Die Energiewende einfach erklärt – Ziele der Politik, Maßnahmen und Kritik

Die Energiewende einfach erklärt

Per Energiewende sollen herkömmliche Energieträger durch erneuerbare Energien ersetzt werden. Grund dafür ist, dass fossile Energieträger wie Kohle, Erdöl und Erdgas hohe Schadstoffemissionen mit sich bringen, die den Treibhauseffekt beschleunigen, und die Nutzung nuklearer Energie hohe Risiken mit sich bringt, zudem kann die Endlagerung des Atommülls nicht wirklich sichergestellt werden. Noch im Jahr 2009 kündigte die CDU an, den bereits gesetzlich festgelegten Atomausstieg rückgängig zu machen.1 Diesen Weg beschritt die Partei nach ihrer Wahl in die Bundesregierung dann auch, erst nach dem Unglück von Fukushima im Juni 2011 ruderte sie zurück und beschloss einen stufenweisen Ausstieg aus der Atomenergie. Zu den regenerativen Energien, die nukleare und fossile Energieträger zukünftig ersetzen sollen, zählen Windkraft, Solarenergie, Wasserkraft, Erdwärme und Energie aus Biomasse.2

Ziele der Politik im Rahmen der Energiewende

Mit der Energiewende hat sich die Bundesregierung das Ziel gesetzt, die Strom- und Wärmeversorgung energieeffizienter, moderner, innovativer und digital zu gestalten. Damit soll eine umweltverträgliche und wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft sichergestellt werden. Mit den erneuerbaren Energien gehen zudem moderne Technologien einher, die dabei helfen, Energie zu sparen. Zwischen 2008 und 2017 ist der Primärenergieverbrauch in Deutschland um 5,5 Prozent gesunken. Circa 35 Prozent des gesamten Energieverbrauchs sind Gebäuden anzurechnen, vor allem für das Heizen und Warmwasser ist viel Energie nötig. In diesem Bereich gibt es ein dementsprechend großes Einsparpotenzial. Aus diesem Grund unterstützt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Energiewende im Gebäudebereich mit Förderprogrammen.3

Den Rahmen für die Energiewende bilden das Energiekonzept der Bundesregierung und die Beschlüsse des Bundeskabinetts vom Juni 2011. Die Energieversorgung der Zukunft soll erstens zuverlässig, zweitens bezahlbar und drittens umweltschonend sein. Bis 2020 sollen die Treibhausgasemissionen um 20 Prozent sinken, bis 2022 soll der Ausstieg aus der Kernenergie gemeistert sein. Um die Energiewende voranzutreiben, sind zwei Kernziele festgesetzt, einerseits sollen die erneuerbaren Energien ausgebaut werden, andererseits soll die Energieeffizienz erhöht werden. Die beiden Kernziele sind für die Bereiche Strom, Wärme und Verkehr noch einmal konkretisiert in sogenannte Steuerungsziele. Diese sollen durch Gesetze, Verordnungen und Förderprogramme erreicht werden.4

Die erneuerbaren Energien sollen im Zuge der Energiewende bis 2050 einen Anteil von etwa 60 Prozent am Bruttoendenergieverbrauch und 80 Prozent am Bruttostromverbrauch haben. Das zweite Kernziel, die Erhöhung der Energieeffizienz, soll durch Kraftwerksmodernisierungen, energiesparende Industrieprozesse sowie energieeffiziente Gebäudesanierungen, Haushaltsgeräte und Motoren verwirklicht werden. Ziel ist, dass 2050 im Vergleich zum Jahr 2008 nur noch die Hälfte an Primärenergie aufgewendet werden muss.5

Stromspeicher für die Energiewende

Da Solarenergie und Windkraft tageszeit- beziehungsweise wetterabhängig sind, braucht es zur Realisierung der Energiewende neue Speicherkonzepte. Zu Zeiten, zu denen mehr Strom produziert als verbraucht wird, muss die Energie gespeichert werden, um sie dann abrufen zu können, wenn sie benötigt wird. Deshalb werden neue Speicherlösungen und intelligente Stromnetze entwickelt. Ein Konzept ist Power-to-Gas: Überschüssiger Solar- und Windstrom soll zur Wasserspaltung genutzt werden, dabei entsteht Wasserstoff. Dieser kann über Brennstoffzellen in Strom zurücktransformiert oder ins Erdgasnetz eingespeist werden. Weitere Ansätze werden erforscht und entwickelt, darunter Power-to-Heat, wobei Wind- und Solarstrom in Wärme umgewandelt wird, Power-to-Fuel, das Konzept sieht vor, den regenerativen Strom in flüssige Kraftstoffe zu transformieren, und Power-to-Chemicals, dabei ist die Umwandlung in Basischemikalien vorgesehen.6

