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Wissenswertes über die E-Börse | Definition & Handel

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

10.06.2022

Letztes Update

10.06.2022

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  • Wissenswertes über die E-Börse | Definition & Handel

 

Inhalt des Wiki-Artikels

Ein Überblick zur E-Börse: Definition

Die Leipziger Energiebörse gilt als größter Handelsplatz für Strom, der in Deutschland produziert wird. Der freie Handel mit Strom an der E-Börse erstreckt sich allerdings nicht nur auf Deutschland, sondern auch auf viele andere europäische Länder. Die E-Börse entstand im Jahre 2002[1] aus einem Zusammenschluss der damaligen nationalen Strombörsen in Leipzig und Frankfurt. Da die Art des Handels mit Wertpapierhandel vergleichbar ist, haben sich die Begriffe E-Börse oder Energiebörse etabliert. Das gilt auch für den offiziellen Namen European Energy Exchange oder kurz EEX. Nicht zu verwechseln ist der Begriff E-Börse mit dem gleichnamigen Begriff, der von einigen privaten Unternehmen wie PayPal verwendet wird und sich auf elektronische Zahlungsmittel bezieht.

Was sind Energiebörsen?

Obwohl die EEX AG als Aktiengesellschaft den Börsenbetrieb verwaltet, ist die EEX an sich eine öffentlich-rechtliche Einrichtung, die den entsprechenden Regularien und Aufsichtsmechanismen unterliegt. Für den Handel mit Energieprodukten unterliegt die E-Börse in Leipzig den gleichen Qualitäts- und Überwachungsrichtlinien wie andere Handelsplätze, die unter das Börsengesetz [2] fallen. Prinzipiell steht die E-Börse allen Energieproduzenten offen, die ihre Produkte auf dem Energiemarkt anbieten möchten. Hierfür ist das Durchlaufen eines Zulassungsprozesses erforderlich. Wer nicht über eine entsprechende Zulassung verfügt, kann einen zugelassenen Händler mit der Vermarktung seiner Energie an der EEX beauftragen.

An der Energiebörse [3] wird nicht nur mit Strom aus konventionellen und erneuerbaren Energien gehandelt, sondern auch mit anderen Energieprodukten und Erzeugnissen:

  • Kohle
  • Erdgas
  • Emissionszertifikate (z. B. CO₂-Zertifikate)
  • Frachtprodukte
  • Agrarerzeugnisse

So funktioniert der Handel an der E-Börse

An der EEX in Leipzig handeln täglich ca. 500 Marktteilnehmer aus über 30 Ländern [4] mit Energie. Der Handel mit Strom ist auch vor seiner eigentlichen Erzeugung möglich, es können also auch Geschäfte mit zukünftigen Energiekontingenten abgeschlossen werden. Zu den Marktteilnehmern gehören unter anderem Energieversorger, örtliche Stadtwerke, aber auch Banken, die mit Energieprodukten handeln. Möglich ist sowohl der kurzfristige Handel am Spot-Markt für die Abwicklung am selben Tag bzw. maximal am Folgetag als auch der langfristige Handel am Terminmarkt.

  • Kurzfristiger Strom-Spotmarkt: EPEX SPOT SE (European Power Exchange)
  • Langfristiger Handel: EEX Strom-Terminmarkt

Der Tageshandel mit Strom am Spotmarkt wird über die EPEX in Paris abgewickelt, während der Terminmarkt für Strom direkt an der E-Börse in Leipzig gehandelt wird. Auf dem EEX Strom-Terminmarkt können finanzielle und physische Futures gehandelt werden. Dabei werden vorher festgelegte Strommengen von zwei Händlern zu einem festen Preis gehandelt. Außerdem wird der Strom zu einem vorab definierten Zeitpunkt geliefert. Der Terminmarkt soll Energiekäufer gegen kurzfristige Risiken durch Preisänderungen absichern. Lieferverträge können auf dem Terminmarkt der E-Börse eine maximale Vorlaufzeit von bis zu 6 Jahren haben [5].

