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Nachhaltigen Ökostrom erkennen und nutzen: So geht‘s

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

17.06.2022

Letztes Update

30.06.2022

Nachhaltiger Ökostrom klingt wie zwei Worte mit gleicher Bedeutung. So ist es aber nicht. Hier erfährst du, was dahintersteckt.

Inhalt des Blogartikels

Was ist nachhaltiger Ökostrom?

Wirklich ökologisch, also umwelt- und klimafreundlich, hergestellter Strom ist natürlich nachhaltig. Das Problem besteht allerdings darin, dass es keine gesetzlichen Kriterien gibt, denen Ökostrom entsprechen muss. Im Prinzip kann jeder Anbieter seinem Strom ein Öko-Label verpassen.

Schauen wir uns an, worin die Unterschiede zwischen konventionellem und nachhaltigem Strom bestehen:

Konventioneller Strom

Konventioneller Strom wird aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Das sind Braun- und Steinkohle, Erdöl und Erdgas. Sie müssen aus der Tiefe der Erde gewonnen werden. Der Abbau verursacht große Umweltschäden. Die Vorräte sind endlich – irgendwann sind die Lagerstätten erschöpft. Und bei ihrer Verbrennung während der Stromerzeugung emittieren sie große Mengen des klimaschädlichen Gases CO₂, das zu großen Teilen für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird.

Nachhaltiger Strom

Ökostrom wird hingegen aus dauerhaft zur Verfügung stehenden Quellen wie Sonnenlicht, Wind- oder Wasserkraft gewonnen. Da sich diese Quellen nicht erschöpfen, ist die Stromerzeugung nachhaltig. Du benötigst keine Brennstoffe, die du mit Bergbauverfahren fördern musst. Und bei der Stromerzeugung entsteht kein CO₂.

Der so gewonnene Ökostrom ist also per se nachhaltiger Strom. Warum wird dann aber explizit von nachhaltigem Ökostrom gesprochen?

 

Ökostrom, aber nicht nachhaltig?

Das Problem liegt darin, wie die Versorger ihren Strom anbieten. Natürlich wirst du in jedem Ökostromtarif in einer gewissen Form Ökostrom finden. Der Anbieter muss die Bezeichnung schließlich gegenüber dem Kunden rechtfertigen. Aber dennoch ist das Angebot insgesamt nicht immer nachhaltig. Auf die folgenden Konstruktionen kannst du im Markt stoßen:

Ökostrom mit Zertifikat

Zertifikat klingt zwar gut, ist aber nicht wirklich zielführend. Hier ein Beispiel. Ein norwegischer Anbieter erzeugt Ökostrom ausschließlich mit Wasserkraft und erhält dafür Zertifikate. Ein deutscher Versorger kauft diese Zertifikate und kann daher seinen Strommix als Ökostrom vermarkten. Auf dem Papier hat er mit dem norwegischen Unternehmen seinen konventionell erzeugten Strom gegen grünen Strom getauscht. Immerhin unterstützt er so die Ökostromproduktion in Norwegen, aber nicht in Deutschland.

Großanbieter mit Ökostromangeboten

Große Stromkonzerne bieten neben konventionellen Stromtarifen auch Ökostrom an. Letzteres geschieht entweder über Tochterfirmen oder direkt. Ein Beispiel ist das Unternehmen Vattenfall. Unter der Bezeichnung Easy Strom bekommst du einen konventionellen Strommix. Die Ökostromtarife laufen unter der Sammelbezeichnung Natur Strom. Laut Tarifbeschreibung soll hier der Strom zu 100 Prozent aus nachhaltigen Quellen stammen. Als Kunde kannst du das aber kaum nachprüfen.

Außerdem ist es gängige Praxis, dass der in der Regel teurere Ökostrom preislich aus den Gewinnen des Verkaufs von konventionellem Strom gestützt wird. So können die Großkonzerne ihren Ökostrom günstiger verkaufen als reine Ökostromanbieter. Damit wird letztlich kein Anreiz zum weiteren Ausbau der Ökostromerzeugung geschaffen. Und durch die Quersubventionierung ist in diesem Ökostrom indirekt eben doch ein Anteil konventionell erzeugter Strom enthalten.

Spezialisierte Ökostromanbieter

Bei diesen Anbietern findest du tatsächlich 100 Prozent nachhaltigen Ökostrom. Sie betreiben keine konventionellen Kraftwerke und kaufen auch keinen konventionell erzeugten Strom zur Weitervermarktung ein. Stattdessen fließt ein Anteil am realisierten Stromverkauf in den Ausbau von Ökostromprojekten oder die Anbieter erweitern ihre selbst betriebenen Kapazitäten zur Ökostromerzeugung.

