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Cradle to Cradle in Luxemburg

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

2.May 2021

Letztes Update

10.12.2021

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Cradle-to-Cradle-Prinzip: Produkte aus eigenem Kreislauf

Cradle to Cradle wird auch gern als „perfekter Kreislauf“ bezeichnet. Er soll komplett ohne Müll auskommen, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren.

Inhalt des Blogartikels

Weniger Abfall für eine bessere Ökobilanz

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in der heutigen Zeit eine immer größer werdende Rolle, um den CO2-Fußabdruck weitestgehend zu minimieren und die Ökobilanz zu verbessern. Zum Schutz der Umwelt hat sich bereits viel getan. Jedoch reicht das Engagement längst nicht aus, um die Auswirkungen des Klimawandels zu begrenzen.

Glücklicherweise gibt es immer mehr Hersteller, die Konzepte entwickeln, die dem Schutz der Umwelt dienen und keinen negativen, sondern einen positiven Fußabdruck hinterlassen.

Eines der größten Probleme, mit dem wir derzeit kämpfen, sind die riesigen Berge an Müll, die wir tagtäglich produzieren. Die Mengen an Abfall sind enorm: Allein in Deutschland lag der Kunststoffverpackungen-Verbrauch im Jahr 2018 pro Einwohner bei etwa 39 Kilogramm. Das ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass viele Materialien einfach im Meer landen.

Wusstest du, dass eine PET-Flasche 450 Jahre braucht, ehe sie sich zersetzt hat? Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich vollständig auflöst. Übrig bleiben winzige Plastik-Partikel (auch als Mikroplastik bekannt), die im Meerwasser treiben oder sich auf dem Meeresboden absetzen und in die Nahrungskette gelangen.

 

Cradle to Cradle: „Von der Wiege in die Wiege“

Cradle to Cradle ist zum Beispiel ein Konzept, das das Thema Nachhaltigkeit auf den Punkt bringt. Das Prinzip wurde 1990 von dem deutschen Chemiker Professor Dr. Michael Braungart, dem US-amerikanischen Architekten William McDonough und der EPEA GmbH ((Environmental Protection Encouragement Agency) in Hamburg entwickelt, um natürliche Kreisläufe zu schaffen, die

  • ohne Müll auskommen,
  • die Umwelt schonen,
  • den ökologischen Fußabdruck verringern und
  • im Einklang mit der Natur arbeiten.

Cradle to Cradle bedeutet übersetzt „von der Wiege in die Wiege“, was den Ansatz des Prinzips deutlich macht. Cradle to Cradle arbeitet mit dem Ziel, nicht nur wirtschaftlich zu denken, die Produkte an den Mann und die Frau zu bringen und Gewinne zu erzielen. Es sollen nachhaltige Materialien und Produkte entwickelt werden, die sich in den natürlichen Kreislauf einbinden und deren Rohstoffe sich restlos wiederverwerten oder kompostieren lassen.

Cradle to Cradle: Nur für Hersteller oder auch für Konsumenten?

Wenn du dich mit dem Cradle-to-Cradle-Konzept etwas näher beschäftigst, stellst du dir womöglich die Frage, für wen sich das Prinzip von Braungart und McDonough überhaupt eignet. Natürlich richtet sich das Cradle-to-Cradle-Prinzip in erster Linie an Hersteller, die mit ihrer Produktion neue Wege gehen möchten. Sie wollen mit dem Ziel arbeiten, Produkte zu entwickeln, die sich nach dem Vorbild der Natur nicht nur in einen natürlichen Kreislauf einbinden lassen – sie sollen auch weder für die Umwelt noch für den Menschen schädlich sein.

Derzeit gibt es bereits viele Unternehmen, die nach dem Konzept arbeiten. So findest du zum Beispiel kompostierbare Kleidung, ökologische Badreiniger und Shampoos im Handel. Selbst Fliesen, Toilettenpapier und Bürostühle werden bereits nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip hergestellt.

Neue Unternehmen kommen hinzu, die sich ihre entwickelten Produkte bei Bedarf zertifizieren lassen können. Um die Zertifizierung zu erhalten, müssen die Produkte beim Cradle to Cradle Products Innovation Institute eingereicht werden, wobei die verwendeten Materialien verschiedene Kriterien erfüllen müssen. So wird zum Beispiel geprüft, ob

  • die Produkte sich überhaupt für den Kreislauf eignen,
  • sie mit erneuerbaren Energien hergestellt werden oder
  • sozial gerecht sind.

Je nachdem, welche und wie viele Kriterien das jeweilige Produkt erfüllt, kann das Institut verschiedene Labels vergeben. Das Zertifikat ist allerdings nicht endgültig – es muss alle 2 Jahre neu beantragt werden, wobei sich die Hersteller aufgrund der geforderten Kriterien stets verbessern und ein besseres Label erhalten können.

 

Wie funktioniert das Cradle-to-Cradle-Prinzip?

