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Vor- & Nachteile eines Niedrigenergiehauses

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

06.01.2022

Letztes Update

26.01.2022

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Das Niedrigenergiehaus: Gibt es auch Nachteile?

Angesichts der hohen Energiepreise rückt das Niedrigenergiehaus noch stärker in den Fokus als bisher. Doch bei allen Vorteilen, gibt es auch Nachteile? Wir klären auf.

Inhalt des Blogartikels

Was ist ein Niedrigenergiehaus genau und welche Vor- sowie Nachteile bringt es mit sich?

Es gibt zwar keine grundlegende Definition des Begriffs „Niedrigenergiehaus“ allerdings werden alle Häuser als solche klassifiziert, deren Energieverbrauch deutlich unter den gesetzlichen Vorgaben liegt. Wobei festzustellen ist, dass alle Neubauten bereits den Niedrigenergiestandard erfüllen, weil sie sich mit einem Heizenergiebedarf von maximal 70 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr unterhalb des international gebräuchlichen Richtwertes für Niedrigenergiehäuser bewegen. Selbstverständlich kannst du auch deinen Altbau zu einem Niedrigenergiehaus sanieren.

Ein Nachteil des Niedrigenergiehauses ist, dass es eigentlich keine eindeutig festgelegten Standards gibt und somit jedes Haus, das wenig Energie verbraucht, grundsätzlich ein Niedrigenergiehaus ist. Durch das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist dennoch vorgegeben, wann die Anforderungen an ein Niedrigenergiehauses erfüllt sind. Als Niedrigenergiehäuser werden Gebäude bezeichnet, wenn sie mit

  • gut wärmegedämmten Dächern,
  • Wärmedämmung der Außenwände,
  • angemessen isolierten Fenstern und Türen,
  • effizienter Heiztechnik,
  • erneuerbaren Energien und
  • einer kontrollierten Wohnungslüftung mit Wärmerückgewinnung

ausgestattet sind. Ein Niedrigenergiehaus sollte um die 25 Prozent unter dem GEG-Standard liegen, dieser entspricht in etwa dem KfW-Effizienzhaus 100.

 

Aktueller Nachteil des Niedrigenergiehauses: Der Standard ist bereits überholt

Europaweit wurde bereits der Standard des Niedrigenergiehauses – nearly zero energy building nZEB – eingeführt. Der Jahresprimärenergiebedarf dieser Gebäude bewegt sich unterhalb von 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Die alte Bundesregierung hat diesen Standard vor Jahren zwar angekündigt, aber leider dann doch nur halbherzig umgesetzt.

 

Weitere Niedrigenergiehaus-bezeichnungen

Neben dem Begriff Niedrigenergiehaus gibt es weitere Bezeichnungen, die für eine energiesparende und klimaschonende Bauweise stehen. Allen Arten von Niedrigenergiehäusern gemeinsam ist ein hoher Dämmstandard. Diese Haustypen zählen zur Kategorie der Niedrigenergiehäuser:

Energiesparhaus

Ähnlich wie das Niedrigenergiehaus benötigt das Energiesparhaus durch Dämmung und effiziente Technik besonders wenig Energie.

Passivhaus

Eine vollwertige Heizung ist hier nicht erforderlich. Das Passivhaus ist ebenfalls sehr gut gedämmt und nutzt die Wärme des Sonnenlichts durch große nach Süden ausgerichtete Fenster sowie die Abwärme von Geräten und Personen.

Nullenergiehaus

Nullenergiehäuser benötigen rein rechnerisch keine Energie von außen, weil sie, über ein Jahr gerechnet, nur so viel Energie verbrauchen, wie sie beispielsweise selbst mittels Solarenergie produzieren. Eine Zusatzheizung und ein Anschluss an das Stromnetz sind dennoch erforderlich.

Plusenergiehaus

Wird das ganze Jahr betrachtet, so produziert das Plusenergiehaus mithilfe von Solarthermie, Photovoltaik oder Windkraft mehr Energie als es benötigt. Überschüssiger Strom kann so ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden.

KfW-Effizienzhaus

Das GEG schreibt als Standard für Neubauten das KfW-Effizienzhaus 100 vor. Die Effizienzhaus-Standards geben aber nicht nur eine Orientierungshilfe für energiesparendes Bauen, sondern sind auch Fördervoraussetzung. Je höher der Standard, desto weniger Energie verbraucht dein Haus und umso höher fällt der finanzielle Zuschuss vom Staat aus.

