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BEEV

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

07.06.2021

Letztes Update

15.06.2022

 

BEEV – Der Bruttoendenergieverbrauch in Deutschland und der EU

 

Inhalt des Wiki-Artikels

Der Bruttoendenergieverbrauch, kurz BEEV, umfasst laut Definition der EU-Richtlinie 2009/28/EG:

  • Alle Lieferungen an Energieprodukten, die Haushalte, der Verkehrssektor, die Industrie sowie der Sektor Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) inklusive Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft beziehen
  • Den Eigenverbrauch der Energiewirtschaft, der bei der Strom- und Wärmeerzeugung anfällt
  • Bei der Verteilung und Übertragung auftretende Elektrizitäts- und Wärmeverluste

Bestimmung des BEEV

Grundsätzlich ist zwischen Bruttoendenergieverbrauch und Endenergieverbrauch beziehungsweise Bruttostromverbrauch und Endenergieverbrauch von Strom zu unterscheiden. Die beiden erstgenannten Begriffe schließen den Verbrauch aller Energiearten ein, die zwei letztgenannten nur den Verbrauch von Strom. Der Endenergieverbrauch von Strom wird auch Nettostromverbrauch genannt. Anders als beim Endenergieverbrauch sind im Bruttoendenergieverbrauch und im Bruttostromverbrauch auch die Energiemengen enthalten, die aufgrund von Netzverlusten, Verlusten bei Umwandlungsprozessen oder Eigenverbrauch der Energiewirtschaft gar nicht erst beim Endverbraucher ankommen.

Bei der Bestimmung des BEEV werden Importe und Exporte berücksichtigt. Der deutsche Bruttoendenergieverbrauch zeigt an, wie viel Energie in Deutschland verbraucht wird, das bedeutet aber nicht, dass der Strom auch in Deutschland erzeugt wurde. Der BEEV berechnet sich aus der gesamten Stromerzeugung im Land zuzüglich der Stromimporte und abzüglich der Stromexporte.

Bruttoendenergieverbrauch und Primärenergieverbrauch

Dem Bruttoendenergieverbrauch steht der Primärenergieverbrauch (PEV) gegenüber, der den Energiegehalt aller im Inland eingesetzten Energieträger angibt. Der PEV wird über den Wirkungsgrad der Energieträger ermittelt, was zu einem verzerrten Bild in Zeiten der Energiewende führt. Es entsteht der Eindruck, als ginge der Primärenergieverbrauch von fossilen und nuklearen Brennstoffen stärker zurück, als es tatsächlich der Fall ist. Vergleicht man die Entwicklung von PEV und BEEV, fällt auf, dass beim Primärenergieverbrauch ein höherer Effizienzeffekt suggeriert wird.

Anteile erneuerbarer Energien am Bruttoendenergie- und Bruttostromverbrauch in Deutschland

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, dass regenerative Energiequellen bis zum Jahr 2025 einen Anteil von 40 bis 45 Prozent am Bruttostromverbrauch haben. Bis 2050 soll er auf 80 Prozent ansteigen. Im gleichen Jahr sollen erneuerbare Energien 60 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs decken, bis 2030 sind 30 Prozent vorgesehen. Die folgende Tabelle zeigt, wie sich der Anteil regenerativer Energien am Bruttoendenergieverbrauch und am Bruttostromverbrauch Deutschlands bislang entwickelt hat:

Jahr

Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoendenergieverbrauch in %

Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch in %

2004

6,207

9,4

2005

7,167

10,3

2006

8,466

11,6

2007

10,039

14,3

2008

10,072

15,2

2009

10,851

16,4

2010

11,667

17,0

2011

12,453

20,4

2012

13,543

23,5

2013

13,760

25,1

2014

14,385

27,4

2015

14,906

31,5

2016

14,889

31,6

2017

15,476

36,0

2018

16,673

37,8

2019

17,354

42,1

2020

18 (Sollwert)

45,4

 

Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind Ausbaupfade sowie Ausschreibungsvolumen und ‑termine festgelegt, mit Hilfe derer die gesetzten Ziele erreicht werden sollen. Mit einem Erneuerbare-Energien-Anteil von rund 45,4 Prozent am Bruttostromverbrauch wurde die vorgesehene Zielmarke von 35 Prozent für das Jahr 2020 deutlich überschritten. Insgesamt beläuft sich der Bruttostromverbrauch Deutschlands 2020 auf circa 544 Terawattstunden (TWh). Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist der Stromverbrauch in Deutschland und weltweit stark angestiegen. Der globale Verbrauch lag 1980 bei etwa 7300 Terawattstunden, heute ist er rund dreimal so hoch. Dabei hat die Industrie den größten Anteil am Stromverbrauch, gefolgt von den Haushalten, dem Gewerbe und dem öffentlichen Sektor.

Bruttoendenergieverbrauch der EU-Länder

Beim Vergleich des Anteils an erneuerbaren Energien am BEEV in den EU-Ländern liegt Schweden mit 56,39 Prozent im Jahr 2019 weit vorn. Damit hat das nordeuropäische Land seinen Zielwert von 49 Prozent für 2020 bereits überschritten. Deutschland rangiert im Mittelfeld. Die folgende Rangliste zeigt, welche EU-Länder 2019 den höchsten Anteil erneuerbarer Energien am BEEV aufwiesen:

  1. Schweden (56,39 %)
  2. Finnland (43,08 %)
  3. Lettland (40,98 %)
  4. Dänemark (37,2 %)
  5. Österreich (33,63 %)
  6. Estland (31,89 %)
  7. Portugal (30,62 %)
  8. Kroatien (28,47 %)
  9. Litauen (25,46 %)
  10. Rumänien (24,29 %)
  11. Slowenien (21,97 %)
  12. Bulgarien (21,56 %)
  13. Griechenland (19,68 %)
  14. Spanien (18,36 %)
  15. Italien (18,16 %)
  16. Deutschland (17,35 %)
  17. Frankreich (17,22 %)
  18. Slowakei (16,89 %)
  19. Tschechien (16,24 %)
  20. Zypern (13,8 %)
  21. Ungarn (12,61 %)
  22. Vereinigtes Königreich (12,34 %; seit 2020 nicht mehr in der EU)
  23. Polen (12,16 %)
  24. Irland (11,98 %)
  25. Belgien (9,92 %)
  26. Niederlande (8,77 %)
  27. Malta (8,49 %)
  28. Luxemburg (7,05 %)

Alle 28 Länder zusammengenommen erreichten 2019 einen Anteil an erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch von 18,87 Prozent. Der in der Richtlinie 2009/28/EG festgesetzte Zielwert für das Jahr 2020 liegt bei 20 Prozent. Ende 2018 ist eine Neufassung der Richtlinie in Kraft getreten, die darüber hinaus ein weiteres Ziel festschreibt: Bis 2018 sollen erneuerbare Energien einen Anteil von 32 Prozent des BEEV in der EU haben. Im Jahr 2005 wurden lediglich rund 8,5 Prozent des Bruttoendenergieverbrauchs durch regenerative Energien gedeckt. Den Mitgliedsstaaten sind im Rahmen der Umsetzung verbindliche nationale Ziele zugewiesen, um die für die EU vorgegebenen Werte zu erreichen. 2019 lagen zwölf von 28 Ländern bereits über ihren Zielmarken für das Jahr 2020.

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