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Netzzugangsverordnung

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

25.01.2021

Letztes Update

28.07.2021

  • Wiki
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  • Netzzugangsverordnung

Regelungen in der Netzzugangsverordnung für Strom und der Gasnetzzugangsverordnung

Inhalt des Wiki-Artikels

Netzzugangsverordnung Strom und Netzzugangsverordnung Gas

In Deutschland gibt es sowohl eine Netzzugangsverordnung für Strom als auch eine Netzzugangsverordnung für Gas. Gemeinsam mit dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sollen sie dafür Sorge tragen, dass die Netzbetreiber die Energie zur Deckung der Netzverluste nach einem marktorientierten, diskriminierungsfreien und transparenten Verfahren besorgen.1

Inhalte der deutschen Stromnetzzugangsverordnung

Die „Verordnung über den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen“ vom 25. Juli 2005, kurz Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV) genannt, ist ein Jahr später in Kraft getreten. Sie regelt die Bedingungen für den Zugang zum Übertragungsnetz und den Verteilnetzen. In der Netzzugangsverordnung ist festgelegt, wer Einspeisungen und Entnahmen von Strom vornehmen darf. Die Stromnetzzugangsverordnung setzt sich aus sieben Teilen zusammen:

  1. Allgemeine Bestimmungen
  2. Zugang zu Übertragungsnetzen
  3. Zugang zu Elektrizitätsverteilernetzen
  4. Sonstige Pflichten der Betreiber von Elektrizitätsversorgungsnetzen
  5. Vertragsbeziehungen
  6. Befugnisse der Regulierungsbehörde
  7. Sonstige Bestimmungen

Im dritten Teil der Stromnetzzugangsverordnung findet sich Paragraf 12 Abs. 1, der Verteilnetzbetreiber dazu verpflichtet, für die Abwicklung von Stromlieferungen an Letztverbraucher mit einer jährlichen Entnahme, die 100 000 Kilowattstunden (kWh) nicht übersteigt, vereinfachte Methoden anzuwenden, insofern nicht eine Übermittlung nach dem Messstellenbetriebsgesetz erfolgt.2

Als vereinfachte Methode gilt der Einsatz eines SLP-Zählers. Die Abkürzung SLP steht für Standardlastprofil. Die Zähler kommen bei Verbrauchsstellen wie Privathaushalten und kleineren Betrieben zum Einsatz. Ist ein SLP-Zähler installiert, erhält der Stromabnehmer lediglich einmal im Jahr eine Abrechnung über den tatsächlichen Verbrauch. Abschläge müssen allerdings monatlich bezahlt werden, ihre Höhe basiert auf geschätzten Verbrauchsmengen.

Bei Großverbrauchern wie Industriebetrieben kommen hingegen RLM-Zähler zum Einsatz. RLM steht für registrierende Leistungsmessung. Der RLM-Zähler ist für Unternehmen ab einem gewissen Verbrauch Pflicht. Die Netzzugangsverordnung legt fest, dass Verbrauchsstellen mit einem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 100 000 kWh die registrierende Leistungsmessung verwenden müssen. RLM-Kunden erhalten eine monatliche Abrechnung, die auf dem tatsächlichen Verbrauch beruht. Die abgenommene Leistung wird kontinuierlich gemessen und der Verbrauch auf elektronischem Weg an den Netzbetreiber übermittelt.

Mit einem RLM-Zähler kann neben dem Strom- auch der Gasverbrauch ermittelt werden. Ab einer Abnahmemenge von 1 500 000 kWh Gas im Jahr ist die Nutzung der registrierenden Leistungsmessung für Unternehmen verpflichtend. Der Einsatz von RLM-Zählern wirkt sich positiv auf die Netzstabilität aus, da Lastspitzen mit Hilfe der Messwerte leichter ermittelt werden können.3

Informationen zur Netzzugangsverordnung für Gas

Die „Verordnung über den Zugang zu Gasversorgungsnetzen“, die auch unter dem Namen Gasnetzzugangsverordnung (GasNZV) bekannt ist, enthält unter anderem Regelungen zum Gasnetzzugang und zu Biogas sowie Pflichten für Gasnetzbetreiber. Die Netzzugangsverordnung für das Gasnetz gliedert sich in 13 Teile:

  1. Allgemeine Bestimmungen
  2. Vertragliche Ausgestaltung des Netzzugangs
  3. Abwicklung des Netzzugangs
  4. Kooperation der Netzbetreiber
  5. Bilanzierung und Regelenergie
  6. Biogas
  7. Besondere Regelungen für Betreiber von Speicher-, LNG- und Produktionsanlagen sowie Gaskraftwerken
  8. Veröffentlichungs- und Informationspflichten
  9. Wechsel des Gaslieferanten
  10. Messung
  11. Verweigerung des Netzzugangs nach § 25 des Energiewirtschaftsgesetzes
  12. Befugnisse der Regulierungsbehörde
  13. Sonstige Bestimmungen

