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Merkmale des Passivhaus-Standards

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

05.04.2021

Letztes Update

05.05.2022

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Der Passivhaus-Standard: Vom seltenen Einzelfall zur neuen Hausklasse

In Mitteleuropa waren Passivhäuser lange Zeit eine seltene Ausnahme. Doch inzwischen wollen immer mehr Menschen in Niedrigenergiehäusern nach Passivhaus-Standard leben.

Inhalt des Blogartikels

Zertifizierte Passivhäuser werden wichtiger

Von einem Passivhaus spricht man, wenn ein Gebäude ohne klassische Heizungsanlagen oder Klimasysteme ganzjährig bewohnt werden kann und die Behaglichkeit darunter nicht leidet. Aufheizen und Abkühlen laufen bei einem solchen Haus passiv ab – also ohne aktives Heizverteilsystem. Ermöglicht wird dies durch die Reduzierung von Wärmeverlusten über die Gebäudehülle. Sie muss luftdicht, winddicht und vor allem ohne Wärmebrücken konstruiert sein, was eine entsprechende Wärmedämmung voraussetzt.

Werden alle Maßnahmen perfekt umgesetzt, lassen sich die Wärmeverluste im Vergleich zu herkömmlichen Häusern um bis zu 90 Prozent reduzieren – was das für deine Heizkosten bedeutet, kannst du dir vorstellen. Doch auch beim Umweltschutz bringt der Passivhaus-Standard Vorteile, weil die Emissionen von klimaschädlichen Gasen sowie Schadstoffen ebenfalls stark reduziert ausfallen.

Kaufst oder planst du einen Neubau beziehungsweise sanierst du ein Gebäude, stellt sich die Frage, wie du sicher sein kannst, auch wirklich ein Passivhaus zu bekommen. Um die Vergleichbarkeit zu ermöglichen, sollte ein solches Gebäude nach dem offiziellen Passivhaus-Standard errichtet werden. Problematisch dabei: Bislang gibt es keinen gesetzlich definierten Passivhaus-Standard, wohl aber zertifizierte Passivhäuser nach Vorgaben des Passivhaus Instituts in Darmstadt.

Wichtigster Eckpunkt für die Passivhaus-Zertifizierung ist ein jährlicher Heizwärmebedarf von weniger als 15 kWh/(m²a). Der Primärenergiebedarf konnte dafür bislang sowohl durch fossile als auch durch erneuerbare Energieträger (zum Beispiel Wärmepumpen und Solaranlagen) gedeckt werden. Das Passivhaus Institut hat im Jahr 2015 die Passivhaus-Standards in 3 neue Klassen unterteilt, um der wachsenden Bedeutung erneuerbarer Energien Rechnung zu tragen. Während sich der Wert für den Heizwärmebedarf von 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr nicht geändert hat, fließt in die Berechnung nicht mehr nur der reine Primärenergiebedarf ein, sondern der Gesamtbedarf erneuerbarer Primärenergie (kurz: PER – Primary Energy Renewable). Die 3 Klassen des Passivhausstandards werden wie folgt eingeteilt:

  • Passivhaus Classic: maximaler Primärenergiebedarf von 60 kWh/(m²a)
  • Passivhaus Plus: maximaler Primärenergiebedarf von 45 kWh/(m²a); Zusätzlich muss ein solches Gebäude mindestens 60 kWh/(m²a) Energie erzeugen (Gebäudefläche unter Überbauung).
  • Passivhaus Premium: maximaler Primärenergiebedarf von 30 kWh/(m ²a); zusätzlich erforderliche Energieerzeugung von mindestens 120 kWh/(m²a)

Die Bedeutung von luftdichter Verglasung in zertifizierten Passivhäusern

Da über die Fenster potenziell sehr große Wärmeverluste auftreten können, kommt zertifizierten Fenstern für Passivhäuser eine große Bedeutung zu. Dabei geht es nicht nur darum, dass die bis zu dreifache, luftdichte Verglasung eine besonders gute Wärmedämmung bedeuten, sondern dass auch Rahmen, Größe der Fensterflächen und Ausrichtung berücksichtigt werden.

Immerhin strahlen Glasflächen im Winter die Wärme der Innenräume nach draußen ab und können das Haus bei direkter Sonneneinstrahlung stark aufheizen. Daher macht es einen Unterschied, ob eine große Verglasung zum Beispiel in Nord- oder Südausrichtung montiert wird.

Fenster von Passivhäusern werden häufig mit ihrem U-Wert beworben. Dabei handelt es sich um den Wärmedurchgangskoeffizienten. Der Gesamtwert für das Fenster setzt sich wiederum aus den Werten für den Fensterrahmen und die Verglasung zusammen.

Tipp: Oftmals wird nur der Wärmedurchgangskoeffizient für die Verglasung (Ug) genannt und nicht für das gesamte Fenster. Um den Wärmeverlust insgesamt zu berechnen, ist jedoch der Uw-Wert maßgeblich.

 

Was ist mit der Heizung und Belüftung in Häusern nach dem Passivhaus-Standard?

Ein Gebäude nach Passivhaus-Standard benötigt keine klassischen Heizverteilsysteme, wohl aber ein Lüftungssystem. Denn obwohl du die Fenster eines Passivhauses natürlich ganz normal öffnen kannst, ist dies für den Luftaustausch im Haus weder notwendig noch sinnvoll. Frischluft wird über eine Lüftungsanlage zugeführt, verbrauchte Luft entsprechend abgeführt.

