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Selbstversorgerhaus

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

16.06.2021

Letztes Update

06.05.2022

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Selbstversorgerhaus - Wunschtraum oder tatsächlich umsetzbar?

Bei steigenden Preisen für Wasser, Energie und Lebensmittel scheint autarkes Leben im Selbstversorgerhaus eine attraktive Alternative zu sein. Doch lässt sich das wirklich umsetzen?

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Selbstversorgerhaus?

Das Thema Selbstversorgung geht fast zwangsläufig mit dem Begriff Autarkie einher. Als Bewohner eines Selbstversorgerhauses lebst du unabhängig von der öffentlichen Versorgung. In einem Selbstversorgerhaus oder auf einem Selbstversorger Hof erzeugst du deinen Strom und Heizungswärme selbst, hast einen eigenen Trinkwasserbrunnen und entsorgst dein Abwasser unabhängig vom öffentlichen Abwasserentsorger. Zur vollständigen Selbstversorgung gehört auch der Anbau eigener Lebensmittel und die eigene Herstellung von Kleidung und Schuhen.

 

Wie genau läuft die Selbstversorgung?

Auch wenn eine absolute Selbstversorgung in unserer heutigen Gesellschaft, vor allem in der Stadt nahezu unmöglich ist, kannst du in bestimmten Bereichen dennoch zum Selbstversorger werden. So kannst du beispielsweise selbst Strom und Heizwärme generieren.

Die Stromversorgung

Mit einer ausreichend großen Photovoltaikanlage und einem Stromspeicher kannst du einen großen Teil des benötigten Stroms für dich und deine Familie selbst erzeugen. Völlig unabhängig wirst du höchstwahrscheinlich trotzdem nicht werden. In Spitzenlastzeiten oder wenn die Photovoltaik wegen zu geringer Sonneneinstrahlung nicht genug Strom liefern kann, musst du dennoch auf den öffentlichen Anbieter zurückgreifen. Aber du kannst zumindest deine Stromkosten stark reduzieren. Andere Möglichkeiten zur Stromerzeugung, die im Privatbereich eher selten eingesetzt werden, sind die Nutzung von Wasser- oder Windkraft oder auch der Betrieb eines Blockheizkraftwerkes.

Heizungsenergie

Auch für das Heizen und Warmwasser kommt die Nutzung der Sonne in Betracht. Mit Hilfe von Solarthermie-Paneelen kannst du warmes Wasser erzeugen und in Pufferspeichern zwischenspeichern. Für Spitzenlast oder wenn die Sonne nicht ausreichend strahlt, bietet sich die Nutzung eines Holzscheit- oder Pelletkessels an. So musst du auch den kalten Monaten des Jahres kein Gas aus dem öffentlichen Netz für die Heizung beziehen.

Ein Blockheizkraftwerk zur kombinierten Erzeugung von Wärme und Strom bietet sich an, wenn du auf von dir selbst oder in der dörflichen Gemeinschaft erzeugtes Biogas zurückgreifen kannst.

Die Wasserversorgung

Zwar sind die Niederschlagsmengen in Deutschland bei entsprechenden Speichervorrichtungen ausreichend, um deine Wasserversorgung über das Regenwasser zu sichern – dennoch ist die Wasserversorgung meist die größte Herausforderung im Selbstversorgerhaus. Denn in Deutschland ist die Nutzung von Regen als Trinkwasser verboten. Du darfst es nur als Brauchwasser, zum Beispiel für die Toilettenspülung und die Waschmaschine, einsetzen. Damit kannst du bereits Geld für Wasser sparen, benötigst aber einen Tank oder eine Zisterne zum Auffangen des Regenwassers.

Für Trinkwasser musst du einen Brunnen auf deinem Grundstück bohren lassen. Inklusive Pumpe und Filteranlage ist das ein hoher technischer und finanzieller Aufwand. Und du brauchst eine Freigabe, dass dein Wasser von ausreichender Qualität ist und du es als Trinkwasser nutzen darfst. Zur Sicherheit solltest du trotzdem über einen Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz verfügen. In Trockenzeiten fällt eventuell zu wenig Regen für deine Brauchwasserversorgung und dein Brunnen kann zeitweise versiegen.

