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Passivhaus-Standard in Luxemburg

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

5.December 2021

Letztes Update

10.12.2021

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Von der Ausnahme zum neuen Standard: Das Passivhaus in Luxemburg

In Luxemburg gilt seit 2017 ein strenger Baustandard, der sich bei Neubauten am Passivhaus-Standard orientiert. Hier erfährst du, was das Wohnen im Passivhaus mit sich bringt.

Inhalt des Blogartikels

Das Passivhaus: Ist es die neue Art des Bauens?

In ganz Europa stehen die Themen Energiewende, Klimawandel und nachhaltige Wohnformen auf der Agenda der Politik und von weiten Teilen der Bevölkerung. Steigende Energiepreise, ein bewussteres Nachdenken über die Klimawirkung des eigenen Handelns und nicht zuletzt der Wunsch, nachhaltig und umweltverträglich zu wohnen, setzen dabei auch das Passivhaus in den Fokus.

Das Großherzogtum Luxemburg reagierte bereits früh mit Baustandards, die hohe energetische Anforderungen stellen und den Einsatz von Primärenergie auf ein absolutes Minimum reduzieren. Seit 2017 gelten strenge Regeln hinsichtlich der Energieeffizienz von Neubauten. Sie müssen den Anforderungen der AAA-Energieklasse entsprechen, was einem Niedrigstenergiegebäude (Nearly Zero Energy Building – NZEB) entspricht. Auch für bestehende Gebäude gibt es umfangreiche Förderprogramme, mit denen der Staat die energetische Sanierung fördert. Durch diese Maßnahmen soll der Anteil der Gebäude am Gesamtenergiebedarf sinken.

 

So unterscheidet sich der Passivhaus-Standard von einem „normalen Haus“

Die wichtigste Eigenschaft eines Passivhauses findet sich bereits in seiner Bezeichnung. „Passiv“ steht für das passive Aufheizen und Abkühlen des Hauses ohne ein zusätzliches Heizsystem. Damit dies funktioniert, sind mehrere Elemente notwendig. Diese sind zwar im Vergleich zu einem herkömmlichen Haus aufwendiger in der Planungs- und Bauphase, garantieren dafür aber den Hausbewohnern langfristig einen maximalen Wohnkomfort bei minimalem Energieverbrauch.

Die Gebäudehülle

Der wichtigste Punkt für das Funktionieren eines Passivhauses ist seine Wärmedämmung. Sie sorgt dafür, dass sich das Haus „passiv“ erwärmen kann. Der Standort und die Ausrichtung des Gebäudes zur Sonne sind deswegen bereits in den ersten Projekt- und Planungsschritten ein Thema.

Unzählige weitere Faktoren fließen in die Planung ein: Die Wärme, die die Hausbewohner, die elektrischen Geräte und die Beleuchtung im Haus abgeben, verbleibt durch die Verwendung optimaler Dämmstoffe im Haus. Neben einer besonders hochwertigen Außenhülle mit einem hohen U-Wert (unit of heat transfer, Wärmedurchgangskoeffizient) sorgen weitere Maßnahmen für geringste Wärmeverluste. Dazu muss die Gebäudehülle so ausgeführt werden, dass sie luft- und winddicht sowie frei von Wärmebrücken ist.

Durch diese sowohl in der Planung als auch beim Bauen aufwendigen Arbeiten ist bei exakter Umsetzung der Vorgaben keine klassische Heizung, zum Beispiel mit Öl oder Gas, oder Wärmepumpe mehr notwendig. Auch eventuelle Spitzenlasten, zum Beispiel an besonders kalten Wintertagen, können allein durch die elektrische Lüftungsanlage ausgeglichen werden. Der Jahresheizwärmebedarf sinkt dadurch in einem Passivhaus auf einen Wert von unter 15 kWh/(m²a).

Die perfekte Wärmedämmung trägt auch zum Wohlbefinden der Hausbewohner bei. Da es dank der Dämmstoffe keine kalten Außenmauern oder Böden mehr gibt, steigt die Behaglichkeit im gesamten Haus.

Die Fenster

Fensterflächen sind dafür bekannt, dass sie potenziell viel Wärme nach außen abgeben, es kommt zu sogenannten „Wärmeverlusten“. Deswegen greifen Planer von Passivhäusern zu speziellen Lösungen.

In der Regel verbauen sie in Passivhäusern dreiglasige, luftdichte Fenster, die über einen besonders niedrigen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) verfügen. Das sorgt einerseits dafür, dass die Wärmeverluste durch die Fensterscheiben gering bleiben, andererseits aber auch dafür, dass sich die Innenräume durch den Einfall des Sonnenlichts erwärmen. Dementsprechend wichtig ist die exakte Planung der Größe der Fensterflächen bereits in der Projektphase, da ihre Ausrichtung die Erwärmung des Hauses wesentlich beeinflusst.

Unser Tipp: Bei der Berechnung der Wärmeverluste durch die Fenster musst du zusammen mit deinem Planer beziehungsweise Architekten darauf achten, dass er auch die Fensterrahmen miteinbezieht. Hier ist der Uw-Wert maßgeblich.

Die Lüftung

Dank der äußerst dichten Außenhülle eines Passivhauses und der optimierten Verglasung kannst du auf den Einbau einer klassischen Heizung verzichten. Allerdings ist ein speziell für das Haus konzipiertes Lüftungssystem obligatorisch. Es sorgt nicht nur für möglichst geringe Wärmeverluste und verhindert Feuchtigkeitsschäden beziehungsweise Schimmelbildung, sondern leistet auch seinen Beitrag für das Raumklima.

