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Deutschlands Selbstversorgungsgrad

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

11.01.2021

Letztes Update

11.03.2022

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Wie sieht es mit dem Selbstversorgungsgrad in Deutschland aus?

Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland war lange nur in Statistiken wichtig. Die leeren Regale während der Coronakrise haben jedoch das Interesse der Bürger daran wieder geweckt.

Inhalt des Blogartikel

Was ist der Selbstversorgungsgrad überhaupt?

Der Selbstversorgungsgrad eines Landes berechnet sich aus dem Verhältnis zwischen Eigenerzeugung und dem Verbrauch von Produkten. Prinzipiell lässt sich dies auf alle Produkte oder die Energieversorgung anwenden, bezieht sich jedoch im alltäglichen Sprachgebrauch der meisten Statistiker auf landwirtschaftliche Erzeugnisse (in erster Linie Nahrungsmittel). Man kann auch von Autarkie sprechen.

Man spricht bei einem Land von einer nicht ausreichenden Versorgung (Unterversorgung), wenn es mehr Produkte verbraucht, als es im Gegenzug herstellen kann. Solche Güter müssen zur Deckung der Nachfrage hinzugekauft werden und schmälern somit die Versorgungsbilanz. Auf der anderen Seite exportiert ein Land in der Regel Produkte aus Überproduktion, die es nicht selbst verbraucht, und kann somit die Versorgungsbilanz insgesamt ausgleichen.

Außerdem zählen auch Nahrungsmittel zum Selbstversorgungsgrad, die zwar hierzulande erzeugt wurden, für deren Produktion aber ausländische Futtermittel erforderlich waren. Dadurch kann es zum augenscheinlichen Widerspruch kommen, dass ein Land bei Grundnahrungsmitteln einen generellen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent erreicht, aber einzelne Produkte bei anderen Anbietern zukaufen muss.

 

Die ständige Verfügbarkeit saisonaler Produkte wirkt sich auf den Selbstversorgungsgrad aus

Maßgeblich für die volkswirtschaftliche Kennzahl ist die Fähigkeit, die eigene Bevölkerung zu ernähren – und das ist auch dann gegeben, wenn die bevorzugten Produkte eventuell gegen andere Lebensmittel ausgetauscht werden müssen. Wir sind heutzutage eine alljährliche Versorgung gewohnt, sodass wir auch im Winter importierte Erdbeeren, exotisches Obst oder nicht saisonales Gemüse im Supermarkt finden können.

Die große Auswahl an Obst, Gemüse etc. trägt dazu bei, dass viele Frischeprodukte hinzugekauft werden müssen, obwohl niemand verhungern würde, wenn es zu einer vorübergehenden Verknappung bestimmter Erzeugnisse käme. Dazu zählen auch viele Produkte, die es früher einfach nicht oder kaum im Handel gab. Die Erwartung der Bevölkerung, alle Produkte ganzjährig verfügbar zu haben, zwingt auf manchen Gebieten naturgemäß zum Import.

 

Wie hoch ist der Selbstversorgungsgrad in Deutschland wirklich?

Über viele Jahrzehnte hinweg war die nicht ausreichende Versorgung für die meisten Bundesbürger etwas aus Erzählungen ihrer Großeltern. Doch im Frühjahr des Jahres 2020 standen im Zuge der Corona-Pandemie plötzlich viele Verbraucher vor leeren Regalen: Neben dem berühmten Klopapier und den Desinfektionsprodukten fehlten vor allem Nudeln, Reis und andere Grundnahrungsmittel, von denen man eigentlich erwartet, dass sie immer im Supermarkt zu finden sind. Der kurzfristige Sprung in der Nachfrage durch die Hamsterkäufe hat allerdings eher die logistischen Probleme bei Lieferketten aufgedeckt als ein echtes Defizit bei der Landwirtschaft beziehungsweise beim Selbstversorgungsgrad in Deutschland.

