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Energiekonzept

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

06.09.2020

Letztes Update

20.04.2022

Das Energiekonzept der Bundesregierung: Inhalte, Erläuterungen und Änderungen

Inhalt des Wiki-Artikel

Energiekonzept – Wege in eine umweltschonende und bezahlbare Energieversorgung

Im September 2010 legte die deutsche Bundesregierung ihr Energiekonzept vor, das Wege aufzeigt, die Energieversorgung umweltfreundlicher und gleichzeitig zuverlässig und bezahlbar zu gestalten. Ziel der langfristigen Strategie ist, aus Deutschland einen der energieeffizientesten und umweltschonendsten Wirtschaftsstandorte weltweit zu machen. Das Energiekonzept enthält Leitlinien, wie dies erreicht werden soll. Vorgesehen ist, die Abhängigkeit von Energieimporten sowie Treibhausgasemissionen durch den vermehrten Einsatz erneuerbarer Energien zu verringern. Der Verkehrssektor soll im Sinne der Dekarbonisierung konsequent elektrifiziert werden, nebstdem ist der vermehrte Einsatz von Biokraftstoffen angedacht. Außerdem wird durch das Energiekonzept eine deutliche Verringerung des gesamten Energieverbrauchs in Deutschland angestrebt: Bis 2050 soll er halbiert werden.

Atomkraft im Energiekonzept der Bundesregierung

Im ursprünglichen Energiekonzept war eine Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken um durchschnittlich zwölf Jahre vorgesehen, obwohl der Atomausstieg bereits im Jahr 2000 unter der ersten rot-grünen Bundesregierung beschlossen wurde. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 zeigte jedoch die Risiken, die der Betrieb von Kernreaktoren mit sich bringt, eindrücklich auf. Eigentlich sollte die Kernkraft nach dem Energiekonzept von 2010 eine Brückenfunktion einnehmen, bis ein Netz aus erneuerbaren Energien für die Stromversorgung etabliert ist. Im Nachhinein wurde das Konzept um den Passus erweitert, dass alle Kernkraftwerke in Deutschland bis 2022 stillgelegt werden sollen. Selbst eine Übertragung von Reststrommengen ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich.1

Konzept für mehr energieeffiziente Gebäude

Das Energiekonzept der Bundesregierung beinhaltet ein Kapitel zur energetischen Gebäudesanierung und zum energieeffizienten Bauen. Der Gebäudebereich bietet ein großes Einsparpotenzial: Er macht rund 40 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch Deutschlands aus und verursacht circa ein Drittel der CO2-Emissionen. Ziel ist deshalb, den Wärmebedarf der Gebäude zu senken und bis 2050 einen fast klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Als bedeutendste Maßnahme zur Verminderung des Verbrauchs an fossilen Energieträgern wird die energetische Sanierung von Gebäuden genannt. Denn drei Viertel des Altbaubestands stammen noch aus der Zeit vor dem Inkrafttreten der 1. Wärmeschutzverordnung im Jahr 1979. Das Heizungssystem in einem solchen Haus entspricht für gewöhnlich nicht dem Stand der Technik, verbraucht viel Energie und geht mit hohen Emissionen einher.

Kernelemente der Gebäudemodernisierung

Zur Erreichung der gesetzten Ziele hinsichtlich des Gebäudebestands wurden diverse Verordnungen und Förderungsprogramme ins Leben gerufen. Mit der Novelle der Energieverordnung 2012 wurde das Niveau „klimaneutrales Gebäude“ für Neubauten eingeführt. Zwischen 2020 und 2050 soll ein Sanierungsfahrplan dafür sorgen, den Primärenergiebedarf des Gebäudebereichs um 80 Prozent zu senken. Im Energiekonzept werden auch staatliche Förderungen thematisiert, die Anreize zur Sanierung schaffen. Dem Ausbau erneuerbarer Energien im Gebäudebestand dient das Marktanreizprogramm. Über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) läuft das Förderprogramm „Energetische Städtebausanierung“, durch das Investitionen in Energieeffizienz und regenerative Energien unterstützt werden. Zudem sieht das Energiekonzept vor, die Möglichkeiten des Energie-Contractings zu erweitern und die Energiesteuern im Wärmemarkt an den CO2-Emissionen von fossilen Energieträger auszurichten. Beim Bau neuer Gebäude und der Sanierung bestehender Liegenschaften möchte die Bundesregierung eine Vorbildfunktion bezüglich der Reduzierung des Energieverbrauchs einnehmen.

