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Fracking

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

28.04.2021

Letztes Update

17.08.2022

 

So funktioniert Fracking | Nachteile des Verfahrens | Fracking in Deutschland

Inhalt des Wiki-Artikels

Fracking – Gewinnung von Gas oder Öl aus undurchlässigem Gestein

Das Aufspalten von Gestein mit Chemikalien und hohem Wasserdruck, um Gas oder Öl zu gewinnen, nennt man Fracking. Das Wort leitet sich von dem englischen Begriff „hydraulic fracturing“ ab, dessen deutsche Übersetzung „hydraulisches Zerbrechen“ lautet. Mit Hilfe von Fracking können Rohstoffe aus unkonventionellen Lagerstätten gewonnen werden. Erdgas, das man aus solchen Lagerstätten fördert, wird unkonventionelles Erdgas oder auch Schiefergas genannt. Der Name Schiefergas rührt daher, dass der Rohstoff unter anderem aus undurchlässigem, schieferigem Tongestein gewonnen wird. Allerdings bringt Fracking Nachteile für die Umwelt mit sich und steht deshalb in der Kritik.1

Wie funktioniert Fracking?

Beim Fracking werden durch das Einpressen von Flüssigkeit in tiefe Gesteinsschichten Risse erzeugt oder bereits vorhandene Öffnungen erweitert. Das Verfahren findet bei der Gewinnung von Öl und Gas, aber auch zur Nutzung von Geothermie Anwendung. Bevor das Fracking beginnt, muss eine Bohrung bis zu fünf Kilometer in die Tiefe erfolgen, anschließend wird horizontal gebohrt. In die horizontale Bohrung wird eine Flüssigkeit mit bis zu 1000 bar gepresst. Der Flüssigkeitsdruck sprengt das Gestein auf, so dass beispielsweise Gas entweichen kann.

Wird Gas oder Öl per Fracking gefördert, setzt sich die Flüssigkeit im Wesentlichen aus Wasser sowie Stützmitteln und Chemikalien zusammen. Stützmittel sind zum Beispiel Quarzsand und Keramikkügelchen, sie dienen dazu, die Risse offen zu halten. Chemikalien werden unter anderem zugesetzt, um den Stützmitteltransport zu verbessern und Fracking-Fluide zurückzugewinnen. Einige der beim Fracking genutzten Chemikalien sind als toxisch für die menschliche Gesundheit, wassergefährdend oder gesundheitsschädlich eingestuft. Beim Geothermie-Fracking wird gewöhnlich reines Wasser verwendet.2

Fracking in Deutschland und den USA

Bereits 1949 wurde Fracking zum ersten Mal in den USA angewendet, um konventionelle Erdgas- und Erdölvorkommen besser auszubeuten. Ab etwa 2005 wird Fracking in den USA vermehrt genutzt, um Schiefergas zu gewinnen. Die Förderung von Schiefergas stieg innerhalb von zehn Jahren von 85 Millionen auf 1,2 Milliarden Kubikmeter pro Tag an. Inzwischen wurde allerdings durch die United States Geological Survey verkündet, dass die Marcellus-Formation, die sich durch mehrere Bundesstaaten zieht und unkonventionelles Erdgas enthält, eventuell nur ein Zehntel der einst als förderbar abgeschätzten Gasmenge liefern könnte. Laut der Energieagentur EIA könnten in den USA insgesamt 42 Prozent weniger Schiefergas förderbar sein als einst angenommen.

Auch in Deutschland gab es bereits früh Fracking-Projekte, ab 1961 bis heute wurden Hunderte durchgeführt. Die Projekte zielten zunächst auf tiefe, dichte konventionelle Erdgasvorkommen ab. Der erste Fracking-Versuch in Tongestein fand 2008 in Niedersachsen statt. Im Jahr 2013 legten der Umweltminister Peter Altmaier und der Wirtschaftsminister Philipp Rösler einen Gesetzentwurf zur Schiefergasgewinnung vor, der Fracking unter Beachtung gewisser Auflagen zuließ. Unter anderem sah der Entwurf eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) und ein Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten vor.

Im August 2016 wurden durch das Bundesgesetzblatt verschärfte Regelungen zur Nutzung von Fracking in Deutschland mitgeteilt. Sie sollen den Schutz von Trinkwasser sicherstellen und Gefahren für die Gesundheit vermeiden. Am 11. Februar 2017 sind die Regeln zum Fracking in Kraft getreten. Für konventionelles Fracking gelten andere Regelungen als für unkonventionelles Fracking.

Konventionelles Fracking findet bei der Förderung von Restvorkommen und bei weniger durchlässigem Gestein Anwendung. Die fossilen Energieträger sind gewöhnlich in Sandstein in großer Tiefe unterhalb des Grundwassers eingeschlossen. Beim konventionellen Fracking wird deutlich weniger Flüssigkeit benötigt als beim unkonventionellen Fracking, da Sandstein porös ist. Unkonventionelles Fracking bezeichnet die Förderung von Gas oder Öl aus Kohlenflözen, Mergel, Schiefer- oder Tongestein. Diese kommen in geringerer Tiefe vor, sie liegen näher am Grundwasser als der Sandstein. Da die Lagerstätten härter sind als Sandstein, muss mehr Flüssigkeit eingesetzt werden und es sind häufig mehrere Fracking-Vorgänge notwendig.

In Deutschland darf ausschließlich konventionelles Fracking kommerziell betrieben werden. Konventionelles Fracking ist langjährig erprobt, vor allem in Niedersachsen wird viel Erdgas aus festerem Gestein und Restevorkommen mit dem Verfahren gefördert. Die Regelungen für konventionelles Fracking wurden allerdings verschärft, um Umwelt und Verbraucher besser zu schützen. In Heilquellen- und Wasserschutzgebieten, an Seen und Talsperren, die der Trinkwassergewinnung dienen, an Entnahmestellen der öffentlichen Wasserversorgung, im Einzugsgebiet von Mineralwasservorkommen und an Stellen zur Entnahme von Wasser zur Herstellung von Lebensmitteln ist Fracking grundsätzlich verboten. Die Bundesländer haben das Recht, weitere Einschränkungen vorzunehmen.3

Nachteile von Fracking

Mittels Fracking können Rohstoffe gefördert werden, die mit konventionellen Methoden nicht zu erreichen sind. Jedoch bringt Fracking einige Nachteile mit sich: Es ist immer mit Risiken für die Umwelt und die Gesundheit verbunden. Es besteht die Gefahr einer Grund- oder Trinkwasserverunreinigung durch Fracking-Chemikalien, Methan, Lagerstättenwasser oder die Entsorgung des anfallenden Abwassers (Flowback). Während in Deutschland früher auch Chemikalien mit einem hohen Gefährdungspotenzial für Mensch und Umwelt zum Einsatz kamen, sind heute nur noch Gemische, die als nicht oder höchstens schwach wassergefährdend eingestuft sind, erlaubt. Nachteilig für die Umwelt ist darüber hinaus der hohe Flächen- und Wasserverbrauch, der mit Fracking einhergeht. Zudem ist das Verfahren mit Luft- und Lärmemissionen verbunden, die sich negativ auf die Gesundheit von Menschen und die Fauna auswirken können.4

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