Folgende Standards gibt es:

  • Neubaustandards: 40 plus, 40, 55
  • Sanierungsstandards: 55, 70, 85, 100, 115

Vor- und Nachteile vom Niedrigenergiehaus

Wie bereits erwähnt, verbraucht ein Niedrigenergiehaus nur sehr wenig Energie. Daher kommst du mit niedrigen Heizkosten aus. Dank des geringen Energieverbrauchs schonst du zudem fossile Rohstoffe sowie Umwelt und Klima. Mit einem solchen Haus erhältst du auch ein gesundes Wohnklima und steigerst deinen Wohnkomfort.

Nachteile von Niedrigenergiehäusern sind die hohen Baukosten und die Mehrausgaben für beispielsweise eine Photovoltaikanlage und eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Gerade die Wohnungslüftung ist besonders wichtig, da durch sie trotz luftdichter Hülle stets frische Luft vorhanden ist und Feuchtigkeit nach außen abgeführt wird, was wiederum die Schimmelbildung verhindert. Allerdings sind die Wartungskosten relativ hoch.

Durch den Bau oder Kauf eines Niedrigenergiehauses sorgst du nicht nur für eine nachhaltige Energieversorgung, sondern handelst auch weitsichtig. Wenngleich du anfangs mehr investierst, sparst du zukünftig viel Geld. Denn durch den sehr niedrigen Energieverbrauch treffen dich steigende Heizkosten in wesentlich geringerem Maß.

Nachfolgend findest du noch einmal alle Vor- und Nachteile eines Niedrigenergiehauses im Überblick:

Vorteile von Niedrigenergiehäusern

  • niedrige Heizkosten durch gute Wärmedämmung
  • geringe Stromkosten, z. B. durch Photovoltaikanlage
  • umwelt- und klimaschonend
  • Schonung fossiler Rohstoffe
  • große Unabhängigkeit von Energiepreisschwankungen und Preiserhöhungen
  • hoher Wohnkomfort
  • saubere, gefilterte Luft in den Räumen
  • staatliche Förderung

Nachteile von Niedrigenergiehäusern

  • vergleichsweise hohe Anschaffungskosten
  • aufwändigere Gebäudetechnik
  • Wohnraumlüftung unverzichtbar
  • teilweise Einsatz umwelt- und gesundheitsschädlicher Dämmstoffe wie Styropor

Anspruchsvolle Technik für die Zusatzheizung

Weil ein Niedrigenergiehaus nur geringe Wärmeverluste hat, bietet es sich an, für die erforderliche Restwärme ein Niedertemperaturheizsystem zu installieren, das mit sehr geringen Vorlauftemperaturen auskommt und trotzdem das Haus mit wohliger Wärme versorgt. Ideal für diese Situation sind Wärmepumpen, die ihre Energie zu einem großen Teil aus der Umwelt beziehen. Diese thermische Energie entziehen sie der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Entsprechend kostenintensiv ist allerdings auch die Erschließung der Wärmequellen Erdreich und Wasser, da hier Erdwärmesonden im Boden eingebracht werden beziehungsweise zwei Brunnen gebohrt werden müssen. Für die Warmwasserbereitung bietet sich die Solarthermie an.

 

Was kostet ein Niedrigenergiehaus?

Die Kosten für ein Niedrigenergiehaus lassen sich wie bei jedem Bauprojekt nur näherungsweise beziffern. Für ein massiv gebautes Haus kannst du etwa 2.300 bis 2.600 Euro pro Quadratmeter einkalkulieren. Entscheidest du dich für ein schlüsselfertiges Fertighaus in Niedrigenergiebauweise und einer Wohnfläche von 140 Quadratmetern, kannst du 2021 von Kosten zwischen 322.000 bis 364.000 Euro ausgehen.

 

Ein Niedrigenergiehaus lohnt sich trotz einiger Nachteile

Die höheren Baukosten für ein Niedrigenergiehaus entstehen durch die Dämmung der Gebäudehülle und der Fenster. Die Installation einer Wohnungslüftung, einer Photovoltaikanlage und eines Wärmepumpenheizsystems tragen ebenfalls dazu bei, dass die Investition spürbar über der einer konventioneller Bauweise liegt.

Diese Mehrkosten amortisieren sich jedoch schnell durch die langfristig sehr geringen Betriebskosten. Und je teurer Energie wird, desto mehr sparst du im Lauf der Jahre. Im Sinne einer nachhaltigen Energieversorgung und mit Blick auf den Klimaschutz, den du mit einem Niedrigenergiehaus leistest, sind das gute Aussichten.

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