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Effizienzhaus Plus

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

28.02.2021

Letztes Update

29.07.2021

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  • Effizienzhaus Plus

Definition und Standards für das Effizienzhaus Plus

Inhalt des Wiki-Artikels

Effizienzhaus Plus – Definition, Anforderungen und Begleitforschung

Energiesparende Gebäude schonen die Umwelt und senken die Nebenkosten. In Deutschland wird bereits seit Jahrzehnten geforscht, um möglichst klimaneutrale Häuser zu entwickeln. Ein Ergebnis dieser Forschungen ist das Effizienzhaus Plus. Im Jahr 2011 begann die Initiative Effizienzhaus Plus mit einem Modellprojekt. Inzwischen wurden bereits über 40 Wohnungs- und Bildungsbauten von dem Netzwerk verwirklicht, die wissenschaftlich begleitet werden. Zu diesen gehört das bundeseigene Effizienzhaus Plus in der Fasanenstraße im Berliner Stadtteil Charlottenburg, das seit 2017 als Informations- und Kompetenzzentrum für zukunftsgerechtes Bauen dient.1

Definition Effizienzhaus Plus

Damit ein Gebäude als Effizienzhaus Plus gilt, muss es verschiedene Vorgaben erfüllen. Maßgeblich sind die Energieeinsparverordnung (EnEV) sowie das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Die Definition von Effizienzhaus Plus besagt, dass für diesen Standard sowohl der Jahresprimärenergiebedarf als auch der Jahresendenergiebedarf negativ ausfallen und außerdem alle anderen Bedingungen der EnEV erfüllt sein müssen.

In der EnEV ist festgelegt, dass der jährliche Bedarf an Primärenergie eines neuen Wohngebäudes um mindestens 25 Prozent gegenüber eines Referenzgebäudes mit gleicher Geometrie, Ausrichtung und Nutzung reduziert sein muss. Der Jahresprimärenergiebedarf ist die Menge an Energie, die zur Deckung des jährlichen Heizenergiebedarfs und Trinkwasserwärmebedarfs erforderlich ist, wobei auch die Energiemengen berücksichtigt werden, die durch vorgelagerte Prozessketten, Umwandlung von Energie und die Verteilung eingesetzter Brennstoffe verbraucht werden.

Die Anforderungen des EEWärmeG beinhalten, dass zur Wärme- und Kälteversorgung eines Gebäudes erneuerbare Energien genutzt werden müssen. Bei solarer Strahlungsenergie muss ein Mindestanteil von 15 Prozent, bei fester oder flüssiger Biomasse einer von 50 Prozent, bei gasförmiger Biomasse mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) einer von 30 Prozent sowie bei Geothermie und Umweltwärme einer von 50 Prozent gegeben sein. Es können aber auch Ersatzmaßnahmen zum Einsatz kommen. Zu diesen gehören Anlagen zur Abwärmenutzung und KWK-Anlagen, die beide einen Mindestanteil von 50 Prozent aufweisen sollen, sowie Maßnahmen zur Energieeinsparung, die bei einem Mindestanteil von ungefähr 15 Prozent liegen müssen. Außerdem kann Nah- und Fernwärme eine Ersatzmaßnahme sein, wenn dabei die Mindestanteile an erneuerbaren Energien oder Ersatzmaßnahmen erfüllt sind.2

Begleitforschung durch das Fraunhofer IBP

Für die Begleitforschung und Querauswertung der Effizienzhaus-Plus-Projekte ist das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (Fraunhofer IBP) zuständig. Dazu hat das Institut den „Effizienzhaus Plus Rechner“ entwickelt. Nachdem ein Effizienzhaus Plus in Betrieb genommen wurde, startet eine sich über zwei Jahre erstreckende Monitoringphase. Die Messdaten werden vergleichend quer ausgewertet. Die Ergebnisse werden auf der Webpräsenz „Forschungsinitiative Zukunft Bau“ veröffentlicht und zudem auf Fachveranstaltungen, Netzwerktreffen und in Broschüren vorgestellt. Der Standard Effizienzhaus Plus kann sowohl bei Einfamilienhäusern als auch bei Mehrfamilienhäusern verwirklicht werden. Das Monitoring ist geeignet, Optimierungspotenziale bei den Gebäuden aufzuzeigen. Im Rahmen der Studie „Potenzielle Beiträge der Effizienzhaus-Plus-Gebäude zum Klimaschutzprogramm der Bundesregierung“ hat das Fraunhofer IBP ermittelt, dass bei einer Marktdurchdringung von 15 Prozent bei Neubauten und sanierten Altbauten pro Jahr der Standard Effizienzhaus Plus den Ausstoß von CO2 um folgende Werte verringern würde:

