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Einspeisevorrang

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

12.07.2021

Letztes Update

28.07.2021

  • Wiki
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  • Einspeisevorrang

Einspeisevorrang für
erneuerbare Energien

Inhalt des Wiki-Artikels

Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) muss mittels erneuerbarer Energien erzeugter Strom vorrangig ins Netz eingespeist werden. Ökostrom hat also Einspeisevorrang vor Strom, der auf konventionelle Weise gewonnen wird, wie beispielsweise in Kohle- oder Atomkraftwerken.

Instrument zur Förderung
erneuerbarer Energien

Mit dem EEG sollen erneuerbare Energien gefördert werden, um eine nachhaltige Stromversorgung im Sinne der Energiewende in Deutschland aufzubauen. Der Einspeisevorrang ist ein Instrument zur Förderung erneuerbarer Energien, das Netzbetreiber dazu verpflichtet, Strom aus Erneuerbare-Energien-Anlagen (EE-Anlagen) vorrangig abzunehmen, zu übertragen und zu verteilen. Außerdem ist im EEG festgehalten, dass EE-Anlagen vorrangig anzuschließen sind und Netzbetreiber den eingespeisten Strom vergüten müssen. Die Höhe der Vergütung kann unterschiedlich ausfallen. So haben beispielsweise Betreiber von EE-Anlagen 20 Jahre lang ein Anrecht auf die sogenannte Einspeisevergütung. Fest vergüteten Strom vermarkten die Übertragungsnetzbetreiber an der Börse, die Differenz wird über die EEG-Umlage finanziert. Eine Privilegierung hinsichtlich der EEG-Umlage genießen stromintensive Unternehmen, sie zahlen eine geringere Umlage für den Eigenverbrauch oder sind sogar ganz von der Umlage befreit. Nach Ablauf der Förderung wird der Strom in der Regel direkt vermarktet, insofern er nicht für den Eigenverbrauch verwendet wird. Der Preis richtet sich nach dem aktuellen Marktwert.

Netzbetreiber unterliegen einer Einspeiseverpflichtung, sie müssen laut Gesetz Strom aus erneuerbaren Energien abnehmen. Einspeiseverpflichtung und Einspeisevorrang für erneuerbare Energien geben Investoren Planungssicherheit, ebenso wie die Einspeisevergütung. Dank dieser lässt sich genau berechnen, wie lange es dauert, bis sich die Investitionskosten für die EE-Anlage amortisieren, da sie nicht von schwankenden Strompreisen abhängig ist. Die rechtliche Grundlage für die Abnahme, Übertragung und Verteilung von Strom bildet Paragraf 11 des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Grundsätzlich besteht für Strom aus erneuerbaren Energien Einspeisevorrang, aber es gibt auch Ausnahmefälle:

  • Anlagenbetreiber und Netzbetreiber vereinbaren ausnahmsweise vertraglich, zur besseren Integration der Anlage ins Netz vom Einspeisevorrang abzuweichen. Dabei ist sicherzustellen, dass die größtmögliche Menge an Ökostrom abgenommen wird.
  • Die Pflichten zur vorrangigen Abnahme, Übertragung und Verteilung von Ökostrom bestehen nicht, wenn eine Zulassung durch die Erneuerbare-Energien-Verordnung vorliegt.

Nach dem Ende ihrer Förderung besteht für Strom aus EE-Anlagen weiterhin Einspeisevorrang. Der Einspeisevorrang gilt nicht nur für Photovoltaik- und Windkraftanlagen, sondern auch für Biomasseanlagen und Strom aus Grubengas. Zu den Biomasseanlagen zählen in diesem Fall auch Altholzanlagen, obwohl Altholz nach der aktuellen Biomasseverordnung nicht mehr der Biomasse zuzurechnen ist. Auf den Einspeisevorrang wirkt sich das aber nicht aus, da diesem eine weitgreifendere Definition von Biomasse zugrunde liegt.

