz angeschlossenes Gebäude, dessen Energiebezugsmenge der eingespeisten Energiemenge entspricht. Genaugenommen ist es ein Netto-Nullenergiegebäude. Wird mehr Energie ins Versorgungsnetz eingespeist als bezogen, gilt das Gebäude als Plusenergiegebäude.

Laut Definition des Bundesumweltministeriums ist ein Effizienzhaus Plus ein Gebäude, dessen bilanzierter Jahresprimärenergiebedarf und Jahresendenergiebedarf negativ ausfallen, nebstdem sind die Anforderungen der EnEV zu erfüllen. Über die Bilanzierung der Betriebsenergie hinaus reichen die Anforderungen an ein AktivPlus-Gebäude. Dieses ist ein Plusenergiehaus mit Zusatzanforderungen, die sich auf den Nutzerkomfort, den Lebenszyklus sowie die energetische und physikalische Vernetzung beziehen. AktivPlus-Gebäude tragen aktiv zur Nahversorgung mit Energie und zur Netzstabilisierung bei.

Über die KfW fördert der Bund seit 2006 Neubauten, die den Niedrigenergiestandard erfüllen. Wie hoch die Förderung ausfällt, die als zinsvergünstigtes Darlehen oder als Tilgungszuschuss gewährt wird, hängt vom energetischen Standard des Hauses ab. Bis Ende 2015 gab es die Standards KfW-Effizienzhaus 70, 55 und 40, wobei ein geringerer Wert für eine größere Energieeinsparung gegenüber einem Referenzgebäude steht. Das KfW-Effizienzhaus 70 fiel weg, dafür kam der Standard KfW-Effizienzhaus 40 Plus neu hinzu. Je energieeffizienter ein Neubau ist, umso höher fällt die Förderung aus.3

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