  • 2030: Reduzierung um 6 Millionen CO2-Emissionen (dies entspricht einem Anteil von 8 Prozent an den Zielen des Klimaschutzplans 2030)
  • 2050: Reduzierung um 14 Millionen CO2-Emissionen (dies entspricht einem Anteil von 33 Prozent an den Zielen des Klimaschutzplans 2050)

In der Begleitforschung des Fraunhofer IBP wirken das Berliner Institut für Sozialforschung (BIS) und das Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt (ZEBAU) als Partner mit. Gefördert wird die Forschung zum Effizienzhaus Plus durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), das durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) vertreten wird.3

Wege zum Effizienzhaus Plus

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat die Broschüre „Wege zum Effizienzhaus Plus“ herausgegeben. Mit Hilfe neuer Technologien soll ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand erreicht werden. Durch das Effizienzhaus Plus kann im Laufe eines Jahres mehr Energie gewonnen werden, als die Nutzer in diesem Zeitraum verbrauchen. Dabei ist es nicht an eine bestimmte Technologie gebunden, es gibt verschiedene Wege, diesen Standard zu erreichen. Effizienzhäuser Plus werden durch Kombinationen von energieeffizienten Bauweisen und erneuerbaren Energiegewinnsystemen verwirklicht. Der gesetzliche Rahmen sieht vor, dass Nachweise nach der Norm DIN V 18599, die sich an die Energieeinsparverordnung anlehnt, zu erbringen sind. In der Broschüre des BMUB wird empfohlen, für das Effizienzhaus Plus Geräte mit dem höchsten Energieeffizienzlabel zu verwenden und es mit intelligenten Zählern auszustatten.

Ein standardisierter Rechner für das Effizienzhaus Plus steht online kostenlos zur Verfügung.4 Über diesen kann ein Zusatzinformationsblatt für Gebäude erstellt werden, das den über die EnEV hinausgehenden Einspareffekt des Energieeffizienzhauses Plus beinhaltet. Drei Grundsätze werden bei der Planung eines solchen Hauses berücksichtigt: Die Energieeffizienz soll so weit wie möglich gesteigert, der Energiebedarf der Haushaltsprozesse weitestgehend gesenkt und erneuerbare Energien zur Deckung des Energiebedarfs verwendet werden.

Das Netzwerk Effizienzhaus Plus hat bislang vor allem Einfamilienhäuser und Zweifamilienhäuser verwirklicht, die entweder als Musterhäuser dienen oder eine Zeitlang von Testfamilien bewohnt werden. Doch auch bei Mehrfamilienhäusern wurde die Umsetzung des Konzepts bereits erprobt. In Berlin und Frankfurt wurden Wohnanlagen mit dem Standard Effizienzhaus Plus gebaut. Auch sanierte Bestandsgebäude werden von dem Netzwerk in die Forschungen einbezogen, und zwar sowohl Einfamilien- als auch Mehrfamilienhäuser. Darüber hinaus sind auch Bildungsbauten Teil des Projekts. Dazu wurde 2015 ein eigenes Förderprogramm etabliert, um zum Beispiel eine Schule als Effizienzhaus Plus zu gestalten. Des Weiteren gibt es auch internationale Projekte, so wurde beispielsweise 2013 das erste internationale Pilotprojekt in Japan gestartet und 2017 eine Zusammenarbeit mit Tschechien begonnen, wo seitdem Modellprojekte zur Umsetzung entwickelt werden.5

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