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Die Stärke der Passivhaus-Dämmung

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

26.04.2021

Letztes Update

05.05.2022

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Dämmung im Passivhaus und Niedrigenergiehaus: Welche Stärke ist notwendig?

Eine der Prämissen bei einem Passivhaus und Niedrigenergiehaus ist es, möglichst viel Wärme im Haus zu behalten. Hier erfährst du, was das für die Stärke der Dämmung bedeutet.

Inhalt des Blogartikels

Warum ist die richtige Dämmung eines Hauses generell wichtig?

Die stärkste und effizienteste Heizung nützt dir nichts, wenn der größte Teil der teuer erzeugten Wärme über die Gebäudehülle wieder verloren geht. Deine Heizkosten werden sehr hoch sein und trotzdem wirst du in deinem Haus im Winter frieren müssen.

Eine gute Wärmedämmung und die Vermeidung von Wärmebrücken verhindern diese Wärmeverluste durch die Gebäudehülle. Deine Heizung muss weniger arbeiten, weil sie weit weniger Verluste ausgleichen muss. Das spart dir Heizkosten. Ein gut gedämmtes Haus hat deshalb einen geringeren Heizwärmebedarf als ein Gebäude mit unzureichender oder nicht vorhandener Wärmedämmung. Dadurch kannst du die Heizungsanlage von vornherein kleiner ausgelegen.

Was braucht alles eine Dämmung?

Du musst alle Flächen der Gebäudehülle dämmen, die Kontakt nach außen haben. Das betrifft natürlich alle Außenwände. Aber auch der Erdgeschossfußboden auf der Bodenplatte oder die Decke zum Keller ist betroffen. Und das Dach darfst du ebenfalls nicht vergessen. Nutzt du den Dachboden nicht für Wohnzwecke und heizt ihn daher auch nicht, braucht zumindest die Decke des obersten Geschosses eine entsprechende Dämmung.

Doch es reicht nicht, Wände, Decken und das Dach mit einer Dämmschicht zu versehen. Auch die Fenster spielen bei den Wärmeverlusten eines Gebäudes eine Rolle. Natürlich kannst du keinen Dämmstoff auf die Fenster kleben. Du musst jedoch bei einer Dämmmaßnahme sämtliche Fenster gegen moderne Ausführungen wechseln, wenn diese nicht mehr den heute gültigen Standards hinsichtlich der Wärmeverluste entsprechen.

Aufgrund der gesetzlichen Regelungen ist heutzutage kein Neubau mehr ohne ausreichende Dämmung möglich. Bei umfassenden Sanierungen von Altbauten musst du diesen Punkt ebenfalls beachten. Besondere Bedeutung kommt der ausreichenden Wärmedämmung zu, wenn dein Gebäude ein Niedrigenergiehaus werden oder sogar dem Standard eines Passivhauses entsprechen soll.

 

Was sind die wichtigsten Merkmale von Passivhäusern & Niedrigenergiehäusern?

Praktisch ist jedes Haus, das weniger Energie verbraucht als ein nach dem heutigen Stand der Technik errichtetes vergleichbares Gebäude, ein Niedrigenergiehaus. Es gibt jedoch keinen für alle Zeit definierten Standard, da die gesetzlichen Anforderungen, denen ein neues Gebäude mindestens genügen muss, im Laufe der Zeit immer weiter verschärft werden.

Niedrigenergiehaus

Ein Niedrigenergiehaus entspricht zum Beispiel dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 55. Ein solches Haus darf nur noch maximal 55 Prozent der Primärenergie eines aktuellen Standard-Hauses laut Gebäudeenergiegesetz (GEG) verbrauchen. Der Transmissionswärmeverlust muss mindestens 30 Prozent unter dem Wert des GEG-Referenzgebäudes liegen.