Einspeisevorrang für
KWK- und EE-Strom

Neben Strom aus erneuerbaren Energien genießt auch Strom, der mit Hilfe von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gewonnen wird, Einspeisevorrang. Mit dem Redispatch 2.0 wird der Einspeisevorrang für EE- und KWK-Strom konkretisiert. Die Bundesnetzagentur hat praxistaugliche Mindestfaktoren für den Einspeisevorrang von Strom aus KWK- und EE-Anlagen definiert. Kommt es zu Engpässen im Netz, hat Strom aus KWK-Anlagen und erneuerbaren Energien Vorrang vor konventionell erzeugtem Strom. Nach europäischem und deutschem Gesetz sollen EE-Anlagen möglichst ungehindert Strom erzeugen können, wenn es zu Netzengpässen kommt. Strom aus erneuerbaren Energien hat also den absoluten Einspeisevorrang, während KWK-Strom Einspeisevorrang vor konventionell und ohne Kraft-Wärme-Kopplung erzeugtem Strom hat. Das Einspeisemanagement ist ab dem 1. Oktober in den Redispatch 2.0 integriert, mit dem Strom aller Erzeugungsarten berücksichtigt und die konventionelle Erzeugung angepasst wird. Ziel dieser Maßnahme ist, netzübergreifend Entscheidungen zur Engpassentlastung nach folgenden Kriterien zu ermöglichen:

  • Wirksamkeit der Anlagen
  • zulasten der Stromkunden anfallende Kosten

Die Wirksamkeit der Anlagen und damit die Berechtigung zum Einspeisevorrang wird mit Hilfe der von der Bundesnetzagentur festgelegten Mindestfaktoren bestimmt. Diese geben vor, um wie viel besser die Abregelung von KWK- oder EE-Anlagen im Vergleich zu konventionellen Stromerzeugungsanlagen wirken muss, um ein Eingreifen in die vorrangberechtigte Erzeugung zu rechtfertigen. Mit dieser Regelung wird der Einspeisevorrang von KWK- und EE-Strom gesichert, denn eine Abregelung durch Netzbetreiber darf nur dann erfolgen, wenn diese um ein Vielfaches wirksamer ist als die Abregelung konventionell erzeugten Stroms. Die Höhe des Vielfachen richtet sich nach den festgelegten Mindestfaktoren.

Informationspflicht für Betreiber von Stromerzeugungsanlagen

Ab dem 1. Oktober sind Betreiber von Stromerzeugungsanlagen mit einer Leistung von mehr als 100 Kilowatt (kW) verpflichtet, unter anderem folgende Informationen zu ihren Anlagen an den zuständigen Anschlussnetzbetreiber zu übermitteln:

  • Stammdaten
  • Informationen zu Nichtbeanspruchbarkeiten
  • Echtzeitdaten zur aktuellen Einspeiseleistung

Der Entwurf zu dieser Regelung stammt vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Durch sie erfolgt eine Erweiterung der bereits bestehenden Datenlieferpflicht für Anlagen mit einer Leistung von mehr als 10 Megawatt (MW). Zusätzliche Datenlieferpflichten gelten für Anlagen, die Einspeisefahrpläne mit der voraussichtlichen Einspeisemenge und -zeit erstellen. Mit Hilfe der Daten können drohende Engpässe im Stromnetz ermittelt und der Einspeisevorrang für EE- und KWK-Strom sichergestellt werden. Für die Netzbetreiberkoordinierung hat die Bundesnetzagentur Rahmenbedingungen festgelegt, die gewährleisten sollen, dass allen Netzbetreibern die erforderlichen Daten vorliegen.

Mindesterzeugung und Einspeisevorrang

Von der Bundesnetzagentur werden Berichte über die Mindesterzeugung von Strom veröffentlicht. Der zweite Bericht über die Mindesterzeugung bezieht sich auf die Jahre 2016 bis 2018. Thematisiert werden Perioden mit negativen Strompreisen, das sind Zeiten, in denen Betreiber von Kraftwerken für die Stromabnahme gezahlt haben. Insgesamt wurden von 2016 bis 2018 rund 18 bis 26 Gigawatt (GW) elektrischer Energie aus konventioneller Erzeugung ins Stromnetz eingespeist. Für den sicheren Netzbetrieb ist allerdings nur ein geringer Teil davon notwendig, nämlich mindestens vier bis acht Gigawatt. Dieser Teil wird Mindesterzeugung genannt. Die Bundesnetzagentur hat den Zusammenhang zwischen Mindesterzeugung und Einspeisevorrang im Hinblick auf Engpasssituationen untersucht. Viele EEG-Abregelungen erfolgten aufgrund von Engpässen zwischen Übertragungs- und Verteilernetzen, nämlich zwischen 39 und 88 Prozent. In einem solchen Fall ist das Abregeln von konventionellen Kraftwerken auf Übertragungsnetzebene wirkungslos. Die Bundesnetzagentur schlägt deshalb vor, über Anreize für eine rasche Beseitigung von solchen Engpässen zu diskutieren. Der Einspeisevorrang für Strom aus erneuerbaren Energien gilt weiterhin wie im EEG festgeschrieben.

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