Definition von Nachhaltigkeit – nachhaltige Entwicklung – Nachhaltigkeitsforschung

Nachhaltigkeit – Strategien und Forschung

Der Ausdruck Nachhaltigkeit ist heutzutage in vielen Bereichen präsent, ursprünglich stammt er aus der Forstwirtschaft des 18. Jahrhunderts. In diesem Sinne weist er darauf hin, dass der Mensch nicht mehr ernten soll, als in der Natur nachwachsen kann. Die Definition von Nachhaltigkeit hat sich inzwischen geweitet, sie schließt den verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen und Bodenschätzen ebenso wie Rücksichtnahme auf folgende Generationen ein.1

Ziele der nachhaltigen Entwicklung

Entwicklung gilt als nachhaltig, wenn sie die Endlichkeit natürlicher Rohstoffe und die begrenzte Aufnahmefähigkeit der Umwelt im Hinblick auf Schadstoffe berücksichtigt, so dass kommende Generationen nicht in ihren Möglichkeiten und Chancen eingeschränkt werden.2 Nachhaltigkeit ist eine globale Angelegenheit und von politischem Interesse. Bereits seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro ist die nachhaltige Entwicklung international als Leitprinzip akzeptiert. Ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte sind zu berücksichtigen, um das Ziel zu erreichen, dass den Menschen weltweit auch in Zukunft die Grundlagen für ein zufriedenstellendes Leben zur Verfügung stehen.3

Die drei Säulen der Nachhaltigkeit

Das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung basiert auf der Annahme, dass Wirtschaft, Umwelt und Soziales die Nachhaltigkeit als gleichberechtigte Säulen stützen. Bei dieser Art der Darstellung besteht allerdings das physikalische Dilemma, dass die mittlere Säule bei gegebener Stärke ausreichen würde, um das Dach – also die Nachhaltigkeit – zu tragen. Deshalb haben sich neben dem Drei-Säulen-Modell weitere Schemata etabliert, die versuchen, die komplexen Zusammenhänge einer nachhaltigen Entwicklung einfach darzustellen, darunter das Dreiklang-Modell und das Nachhaltigkeitsdreieck.4

Themen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie

Zur Unterstützung einer nachhaltigen Entwicklung setzt die Bundesregierung auf die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie. Diese sieht zum Beispiel vor, den ökologischen Landbau zu intensivieren und den Anteil an erneuerbaren Energien zu erhöhen, um Treibhausgasemissionen zu vermeiden. Im Fokus der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie stehen Lebensqualität, Generationengerechtigkeit, sozialer Zusammenhalt und internationale Verantwortung.5 Für 21 Bereiche der nachhaltigen Entwicklung sind seit 2002 Ziele festgelegt, sowohl die Strategie als auch die einzelnen Maßnahmen werden fortwährend aktualisiert. Alle vier Jahre veröffentlicht die Bundesregierung einen Fortschrittsbericht, der transparent macht, ob die geplanten Maßnahmen Wirkung zeigen. Beispiele für Themen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sind:

  • 2020 soll die Energieproduktivität doppelt so hoch sein wie 1990
  • Der Flächenverbrauch soll bis 2020 auf 30 Hektar pro Tag im Jahr sinken
  • Die Produktivität beim Einsatz von Rohstoffen soll sich ausgehend von 1994 bis 2020 verdoppeln
  • Der Verbrauch von Primärenergie soll bis 2050 um 50 % gegenüber 2008 gesenkt werden
  • Treibhausgasemissionen sollen bis 2050 um 80 bis 95 % gegenüber 1990 verringert werden
  • Der Stromanteil aus regenerativen Energiequellen soll bis 2050 auf mindestens 80 % anwachsen
  • Die Artenvielfalt soll zunehmen6

Nachhaltigkeit im privaten Rahmen

In den Medien ist das Thema Nachhaltigkeit präsent, es finden sich viele Tipps, wie Alltag und Urlaub umweltfreundlicher gestaltet werden können. Berichtet wird auch über Phänomene wie die Flugscham, die ihren Ursprung in Schweden hat. Der Flugverkehr verursacht geschätzt zwischen zwei und fünf Prozent des globalen CO2-Ausstoßes, so dass er einen Ansatzpunkt bietet, die Treibhausgasemissionen zu senken. Jeder kann für sich die private Entscheidung treffen, weniger zu fliegen, die Schwedinnen und Schweden nutzen statt dem Flugzeug nun häufiger die Bahn.7 Im alltäglichen Leben gibt es viele Bereiche, die im Sinne der Nachhaltigkeit optimiert werden können.

Beispiele für Nachhaltigkeit im Alltag

Nachhaltigkeit kann auf verschiedene Weise in den Alltag integriert werden, etwa beim Einkaufen oder Wohnen. Merkmale von nachhaltigen Produkten sind eine umweltfreundliche Herstellung und transparente Lieferketten. Regional angebaute Bio-Lebensmittel sowie fair hergestellte Kleidung und Smartphones fallen zum Beispiel in diese Kategorie. Nachhaltiger kann auch das Autofahren sein, Konzepte wie Carsharing und neue Antriebstechnologien machen es möglich.

Mit modernen Stromerzeugungs- und Heizungsanlagen lässt sich bei einem Haus Energie einsparen. Ölheizungen weisen einen deutlich höheren Verbrauch und Schadstoffausstoß auf als beispielsweise eine Brennstoffzellen-Heizung oder eine Wärmepumpe. Ferner unterstützt das Erzeugen von Solarenergie das Konzept der Nachhaltigkeit. Photovoltaikanlagen sind oft auf dem Dach installiert, es sind aber auch kleinere Modelle auf dem Markt, die auf dem Balkon Platz finden.

Nachhaltigkeitsforschung für die Zukunft

Um die Wirtschaft und das Leben allgemein nachhaltiger zu gestalten, werden fortwährend neue Technologien und der Zustand der Umwelt erforscht. Die Nachhaltigkeitswissenschaft befasst sich unter anderem mit den Themen treibhausgasneutrale Industrie, Umweltverschmutzung durch Plastik, nachhaltige Wirtschaftskreisläufe und Erhalt der biologischen Vielfalt.8 In Deutschland wird die Nachhaltigkeitsforschung mit dem Förderprogramm „FONA3“ unterstützt. Schwerpunkte des Programms sind die Energiewende, Green Economy und Smart City.9

Studiengänge zur Nachhaltigkeit werden von vielen deutschen Universitäten und Hochschulen angeboten. Geforscht wird aber auch an anderen Standorten, wie am Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam. Am IASS – nach der englischen Bezeichnung Institute for Advanced Sustainability Studies – sind circa 140 Wissenschaftler aus über 30 Ländern tätig. Sie widmen sich unter anderem der deutschen Energiewende sowie den Zielen des Pariser Klimaabkommens und der UN zur nachhaltigen Entwicklung.10

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