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Haus ökologisch dämmen lassen

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

09.05.2022

Letztes Update

09.05.2022

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Das Gebäudeenergiegesetz schreibt für Neubau und Sanierung eine wirkungsvolle Wärmedämmung vor. Wie kannst du dein Haus dabei ökologisch dämmen lassen?

Inhalt des Blogartikels

Was ist eine Dämmung am Haus?

Gebäude verursachen einen großen Teil des weltweiten Primärenergieverbrauchs. Mit der Erzeugung der benötigten Energie ist auch die entsprechende CO2-Emission verbunden. Den weitaus größten Teil der Gesamtenergie verbrauchen Gebäude für die Heizung und Klimatisierung.

Neben dem Einsatz effizienter und energiesparender Technik ist eine wirksame Wärmedämmung der Gebäude der beste Weg, um den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken. Die Dämmung sorgt dafür, dass sich möglichst wenig der im Haus erzeugten Wärme (oder Kühlung) über die Außenhülle nach außen verliert. Je weniger Verlust auftritt, desto weniger Wärme (oder Kühlung) muss im Haus erzeugt werden.

Die Dämmung umfasst sämtliche Außenwände, den Fußboden zum Keller beziehungsweise zur Bodenplatte sowie die Decke des obersten Geschosses und/oder das Dach. Dabei bringt der Fachbetrieb das Dämmmaterial auf Wände, Böden, Decken und im Dachbereich auf. Unter Dämmmaterial fallen Stoffe, die eine schlechte Wärmeleitfähigkeit besitzen.

Die Wärmeleitfähigkeit wird in der Maßeinheit Watt pro Meter und Kelvin (W/m*K) angegeben. Laut Definition haben Dämmstoffe eine Wärmeleitfähigkeit kleiner als 0,1 W/m*K. Je kleiner der Wert, desto besser die Dämmfähigkeit.

 

Haus konventionell oder ökologisch dämmen lassen

Bei der Dämmung eines Hauses kannst du auf konventionelle oder ökologische Dämmstoffe zurückgreifen.

Was sind konventionelle Dämmstoffe?

Konventionelle Dämmstoffe werden oft aus fossilen Rohstoffen, wie zum Beispiel Erdöl, hergestellt. Darunter fallen expandiertes und extrudiertes Polystyrol sowie Polyurethan-Hartschaum. Aber auch Glas- und Mineralfaserwolle sowie Schaumglas zählen zu den konventionellen Dämmstoffen.

Diese Materialien findest du in Form von Matten, Platten und Verbundsystemen im Angebot. Sie verfügen über hervorragende Dämmwerte (geringe Wärmeleitfähigkeit) zwischen 0,020 und 0,045 W/m*K. Ihre Nachteile bestehen in ihrem Ursprung aus zum Teil fossilen Rohstoffen und der mangelnden Recycelbarkeit.

Was heißt „ökologischer Dämmstoff“?

Es gibt bislang noch keine allgemeine Definition, aber einige Kriterien. Ein ökologischer Dämmstoff besteht aus nachwachsenden Rohstoffen (zum Beispiel Holz oder andere Pflanzen) oder aus Recyclingmaterial (Altpapier, Pappe). Sie weisen eine geringe Umweltbelastung auf, erfordern einen geringen Energieaufwand in der Produktion und lassen sich problemlos entsorgen oder wiederverwenden.

Eigenschaften ökologischer Dämmstoffe

Stoffe zum Dämmen aus natürlichen Materialien haben in der Regel geringfügig schlechtere Dämmeigenschaften als die konventionellen Stoffe. Die Wärmeleitfähigkeit liegt überwiegend im Bereich 0,040 bis 0,055 W/m*K – sie ist also etwas höher. Der Unterschied ist aber marginal und lässt sich durch eine etwas höhere Dicke der Dämmschicht gut ausgleichen.

Eine wichtige Eigenschaft ist die Brennbarkeit. In Deutschland müssen alle Dämmstoffe den Einteilungen „normal entflammbar“ oder „schwer entflammbar“ entsprechen. Diese gesetzliche Vorgabe erfüllst du ebenfalls, wenn du dein Haus ökologisch dämmen lässt. Um dies zu gewährleisten, werden manche Materialien mit Flammschutzmitteln behandelt. Das führt allerdings dazu, dass du bei der Entsorgung spezielle Vorschriften beachten musst. Das trifft auch zu, sofern natürliche Dämmstoffe mit Insektenschutzmitteln oder anderen Imprägnierungen versetzt wurden.