Im August 2017 ist die „Erste Verordnung zur Änderung der Gasnetzzugangsverordnung“ (GasNZVÄndV) in Kraft getreten. Basierend auf den Erfahrungen vorangegangener Jahre wurden Änderungen an der Netzzugangsverordnung vorgenommen, um sie zu verbessern. Darüber hinaus musste die Gasnetzzugangsverordnung an neu eingeführte EU-Vorgaben angepasst werden. Einige Paragrafen sind weggefallen oder wurden geändert, an anderer Stelle wurde die Netzzugangsverordnung ergänzt.

Weggefallen sind die Paragrafen 10, 14 und 30, ergänzt wurde unter anderem Paragraf 2 „Begriffsbestimmungen“. Die Verordnung zur Änderung der Netzzugangsverordnung sieht die Aufnahme der Begriffe „Datenformat“ und „untertänige Kapazität“ vor. Datenformat ist als „eine für die elektronische Weiterverarbeitung oder Veröffentlichung geeignete und standardisierte Formatvorgabe für die Datenkommunikation, welche die relevanten Parameter enthält“4, definiert. Als untertänige Kapazität gilt „die Kapazität, die nach dem Ende der Auktionen für Kapazitäten auf Tagesbasis für den jeweiligen Tag angeboten und zugewiesen wird“5. Außerdem wurden einige Begriffe ersetzt, so zum Beispiel Primärkapazitätsplattform und Sekundärhandelsplattform durch Kapazitätsbuchungsplattform.6

Entgeltkosten für die Strom- und Gasnetznutzung

Während die Stromnetzzugangsverordnung und die Gasnetzzugangsverordnung sich auf die Zugangsvoraussetzungen zum jeweiligen Netz beziehen, sind Regelungen zu den Netzentgelten in gesonderten Verordnungen enthalten. Mit den Entgelten für die Verteil- und Übertragungsnetze befasst sich die „Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen“, auch Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) genannt. Regelungen zu den Gasnetzentgelten enthält die „Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Gasversorgungsnetzen“ beziehungsweise die Gasnetzentgeltverordnung (GasNEV).7 Sie erhalten hier weitere Informationen zu den Netzentgeltverordnungen für Strom und Gas.

Netzzugang im EnWG

Neben den Netzzugangsverordnungen enthält auch das Energiewirtschaftsgesetz, kurz EnWG, Regelungen zum Netzzugang. Die entsprechenden Paragrafen finden sich in Abschnitt 3 des dritten Teils des EnWG. Das Energiewirtschaftsgesetz befasst sich mit den folgenden Punkten zum Netzzugang:

  • § 20 Zugang zu den Energieversorgungsnetzen
  • § 20a Lieferantenwechsel
  • § 21 Bedingungen und Entgelte für den Netzzugang
  • § 21a Regulierungsvorgaben für Anreize für eine effiziente Leistungserbringung
  • § 22 Beschaffung der Energie zur Erbringung von Ausgleichsleistungen
  • § 23 Erbringung von Ausgleichsleistungen
  • § 24 Regelungen zu den Netzzugangsbedingungen, Entgelten für den Netzzugang sowie zur Erbringung und Beschaffung von Ausgleichsleistungen; Verordnungsermächtigung
  • § 24a Schrittweise Angleichung der Übertragungsnetzentgelte
  • § 25 Ausnahmen vom Zugang zu den Gasversorgungsnetzen im Zusammenhang mit unbedingten Zahlungsverpflichtungen
  • § 26 Zugang zu den vorgelagerten Rohrleitungsnetzen und zu Speicheranlagen im Bereich der leitungsgebundenen Versorgung mit Erdgas
  • § 27 Zugang zu den vorgelagerten Rohrleitungsnetzen
  • § 28 Zugang zu Speicheranlagen
  • § 28a Neue Infrastrukturen
  • § 28b Bestandsleitungen zwischen Deutschland und einem Drittstaat
  • § 28c Technische Vereinbarungen über den Betrieb von Gasverbindungsleitungen mit Drittstaaten

Zum Paragrafen 21 gab es ursprünglich noch die Unterpunkte b bis i, die nach einer Änderung des EnWG weggefallen sind. Insgesamt beschränken sich die Regulierungen im Energiewirtschaftsgesetz auf den Bereich des monopolistischen Netzbetriebs, neben dem Netzzugang findet der Netzanschluss besondere Erwähnung.8

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