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Luxemburgs Selbstversorgungsgrad

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

10.July 2021

Letztes Update

10.12.2021

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Selbstversorgungsgrad: Wie gut kann sich Luxemburg selbst mit Nahrungsmitteln versorgen?

Lange war der Selbstversorgungsgrad nur eine Zahl in den Statistiken. Hamsterkäufe und unpassierbare Grenzen während der Coronakrise förderten das Interesse an dieser Zahl.

Inhalt des Blogartikels

Der Selbstversorgungsgrad: Was beschreibt dieser Wert konkret?

Jedes Land produziert Nahrungs- und Genussmittel zur Versorgung der eigenen Bevölkerung und zum Export in andere Länder der Welt. Der Selbstversorgungsgrad gibt dabei an, in welchem Verhältnis die Produktion zum Bedarf der Bevölkerung im Inland steht. Auch die Frage nach einer autarken, also vom Ausland unabhängigen Energieversorgung, kann gestellt werden. Wir erklären dir in diesem Beitrag, wie es um den Selbstversorgungsgrad in Luxemburg steht und welche spannenden Statistiken es dazu gibt.

 

Eine kurze theoretische Einführung: So entsteht die Versorgungsbilanz

Der Selbstversorgungsgrad eines Landes gibt grundsätzlich an, inwieweit die eigene Landwirtschaft dazu fähig ist, die eigene Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Er wird sowohl für tierische Produkte wie Fleisch, Milch oder Käse als auch für pflanzliche Produkte wie Weizen, Gemüse oder Obst berechnet. Bei der Berechnung dieses Werts muss auch die Abhängigkeit der Landwirtschaft von ausländischen Lieferanten beachtet werden.

Was kompliziert klingt, ist einfach erklärt: Für die Viehhaltung sind zum Beispiel Futtermittellieferungen aus dem Ausland notwendig. Die nationale Produktion kann also erst durch diese Zukäufe entstehen. Besonders häufig ist dies auf dem Sektor der Fleischproduktion der Fall. Auch im Bereich pflanzlicher Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse oder Getreide ist die Abhängigkeit von Düngemitteln groß. Sie garantieren eine bessere Ernte und höhere Erträge. Fallen diese Lieferungen weg, kann die Landwirtschaft zwar weiter produzieren; allerdings sinken die Erträge, da die Ernten nicht in gewohnter Menge ausfallen.

Von einer Überversorgung spricht man, wenn ein Land mehr Erzeugnisse produziert, als die eigene Bevölkerung konsumiert. In Luxemburg trifft dies zum Beispiel auf Rindfleisch zu. Eine Unterversorgung entsteht dann, wenn eine Volkswirtschaft mehr Produkte verbraucht, als sie selbst produziert. Dies ist in Luxemburg – nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Gegebenheiten – bei sehr vielen Erzeugnissen der Fall. Diese Lebensmittel müssen aus dem Ausland importiert werden.

Saisonale Produkte haben eine starke Auswirkung auf die Versorgungsbilanz

Wir alle haben uns daran gewöhnt, dass jede Sorte Obst und Gemüse immer in den Regalen der Supermärkte zu finden ist. Erdbeeren, Salat oder exotische Früchte aus Übersee stehen ganzjährig auf unserem Speiseplan. Dieses Konsumverhalten senkt den Selbstversorgungsgrad erheblich und belastet durch die langen Transportwege auch die Umwelt. Grundsätzlich wäre es möglich, auf viele dieser Lebensmittel zu verzichten und dabei trotzdem die Versorgung der Bevölkerung mit Nährstoffen durch Äquivalente aus dem Inland zu gewährleisten. Andererseits besteht dazu kein triftiger Grund, da die Verfügbarkeit – und dies zeigte zudem die Coronakrise – gewährleistet ist.

Auch die Frage, ob es besser wäre, die Erzeugung mit hohem Energieeinsatz in Luxemburg durchzuführen, wird häufig gestellt. Die intensive Verflechtung der Wirtschaft mit Partnern im Ausland lässt es sinnvoller erscheinen, saisonale Lebensmittel in deren Land zu produzieren und durch stabile Lieferketten gegen eigene Produkte zu tauschen.

