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Indikatives Energiesparziel

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

08.09.2021

Letztes Update

17.08.2022

 

Europäische und nationale indikative Energiesparziele

Inhalt des Wiki-Artikels

Ein indikatives Energiesparziel ist nicht verbindlich. Das bedeutet, dass zwar eine Einsparmarke festgelegt wird, aber keine Sanktionen folgen, wenn sie nicht erreicht wird. Neben indikativen gibt es auch verbindliche Energiesparziele. Ist zum Beispiel in der Europäischen Union (EU) ein verbindliches Energiesparziel vorgegeben und wird verfehlt, können Sanktionen durch die EU-Kommission und den Europäischen Gerichtshof folgen.

Festlegung der EU-Energiesparziele

Auf dem EU-Gipfel im März 2007 wurde der Energieaktionsplan verabschiedet. Im Hinblick auf Zielfestlegungen bleibt er recht vage. Er wurden lediglich drei Einsparziele für das Jahr 2020 formuliert:

Vorgesehen war, dass die Energieeffizienz erhöht werden muss, um den für 2020 prognostizierten Energieverbrauch in der EU um 20 Prozent zu senken. Da die Einsparmarke an Prognosen festgemacht wurde, blieb unklar, wie das Einsparziel konkret lautete. Dazu handelte es sich um ein indikatives Energiesparziel, so dass bei Nichterreichen keine Konsequenzen zu befürchten waren. Bei den Prognosen wurde ein weiter steigender Energieverbrauch zugrunde gelegt, ausgehend von diesen Zahlen entspricht das Energiesparziel tatsächlich einer Einsparung von 15,8 Prozent gegenüber dem Ist-Wert von 2006.

Um die EU-Ziele zu erreichen, sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, auf nationaler Ebene ihre eigenen indikativen Energiesparziele festzulegen und alle drei Jahre einen Nationalen Energieeffizienzaktionsplan (NEEAP) zu veröffentlichen. Die folgende Tabelle zeigt die nationalen indikativen Energiesparziele der einzelnen Länder auf den Primärenergieverbrauch bezogen:

EU-Mitgliedstaat

Maximaler Primärenergieverbrauch im Jahr 2020 in Mtoe

2013 von den Ländern festgelegtes Originalziel

2014 bzw. 2015 aktualisiertes Energiesparziel

Belgien

43,7

43,7

Bulgarien

15,8

16,9

Dänemark

17,8

17,8

Deutschland

276,6

276,6

Estland

6,5

6,5

Finnland

35,9

35,9

Frankreich

236,3

219,9

Griechenland

27,1

24,7

Irland

13,9

13,9

Italien

158,0

158,0

Kroatien

9,2

11,5

Lettland

5,4

5,4

Litauen

6,5

6,5

Luxemburg

4,5

4,5

Malta

0,8

0,7

Niederlande

60,7

60,7

Österreich

31,5

31,5

Polen

96,4

96,4

Portugal

22,5

22,5

Rumänien

43,0

43,0

Slowakei

16,2

16,4

Slowenien

7,3

7,3

Spanien

121,6

119,8

Schweden

45,9

43,4

Tschechische Republik

39,6

39,6

Ungarn

26,6

24,1

Vereinigtes Königreich

177,6

177,6

Zypern

2,8

2,2

Summe der indikativen Ziele der EU28

1549,6

1526,9

EU28-Ziel für 2020

1483

1086

 

Mtoe ist die Abkürzung für Megatonne Öleinheiten. Die Einheit leitet sich von der Energiemenge ab, die im Durchschnitt in einer Million Tonnen Rohöl enthalten ist. 1 Mtoe ist gleich 41,868 Petajoule (PJ). In Deutschland belief sich der Primärenergieverbrauch 2020 auf 11,8 Exajoule (EJ). Das angestrebte indikative Energiesparziel von 276,6 Mtoe sind umgerechnet rund 11,58 EJ. Damit wurde das Energiesparziel knapp verfehlt.

