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Bruttostromerzeugung

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

04.01.2021

Letztes Update

17.08.2022

Bruttostromerzeugung – Definition und aktuelle Zahlen für Deutschland

Inhalt des Wiki-Artikels

Die Bruttostromerzeugung in Deutschland

Die Bruttostromerzeugung ist die insgesamt in Deutschland produzierte Strommenge. Sie wird vor der Einspeisung in das Stromnetz an der Generatorklemme gemessen. Neben der Bruttostromerzeugung gibt es die Nettostromerzeugung. Diese ergibt sich durch den Abzug des Eigenverbrauchs der Kraftwerke und der Verluste, die durch den Stromtransport entstehen, von der Bruttostromerzeugung. Sie bezeichnet also die Strommenge, die dem Endverbraucher zur Verfügung steht. Der Anteil an erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung erhöht sich beständig, allerdings nimmt der Anteil fossiler Energieträger an der Stromerzeugung nicht gleichermaßen ab. Daher wird seit 2003 in Deutschland mehr Strom erzeugt als verbraucht, der überschüssige Strom wird exportiert.1

Bruttostromerzeugung nach Energieträgern

Seit 1990 hat sich der Energiemix in Deutschland stark verändert. Deutlich abgenommen hat der Anteil der Kernenergie, der Braun- und der Steinkohle an der Bruttostromerzeugung, sie machten zu Beginn der Neunziger zusammen 85 Prozent aus. Im Jahr 2019 trug Braunkohle 22,6 Prozent, Steinkohle 14,4 Prozent und Kernenergie 11,6 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei, das ergibt zusammen einen Anteil von 48,6 Prozent. Der Anteil an Mineralöl hat sich dagegen kaum verändert, er lag 2019 bei 0,9 Prozent. Einen deutlichen Zuwachs verzeichneten die erneuerbaren Energien, ihr Anteil an der Bruttostromerzeugung hat sich seit 1990 mehr als verzwölffacht. Dazu hat besonders die Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beigetragen. Insgesamt hatten erneuerbare Energieträger 2019 einen Anteil von 33,1 Prozent an der Bruttostromerzeugung. Vor allem trugen die Windkraft mit 16,1 Prozent, Biomasse mit 7 Prozent und die Photovoltaik mit 6,1 Prozent dazu bei.2

Bruttostromerzeugung nach Bundesländern

Der Einsatz von erneuerbaren und fossilen Energieträgern zur Bruttostromerzeugung unterscheidet sich in den verschiedenen Bundesländern Deutschlands deutlich. Kernenergie wird nur noch in vier Bundesländern produziert, nämlich in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Baden-Württemberg wird der größte Teil des Stroms aus Kernenergie gewonnen, die anderen drei Länder nutzen vermehrt erneuerbare Energieträger. Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über den Energiemix der Bruttostromerzeugung nach Bundesländern, die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2017:3

Bundes land Kohle Erdgas Kern-energie Erneuer-bare Energien Sonstige
Baden-Württem-berg 29,3 % 7,7 % 30,4 % 27,1 % 5,5 %
Bayern 4,5 % 13,0 % 36,8 % 44,2 % 1,5 %
Berlin  47,4 % 44,7 % 4,9 % 3,0 %
Branden-burg 57,3 % 4,3 % 32,3 % 6,1 %
Bremen 50,2 % 25,0 % 9,2 % 15,6 %
Hamburg 85,3 % 8,4 % 4,7 % 1,6 %
Hessen 19,7 % 28,1 % 43,3 % 8,9 %
Mecklen-burg-Vorpom-mern 19,6 % 7,9 % 71,9 % 0,6 %
Nieder-sachsen 12,8 % 14,6 % 24,3 % 45,3 % 3,0 %
Nordrhein-West-falen 65,6 % 15,0 % 12,0 % 7,4 %
Rheinland-Pfalz 0,4 % 47,9 % 47,8 % 3,9 %
Saarland 55,6 % 18,0 % 19,1 % 7,3 %
Sachsen 75,1 % 9,7 % 13,5 % 1,8 %
Sachsen-Anhalt 25,8 % 15,2 % 52,9 % 6,1 %

Schleswig-Holstein

8,0 % 3,3 % 17,7 % 69,2 % 1,8 %
Thüringen 0,1 % 20,5 % 59,1 % 20,3 %

 

Deutschlands Stromimport und -export

Import und Export von Strom gleichen Unterschiede zwischen der Stromerzeugung und dem Stromverbrauch aus. Seit 2003 fällt der Bruttostromverbrauch in Deutschland geringer aus als die Bruttostromerzeugung, so dass Strom exportiert wird. Der höchste Überschuss fiel bislang im Jahr 2017 mit mehr als 55 Milliarden Kilowattstunden an. Der Bruttostromverbrauch bezeichnet den Endenergieverbrauch an Strom, Übertragungs- und Umwandlungsverluste sind eingeschlossen. Laut EG-Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen gilt der Bruttostromverbrauch als Bezugsgröße für den Anteil an erneuerbaren Energien.

Im ersten Halbjahr 2020 hat die Menge des aus Deutschland exportierten Stroms gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 um 11,6 Prozent abgenommen und belief sich auf 33,6 Milliarden Kilowattstunden. Doch es wurde auch Strom importiert, um Fluktuationen bei den erneuerbaren Energien auszugleichen. Insgesamt wurden 25,7 Milliarden Kilowattstunden Strom im ersten Halbjahr 2020 importiert und damit 43,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2019. Die wichtigsten Importländer für Strom sind Frankreich, von dort wurden 8,7 Milliarden Kilowattstunden Strom im ersten Halbjahr 2020 bezogen, sowie die Niederlande mit 4,3 Milliarden Kilowattstunden, Österreich mit 2,9 Milliarden Kilowattstunden und die Tschechische Republik mit 1,1 Milliarden Kilowattstunden.

Entwicklung der Bruttostromerzeugung

Die Wiedervereinigung Deutschlands führte in den Jahren 1990 bis 1993 zu einer sinkenden Bruttostromerzeugung, da in den neuen Bundesländern viele Kraftwerke und Industrieanlagen stillgelegt wurden, die veraltet waren. Mit dem Bedarf stieg auch die Bruttostromerzeugung ab 1993 wieder an. Einen starken Rückgang verzeichnete die Stromerzeugung 2009, ursächlich dafür war ein Konjunktureinbruch, dem eine reduzierte wirtschaftliche Leistung folgte. Seit dem Jahr 2017 sinkt die Bruttostromerzeugung, weil Atom- und Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Darüber hinaus trug 2019 der rückläufige Stromhandelsüberschuss zu einer Reduzierung der Bruttostromerzeugung bei.

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