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Passiv- und Niedrigenergiehaus: Nebenkosten

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

17.05.2021

Letztes Update

06.09.2022

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Wie wirkt sich der Energiebedarf auf die Nebenkosten bei Passivhaus und Niedrigenergiehaus aus?

Niedrigenergiehaus und Passivhaus unterscheiden sich hinsichtlich des Energiebedarfs und der Nebenkosten. In diesem Beitrag erfährst du, welche Hausvariante günstiger ist.

Inhalt des Blogartikels

Was ist der Unterschied zwischen einem Niedrigenergiehaus und Passivhaus?

Für ein Passivhaus gibt es konkrete Vorgaben für die Bauweise und den Energieverbrauch. Bei einem Niedrigenergiehaus ist das nicht der Fall. Im Prinzip ist jedes Gebäude ein Niedrigenergiehaus, das weniger Energie benötigt als das nach den jeweiligen gesetzlichen Mindestvorgaben erbaute Referenzhaus.

Bis Ende 2020 waren die Vorgaben in der jeweils gültigen Energieeinsparverordnung (ENEV) verankert. Heute gilt das Gebäudeenergiegesetz (GEG). Mit der kontinuierlichen Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben für energiesparendes Bauen ändern sich also auch die Anforderungen an ein Niedrigenergiehaus.

 

Wichtige Kennziffern zur Beurteilung der Energieeffizienz

Der Energiebedarf eines Gebäudes umfasst vor allem den Heizenergiebedarf. Die zwei Kennziffern, die du zur Beurteilung der Energieeffizienz eines Hauses heranziehen kannst, sind die Heizlast und der jährliche Heizwärmebedarf. Um den Energiebedarf unterschiedlicher Gebäude – zum Beispiel den eines Passivhauses oder ein Niedrigenergiehauses – miteinander zu vergleichen, werden beide Kennziffern jeweils auf die zu beheizende Nutzfläche bezogen.

Die Kennziffer Heizlast

Ist die Außentemperatur eines Gebäudes niedriger als die Innentemperatur, geht Wärme durch die Außenhülle verloren. Die Kennziffer Heizlast gibt an, wie viel Heizleistung die Gebäudeheizung aufbringen muss, um diesen Verlust auszugleichen. Je besser die Dämmung des Hauses ist, desto geringer ist der Wärmeverlust und die notwendige Heizleistung.

Der jährliche Heizwärmebedarf

Diese Kennziffer sagt aus, wie viel Wärme die Heizung des Gebäudes während eines Jahres erzeugt. Je geringer die Heizlast ausfällt, desto geringer ist natürlich auch der jährliche Heizwärmebedarf. Oder anders ausgedrückt: Je besser die Wärmedämmung des Hauses ist, desto geringer sind Heizlast und Heizwärmebedarf.

Die Nebenkosten eines Gebäudes bestehen zum großen Teil aus den Heizkosten. Benötigt dein Haus weniger Heizwärme als ein vergleichbares Gebäude, fallen auch deine Nebenkosten geringer aus.

 

Vorgaben und typische Werte

Das Passivhausinstitut hat klare Vorgaben zur Definition eines Passivhauses festgelegt. Demnach darf der Heizenergiebedarf einen Wert von 15 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr nicht überschreiten. Die Heizlast beträgt maximal 10 Watt pro Quadratmeter.

Die günstigen Verbrauchswerte beim Passivhaus kannst du vor allem durch eine aufwendige Dämmung und kompakte Bauweise erreichen. Damit sind höhere Baukosten verbunden. Diese amortisieren sich jedoch bei optimaler Planung und sorgfältiger Bauausführung durch die Einsparung bei den Nebenkosten eines Passivhauses über mehrere Jahre.

Niedrigenergiehäuser entsprechen aktuell mindestens dem Standard 55 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Bei diesen Gebäuden beträgt der Heizwärmebedarf ca. 50 bis 60 Kilowattstunden (kWh) pro Quadratmeter und Jahr. Die Heizlast von einem Niedrigenergiehaus liegt bei ca. 40 Watt pro Quadratmeter.

Nebenkosten beim Passivhaus und Niedrigenergiehaus

Die Nebenkosten effizienter Gebäude können sich je nach Gebäudeart unterscheiden. Im Folgenden erfährst du, wie sich der Energiebedarf von Passivhäusern und Niedrigenergiehäusern auf die jeweiligen Nebenkosten auswirkt.