Ziele der Energieeffizienzrichtlinie

Im Jahr 2012 trat die Energieeffizienzrichtlinie in Kraft, die den EU-Mitgliedstaaten bestimmte Energiesparziele vorgibt. Laut der Richtlinie sind die Länder verpflichtet, Folgendes zu erfüllen:

  • Indikative Energieeffizienzziele
  • Sanierungsquote für Gebäude
  • Jährliche Energieeinsparungen
  • Maßnahmen zur Verbraucherinformation ergreifen

Deutschland wurde im Juni 2015 von der Europäischen Kommission ermahnt, die Ziele der Energieeffizienzrichtlinie umzusetzen – einige Maßnahmen, die bis zum Juni 2014 eingeführt werden sollten, waren bis dahin noch nicht erfüllt. Zwecks Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie erfolgte 2015 eine Novellierung des Energiedienstleistungsgesetzes (EDL-G). Die Änderungen umfassen unter anderem:

  • Einführung einer gesetzlichen Pflicht zu regelmäßigen Energieaudits für Großunternehmen
  • Regelungen zur Vorbildfunktion der öffentlichen Hand
  • Beauftragung der Bundesstelle für Energieeffizienz (BfEE) mit Aufgaben, die der Umsetzung der Richtlinie dienen

Indikative Energiesparziele für das Jahr 2030

Bis 2030 soll die Energieeffizienz in Europa weiter verbessert werden. Innerhalb der EU wurde das indikative Energiesparziel vorgegeben, den Energieverbrauch um mindestens 27 Prozent gegenüber dem prognostizierten Verbrauch für 2030 zu senken. Die Kommission schlägt Sektoren vor, in denen die Energieeffizienz noch beträchtlich gesteigert werden kann, und empfiehlt Maßnahmen, wie das indikative Energiesparziel auf EU-Ebene erreicht werden kann. Im Dezember 2018 wurde der Wert aktualisiert. Als indikatives Energiesparziel soll der Verbrauch bis 2030 nun um 32,5 Prozent gegenüber dem prognostizierten Energieverbrauch sinken. Im Jahr 2023 wird überprüft, ob der Wert möglicherweise nach oben korrigiert werden kann. Bei der Festlegung des indikativen Energiesparziels wurde von einem Endenergieverbrauch von 956 Mtoe bzw. einem Primärenergieverbrauch von 1,273 Mtoe im Jahr 2030 in der EU28 ausgegangen.

Ein verbindliches EU-Ziel ist, dass bis 2030 der Anteil der erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch in der Europäischen Union mindestens 27 Prozent betragen soll. Den Mitgliedstaaten ist freigestellt, sich selbst indikative – auch höhere – Ziele zu setzen. Aus den beiden EU-Zielen werden keine verbindlichen nationalen Energiesparziele abgeleitet. Im Rahmen der europäischen Energieunion sind die Mitgliedstaaten allerdings dazu verpflichtet, einen 10 Jahre umfassenden Nationalen Energie- und Klimaplan (NECP) für die Jahre 2021 bis 2030 vorzulegen. In diesem soll herausgearbeitet werden, wie das jeweilige Land zur Erreichung der EU-Energiesparziele beitragen will.

Novellierung der EU-Energieeffizenz-Richtlinie

Der Erreichung der verbindlichen und indikativen Ziele der EU soll auch die Novellierung der Novellierung der EU-Energieeffizenz-Richtlinie (EED) dienen. Die novellierte EED trat am 25. Dezember 2018 in Kraft. Durch sie soll die Fernauslesung von Wasser- und Wärmezählern sowie Heizkostenverteilern zum Standard werden. Dafür ist ein sogenanntes Smart Meter erforderlich, ein intelligenter Stromzähler, der über sein Smart Meter Gateway Daten an den Energieanbieter übermittelt. Zudem kann das Verbrauchsverhalten mit einem Smart Meter einfach überprüft und ausgehend von den Daten optimiert werden.

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