Im Gegensatz zur herkömmlichen Produktion, die in erster Linie mit Produkten arbeitet, die nach der Nutzung einfach auf dem Müll landen, arbeitet Cradle to Cradle nach einem innovativen Prinzip, auch oft als Stoffkreislauf bezeichnet. Die Produkte, die nach dem Ansatz von Braungart und McDonough hergestellt werden, lassen sich dabei in 2 Kreisläufe einteilen:

  • der biologische Kreislauf
  • der technische Kreislauf

Wie funktioniert der biologische Kreislauf?

In den biologischen Kreislauf gehören vor allem Produkte, die nicht nur mit dem Menschen in Kontakt kommen, sondern auch in die Umwelt gelangen. Um zum Schutz der Umwelt beizutragen, dürfen diese Produkte deshalb keine schädlichen Inhaltsstoffe enthalten. Außerdem sollten wir sie problemlos auf den Kompost werfen und natürlich „recyceln“ können, um daraus neue Produkte herstellen zu können. Gebrauchte Produkte können in diesem Cradle-to-Cradle-Kreislauf auch als Nährstoff dienen, um zum Beispiel neue Pflanzen anzubauen, die wiederum für die Produktion verwendet werden.

2 Beispiele für ein Cradle-to-Cradle-Produkt aus dem biologischen Kreislauf sind Toilettenpapier und Badreiniger, die nach der Nutzung in das Abwasser gelangen und daher keine schädlichen Inhaltsstoffe enthalten dürfen. Ein anderes Beispiel sind T-Shirts: Sobald sie nicht mehr getragen werden, werden sie kompostiert, anstatt sie auf den Müll zu werfen. Der entstandene Kompost dient wiederum anderen Pflanzen als Nährstoff, aus denen sich nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip neue kompostierbare Rohstoffe herstellen lassen.

Wie funktioniert der technische Kreislauf?

Der technische Kreislauf funktioniert ähnlich wie der biologische – nur mit dem Unterschied, dass die Produkte hier nicht recycelt, sondern in ihre Ausgangsstoffe zerlegt, aufbereitet und wiederverwendet werden. In diese Kategorie gehören zum Beispiel elektronische Geräte, darunter Waschmaschinen, Fernseher und Computer, die in diesem Kreislauf ein wichtiger Bestandteil eines neuen Produktionsprozesses sind.

 

Warum wird Cradle to Cradle kritisiert?

Derzeit sind dem Cradle-to-Cradle-Prinzip leider (noch) Grenzen gesetzt, da es bislang noch kein Produkt gibt, das sämtliche Kriterien des Stoffwechselkreislaufes erfüllt und daher mit dem besten Label ausgezeichnet wurde. Auch gibt es derzeit nur wenige Unternehmen, die in die „Zukunft“ investieren, indem sie neue, innovative Produkte und Materialien entwickeln, die sich problemlos wiederverwenden und recyceln lassen.

Ein weiterer Kritikpunkt, der immer wieder ins Gespräch gebracht wird, sind die riesigen Mengen an Kompost, die durch das Recycling von kompostierbaren Materialien entstehen würden. Mit solchen großen Mengen an Dünger wüsste man derzeit noch nichts anzufangen. Andersherum fehlt es bislang noch an zahlreichen Produkten, die sich für die Wiederverwertung eignen.

Des Weiteren gibt es viele Kritiker, die in dem Cradle-to-Cradle-Konzept die Gefahr der Verschwendung sehen, da nicht genutzte Produkte einfach weggeworfen oder in den Recycling-Müll gegeben werden könnten. Sinnvoll wäre es doch eigentlich, einen Weg aus der „Wegwerfgesellschaft“ zu finden, indem die Hersteller Produkte auf den Markt bringen, die möglichst lange genutzt werden könnten und nicht gleich auf dem Müll landen, auch wenn der Abfall Teil eines natürlichen Kreislaufes ist. Hier sind übrigens nicht nur die Hersteller, sondern auch die Konsumenten gefragt, die die Produkte letztendlich in den Stoffkreislauf zurückgeben wollen.

Aus diesem Grund fordern Kritiker, das Cradle-to-Cradle-Konzept bis zum Ende auszureifen, um noch mehr Befürworter für diesen Stoffwechselkreislauf zu finden.

 

Cradle to Cradle ist sinnvoll, aber noch ausbaufähig

Cradle to Cradle ist ein innovatives Prinzip, das den natürlichen Kreislauf der Natur nutzt und zum Schutz der Umwelt beitragen kann. Die beiden geschlossenen Kreisläufe von Braungart und McDonough bieten gute Ansätze, Produkte zu produzieren, die einerseits keine schädlichen Inhaltsstoffe enthalten und sich andererseits kompostieren oder wiederverwenden lassen.

Dennoch steht das Konzept immer wieder in der Kritik, da die Kreisläufe (noch) nicht vollständig ausgereift sind. Kritikern zufolge werden die Menschen eher zum Wegwerfen animiert, anstatt nachhaltig zu leben. Daneben weiß man mit großen Mengen an Kompost, die durch das Recycling entstehen, noch nicht umzugehen.

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