Die Abwasserentsorgung

Das Abwasser ist ebenfalls eine Herausforderung. In Deutschland herrscht Anschlusszwang an das öffentliche Abwassernetz. Nur wenn der zuständige Abwasserzweckverband dir keinen Anschluss bereitstellen kann, bist du davon befreit. Im Falle einer Befreiung musst du eine Kleinkläranlage auf deinem Hof oder Grundstück betreiben, die mehrere tausend Euro Anschaffungskosten erfordert und für deren regelmäßige Entleerung du zuständig bist.

Lebensmittel

In einem Garten kannst du zumindest einen Teil deiner pflanzlichen Lebensmittel selbst erzeugen. Das betrifft vor allem Obst und Gemüse, die den Speiseplan in der Küche ergänzen. Mit einer Kleintierhaltung kommen noch tierische Produkte wie zum Beispiel Milch und Eier oder Fleisch hinzu. Am ehesten ist die weitgehende Selbstversorgung mit Tieren auf einem Bauernhof auf dem Land denkbar, wenn er als Selbstversorgerhof betrieben wird.

 

Was sollte bei der Planung beachtet werden?

Zunächst solltest du dir überlegen und planen, auf welchem Gebiet du zum Selbstversorger werden möchtest. Damit du auch tatsächlich von der Autarkie deines Selbstversorgerhauses profitieren kannst, solltest du von vornherein prüfen, ob sowohl dein Grundstück als auch deine Immobilie oder Bauernhaus einige Bedingungen erfüllt.

Falls du planst, Sonnenenergie zu nutzen, sollte dein Grundstück verschattungsfrei und bestenfalls nach Süden ausgerichtet sein. Zudem muss das Dach des Hauses die für den jeweiligen Standort ideale Neigung aufweisen. Auch die Dachfläche muss groß genug sein, um die erforderlichen Solarmodule anzubringen. Weiterhin muss genügend Platz für die Unterbringung von Akkus und Langzeitwärmespeicher verfügbar sein und das Grundstück generell groß genug sein, um alle erforderlichen Anlagen problemlos unterzubringen.

Wichtig ist vor allem, rechtzeitig alle Baugenehmigungen einzuholen und die Kosten bestmöglich zu kalkulieren. Für deine autarke Wasserversorgung benötigst du beispielsweise die Genehmigung zur Bohrung eines Brunnens und die Freigabe der ausreichenden Wasserqualität. Erst wenn alle rechtlichen Belange geklärt sind, sollte der Plan eines Selbstversorgerhauses umgesetzt werden.

 

Vor- und Nachteile eines Selbstversorgerhauses

Ein Vorteil eines Selbstversorgerhauses liegt darin, dass du und deine Familie Unabhängigkeit von den öffentlichen Versorgern gewinnen können. Außerdem schonst du die Umwelt durch die Verwendung nachwachsender Rohstoffe für die Energieerzeugung. Wenn du deinen Speiseplan durch selbst erzeugte Lebensmittel anreicherst, sparst du außerdem an unnötigen Transportwegen, Emissionen sowie Verpackungen und leistest so einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und zum Klimaschutz.

Der Nachteil liegt in einem großen technischen Aufwand, der mit hohen Anschaffungskosten verbunden ist. Du musst für jede Maßnahme abwägen, ob sich dieser Aufwand lohnt. Hierbei empfiehlt es sich, den Rat von Fachleuten einzuholen. Fallen die hauseigenen Systeme einmal aus, bleibt es ohne gespeicherte Wärme und Energie außerdem dunkel und kalt.

 

Lohnt sich ein Selbstversorgerhaus?

Ob sich ein Selbstversorgerhaus lohnt hängt immer von den persönlichen Umständen ab und welche Möglichkeiten Haus, Grundstück oder Bauernhof bieten. Kannst oder darfst du zum Beispiel auf deinem Anwesen keinen Trinkwasserbrunnen bohren, dann bist du auch weiterhin auf die Versorgung durch den zuständigen Wasserzweckverband angewiesen. Grundlage jedes Projektes muss eine realistische Kalkulation von Aufwand und zu erwartendem Nutzen sein. Wenn sich die vorgesehene Investition innerhalb der normalen Nutzungsdauer der geplanten Technik amortisiert, dann lohnt sich die Maßnahme und kann umgesetzt werden. Das gilt umso mehr, wenn du Fördermittel von Bund, Land oder Kommune beanspruchen und so die Kosten senken kannst.

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