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Fernwärme

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

29.07.2020

Letztes Update

17.08.2022

Fernwärme – Definition, technische Details und Versorgung in Deutschland

Inhalt des Wiki-Artikels

 

Mit umweltschonender Fernwärme heizen

Fernwärme ist Wärme, die zentral erzeugt wird und mit Hilfe des Trägermediums Wasser über Leitungen den Verbraucher erreicht. Ältere Fernwärmesysteme arbeiten teils mit Wasserdampf statt mit Wasser. Werden mehrere Leitungen zusammengeschlossen, spricht man von einem Wärmenetz. Neben Fernwärme gibt es auch den Begriff Nahwärme, die Bezeichnung richtet sich nach der räumlichen Ausdehnung der Netze. Ein Unterschied ist, dass die Wassertemperatur in Nahwärmenetzen in der Regel niedriger ist als in einem Fernwärmenetz, was die Kosten bei der Verteilung senkt. Der Übergang zwischen den beiden Wärmeversorgungssystemen ist fließend. Für die Erzeugung und Einspeisung der Wärme in die Netze kommen hauptsächlich Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen, auch KWK-Anlagen genannt, zum Einsatz, die den Vorteil haben, gleichzeitig Strom zu erzeugen.1

Definition des Begriffs Fernwärme

Eine allgemeingültige Definition für den Begriff Fernwärme gab es bei deren Einführung von Seiten des Gesetzgebers nicht, so dass es seitdem immer wieder zu Diskussionen und sogar zu Gerichtsverhandlungen kam. Bis zu einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) im Jahr 1989 war die Rechtsprechung von Land- und Oberlandesgerichten nicht einheitlich. Geklärt werden musste zum Beispiel, ob Nahwärme der Fernwärme zuzuordnen sei und ob die Versorgung durch Dritte gegen Zahlung eines regelmäßigen Entgelts gegeben sein müsse.

Der BGH urteilte schließlich, dass Fernwärme dann vorliegt, wenn die Wärme von einem Dritten nach unternehmenswirtschaftlichen Gesichtspunkten produziert und geliefert wird, dabei darf die Heizungsanlage nicht im Besitz des Eigentümers des Gebäudes sein, zu dem die Wärme transportiert wird. Wie weit die Heizungsanlage vom versorgten Gebäude entfernt steht und die Größe des Leitungsnetzes sind laut Urteil keine ausschlaggebenden Punkte dafür, ob Fernwärme vorliegt. Ein weiteres Urteil zum Thema Fernwärme sprach der BGH 2008, dabei ging es um die nachträgliche Umstellung eines Miethauses von einer Zentralheizung auf Wärmecontracting. Der Bundesgerichtshof entschied, dass der Begriff Fernwärme alle Formen der gewerblichen Lieferung von Wärme einschließt, also auch Contracting.

Im Ergebnis ist Fernwärme nach diesen Urteilen also Wärme beliebiger Herkunft, die mittels eines Transportmediums gegen Entgelt geliefert wird und mit deren Lieferung keine eigenen mietrechtlichen Nebenverpflichtungen erfüllt werden. Auf alle Formen der Wärmelieferung ist deshalb die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) anzuwenden, auch auf Nahwärme, Direktwärme und Contracting.2

Wärmeversorgung in Deutschland

In Deutschland gibt es rund 600 Unternehmen, die Wohngebäude, öffentliche Einrichtungen, Handel und Gewerbe mit Fernwärme versorgen, außerdem stellen sie Wärme für Prozesszwecke bereit. Warmwasser für die Leitungszuführung wird in Heizwerken, Heizkraftwerken und dezentralen Anlagen erzeugt. Besonders umweltschonend sind KWK-Anlagen, denn sie erzeugen gleichzeitig Wärme und Strom.2 Durch die insgesamt hohe Effizienz der Kraft-Wärme-Kopplung werden im Vergleich zu anderen Prozessen Treibhausgasemissionen vermieden.3

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat für das Jahr 2019 untersucht, wie die verschiedenen Heiztechnologien in Deutschland genutzt werden. Am häufigsten kommt Erdgas zum Einsatz, rund 48 Prozent aller Wohnungen werden über Gasöfen, Gaswärmepumpen, Zentral- oder Etagenheizungen damit versorgt. An zweiter Stelle folgen Heizungsanlagen, die mit Öl betrieben werden, dabei kann es sich sowohl um einen Ölofen als auch um eine Zentralheizung handeln. Etwa 26 Prozent aller Wohnungen in Deutschland werden mit Öl beheizt. Fernwärme steht auf dem dritten Platz, circa 14 Prozent der Wohnungen werden auf diese Weise versorgt. Sonstige Energieträger wie Flüssiggas, Holz, Pellets und Kohle belegen mit 7,5 Prozent den vierten Platz, gefolgt vom Strom mit knapp 5 Prozent. Besonders hoch ist der Anteil an Fernwärme in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin sowie den Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg, wo der Marktanteil bei 30 Prozent und mehr liegt.4

Technische Details zur Fernwärme

Grundlegend für die Versorgung mit Fernwärme sind die Komponenten Wärmeerzeuger, Fernwärmenetz, Wärmetauscher und das Hauswärmerohrnetz. Als Wärmeerzeuger werden vorzugsweise KWK-Anlagen genutzt, die Nutzungsgrade von über 80 Prozent erreichen können. Das Fernwärmenetz dient dazu, Warmwasser zu den Verbrauchern zu transportieren. Dies soll möglichst effizient erfolgen, zu berücksichtigen sind dabei der Rohrdurchmesser, die Vorlauftemperatur, Verluste und Kosten – und zwar sowohl Investitions- als auch Betriebskosten. Ein Fernwärmenetz ist umso wirtschaftlicher, je höher der Unterschied zwischen Vorlauftemperatur und Rücklauftemperatur ausfällt.

Der Wärmetauscher beziehungsweise die Übergabestation ist die Stelle, an der die Wärme aus dem Fernwärmenetz an das Hausnetz übergeben wird. Eine Fernwärmeübergabestation setzt sich aus einem Wärmeüberträger, einem Mengenzähler, Sicherheits- und Drosselventilen sowie eventuell noch einer Umwälzpumpe im Sekundärkreis des Wärmetauschers zusammen. Das Hausnetz leitet das Warmwasser schließlich zu den Heizungen des Gebäudes.5

Wärmepumpen für das Fernwärmenetz

Die Fernwärme gehört bereits zu den umweltschonenden Heiztechnologien, ist aber immer noch ausbaufähig. Mit dem Einsatz von Wärmepumpen ließe sich Fernwärme noch umweltfreundlicher gestalten. Während die Wärmepumpentechnik in Einfamilienhäusern bereits Einzug gehalten hat, wird sie für Fernwärmenetze bisher kaum genutzt. Dabei könnte die Wärmepumpe deren Effizienz steigern, CO2-Emissionen einsparen und sogar noch das Stromsystem stabilisieren, indem sie überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen nutzt. Wirtschaftlich ist der Einsatz von Wärmepumpen vor allem in Biomasse-Heizwerken und Biomasse-KWK-Anlagen, besonders wenn sie mit Rauchgaskondensation kombiniert werden.6 

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