Dennoch lohnt sich ein Blick auf die Daten. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) erfasst die Zahlen, aus denen sich der Selbstversorgungsgrad für Deutschland berechnet. Demzufolge ist die Versorgung mit Lebensmitteln ausreichend gesichert, wenngleich Deutschland einzelne Produkte nach wie vor zukaufen muss. Im Einzelnen weisen die zuletzt für 2018 veröffentlichten Zahlen einen Selbstversorgungsgrad von 100 Prozent oder mehr für folgende landwirtschaftliche Grundnahrungsmittel aus:

  • Zucker: 160,7 Prozent (Wert noch für 2017)
  • Kartoffeln: 138,0 Prozent
  • Fleisch: 115,6 Prozent
  • Milch: 111,0 Prozent

Grundnahrungsmittel mit Selbstversorgungsgrad unter 100 Prozent:

  • Getreide: 91,0 Prozent
  • Eier: 71,9 Prozent
  • Gemüse: 35,7 Prozent
  • Honig: 31,0 Prozent
  • Obst: 22,4 Prozent

Insgesamt lag der Selbstversorgungsgrad in Deutschland für den Zeitraum 2017/2018 bei Nahrungsmitteln bei 88 Prozent. Dazu zählen auch Nahrungsmittel, die mit Futtermitteln aus dem Ausland erzeugt wurden.

 

Welche Faktoren beeinflussen den Selbstversorgungsgrad für Deutschland?

Grundsätzlich ist die Selbstversorgung mit Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln, Milch, Zucker und Co. in Deutschland gesichert. Allerdings zeigt die Coronakrise, dass durch weltweite Lieferengpässe einzelne Erzeugnisse knapp werden können, weil die Nachfrage insgesamt sprunghaft ansteigt.

Während Hamsterkäufe normalerweise eine vorübergehende Erscheinung sind, können langfristige Produktionsausfälle (zum Beispiel durch die wirtschaftlichen Folgen für die Betriebe, die Nahrungsmittel produzieren) den Selbstversorgungsgrad in Deutschland und anderen Ländern reduzieren. Hinzu kommt, dass im Rahmen der EU gerade in der Agrarwirtschaft eine enge Vernetzung mit Partnern besteht. Die gesamteuropäische Versorgungssicherheit ist daher der entscheidende Faktor: Denn was das eine Land nicht in ausreichender Menge produzieren kann, stellt ein anderes im Überfluss her. Während dieser Warenverkehr EU-intern gut funktioniert, sorgt er faktisch für Abhängigkeiten, die im globalen Handel schnell ausgenutzt werden können.

Manche Bürger setzen aus Gründen der Krisensicherheit und des Umweltschutzes inzwischen auf Möglichkeiten, ihren eigenen Selbstversorgungsgrad und somit ihre Autarkie zu erhöhen.

 

Der Selbstversorgungsgrad bei Energieträgern ist in Europa zu niedrig

Insbesondere bei der nicht autarken Energieversorgung könnte die Stellschraube durch andere Länder angezogen werden, wie es etwa 1973 bei der Ölkrise passierte. Ähnliche Gefahren sehen manche Experten bei der Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland. Hier können die Rückläufigkeit der Energieerzeugung in der gesamten EU und der Bedarf für Energieimporte zu einer strategischen Gefahr werden. Insbesondere Deutschland wäre davon stark betroffen.

Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland bei den Energieträgern lag 2019 beispielsweise bei Braunkohle sowie den erneuerbaren Energien bei jeweils 100 Prozent, bei Erdgas bei 6 Prozent und bei Steinkohle bei 0 Prozent. Zwar ist der hohe Selbstversorgungsgrad bei erneuerbaren Energien bemerkenswert; allerdings machte er 2019 nur 15 Prozent des Primärenergieverbrauchs aus.

 

Fazit: Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland ist im Vergleich sehr gut

Die Selbstversorgung mit Lebensmitteln ist in Deutschland auf absehbare Zeit gesichert. Kurzfristige Engpässe durch Hamsterkäufe oder wirtschaftliche Sonderlagen können jedoch immer auftreten. Bei der Energieversorgung sieht es hingegen weniger rosig aus – hier ist die Selbstversorgung nicht in Sicht.

Inzwischen kannst du aber auch selbst viel dazu beitragen, deine eigenen Selbstversorgungsgrad zu erhöhen. Dies ist auf dem Land einfacher als in der Stadt und wird in unseren Breiten weder bei Lebensmitteln noch bei Energie zu 100 Prozent möglich sein. Aber interessante Optionen gibt es in jedem Fall.

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