Die Komfortlüftung bläst die verbrauchte Luft permanent nach draußen und ersetzt sie dank der Wärmerückgewinnung mit angenehm temperierter Frischluft. Dieses System benötigt etwas Aufmerksamkeit durch die Hausbewohner: Das klassische Lüften durch das Öffnen der Fenster und Türen ist aus energetischer Sicht schlecht. Trotzdem besteht natürlich weiterhin die Möglichkeit, die Fenster zu öffnen.

Ein weiterer Punkt, der erwähnt werden muss: Das Absenken der Raumtemperatur, zum Beispiel über die Nacht, ist in einem Passivhaus nicht möglich. Trotzdem möchten viele Passivhausbesitzer den gewonnenen Komfortanstieg durch das behagliche 24/7-Wohlfühlklima nicht mehr vermissen.

Ihre Stärken zeigt die Lüftungsanlage auch an heißen Tagen im Sommer: Die große Hitze bleibt außerhalb der Gebäudehülle und kann dank des Systems zum Austausch der Luft nicht in die Räume eintreten. Zusätzlich sorgt ein gut geplantes Sonnenschutzsystem dafür, dass sich das Haus nicht überhitzt.

Übrigens: Eine fest installierte Klimaanlage zur aktiven Kühlung des Gebäudes kann zum Ausschluss aus den staatlichen Förderprogrammen führen.

 

Der Nachweis: Wie kann ich sicher sein, dass es sich um ein Passivhaus handelt?

Einer der wichtigsten Anhaltspunkte und Nachweise für ein Passivhaus ist der Energiepass (Energieeffizienzbescheinigung), der für jedes Gebäude vorgeschrieben ist. Er besteht aus 3 Kennziffern, die eine Beurteilung des Gebäudes nach den folgenden Gesichtspunkten umfasst:

Energieeffizienzklasse: Sie stellt den Primärenergieverbrauch des Gebäudes dar und umfasst den Heizwärmebedarf (HWB), die technischen Anlagen sowie gegebenenfalls den Brennstoff zur Deckung des Energiebedarfs.

Wärmeschutzklasse: Sie stellt den Heizwärmebedarf dar. Zur Berechnung dieses Wertes werden auch die Wärmedämmung und die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung herangezogen.

Effizienzklasse für die Umweltwirkung: Dieser Wert stellt dar, welche CO2-Emissionen durch das Haus entstehen.

Ein Neubau in Luxemburg muss dabei seit 2017 in allen Klassen den Wert A erreichen.

Unser Tipp: Achte genau auf die Grenzwerte und Details. So fallen zum Beispiel Einfamilienhäuser mit einem jährlichen Heizwärmebedarf bis 22 kWh/(m²a) nach dem Energiepass in Klasse A. Zertifizierungen für Passivhäuser sind meistens strenger. Der Wert für den HWB liegt dann in der Regel bei maximal 15 kWh/(m²a).

Eine verlässliche Auszeichnung für ein Passivhaus ist zum Beispiel eine Zertifizierung durch das Passivhaus Institut Darmstadt, das sich bereits seit 1996 mit der hocheffizienten Nutzung von Energie in Gebäuden beschäftigt. Dank der über die Jahre gesammelten Praxiserfahrung, die in regelmäßigen Abständen an zertifizierte Planer weitergegeben wird, kannst du mit einem derartigen Zertifikat auch langfristig und verlässlich nachweisen, dass es sich um ein Passivhaus handelt. Durch die gebührenpflichtige Zertifizierung steigen allerdings die Gesamtkosten.

Wenn du Wert auf Nachhaltigkeit beim Bauen beziehungsweise bei einer energetischen Sanierung legst, solltest du einen Blick auf die LENOZ-Zertifizierung (Lëtzebuerger Nohaltegkeets Zertifizéierung fir Wunngebaier) werfen. Dieses 2017 vom Wohnbauministerium gestartete Programm prüft dein Wohngebäude auf Nachhaltigkeitskriterien in 6 Kategorien. Es gilt wie der Energiepass für 10 Jahre und steigert vor allem beim Erreichen einer hohen Punktezahl den Wert deiner Immobilie. Weitere Informationen dazu findest du bei guichet.lu.

 

Luxemburg ist auf dem Weg zum Wohnen im Passivhaus

Die 2017 geschaffene gesetzliche Verpflichtung, dass alle Neubauten annähernd einem Passivhaus-Standard entsprechen müssen, sorgte für viele Veränderungen auf dem Markt. Staatliche Subventionen und zinsreduzierte Darlehen gibt es unter bestimmten Voraussetzungen sowohl für Neubauprojekte als auch für die energetische Sanierung im Bestand.

Bewohner von Passivhäusern loben vor allem das angenehme Raumklima und die dauerhaft niedrigen Energiekosten, da eine Heizung im eigentlichen Sinne wegfällt. Wir empfehlen dir, bei der Qualifikation deines Architekten beziehungsweise Planers genau darauf zu achten, dass er das notwendige Know-how hat. Ob du dich dann für ein NZEB (Nearly Zero Energy Building) nach der Luxemburger Norm oder ein zertifiziertes Passivhaus, zum Beispiel nach dem Passivhaus Institut, entscheidest, bleibt dir überlassen. In jedem Fall setzt du durch die Senkung deines Energiebedarfs ein wertvolles Zeichen für den Klimaschutz und die Energiewende.

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