Neben dem Einsatz einer regenerativen Heizung oder der Kombination von energieeffizienter klassischer mit regenerativer Heizung sorgen vor allem moderne Fenster mit Wärmeschutzverglasung und eine gute Dämmung für die Erreichung dieser Werte. Für die Niedrigenergiehaus-Wärmedämmung eines KfW-Effizienzhauses 55 wird in etwa für Außenwände eine Dämmstärke von mindestens 18 Zentimeter und für das Dach eine Dämmstoffdicke von 24 Zentimeter empfohlen.

Passivhaus

Der Passivhaus-Standard wurde vom Passivhaus Institut in Darmstadt definiert. Er bezieht sich nicht auf ein Referenzgebäude, sondern steht für sich selbst. Ziel im Passivhaus ist es, ohne zusätzliche Heizung und Kühlung ein behagliches Klima im Gebäude zu sichern.

Das wird durch die Bauweise erreicht, wobei die Dämmstärke im Passivhaus eine wichtige Rolle spielt. Die (durch Transmissionsverluste verursachte) Heizlast liegt bei maximal 10 W/qm, der Heizwärmebedarf bei höchstens 15 kWh/(a*qm). Im KfW-Effizienzhaus 55 sind die genannten Kennzahlen etwa 2- bis 4-mal so hoch.

 

Welche Vorgaben gibt es für die Dämmung von Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern?

In diesem Kapitel gehen wir neben den Vorgaben für die Dämmung bei Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern unter anderem noch auf die verwendeten Materialien und die Unterschiede zwischen Neubauten und Bestandsbauten ein.

Was sagt der U-Wert aus?

Der umgangssprachlich genannte U-Wert trägt in der Fachsprache die Bezeichnung Wärmedurchgangskoeffizient. Er sagt aus, wie viel Wärme (in Watt) über die Fläche eines Bauteils (in Quadratmeter) bei einer gegebenen Temperaturdifferenz (in Kelvin) zwischen der Innen- und Außentemperatur nach außen transportiert wird. Die Maßeinheit ist demzufolge W/qm*K.

Je niedriger der Wert ist, desto weniger Wärme transportiert das Bauteil nach außen – oder anders gesagt: desto stärker ist die Wärmedämmwirkung.

Vorgaben für Niedrigenergie- und Passivhäuser

Beim Niedrigenergiehaus sollte der U-Wert bei den Außenwänden kleiner 0,2 W/qm*K sein. Für das Dach werden 0,15 W/qm*K vorgesehen. Kellerwände und -decken sollten bei unter 0,3 W/qm*K liegen. Die Fenster sollten einen Wert unter 1,3 W/qm*K haben.

Beim Passivhaus liegen die U-Werte für Wände, Bodenplatten und das Dach generell zwischen 0,1 und 0,15 W/qm*K.

Welche Materialien kommen für die Dämmung zum Einsatz?

Grundsätzlich wird zwischen organischen und anorganischen Dämmstoffen unterschieden:

  • Organische Dämmstoffe bestehen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Flachs und Kork.
  • Anorganische Dämmstoffe sind entweder synthetischer Natur (zum Beispiel Polystyrol) oder bestehen aus Mineralien wie Stein- oder Glaswolle.

Welcher Dämmstoff zum Einsatz kommt, hängt davon ab, wie stark die Dämmwirkung sein muss. Bei Sanierungen wird dir ein Energieberater ermitteln, welche Dämmstoffe in welcher Dicke verarbeitet werden müssen, um die gewünschte Dämmwirkung zu erzielen. Im Neubau ist es die Aufgabe des Planers, Dämmstoffe und deren Dicke festzulegen. Die Entscheidung darüber hängt davon ab, welche Materialien ansonsten verbaut werden.

Stahlbeton hat zum Beispiel eine vergleichsweise hohe Wärmeleitfähigkeit. Eine Stahlbetonwand muss daher wesentlich stärker gedämmt werden als eine Wand aus Porenbeton, dessen Wärmeleitfähigkeit mehr als 20-mal geringer ist.