Auf diversen Internetseiten werden immer wieder folgende Anbieter genannt:

  • Polarstern: Strommix 100 Prozent Wasser / Privatgründung 2011
  • Green Planet Energy: Strommix 48 Prozent Wasser, 52 Prozent Wind / aus Greenpeace und der Antiatomkraftbewegung hervorgegangen, Genossenschaft
  • Naturstrom: 100 Prozent Wasser / Gründungsmitglieder kamen von NABU und BUND
  • Bürgerwerke: 98,8 Prozent Solar- und 1,2 Prozent Windenergie / bundesweiter Zusammenschluss von 95 Energiegenossenschaften

 

Daran erkennst du nachhaltigen Ökostrom

Wir haben bereits festgestellt, dass es keine staatlichen Kriterien gibt, die die Anforderungen an Ökostrom definieren. Aber es gibt Gütesiegel zur Kennzeichnung von nachhaltigem Ökostrom. Die besten Siegel sind:

  • Grüner Strom – das Ökostromlabel der Umweltverbände (zum Beispiel NABU)
  • OK-Power-Siegel – Träger ist der gemeinnützige EnergieVision e.V.
  • TÜV Nord
  • TÜV Süd
  • Polarstern: Grundpreis: 9,80 Euro / Monat + Arbeitspreis: 47,18 Cent / kWh
  • Bürgerwerke: Grundpreis: 11,90 Euro / Monat + Arbeitspreis: 27,13 Cent / kWh
  • Polarstern: Grundpreis: 9,80 Euro / Monat + Arbeitspreis: 50,75 Cent / kWh
  • Bürgerwerke: Grundpreis: 11,90 Euro / Monat + Arbeitspreis: 40,35 Cent / kWh

Bei Ökostromtarifen mit einem dieser Siegel kannst du sicher sein, dass du tatsächlich nachhaltigen Ökostrom bekommst. Denn Ökostromanbieter, die eines dieser Siegel bekommen möchten, müssen strenge Kriterien erfüllen. Beim Grüner-Strom-Label sind das die folgenden:

  • Der Strom muss vollständig aus erneuerbaren Energien stammen. Der Anbieter hat das mit entsprechenden Lieferverträgen nachzuweisen.
  • Der Anbieter muss mit einem bestimmten Betrag je verkaufter Kilowattstunde (kWh) den Ausbau erneuerbarer Energien fördern.
  • Das Siegel gibt genau vor, wie die Beträge zu verwenden sind (Solaranlagen, Windräder etc.).
  • Der Stromanbieter darf nicht an Kernkraftwerken und ab 2027 nicht mehr an Kohlekraftwerken beteiligt sein.

Ähnlich sieht es beim OK-Power-Siegel aus. Allerdings teilt die Trägerorganisation die Anforderungen in Pflicht- und Wahlkriterien auf. Pflichtkriterien sind zum Beispiel:

  • Strom stammt komplett aus erneuerbaren Energien.
  • Stromanbieter darf nicht an Atom- und Braunkohlekraftwerken sowie an neueren Steinkohlekraftwerken (Inbetriebnahme ab 2015) beteiligt sein.

Bei den Wahlkriterien geht es um den Beitrag zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Energiewende. Der Stromanbieter hat zum Beispiel die Wahl, einen festen Betrag pro verkaufte Kilowattstunde zu investieren, neue eigene Ökokraftwerke zu bauen oder für den Weiterbetrieb älterer Ökokraftwerke zu sorgen, die bereits aus der staatlichen Förderung herausgefallen sind.

Möchtest du in einen echten Ökostromtarif wechseln und somit deinen persönlichen Beitrag zur Energiewende leisten, dann orientiere dich am besten an den eben besprochenen Öko-Siegeln. Mittlerweile zeigen sogar große Vergleichsportale bei den entsprechenden Tarifen die Siegel an. So ist der Wechsel leicht zu bewerkstelligen.

Ein Problem kann allerdings sein, dass der eine oder andere Anbieter zeitweilig keine Neukunden aufnimmt. Das Interesse an nachhaltigen Stromtarifen ist ohnehin gestiegen.

Ein Großteil des Stroms wird in Deutschland immer noch in Gaskraftwerken erzeugt. Wenn nicht genügend Gas für die Kraftwerke zur Verfügung steht, kommt es zu Versorgungsengpässen. Aber die Kapazitäten bei den Ökostromanbietern sind begrenzt. Deshalb können sie nicht unendlich viele Kunden annehmen. Das kann die Suche nach einem passenden Ökostromtarif aufwendiger gestalten.

 

Wie viel kostet nachhaltiger Strom?

Echter Ökostrom ist in der Regel teurer als Strom aus fossilen Energieträgern. Im Oktober 2021 hatten einige Ökostromanbieter im Berliner Raum die nachfolgenden Preise. Sie beziehen sich auf die PLZ 10585 und einen Jahresverbrauch von 1.500 kWh:

Aktuell rufen die Anbieter folgende Tarife für ihre Energie auf:

Die Preise sind also innerhalb weniger Monate signifikant gestiegen. Kurzfristig kannst du eventuell mit einer Senkung bei den Preisen pro Kilowattstunde rechnen. Denn die auch auf Ökostrom zu zahlende EEG-Umlage fällt ab Juli 2022 weg. Es bleibt aber den Anbietern vorbehalten, ob und wie stark sie das an ihre Kunden weitergeben.

Eine langfristige Prognose ist aktuell nicht möglich. Mit sinkenden Preisen wäre nur zu rechnen, wenn das Angebot größer wäre als die Nachfrage. Das wird aber auch auf längere Sicht nicht der Fall sein.

 

Was sind die Vorteile von nachhaltigem Strom?

Preisvorteile hast du aktuell nicht beim Wechsel zu nachhaltiger Energie. Die Vorteile bestehen eher für die Gesellschaft als Ganzes. Bei der Produktion entsteht kein CO₂. Das hilft bei der Bekämpfung des Klimawandels und beim Vorantreiben der Energiewende. Es werden keine fossilen Brennstoffe benötigt, deren Lagerstellen sich in den nächsten Jahrzehnten erschöpfen werden und deren Gewinnung Umweltschäden verursacht. In der aktuellen Situation hilft Ökostrom auch, die Abhängigkeit von russischem Gas und Erdöl anzubauen.

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