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Efficiency First

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

25.01.2021

Letztes Update

28.07.2021

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  • Efficiency First

Efficiency First – das Leitprinzip der Energiewende einfach erklärt

Inhalt des Wiki-Artikels

Efficiency First – Leitprinzip der Energiewende

Seit 2015 ist „Efficiency First“ das Leitprinzip der deutschen Energiewende. Vier Jahre zuvor war die Energiewende unter dem Grundsatz „Ausbau der erneuerbaren Energien und Steigerung der Energieeffizienz“ eingeleitet worden. Mit dem Prinzip Efficiency First wurde der Energieeffizienz Priorität eingeräumt – sie wurde politisch aufgewertet. Durch Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz kann viel Energie eingespart werden.1

Mit Effizienzsteigerungen die Energiewende voranbringen

Die Energieeffizienz zu steigern bedeutet, dass für die gleiche Arbeit weniger Energie aufgewendet werden muss. Efficiency First steht für den Gedanken, dass die sauberste Energie die ist, die erst gar nicht erzeugt wird. Die Nutzung von erneuerbaren Energien zur Erzeugung von Strom und Wärme schont das Klima. Wirklich nachhaltig ist ein Haus aber erst, wenn es Verluste weitgehend vermeidet, zum Beispiel durch eine effiziente Dämmung den Wärmeverlust. So sinkt nicht nur der eigene Heizbedarf, sondern auch die Kosten für die Wärmeerzeugung, den Transport über Netze und Speicher.

Der Leitsatz Efficiency First beinhaltet, dass Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz überall dort Vorrang haben, wo sie volkswirtschaftlich günstiger sind als die Bereitstellung von Energie. Dies betrifft nicht nur den Gebäudebereich, sondern beispielsweise auch den Mobilitätssektor und die Industrie. Durch die Steigerung der Effizienz soll der Energiebedarf deutlich gesenkt werden, um so die Energiewende voranzubringen.2

Efficiency First mit der dena

Die Deutsche Energie-Agentur, kurz dena, entwickelt in Zusammenarbeit mit Politik und Wirtschaft Energieeffizienzstrategien und setzt sie um. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der dena informieren, arbeiten an Lösungen und fördern den Austausch zum Thema Efficiency First. Von der dena wird jährlich ein Gebäudereport herausgegeben, der sich vornehmlich an Politik, Wirtschaft und Verbände richtet. Er beinhaltet Statistiken und Analysen zur Energieeffizienz im Gebäudebestand. Anhand der Daten lassen sich Potenziale zur Effizienzsteigerung erkennen, faktenbasierte Prognosen im dena-Report zielen darauf ab, eine vorausschauende Planung der Energiewende zu ermöglichen.3

Weitere Prinzipien der Energiewende

Neben dem Leitprinzip Efficiency First stützt sich die Energiewende auf weitere Prinzipien. Nach Efficiency First folgt der zweite Grundsatz: Die Energie, die trotz Effizienzoptimierung noch benötigt wird, soll vorwiegend aus erneuerbaren Energien stammen. Dieses Prinzip beinhaltet den weiteren Ausbau regenerativer Energien sowie der dezentralen Energieversorgung. Denn durch die Nutzung von mittels Geo- oder Solarthermie gewonnener Energie direkt vor Ort entfallen Kosten sowie Verluste, die bei der Umwandlung von Primärenergie in Strom, beim Speichern und dem Transport zum Verbraucher auftreten.

Der dritte Grundsatz besagt, dass zukünftig dort, wo die direkte Nutzung von erneuerbaren Energien nicht möglich ist, Energie aus regenerativen Quellen sektorenübergreifend in den Bereichen Wärme, Industrie und Verkehr eingesetzt werden soll. Zusammen bilden Efficiency First, die direkte Nutzung erneuerbarer Energien und die Sektorkopplung das Dreigestirn der Energiewende. Auch im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) von 2014 steht Energieeffizienz im Zentrum. Um ein Bewusstsein für Effizienzsteigerungen und eine Anregung zum Mitmachen zu schaffen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) die Informationsoffensive „Deutschland macht’s effizient“ gestartet.4

Efficiency First – Entwicklungen seit 2015

Bei Betrachtung der Entwicklung der Energiewende seit Einführung des Prinzips Efficiency First im Jahr 2015 fällt auf, dass erneuerbare Energien und der Netzausbau immer noch Priorität genießen. Beispielsweise wurden 2017 für die gesamte Energiewirtschaft rund 24,7 Milliarden Euro aufgewendet. Davon kamen 15,7 Milliarden Euro dem Ausbau der erneuerbaren Energien zugute, 5,7 Milliarden wurden in den Ausbau der Netze investiert. Hingegen sind nur 1,03 Milliarden Euro in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im produzierenden Gewerbe geflossen. Efficiency First hat sich in der Realität also bisher nicht durchgesetzt. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat festgestellt, dass die nicht energieintensiven Bereiche der Industrie etwa 70 Prozent zu den weltweit notwendigen Energieeinsparungen beitragen müssen – effizienzsteigernde Maßnahmen dürfen sich also nicht nur auf die Großverbraucher konzentrieren.

Zwischen 2015 und 2017 erhielt der Bereich der regenerativen Energien circa 33 Prozent mehr Forschungsgelder als der Sektor Energieeffizienz. Die erneuerbaren Energien erfahren zudem eine Förderung über die EEG-Umlage, für die Steigerung der Energieeffizienz gibt es keine vergleichbare Unterstützung. Doch auch der Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze bleibt hinter den Erwartungen zurück, vor allem die Windenergie ist stark betroffen. Auch aus diesem Grund sollte der Bereich Energieeffizienz stärker gefördert werden – getreu dem Motto Efficiency First.

Dem Fortschrittsbericht zur Energiewende vom Juni 2019 lässt sich entnehmen, dass es Deutschland bisher nicht gelungen ist, die selbstgesetzten Ziele in puncto Energieeffizienz zu erreichen. Mangelnde Effizienzsteigerungen sind vor allem beim Bruttostromverbrauch, der Endenergieproduktivität und beim Endenergieverbrauch festzustellen. Um die für 2050 angesetzten Ziele nicht zu verfehlen, ist eine Anpassung der Strategie dringend erforderlich.

Mit der „Energieeffizienzstrategie 2050“ hat die Bundesregierung Ende 2019 einen Maßnahmenplan vorgelegt, der dazu beitragen soll, dass die Energiewende doch noch gelingt. Dieser sieht vor, den Primärenergiebedarf bis 2050 um die Hälfte gegenüber dem Jahr 2008 zu reduzieren, der Fokus liegt dabei auf einer beständigen Energieeffizienzsteigerung. Teil der Energieeffizienzstrategie 2050 ist der neue Nationale Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE 2.0), in dem 50 Maßnahmen zur Senkung des Endenergieverbrauchs enthalten sind. Diese zielen auf eine Reduzierung der Endenergienachfrage in den Bereichen Industrie, Gebäude und Verkehr ab. Es ist jedoch fraglich, ob die Energieeffizienzstrategie ausreichen wird, die gesteckten Ziele bis 2050 zu erreichen. Zusätzlich zur Strategie Efficiency First wären dazu weitere Schritte nötig, wie zum Beispiel ein spezifischer Monitoring- und Nachsteuerungsprozess.5

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