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Energieproduktivität

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

26.01.2021

Letztes Update

17.08.2022

Definition von Energieproduktivität sowie deren Entwicklung in Deutschland

Inhalt des Wiki-Artikels

Energieproduktivität – Definition, Entwicklung, Formel zur Berechnung

Laut Definition wird durch die Energieproduktivität das Verhältnis von Bruttoinlandprodukt (BIP) und Primärenergieverbrauch im Inland ausgedrückt. Das bedeutet, dass mit Hilfe der Energieproduktivität ersichtlich wird, welcher Anteil am BIP in Euro pro eingesetzter Einheit Primärenergie erwirtschaftet wird. Die Primärenergie wird bei dieser Formel in Petajoule angegeben. Einen praktischen Nutzen hat die Energieproduktivität als Maß für die ökonomische Effizienz im Umgang mit Energieressourcen.

Definition Energieintensität

Der Kehrwert zur Energieproduktivität ist die Energieintensität. Sie stellt das Verhältnis von Energieverbrauch und Wertschöpfung in der Gesamtwirtschaft oder einem bestimmten Sektor dar. Mittels der Energieintensität wird beispielsweise die Relation zwischen Primärenergieverbrauch (PEV) und BIP zum Ausdruck gebracht. Gewöhnlich steigt die Energieintensität in der frühen Entwicklungsphase einer Volkswirtschaft, also während der Industrialisierung, während sie danach aufgrund des größer werdenden Anteils des tertiären Sektors nach einiger Zeit abnimmt.1

Endenergieproduktivität und Primärenergieproduktivität

Die Energieproduktivität lässt sich in die Indikatoren Primärenergieproduktivität und Endenergieproduktivität unterscheiden. Mit Hilfe der Endenergieproduktivität wird die Effizienz des Energieeinsatzes einer Volkswirtschaft bewertet. Die Endenergieproduktivität ergibt sich aus dem Verhältnis von realem BIP und dem Energieverbrauch Deutschlands. Dagegen spiegelt die Primärenergieproduktivität die Relation von BIP und Primärenergieverbrauch wider.

Formel zur Berechnung der Energieproduktivität

Die Energieproduktivität wird bei der Berechnung als Index dargestellt, also einen statistischen Messwert, durch den eine Veränderung gewisser wirtschaftlicher Sachverhalte ausgedrückt wird. Neben dem BIP ist zur Bestimmung der Endenergieproduktivität der Endenergieverbrauch (EEV) erforderlich. Die Formel zur Berechnung der Endenergieproduktivität (EEP) lautet:

formel-energieproduktivitaet-index-net4energyJe höher der BIP-Wert pro eingesetzter Einheit Endenergie ist, desto energieeffizienter arbeitet die Volkswirtschaft. Mittels Bestimmung der Endenergieproduktivität kann die Effizienz von Produktionen sowie der Energieeinsatz in Privathaushalten bewertet werden. Die Effizienz der Kraftwerke, welche die benötigte Energie liefern, wird bei der Endenergieproduktivität nicht berücksichtigt. Zur Betrachtung der Effizienz von Kraftwerkstypen eignet sich stattdessen die Primärenergieproduktivität.2

Zur Berechnung der Primärenergieproduktivität (PEP) muss statt des Endenergieverbrauchs der Primärenergieverbrauch (PEV) bekannt sein. Die Primärenergieproduktivität wird mit folgender Formel ermittelt:3

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Entwicklung der Energieproduktivität in Deutschland

So gut wie jede Produktionsaktivität verbraucht Energie. In privaten Haushalten sind vor allem Heizung und Warmwasserbereitung sowie der Betrieb von elektrischen Geräten und Kraftfahrzeugen ursächlich für den Energieverbrauch. Je mehr Energie aufgewendet werden muss, umso mehr wird die Umwelt belastet, zum Beispiel durch den Abbau energetischer Rohstoffe, CO2-Emissionen oder den Einsatz von Kühlwasser. Darüber hinaus muss bei der Nutzung nichterneuerbarer Rohstoffe mit Blick auf nachfolgende Generationen deren Endlichkeit berücksichtigt werden.

Um den Primärenergieverbrauch zu reduzieren, hat die Bundesregierung eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Ziel der Strategie ist, bis 2020 die Energieproduktivität im Vergleich zum Jahr 1990 zu verdoppeln. Des Weiteren soll der Primärenergieverbrauch bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 2008 sinken. Zwischen 1990 und 2011 ist die Energieproduktivität in Deutschland um 48,2 Prozent gestiegen. Jedoch ist der Energieverbrauch in dieser Zeit aufgrund des Wirtschaftswachstums kaum gesunken. Lediglich 2011 war ein stärkerer Rückgang des Primärenergieverbrauchs zu verzeichnen, der aus dem milden Wetter in diesem Jahr resultierte: Der Wärmebedarf war deshalb gering.4

Entwicklung der Primär- und der Endenergieproduktivität

Die folgenden Angaben zur Entwicklung von Primärenergieproduktivität und Endenergieproduktivität beziehen sich auf den Zeitraum von 1990 bis 2019. In dieser Zeit ist die auf den Primärenergieverbrauch bezogene Energieproduktivität um knapp 80 Prozent gestiegen, allerdings ist der Primärenergieverbrauch nur geringfügig zurückgegangen, was hauptsächlich auf den Anstieg des preisbereinigten BIP zurückzuführen ist. Die Endenergieproduktivität hat in der gleichen Zeitspanne um 60 Prozent zugenommen, vor allem aufgrund des Anstiegs des BIP um rund 53 Prozent. Der Endenergieverbrauch ist lediglich um 4 Prozent gesunken. Unter anderem hat sich die Energieproduktivität wegen struktureller Effekte geändert: Wandelt sich die Wirtschaftsstruktur weg von energieintensiven Industriesektoren hin zu mehr Dienstleistungen, erhöht sich die Energieproduktivität, da wirtschaftliche Leistungen mit einem geringeren Energieeinsatz erbracht werden.5

Ziele des deutschen Energiekonzepts bis 2050

Mit ihrem Energiekonzept vom September 2010 beschloss die Bundesregierung Ziele zur Einsparung von Energie, die bis 2050 erfüllt sein sollen. Im Vergleich zum Jahr 2008 soll sich der Primärenergieverbrauch halbieren. Um dieses Ziel zu erreichen, müsste die auf die Endenergie bezogene Energieproduktivität jährlich um etwa 2,1 Prozent steigern. Das Energiekonzept umfasst die Themen erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Kernenergie und fossile Kraftwerke, Netzinfrastruktur für Strom, energetische Gebäudesanierung und energieeffizientes Bauen, Mobilität, Energieforschung, Energieversorgung im europäischen und internationalen Kontext sowie Akzeptanz und Toleranz.

Im Hinblick auf erneuerbare Energien sieht das Konzept einen kosteneffizienten Ausbau vor allem im Bereich der Onshore- und Offshore-Windenergie vor. Effizienzpotenziale in privaten Haushalten, dem öffentlichen Bereich und der Industrie sollen ausgeschöpft werden. Kernenergie soll weiterhin als Brückentechnologie dienen. Neben den Säulen Energieeffizienz und erneuerbare Energien wird die Abscheidung und Speicherung von CO2 als Option gesehen, die es zu erproben gilt. Die Steinkohleförderung wird beendet. Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht im Rahmen des Netzausbaus unter anderem Smart Grids vor, intelligente Netze, die auf Schwankungen bei der Nutzung erneuerbarer Energien zur Stromerzeugung flexibel reagieren.6

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