 

Die Bedeutung Erneuerbarer Energien an der E-Börse

Die Erneuerbaren Energien haben im Rahmen der Energiewende einen großen Einfluss auf den Handel mit Strom an der EEX und anderen Energiebörsen. So haben regenerative Energiequellen in vielen Ländern der EU Vorrang bei der Einspeisung in die Stromnetze. Erst wenn eine Überlastung der Netzkapazität droht, wird die Einspeisung von Erneuerbaren reduziert. Dies hat Auswirkungen auf die Großhandelspreise am Strommarkt.

Der Großhandelspreis berechnet sich unter anderem nach den Grenzkosten, die durch die teuersten Kraftwerke verursacht werden, die für die Deckung der aktuellen Stromnachfrage erforderlich sind. Zu den Grenzkosten zählen beispielsweise Ausgaben für (fossile) Brennstoffe oder der Kauf von zusätzlichen Emissionszertifikaten. Bei Erneuerbaren Energien aus Windkraft oder Photovoltaik sind die Grenzkosten kaum vorhanden. Daher können diese Energieträger den Großhandelspreis im Vergleich zur konventionell erzeugten Energie senken.

Es gilt: Je größer der Anteil günstiger Stromerzeuger, desto geringer ist die Zahl an Kraftwerken mit höheren Grenzkosten. [6] Wenn also besonders viel Wind- oder Sonnenenergie zur Verfügung steht, kann dies die teureren fossilen Energieträger zeitweise aus dem Strommarkt verdrängen. Erst dann, wenn sich die aktuelle Nachfrage für Strom nicht mehr durch die Kraftwerke mit niedrigen Grenzkosten decken lässt, schalten sich teurere Kraftwerke hinzu. Der Strompreis wird somit von demjenigen Kraftwerk bestimmt, das sich zuletzt zuschaltet und die höchsten Grenzkosten hat.

 

Wie kommt es zu negativen Strompreisen an der Energiebörse?

Während Endverbraucher mit ständig steigenden Strompreisen zu kämpfen haben, kommt es beim Handel an den Strombörsen regelmäßig zu sogenannten negativen Strompreisen. Das kann passieren, wenn das Stromangebot die aktuelle Nachfrage deutlich übersteigt, etwa bei besonders günstigen Wetterbedingungen für Wind- und Solarstrom. Die negativen Strompreise entstehen nur beim kurzfristigen Handel mit Strom am Spotmarkt der E-Börse. Dann erhalten Erzeuger keine Vergütung mehr für ihren Strom, sondern müssen für die Einspeisung ins Netz selbst Geld zahlen. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, die Energieerzeugung durch fossile Kraftwerke stärker an die Kapazitäten der Erneuerbaren Energien anzupassen. Gleichzeitig sollen Erzeuger regenerativer Energien ihr Angebot stärker an der Stromnachfrage ausrichten. Negative Strompreise sind außerdem ein Anreiz für den Aufbau von flexiblen Energiespeichern.

 

Vorteile und Nachteile des Handels mit Strom an der E-Börse

Zu den großen Vorteilen von Energiebörsen wie der EEX in Leipzig zählt die Ausrichtung der Strompreise an der aktuellen Nachfrage mit den damit verbundenen Anreizen für Erzeuger. Allerdings gilt dies vor allem für den kurzfristigen Handel am Spotmarkt, der für den Strompreis der Endverbraucher oft nur wenig Bedeutung hat.

Der Handel am Terminmarkt sichert hingegen vor allem Großverbraucher in der Industrie oder Verkehrsbetrieben wie der Bahn gegen große Preissprünge ab. [7] Dies gibt Großverbrauchern Planungssicherheit. Der Nachteil daran ist, dass sowohl Preissteigerungen als auch Preissenkungen bei langfristigen Lieferverträgen nicht weitergegeben werden.

Beim Handel mit Stromerzeugnissen besteht somit immer die Gefahr, bei langfristiger Beschaffung am Terminmarkt weniger flexibel zu sein, wenn sich die Bedingungen zwischenzeitlich ändern. Am Spotmarkt haben Händler hingegen die Möglichkeit, die Preise kurzfristig zu optimieren, was besonders für Verbraucher geringerer Strommengen interessant ist. Andererseits müssen unter Umständen auch kurzfristige Preissteigerungen hingenommen werden. Wie an der Wertpapierbörse auch, besteht im Handel an der Energiebörse also eine gewisse Volatilität bezüglich der Preisentwicklung.

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