Gibt es generell Unterschiede bei der Dämmung von Fertighäusern und Massivhäusern?

Die Wände von Fertighäusern haben durch ihre Holzrahmenbauweise an sich schon hervorragende U-Werte. Manche Hersteller bieten sogar Fertighäuser an, die dem Passivhaus-Standard entsprechen. Eine zusätzliche Dämmung ist im Neubau nicht notwendig.

Das trifft allerdings auch auf Massivhäuser zu, da diese von vornherein als Niedrigenergie- oder Passivhaus geplant und errichtet werden und nach Fertigstellung bereits über die notwendige Dämmung verfügen.

Sollen beide Typen später an die dann gültigen Energieeffizienz-Vorgaben angepasst werden, erfolgen eventuelle zusätzliche Dämmungen auf die gleiche Art und Weise.

Gibt es generell Unterschiede zwischen Neu- und Altbauten?

Bei Altbauten kann es eventuell aus Denkmalschutzgründen nicht möglich sein, eine Wanddämmung außen anzubringen. Dann müssen die Innenwände zusätzlich gedämmt werden. Durch dieses Problem und durch die seinerzeit verwendeten Baumaterialien kann es passieren, dass du trotz aufwendiger Sanierung nicht so gute Effizienzwerte erreichst wie bei einem Neubau.

Deswegen gelten für die Erreichung der Förderwürdigkeit der Sanierungsmaßnahme geringere Anforderungen, zum Beispiel der KfW-Effizienzhaus-Standard 70 (nur 30 Prozent Primärenergieeinsparung gegenüber dem Referenzgebäude).

 

Voraussetzungen für die Dämmung, Durchführung der Dämmung & Kosten

Dächer werden üblicherweise gedämmt, indem Glas- oder Mineralwollmatten zwischen die Sparren geschoben und mit einer Dampfsperrfolie abgedeckt werden. Dazu muss die Dacheindeckung regendicht und der Dachstuhl darf nicht beschädigt sein.

Auf die Außenwand werden Dämmstoff-Verbundsysteme aufgeklebt oder anderweitig befestigt. Vorher müssen Putzreste, alter Dämmstoff und alte Verkleidungen entfernt werden. Defekte im Mauerwerk musst du reparieren lassen. Die fertige Dämmstoffschicht wird im Anschluss überputzt.

Die komplette Dämmung eines Gebäudes kann recht teuer werden. Daher musst du im Vorfeld kalkulieren lassen, ob du diese Investition durch die Einsparung an Heizkosten in absehbarer Zeit wieder hereinholst. Als Orientierung werden für die Dämmung eines üblichen Einfamilienhauses Kosten zwischen etwa 14.000 und 16.000 Euro angegeben, je nachdem, welche Dicke die Dämmschicht haben muss.

 

Gibt es auch Nachteile bei einer zu starken Dämmung?

Die hohe Dämmstärke eines Passivhauses hat keine Nachteile. Sie führt dazu, dass die Oberflächentemperatur der Innenwand annähernd so hoch ist wie die Lufttemperatur im Raum. Dadurch gibt es keine kalten Innenwandbereiche, an denen sich Luftfeuchtigkeit niederschlagen kann. Die Entstehung von Schimmel ist also ausgeschlossen.

Neben der Dämmung und der Verhinderung von Wärmebrücken muss allerdings auch noch eine hohe Luftdichtheit der Gebäudehülle gewährleistet sein. Kann kalte Luft durch Ritzen in der Gebäudehülle eindringen oder warme Luft entweichen, nützt auch die ansonsten gute Dämmung nichts.

Neuralgische Punkte sind Anschlüsse von Bauteilen an das Mauerwerk, wie zum Beispiel Fensterrahmen. Diese Anschlüsse müssen dicht ausgeführt und in die Dämmung einbezogen werden.

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