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Ist nachhaltiger Tourismus möglich?

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

07.02.2021

Letztes Update

15.03.2022

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Nachhaltiger Tourismus: Realistisch oder Wunschvorstellung?

Nachhaltiger Tourismus spielt in Zeiten des Klimawandels eine größer werdende Rolle. Jedoch lässt sich die Nachhaltigkeit mit den eigenen Bedürfnissen nicht immer vereinbaren.

Inhalt des Blogartikel

Was ist nachhaltiger Tourismus?

Nachhaltiger Tourismus, auch gern als sanfter oder grüner Tourismus bezeichnet, gewinnt in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Menschen verfolgen das Ziel, die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten und nachhaltig im Einklang mit der Natur zu leben, um den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten. Viele verreisen deshalb ganz bewusst mit der Bahn oder dem Bus, um dem klassischen Massentourismus den Rücken zu kehren und die CO2-Emissionen zu reduzieren.

Was vielen Menschen allerdings nicht bewusst ist: Den normalen Tourismus, wie wir ihn eigentlich kennen, kann man nicht unbedingt als nachhaltig oder grün bezeichnen. Gerade in den Sommermonaten fallen die Touristen oft wie Heuschrecken ein. Denk dabei zum Beispiel nur an die spanischen Inseln, beliebte Urlaubs- und Tauchspots wie die Malediven und Thailand oder Kreuzfahrten. Und sobald der Schnee in den Skigebieten ausbleibt, toben sich die Touristen in eisgekühlten Schneehallen aus, während in anderen Regionen Schneekanonen im Einsatz sind, was nicht gerade nachhaltig ist.

Dieser Massentourismus bleibt jedoch nicht ohne Folgen, da er das Landschaftsbild direkt beeinflusst. Tourismus kostet nicht nur Energie – er greift auch in das Landschaftsbild ein, weil die Branche für den hohen Ansturm neue Unterkünfte bauen muss. Dies kann wiederum zu einem höheren Energie- und Wasserbrauch und eine stärkere Umweltverschmutzung führen. Ganz zu schweigen von der Ausbeutung natürlicher Ressourcen, sobald riesige Kreuzfahrtschiffe mit frischem Wasser betankt werden müssen, obwohl das Wasser in vielen Ländern knapp ist.

 

Welche Bedeutung hat der Tourismus?

Der Tourismus ist ein starker Wirtschaftssektor, von dem viele Menschen profitieren. Allein 2019 sind etwa 1,5 Milliarden Menschen ins Ausland verreist. Dabei haben die Besucherzahlen in den Entwicklungs- und Schwellenländern stark zugenommen. So bereisen unzählige Menschen weltweit Schwellen- und Entwicklungsländer, wobei mehr als 11 Millionen Urlauber allein aus Deutschland kommen. Für diese Länder wirkte sich der Tourismus positiv auf die Wirtschaft aus, da die Besucher nicht nur Arbeitsplätze für die Bevölkerung schaffen, sondern auch zu einer Steigerung des Bruttoinlandsproduktes beitragen.

Nicht nur im Ausland hat der Tourismus in den letzten Jahren stark zugenommen: Auch Deutschland konnte allein im Jahr 2019 einen enormen Zuwachs von 495,6 Millionen Übernachtungen verzeichnen, was einen Anstieg von etwa 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. 89,9 Millionen Gäste kamen aus dem Ausland. 

Die Corona-Pandemie hat der Tourismusbranche jedoch stark zugesetzt. So ist die Zahl der Flüge im Zeitraum Januar bis August 2020 (im Vergleich zu 2019, gleicher Zeitraum) um etwa 69,5 Prozent gesunken. Deutschlandweit sanken die Besucherzahlen um etwa 45,1 Prozent. Lichtblicke gab es von Januar bis August 2020 dennoch: So sollen viele Menschen im eigenen Land Urlaub gemacht haben, Spitzenreiter waren hier die Regionen Thüringer Rhön (+14,4 Prozent), Mecklenburgische Schweiz und Seenplatte (+11,8 Prozent) sowie die Sächsische Schweiz (+10,9 Prozent).

Wenn du dir die vergangenen Jahre anschaust, wirst du sehen, dass die Tourismusbranche eine positive Entwicklung hinter sich hat. Während im Jahr 2019 knapp 1,5 Milliarden Menschen gezählt wurden, die ins Ausland verreist sind, waren es 1950 noch 25 Millionen. Zu den beliebtesten Reisezielen zählten 2019 nicht nur Frankreich, sondern auch Spanien und die USA.

 

Welche Auswirkungen hat der Tourismus für Mensch und Natur?

Der Tourismus gilt zwar als einer der größten und bedeutendsten Sektoren unserer Wirtschaft, jedoch bringt er auch einige Nachteile mit sich. Hierzu gehören zum Beispiel

  • die Wasserknappheit in manchen touristischen Gebieten,
  • der Bau von neuen Unterkünften und Einschnitte in die Natur,
  • der höhere Bedarf an Wasser, Abwasser und Energie sowie
  • der Ansturm auf beliebte Destinationen oder Sehenswürdigkeiten (Massentourismus).