 

Konkrete Zahlen zur Selbstversorgung in Luxemburg

Die meisten von uns wurden in ihrem Leben noch nicht mit einem Mangel an Lebensmitteln konfrontiert. In der Generation der Großeltern ist die Erinnerung daran allerdings noch präsent.

Einen Eindruck davon, wie sich eine Unterversorgung anfühlt, konnten viele von uns im Frühjahr 2020 erleben, als sich zu Beginn der Corona-Pandemie die Regale in den Supermärkten schneller leerten als normal. Der Grund dafür war allerdings kein echter Mangel bei der Erzeugung, sondern die extrem gestiegene Nachfrage durch Hamsterkäufe. Trotz voller Depots und gestiegener Lieferzahlen konnten die Supermärkte nicht mehr rechtzeitig beliefert werden.

Laut einer Studie der Universität Luxemburg von 2020 beträgt der Selbstversorgungsgrad Luxemburgs bei tierischen Produkten:

  • Rindfleisch: 114 Prozent
  • Milch: 99 Prozent
  • Schweinefleisch: 67 Prozent
  • Eier: 35 Prozent
  • Hühnerfleisch: 1 Prozent
  • Gemüse: 3-5 Prozent
  • Obst: unter 1 Prozent

Bei pflanzlichen Erzeugnissen ist der Selbstversorgungsgrad besonders niedrig:

Die STATEC erfasst den Selbstversorgungsgrad Luxemburgs nur für Rind- und Schweinefleisch. Diese Statistik ist von schwankenden Werten geprägt. 2017 lag der Selbstversorgungsgrad Luxemburgs für Rindfleisch nach dem Nationalen Institut für Statistik und Wirtschaftsstudien bei 115 Prozent, 2018 bei 107 Prozent, für 2019 wird ein Wert von 94 Prozent angegeben. Bei Schweinefleisch schwankt der Selbstversorgungsgrad laut diesen Angaben zwischen 67 Prozent (2017), 63 Prozent (2018) und 57 Prozent (2019).

Der Trend zu einheimischen Produkten: Die Regierung unterstützt die Landwirtschaft

Luxemburg kann nur einen geringen Anteil seines Bedarfs durch die inländische Produktion decken. Allerdings setzt die Regierung auf eine Diversifizierung der Landwirtschaft. Konkret sollen die Konsumenten stärker für regionale und saisonale Produkte sensibilisiert werden und dadurch neben vielen weiteren Aspekten auch die Landwirte im Großherzogtum unterstützen. Sie sollen wiederum durch Förderungen auch zu einer Erhöhung der Unabhängigkeit vom Ausland beitragen.

Der Energiesektor ist von einer niedrigen Selbstversorgung gekennzeichnet

Luxemburg kann seinen eigenen Energiebedarf weder bei fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas noch bei Strom selbst decken. Dazu fehlen schlichtweg Großkraftwerke, eigene Vorkommen oder ausreichende Speichermöglichkeiten. Die Abhängigkeit von Importen und die daraus entstehenden Risiken für die Versorgungssicherheit wurden bei der Ölkrise 1973 deutlich.

Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Steigerung der Energieeffizienz kann sich die Energieautarkie langfristig erhöhen. Dies hat nebenbei einen positiven Effekt auf die Umwelt und den Klimaschutz. Zusätzlich setzt die luxemburgische Regierung auf die intensive europäische Zusammenarbeit, um Versorgungsengpässe besser ausgleichen zu können.

 

Der Selbstversorgungsgrad Luxemburgs ist niedrig

Den Statistiken nach kann Luxemburg weder seinen Bedarf an Nahrungsmitteln noch an Energie autark decken. Trotzdem besteht kein Grund zur Sorge: Die intensive europäische Zusammenarbeit und stabile Lieferketten sorgen für eine Versorgungssicherheit.

Mit ein bisschen Ehrgeiz kannst du deine persönliche Autarkie steigern. Spannende Projekte gibt es dazu nicht nur im ländlichen Raum, auch in der Stadt ist Selbstversorgung möglich (Stichwort Urban Gardening).

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