 

Gründe für die ökologische Dämmung

Viele natürliche Dämmstoffe können einen hohen Prozentsatz an Raumluftfeuchte aufnehmen und wieder abgeben. Gleiches gilt für Wärme und Kälte. Dadurch regulieren sie auf natürliche Weise das Raumklima. Einige dieser Produkte filtern sogar Schadstoffe aus der Luft.

Weitere positive Aspekte sind die Energieeffizienz und Umweltfreundlichkeit. Die Herstellung ökologischer Dämmstoffe erfordert meist weniger Energieaufwand als bei konventionellen. Außerdem werden keine endlichen Ressourcen verbraucht, es entsteht kein CO2 im Produktionsprozess und die Herstellung erfolgt oft mit lokal verfügbaren Ausgangsstoffen. Schließlich lassen sie sich nach der Verwendung oft gut recyceln oder schadlos verbrennen.

 

Diese ökologischen Dämmmaterialien gibt es

Die Auswahl an natürlichen Stoffen zum Dämmen ist lang. Im Folgenden stellen wir dir daher eine kleine Auswahl vor.

Hanf

Der Anbau dieser sehr alten Kulturpflanze ist seit 1996 wieder in Deutschland erlaubt, allerdings nur von sehr rauschmittelarmen Sorten. Das Hanfstroh wird in Fasern und Schäben aufgeteilt. Die Fasern werden zu Matten, Vliesen und als Stopfdämmung verarbeitet. Die verholzten Schäben ergeben Schüttdämmung und feste Platten. Als Brandschutzmittel werden Soda oder Ammoniumphosphat zugesetzt.

Es gibt aber auch Dämmstoffe aus Hanfwolle und Hanf-Lehm-Kombinationen. Diese Ausführungen kommen ohne Zusätze aus und sind voll kompostierbar.

Hanfmatten kannst du zum Dämmen für das Dach und hinter vorgehängten Fassaden einsetzen. Hanfschüttungen findest du in Fußböden und Decken, Stopfhanf ist für Hohlräume bestimmt.

Zellulose

Der Dämmstoff wird aus Altpapier gewonnen. Die Zellulose-Fasern erhalten einen Zusatz aus Borsalzen zum Brandschutz. Die Dämmeigenschaften sind sogar besser als bei Mineralfasern.

Zellulose kannst du dir als Schüttdämmung und als Platten liefern lassen. Der Dämmstoff ist resistent gegen Schädlinge und Schimmel. Bei der Verarbeitung entsteht eine hohe Feinstaubbelastung und die Kompostierung ist durch die Borsalze nicht möglich.

Zelluloseplatten kommen als Wärmedämmung im Dach, auf Innenwänden und bei Holzständerbauweise auch für die Fassade zum Einsatz. Einblas-Zellulose wird ebenfalls im Dach, bei Holzständerwänden und hinter Vorhangfassaden verwendet.

Holzfasern

Der Rohstoff entsteht aus Abfällen bei der Verarbeitung von Nadelhölzern. Die Dämmstoffe gibt es als Platten, Matten, Wärmedämmverbundsysteme und als lose Schüttung. Unbehandelte Holzfaserprodukte lassen sich besonders gut kompostieren. Bei Ausführungen mit zugesetzten Bindemitteln, Brandschutzmitteln oder wasserabweisenden Zusatzstoffen ist das nur schwer möglich.

Platten kommen für Auf- und Zwischensparrendämmung von Dächern, für den Dachboden und als Wärmedämmverbundsysteme zum Einsatz. Letztere benötigen, im Gegensatz zu anderen Verbundsystemen, keine Trägerschicht. Das ist ein preislicher Vorteil. Lose Holzfasern werden als Einblasdämmung in allen gängigen Anwendungen genutzt.