Passivhaus: Energiebedarf und Nebenkosten

Passivhäuser sind so gebaut, dass möglichst keine Wärme nach draußen entweichen kann. Bei diesen sehr geringen Verlusten spielen Wärmegewinne durch den Betrieb von Haushaltsgeräten und sogar die Körperwärme der Bewohner eine Rolle. Ein Großteil der Innenraumerwärmung erfolgt durch die Sonne, der du durch große und nach Süden ausgerichtete Fenster Einlass gewähren kannst. Die Fenster mit dreifacher Wärmeschutzverglasung lassen die Wärme hinein, aber nicht mehr hinaus.

Außerdem besitzen Passivhäuser eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die warme Abluft wird über einen Wärmetauscher geleitet und gibt einen großen Teil ihrer Wärme an die Zuluft ab. Darüber hinaus kannst du die Zuluft vor Einbringung in das Haus über Erdleitungen führen lassen und so schon vorwärmen.

Diese Maßnahmen und die starke Passivhaus-Dämmung führen dazu, dass du im Passivhaus nur in Ausnahmefällen zusätzlich heizen musst. Es entstehen demnach nur sehr geringe Heizkosten. Ins Gewicht fallen aber die Stromkosten für die Lüftungsanlage. Außerdem muss eine Warmwasserbereitung im Haus vorhanden sein, durch die ebenfalls Kosten im Passivhaus anfallen.

Ein weiterer Posten sind die Wartungskosten. Im Passivhaus beschränken sie sich weitgehend auf die Wartung der Lüftungsanlage. Nutzt du Heizkessel für die Bedarfsheizung und Warmwasserbereitung, fallen hier ebenfalls Kosten für die Instandhaltung und den Schornsteinfeger an.

Energiebedarf und Nebenkosten beim Niedrigenergiehaus

Aufgrund des gegenüber Passivhäusern höheren Wärmebedarfs kommt ein Niedrigenergiehaus nicht ohne eine Heizungsanlage aus, die auch die Warmwasserbereitung übernimmt. Hier fallen also Nebenkosten für den Brennstoff an. Wie hoch diese sind, hängt vom verwendeten Brennstoff selbst und von der konkreten Heizlast des Gebäudes ab. Zudem solltest du beim Niedrigenergiehaus die Wartungskosten für die Heizungsanlage und den Schornsteinfeger berücksichtigen.

 

Was lohnt sich mehr: Passivhaus oder Niedrigenergiehaus?

Mittlerweile gibt es jahrzehntelange Erfahrungen mit Passiv- und Niedrigenergiehäusern. Verschiedene Verbände und wissenschaftliche Einrichtungen haben an Gebäuden Untersuchungen und Messungen der Energieverbräuche und Betriebskosten vorgenommen. Die Baukosten wurden ebenfalls verglichen. Es lassen sich daher verallgemeinerte Aussagen treffen, obwohl jedes Gebäude seine ganz eigenen Kennziffern aufweist.

Für den Bau eines Passivhauses fallen in der Regel höhere Baukosten an als bei einem Niedrigenergiehaus. Im Schnitt musst du mit 50 Euro Mehrkosten pro Quadratmeter rechnen. Bei einem Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Fläche sind das 7.500 Euro, die du mehr investieren musst. Dafür sparst du im Passivhaus etwa 900 Euro pro Jahr bei den Betriebskosten. Das bedeutet, dass sich deine Entscheidung für ein Passivhaus innerhalb von etwas mehr als 8 Jahren amortisiert hat.

Ein Haus wird meist einige Jahrzehnte bewohnt. Wenn du dein Passivhaus selbst weiter nutzt, hast du nach der Amortisationszeit also finanzielle Vorteile durch die Einsparungen bei den Nebenkosten. Langfristig lohnt sich demnach ein Passivhaus mehr.

Hinzu kommt, dass der Passivhaus-Standard keinerlei Einbußen im Komfort bedeutet. Es ist sogar ein erklärtes Ziel, im Passivhaus mit einem geringen Einsatz von Energie eine hohe Behaglichkeit zu erreichen. Dazu gehört eine optimale Raumtemperatur, hohe Luftqualität mit idealer Luftfeuchte und ein gesundes Raumklima ohne Gefahr von Schimmelbildung. Das wird durch den Verzicht auf eine klassische Heizung mit Heizkörpern und die durchgängige automatische Lüftung erreicht.

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