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Emissionshandel

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

19.05.2021

Letztes Update

29.06.2021

Emissionshandel auf nationaler und europäischer Ebene

Inhalt des Wiki-Artikels

Emissionshandel – Instrument für ein besseres Klima

Der Begriff Emissionshandel bezeichnet ein marktwirtschaftliches Instrument der Klimapolitik. Dieses wurde mit dem Ziel eingeführt, schädliche Emissionen zu reduzieren und klimaschonende Technologien zu fördern. Der Emissionshandel folgt dem sogenannten „Cap and Trade“-Prinzip: Für die Gesamtemissionen eines Staates wird eine Obergrenze (Cap) festgelegt, die unter der aktuellen Emissionsmenge liegt. Den verschiedenen Sektoren beziehungsweise Unternehmen, die Emissionen verursachen, werden Emissionsberechtigungen in Form von Zertifikaten zugeteilt. Die Emissionszertifikate können durch Handel (Trade) auf nationaler oder internationaler Ebene transferiert werden.1

Einfluss des Emissionshandels auf Preise

Bei Emissionshandelssystemen gibt es ein Cap für alle am System Teilnehmenden. Mit dem Cap wird festgelegt, wie hoch die Treibhausgasemissionen insgesamt sein dürfen. Für die einzelnen Teilnehmer gibt es keine festgelegten Emissionsziele. Durch das Cap wird das Recht auf das Emittieren von Treibhausgasen begrenzt, so dass es ein knappes Gut wird. Durch den Handel von Emissionszertifikaten am Markt bildet sich ein Preis abhängig von Angebot und Nachfrage heraus. Sind weniger Zertifikate verfügbar, steigt ihr Preis. Der Emissionshandel soll so einen Anreiz für Unternehmen schaffen, in Klimaschutzmaßnahmen zu investieren. Denn wenn ein Zertifikat teurer ist als die Vermeidung einer Tonne Kohlendioxid (CO2), lohnt es sich für Unternehmen, die Nutzung fossiler Brennstoffe zu reduzieren und in Maßnahmen zur Emissionseinsparung zu investieren.2

Nationaler Emissionshandel

Im Dezember 2019 ist das Bundesklimaschutzgesetz (KSG) in Kraft getreten, in dem die im Rahmen des Pariser Klimaabkommens festgelegten Ziele auf nationaler Ebene gesetzlich verankert sind. Im gleichen Monat trat außerdem das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) in Kraft, das die CO2-Bepreisung von Emissionen als zentrales Klimaschutzziel vorsieht. Das Gesetz stellt die Basis für das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) dar, das zu Beginn des Jahres 2021 eingeführt wurde. Es soll Unternehmen dazu anregen, Emissionen zu verringern. Das nEHS deckt Bereiche ab, die durch das europäische Emissionshandelssystem (EU-ETS) noch nicht erfasst sind.

Die durch das BEHG festgesetzte Bepreisung von CO2 betrifft fossile Brennstoffe, also Energieträger, die bei der Verbrennung Kohlenstoffdioxid emittieren. Dazu gehören Benzin, Diesel, Heizöl, Flüssiggas, Erdgas und Kohle. Letztere wird im Gegensatz zu den anderen Brennstoffen erst ab 2023 in die CO2-Bepreisung einbezogen. Allerdings tragen im Endeffekt nicht die Unternehmen, die diese Brennstoffe in den Verkehr bringen, die Kosten der CO2-Bepreisung, denn sie geben sie an ihre Kunden weiter. Die Kosten tragen schlussendlich die Endverbraucher. Auf diese Weise soll ein finanzieller Anreiz zur Vermeidung von CO2-Emissionen geschaffen werden.

Für die Durchsetzung des nEHS ist die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt verantwortlich. Sie ist vom Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) beauftragt, die Inhalte des BEHG umzusetzen. Die CO2-Bepreisung betrifft vor allem die Sektoren Wärme und Verkehr. Vor der Einführung des nEHS fehlte ein finanzieller Anreiz zur Verminderung von Emissionen, die nicht durch das EU-ETS abgedeckt sind.3

Das Emissionshandelssystem der EU

Seit Beginn des Jahres 2005 fungiert das EU-Emissionshandelssystem als Klimaschutzinstrument in Europa. Die Abkürzung EU-ETS leitet sich von der englischen Bezeichnung EU Emissions Trading System ab. Am Emissionshandel der Europäischen Union nehmen nicht nur die 27 EU-Mitgliedstaaten, sondern auch Großbritannien, Norwegen, Island und Liechtenstein teil. Seit seiner Einführung durchlief das EU-Emissionshandelssystem mehrere Phasen, denn es gab seitdem einige Änderungen. Zunächst betraf der europäische Emissionshandel lediglich den Energiesektor und die Industrie, seit 2012 sind auch die Emissionen des innereuropäischen Luftverkehrs eingeschlossen. In den ersten Jahren nach der Einführung wurden nur die CO2-Emissionen berücksichtigt, seit 2013 sind darüber hinaus Lachgas und perfluorierte Kohlenwasserstoffe in den Emissionshandel einbezogen. Zusammen machen die Emissionen dieser Stoffe rund 40 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der EU aus.

Das EU-Emissionshandelssystem gilt als wichtigstes klimapolitisches Instrument Europas. Durch den Emissionshandel sollen die Treibhausgasemissionen reduziert werden, um dem anthropogenen Klimawandel entgegenzuwirken. Das EU-ETS ist das weltweit größte Emissionshandelssystem. Seit seiner Einführung sind die CO2-Emissionen deutlich gesunken, bis 2020 um fast 30 Prozent. Festgesetzt war als EU-weites Ziel eine Emissionsminderung von 21 Prozent.4

Downstream- und Upstream-Emissionshandel

Der nationale Emissionshandel und der Europäische Emissionshandel unterscheiden sich in ihren Ansätzen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Auf EU-Ebene besteht eine Pflicht zur Berichterstattung und zur Abgabe von Emissionsberechtigungen dort, wo Emissionen in einer Anlage entstehen, zum Beispiel in einem Stahl- oder Kraftwerk. Dieses System wird Downstream-Emissionshandel genannt. Das nationale Emissionshandelssystem setzt bereits in einer früheren Phase an. Es ist auf das Inverkehrbringen von Brennstoffen bezogen, nicht auf die tatsächlichen Emissionen einer Anlage. Dieses System entspricht dem sogenannten Upstream-Emissionshandel.

Die unterschiedlichen Systeme ergeben sich aus den Eigenheiten der jeweils eingeschlossenen Sektoren. Energieanlagen und Industriebetriebe, die durch das EU-ETS abgedeckt sind, weisen hohe direkte Emissionen auf, so dass es sinnvoll ist, an diesem Punkt anzusetzen. Dagegen wäre bei den Sektoren Verkehr und Wärme dieser Ansatz nicht praktikabel. Das nEHS setzt deshalb schon an, bevor die Brennstoffe in einer Anlage angelangt sind. Denn würde man wie beim EU-ETS von den direkten Emissionen ausgehen, müssten alle Fahrerinnen und Fahrer von Verbrennern sowie alle Heizungsbesitzer- und -besitzerinnen einbezogen werden.5

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