Der Vorteil so einer Lüftungsanlage gegenüber dem normalen Lüften per Fenster ist klar: Dank der Wärmerückgewinnung über Wärmetauscher verliert die Raumluft nur einen geringen Teil der Energie, die die Heizung ansonsten mühsam erst wieder zuführen müsste.

Übrigens gilt das ebenso im Sommer für die Kühlung von Räumen: Wenn keine heiße Luft durch die Fenster in das Haus gelangt, sondern über das Belüftungssystem von außen angesaugt und abgekühlt wird, sind keine klassischen Klimaanlagen notwendig beziehungsweise können diese sehr viel sparsamer arbeiten. Eine gute Belüftung ist darüber hinaus entscheidend, um in einem ansonsten derart luftdicht konzipierten Gebäude keine unerwünschten Feuchtigkeitsnester samt der Gefahr von Schimmelbildung zu züchten.

 

Ist ein Niedrigenergiehaus automatisch ein Passivhaus?

Die Begriffe Passivhaus, Niedrigenergiehaus und Niedrigstenergiehaus werden manchmal als Synonyme verwendet, was aber nicht immer korrekt ist.

Von einem Niedrigenergiehaus ist immer dann die Rede, wenn die durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) vorgegebenen Werte den Definitionen für Effizienzhäuser entsprechen. Diese sind maßgeblich, um von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Fördermittel zu erhalten. Gerade ältere Gebäude, die früher als Niedrigenergiehaus galten, würden nach den mittlerweile verschärften Regeln nicht mehr als solches bezeichnet. Zum Passivhaus oder Niedrigstenergiehaus wird es erst, wenn es die entsprechenden Passivhaus-Standards erfüllt.

Aber Achtung: Weder der Begriff Niedrigenergiehaus noch der Begriff Passivhaus sind gesetzlich definiert oder geschützt. Daher solltest du beim Neubau und insbesondere beim Kauf darauf achten, dass du ein zertifiziertes Passivhaus nach fachlich anerkannten Regeln bekommst.

Hinweis: Nach Inkrafttreten des Gebäudeenergiegesetzes ergeben sich sukzessive Änderungen bei den Zuständigkeiten für die Förderung von Passivhäusern beziehungsweise Einzelmaßnahmen bei Sanierung und Renovierung. Auf den Seiten vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) findest du aktuelle Informationen, was du beim Neubau oder bei der Sanierung nach Passivhaus-Standard beachten musst, um Fördermittel und Kredite zu erhalten.

 

Wie bekommst du ein zertifiziertes Passivhaus?

Da es keinen gesetzlich verbindlichen Passivhaus-Standard gibt, ist es nicht einfach, die Einhaltung der Qualitätsanforderungen zu erkennen. Häufig stößt du besonders bei Bestandsbauten auf Fantasiezertifikate, die mit dem echten Passivhaus-Standard nicht viel zu tun haben. Daher hat das Passivhaus Institut in Darmstadt Regeln für eine Passivhaus-Zertifizierung nach dem EnerPHit beziehungsweise PHPP-Sanierungsplan aufgestellt, die renommierte Fachbetriebe und Planer einhalten sollten. Die Zertifizierung kann auch durch das Institut direkt erfolgen. Nach diesen Vorgaben errichtete Gebäude sind in der Regel ohne Probleme förderfähig für Maßnahmen vom BAFA und von der KfW.

Bei der Zertifizierung, die das Passivhaus Institut anbietet, werden spezielle Kennwerte der einzelnen Produkte und Maßnahmen berücksichtigt, die nach Bedarf auf bestimmte Klimazonen bezogen sein können. Ziel der Zertifizierung des Passivhaus-Standards ist es nach Aussage des Instituts, „das Niveau der Anforderungen an physikalisch oder physiologisch objektiv feststellbaren Anforderungen zu orientieren.“ Wo dies nicht ausreicht, werden zusätzliche Effizienzklassen für Produkte wie Passivhausfenster angewendet.

Zu den Kosten lässt sich aufgrund des hohen individuellen Faktors bei jedem Passivhaus nichts Definitives sagen. Natürlich entstehen dir durch die Passivhaus-Zertifizierung Mehrkosten, doch bei einem späteren Wiederverkauf oder der Inanspruchnahme von Förderungen ist die Zertifizierung von Vorteil.

Zudem wird die Vergleichbarkeit von Gebäudestandards auf dem Markt und für die Berechnung der Auswirkungen auf die Umwelt deutlich größer. Gerade bei der Planung von Modernisierungen bei Bestandsbauten ist das wichtig, um sicher sein zu können, dass die angestrebten Energieeinsparungen auch tatsächlich erzielt werden.

Vorteile und Nachteile der Einhaltung des Passivhausstandards im Überblick

Vorteile

  • hervorragende Energieeffizienz
  • nahezu keine gesonderten Heizkosten mehr
  • umwelt- und klimafreundlich
  • behaglich trotz Passivhausbauweise
  • wird staatlich gefördert
  • garantierte Effizienz und Vergleichbarkeit geplanter Maßnahmen durch Passivhaus-Zertifizierung

Nachteile

  • hohe Investitionskosten
  • Alle Arbeiten müssen absolut fachgerecht ausgeführt werden.
  • kaum Spielraum für Eigenleistung von Heimwerkern
  • Zertifizierung des Hauses verursacht Mehrkosten.
  • Ältere Passivhäuser entsprechen eventuell nicht mehr aktuellen Standards.
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