Maßnahmen von Bund und Ländern

Bund und Länder sind sich darin einig, die Energiewende voranzubringen, indem die erneuerbaren Energien weiterhin zielstrebig und außerdem marktorientiert ausgebaut werden. Die Grundlage dazu bildet das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG. Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen möglichst beschleunigt, dies gilt für den Ausbau sowohl von erneuerbaren Energien als auch des Stromnetzes. Bis 2030 soll der Bruttostromverbrauch zu 65 Prozent durch regenerative Energien gedeckt werden. Im Verkehrsbereich wird auf Wasserstoff und Kraftstoffe, die auf erneuerbaren Energien basieren, gesetzt. Vorgesehen sind darüber hinaus eine CO2-Steuer und ein Gebäudesanierungsprogramm, das dazu beitragen soll, Emissionen zu reduzieren. Begleitet werden die Maßnahmen von einem Monitoring der Versorgungssicherheit, das zu Analysezwecken genutzt wird und als Frühwarnsystem dient.7

Die Energiewende weltweit

Nicht nur in Deutschland ist die Energiewende ein Thema, auch auf europäischer und internationaler Ebene wird sie im Sinne des Klimaschutzes vorangetrieben. Mit dem Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 haben sich weltweit 181 Staaten dazu verpflichtet, nationale Ziele auszuarbeiten, um der Erderwärmung entgegenzuwirken, die durch den hohen Ausstoß von Treibhausgasen provoziert wird. Der Temperaturanstieg soll auf höchstens 2 °C gegenüber der vorindustriellen Zeit beschränkt werden. Dazu müssen die globalen Treibhausgasemissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent sinken.8

Kritik an der Energiewende

Aus klimatischer Sicht ist die Energiewende unumgänglich, dennoch gibt es immer wieder Kritik. Nicht haltbar ist das Argument, Deutschland könnten die Lichter ausgehen, wenn auf Atomstrom verzichtet wird, denn bereits 2015 hätten alle Atomkraftwerke ersetzt werden können. Zudem könnte durch eine effizientere Nutzung sogar noch Strom gespart werden. Teils wird dennoch Atomstrom nach Deutschland importiert, dies liegt aber nicht daran, dass die eigenen Kapazitäten nicht ausreichen. Seit vielen Jahren schon importiert und exportiert Deutschland Strom, denn die Stromhändler sichern sich immer das günstigste Angebot auf dem europäischen Markt. Deshalb wird Atomstrom aus Frankreich nach Deutschland, aber auch Windstrom von Deutschland nach Frankreich transportiert.

Kritikerinnen und Kritiker behaupten, Wirtschaft und Arbeitsplätze seien durch die Energiewende in Gefahr. Tatsächlich sind im Rahmen des Ausbaus der regenerativen Energien bislang mehr als 380 000 neue Arbeitsplätze entstanden, also etwa sechsmal so viele, wie in der Kohle- und Atomindustrie vorhanden sind. Wirtschaftlich gesehen lohnt sich der Export von Strom aus erneuerbaren Energiequellen, denn sind Windparks und Photovoltaikanlagen erst einmal installiert, sind die Kosten zur Erhaltung gering, während fossile Energieträger mit beständigen Brennstoffkosten einhergehen. Hohe Kosten verursacht dagegen der Ausbau der Infrastruktur im Rahmen der Energiewende. Für diese müssen vor allem private Verbraucher aufkommen, während die Industrie kaum beteiligt ist. Ob der Strompreis aufgrund der Energiewende steigen oder sinken wird, lässt sich nicht sicher sagen. Durch die bisher stetig steigenden Preise konnten die Energiekonzerne hohe Gewinne einfahren, und das, obwohl die Atomkraftwerke noch am Netz waren beziehungsweise sind. Zu bedenken ist dabei auch, dass die Allgemeinheit über Steuern für große Kostenpunkte wie den Abtransport und die Lagerung von Atommüll zahlt. Bei Nutzung ausschließlich erneuerbarer Energien fallen diese Kosten weg.9 

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