Flachs

Flachs ist eine ähnlich traditionelle Kulturpflanze wie Hanf. Bei der Verarbeitung zu Matten, Platten und Fliesen werden Stützfasern aus Kunststoffen eingearbeitet. Auch Zusatzstoffe für den Brandschutz kommen zum Einsatz. Stopfwolle, Schüttgut und Einblasdämmung gibt es genauso ohne Zusätze im Angebot. Diese Materialien lassen sich später kompostieren oder zum Mulchen verwenden.

Dämmstoffe aus Flachs sind resistent gegen Schädlinge, Schimmel und Fäulnis, werden aber hin und wieder von Nagetieren bewohnt. Flachs eignet sich vor allem zum Dämmen von Flächen im Innenbereich, für Wände, Decken, Dach und Fußboden.

Holzspäne und Holzwolle

Holzspäne beziehungsweise Hobelspäne sind nur im Holzbau üblich. Die Holzspäne aus Fichte, Tanne oder Kiefer werden mit Lehm ummantelt und mit mineralischen Bindemitteln versetzt. Dadurch lässt sich diese Dämmung problemlos wiederverwenden, kompostieren und verbrennen. Die Dämmwirkung ist geringer als bei den anderen natürlichen Dämmungen. Holzspäne werden eingeblasen oder geschüttet und von Hand verdichtet.

Holzwolle besteht als langfaserigen Fichten- oder Kiefernspänen. Die Fasern werden zusammen mit mineralischen Bindemitteln zu Platten gepresst und sind unter der volkstümlichen Bezeichnung „Sauerkrautplatten“ bekannt.

Die Platten sind praktisch nicht brennbar. Aber die Dämmwirkung ist schlechter als bei den oben genannten Dämmstoffen. Sie werden daher als Verbundsysteme verwendet, bei denen zwischen 2 dünnen Platten ein anderer Dämmstoff eingebracht ist.

Weitere Naturdämmstoffe

Schilf ist in Norddeutschland seit hunderten Jahren das traditionelle Material zum Dachdecken. Inzwischen finden die Matten auch zur Dämmung von Wänden, Dächern und Böden Anwendung. Schilf ist sehr feuchteresistent und verrottet nicht. Die Matten bestehen nur aus Pflanzenstängeln und Bindedraht.

Ähnliche Eigenschaften wie Schilf hat Getreidestroh. Es ist ebenfalls für die Dämmung von Dächern, Wänden und Fußböden einsetzbar und weitgehend resistent gegen Schädlinge und Schimmel.

Schafwolle gibt es als Matten, Dämmplatten, Filz oder Stopfwolle. Sie hat hervorragende wärmedämmende Eigenschaften. Das Problem ist die Anfälligkeit für Mottenfraß, die den Einsatz von Insektengiften zum Schutz erfordert. Bislang gibt es nur eine einzige Methode, die ohne Gifte auskommt. Schafwolle eignet sich für die ökologische Dämmung von Dach, Dachboden und sogar Außenwänden.

Auch Jute ist ein hervorragender Naturdämmstoff. Ausgangspunkt für die Herstellung sind alte Kaffeesäcke. Jute ist resistent gegen Schimmel und Schädlinge. Allerdings können Nagetiere die Dämmung bewohnen. Das Dämmmaterial findest du vor allem im Dachbereich, in Holzbalkendecken und in Wänden in Holzständerbauweise. Außerdem ist Jute recht preisgünstig.

Weitere natürliche Dämmstoffe sind Kork, Kokosfaser, Seegras und sogar Wiesengras.

 

Kosten von ökologischen Dämmstoffen und Einsatzgrenzen

Meist ist es etwas teurer, Fassade, Dach und Co. ökologisch dämmen zu lassen als mit konventionellen Produkten. Egal ob Sanierung oder Neubau: Wenn du dich für solche Dämmstoffe interessierst, solltest du dich von einem Fachbetrieb für ökologisches Bauen beraten lassen. Er wird dir die für dein Vorhaben besten und günstigsten Materialien empfehlen.

Wie du siehst, sind Naturdämmstoffe sehr vielfältig einsetzbar. Für die sogenannte Perimeterdämmung eignen sie sich allerdings nicht. Dabei handelt es sich um die Außendämmung erdberührter Bauteile, also Kellerwände, Sockel und Bodenplatten.

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