Energiekonzept 2050 des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien

Einen wichtigen Beitrag zum Energiekonzept der Bundesregierung lieferte das Energiekonzept 2050, das vom Forschungsverbund Erneuerbare Energien (FVEE) auf Anfrage des Bundesumweltministeriums erstellt wurde. Mitgewirkt haben sieben Mitgliedsinstitute des Forschungsverbunds, die den Fachausschuss „Nachhaltiges Energiesystem 2050“ bildeten: Fraunhofer IBP, Fraunhofer ISE, Fraunhofer IWES, ISFH, IZES gGmbH, ZAE Bayern und ZSW. Mit dem Energiekonzept haben sie ein für Deutschland mögliches Energieversorgungssystem für das Jahr 2050 entwickelt, das zu 100 Prozent auf erneuerbaren Energien basiert. Alle drei Nutzungsbereiche – Strom, Wärme und Kraftstoff – sind in dem Konzept berücksichtigt.

Kernaussagen des Energiekonzepts 2050

Die Ausarbeitung des Energiekonzepts 2050 führte zu den folgenden 13 Kernaussagen:

  1. 100 Prozent erneuerbare Energien sind bis 2050 möglich.
  2. Optionenvielfalt bei der Nutzung regenerativer Energien garantiert Versorgungssicherheit.
  3. Die Erhöhung der Energieeffizienz hat höchste Priorität.
  4. Die Stromerzeugung und -nutzung aus erneuerbaren Energien nimmt im Energiekonzept 2050 eine zentrale Rolle ein.
  5. Mit dem Ausbau der Infrastruktur wird eine europäische Stromvernetzung geschaffen, die den Ausgleich von Fluktuationen beim Einsatz erneuerbarer Energien ermöglicht.
  6. Mittels chemischer Energieträger in Langzeitspeichern wird Energie in Zeiten des Überangebots gespeichert und in Phasen mit zu geringem Angebot verfügbar gemacht.
  7. Für den Verkehrsbereich sind E-Fahrzeuge sowie mit Wasserstoff und Methan betriebene Autos vorgesehen.
  8. Das Prinzip „Regeneratives Kombikraftwerk“ wird deutschlandweit umgesetzt.
  9. Konventionelle Kraftwerke sind nicht dafür geeignet, fluktuierende Ströme aus erneuerbaren Energien auszugleichen – Kohlekraftwerke, Kernkraftwerke und Fusionskraftwerke können nicht mehr eingesetzt werden.
  10. Biomasse wird als beschränkte Ressource behandelt; Energiepflanzen sollen langfristig zur Herstellung von Synthesekraftstoffen wie Kerosin und zur Produktion von Rohstoffen für die chemische Industrie verwendet werden.
  11. Solarthermie ist im Energiekonzept als wesentliche Komponente für die Trinkwassererwärmung, Raumheizung, Wärme- und Kälteversorgung vorgesehen.
  12. Bei optimaler Auslegung wird das Energiesystem 2050 nicht teurer als das derzeitige.
  13. Die Forschungsförderung muss sich an der langfristigen Bedeutung von Energietechnologien orientieren.

Den ökonomischen Berechnungen im Energiekonzept 2050 zufolge verursacht zwar die Transformation des Energiesystems zunächst Mehrkosten, doch bereits ab 2030 könnte es günstiger sein als das fossil-nukleare Vergleichssystem.2

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