Reisen ist generell eine tolle Sache, um fremde Länder und ihre Kulturen kennenzulernen – die Ausbeutung von Mensch und Natur ist hingegen die Kehrseite. Nachhaltiger Tourismus bedeutet auch eine faire Bezahlung von Arbeitskräften, die in den Urlaubsgebieten oft unter unmenschlichen Bedingungen leben und kaum entlohnt werden. Dies betrifft vor allem die Bevölkerung in Schwellenländern, die für den Ausbau der Infrastruktur oft umgesiedelt wird.

Auch wenn der Tourismus ein starker wirtschaftlicher Sektor ist, steht er (hinsichtlich des Klimawandels und der CO2-Emissionen) zunehmend in der Kritik. Dies betrifft vor allem Flugreisen, die den Ausstoß von Treibhausgasen fördern können. Ein Flug auf die Kanarischen Inseln (und zurück) stößt ungefähr 1.800 Kilogramm CO2 aus – bei einer vierköpfigen Familie sind das folglich 7,2 Tonnen CO2. Dafür könnte die Familie mit ihrem Auto 45.000 Kilometer weit fahren. Dass viele Billigflieger außerdem mit preiswerten Angeboten locken, trägt überdies zu einem Anstieg der CO2-Emissionen bei. Ähnlich sieht es mit Kreuzfahrten aus, deren Schiffe etwa genauso viel CO2 ausstoßen sollen wie etwa 5 Millionen Fahrzeuge, die auf der gleichen Strecke unterwegs sind.

Du siehst: Der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit im Tourismus ist laut.

 

Wie kannst du nachhaltiger reisen?

Nachhaltiges Reisen hat nicht nur zum Ziel, Kreuzfahrten und Flugreisen stark einzuschränken beziehungsweise ganz sein zu lassen, was für viele Menschen undenkbar wäre. Nachhaltiges Reisen heißt vor allem, den

  • ökologischen,
  • wirtschaftlichen und
  • sozialen

Aspekt in Einklang zu bringen. Tourismus ist ein großer Wirtschaftsfaktor, von dem grundsätzlich jeder profitieren sollte, indem die Gewinne gerecht verteilt werden. Menschen sollten für den Tourismus weder umgesiedelt noch ausgebeutet werden. Experten gehen davon aus, dass wir mit einem nachhaltigen Tourismus die natürlichen Ressourcen unserer Erde schonen und dabei die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte einbeziehen können.

Es gibt bereits viele Anbieter, die auf einen nachhaltigen Tourismus setzen. Es lohnt sich also, nach „grünen Reisen“ Ausschau zu halten und etwas für die Umwelt und den Schutz von Mensch, Natur und Kultur zu tun. Viele Reiseanbieter preisen vor allem den Urlaub im eigenen Land an, um die Bevölkerung vor Ort zu unterstützen und gleichzeitig die CO2-Emissionen zu senken. Nachfolgend nennen wir dir einige Beispiele, um nachhaltiger zu reisen.

Für mehr Nachhaltigkeit während deines Urlaubs kannst du…

  • …im eigenen Land Urlaub machen.
  • …auf Kreuzfahrten und Flugreisen verzichten.
  • …mit Bus, Bahn oder dem Pkw (am besten voll besetzt) verreisen.
  • …lokale Produkte kaufen und lokal essen gehen.
  • …die Ressourcen in der Unterkunft schonen.
  • …einheimische Dienstleistungen in Anspruch nehmen.
  • …Müll vermeiden.
  • …Wanderungen, Fahrrad- oder Paddeltouren bevorzugen.
  • …dein Gepäck schmal halten.
  • …wiederverwertbare Trinkflasche(n) und Brotdose(n) mitnehmen oder kaufen.
  • …eine nachhaltige Unterkunft buchen.
  • …deine Handtücher im Hotel mehrmals verwenden.

Ist nachhaltiger Tourismus möglich oder eine schöne Illusion?

Aufgrund des Klimawandels und der damit verbundenen CO2-Emissionen ist der Tourismus in den letzten Jahren immer stärker in die Kritik geraten. Viele Menschen entscheiden sich deshalb für einen nachhaltigen Tourismus, um die Umwelt und die natürlichen Ressourcen zu schonen und den sozialen und wirtschaftlichen Aspekt nicht außer Acht zu lassen.

Ob sich der nachhaltige Tourismus in Zukunft durchsetzt, lässt sich auf Anhieb nicht sagen. Obwohl es die Tendenz gibt, dass viele Menschen lieber in ihrem eigenen Land Urlaub machen, anstatt zu fliegen oder eine Kreuzfahrt zu unternehmen. Nichtsdestotrotz sind viele Schwellenländer auf Touristen angewiesen, um wirtschaftlich wachsen zu können.

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