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Wann ist Kleidung nachhaltig?

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

17.01.2021

Letztes Update

15.03.2022

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Nachhaltige Kleidung: Wie du Umweltfreundlichkeit in den Kleiderschrank bringst

Grüne Mode, nur ein Trend oder steckt mehr dahinter? Clevere Marketingstrategie oder sinnvoller Ansatz für die Zukunft? Diesen Fragen sind wir für dich nachgegangen.

Inhalt des Blogartikel

Was steckt eigentlich hinter den Begriffen?

Bezeichnungen wie bio, ökologisch oder vegan wurden schnell von der Industrie aufgegriffen und für die Vermarktung ihrer Produkte genutzt. Alles wird plötzlich irgendwie ökologisch hergestellt oder ist urplötzlich vegan, obwohl es das eigentlich schon immer gewesen ist. Bei einer solchen Vereinnahmung stellt sich die Frage, ob das bei der Nachhaltigkeit ähnlich ist. Schließlich hat sich diese zu einem Megatrend entwickelt. Wie steht es also bei unserer Mode um die Nachhaltigkeit?

Grundsätzlich bedeutet Nachhaltigkeit, so zu handeln, dass die Menschen nach uns die gleichen Chancen haben, ihr Leben ähnlich zu gestalten wie wir heute. Dies gelingt jedoch nur, wenn wir wirtschaftlichen und technischen Fortschritt, soziale Gerechtigkeit sowie Klima- und Umweltschutz miteinander in Einklang bringen.

 

Wann ist Mode nachhaltig?

Unabhängig davon ob sustainable Fashion, Eco Fashion, grüne Mode, Öko Mode oder nachhaltige Mode, diese Bezeichnungen stehen alle für das Gleiche: die Herstellung von Bekleidung aus umweltschonenden Materialien zu fairen Löhnen unter Berücksichtigung sozialer Aspekte und des Umweltschutzes.

 

Status quo in Sachen Mode

Über 75 Millionen Menschen – hauptsächlich Frauen in Entwicklungsländern – arbeiten in der Bekleidungsindustrie. Deutschland ist weltweit der zweitgrößte Importeur. Die Arbeitszeiten betragen bis zu 16 Stunden täglich. Eine Näherin in Bangladesch bekommt beispielsweise einen Stundenlohn von 20 Cent. Meist reicht das Geld aber nicht zum Leben. Daher müssen Kinder mitarbeiten. Selbst Zwangsarbeit ist heutzutage noch üblich.

Weltweit der zweitgrößte Verschmutzer von Wasser ist die Textilindustrie. Beim Bleichen und Färben werden giftige Chemikalien verwendet. Das dadurch stark verunreinigte Abwasser belastet das Trink- und Grundwasser. Allein für die Baumwollproduktion werden 25 Prozent der weltweit eingesetzten Insektizide verwendet.

Ein weiteres Problem – vor allem in wasserarmen Regionen – ist die intensive Bewässerung während des Baumwollanbaus. Für 1 Kilogramm Baumwolle werden bis zu 17.000 Liter Wasser benötigt; das entspricht etwa 95 Badewannenfüllungen. In vielen Anbaugebieten geht es daher oftmals nicht ohne zusätzliche Bewässerung. Doch das führt zu großen Umweltproblemen, weil so das Wasser nicht nachhaltig verwendet wird. Flussläufe werden gestaut oder verändert. Auch das bereits knappe Oberflächen- und Grundwasser wird für den Baumwollanbau entnommen.

Die Branche beginnt sich zu bewegen

Nachhaltigkeit – oder neudeutsch Sustainability – ist inzwischen ein branchenübergreifender Megatrend, dem sich auch die Textil- und Bekleidungsbranche nicht länger entziehen kann. Eine Umorientierung ist klar zu erkennen. Das Magazin „TextilWirtschaft“ hat Ende Oktober 2019 eine repräsentative Umfrage durchgeführt. 73 Prozent der befragten Fashion-Hersteller nannten Nachhaltigkeit „als drängendste Projekt unserer Zeit“. 78 Prozent bezeichneten die Thematik als Chefsache. Die interviewten Modehändler allerdings sind da noch nicht ganz so weit. Lediglich 55 Prozent betrachten Sustainability als wichtigstes Projekt, aber immerhin 67 Prozent setzen sich mit dem Ganzen intensiv auseinander. Jedoch hat nur jeder zweite Händler nachhaltige Labels im Angebot. 

Bio-Baumwolle verarbeiten 67 Prozent der Produzenten, recyceltes Polyester 66 Prozent. Die Produkte von 62 der befragten Hersteller werden zertifiziert: Öko-Tex (70 Prozent), BSCI (53 Prozent) und GOTS (48 Prozent).

Auf das Nachhaltigkeitssiegel „Grüner Knopf“ angesprochen, äußerten sich 56 Prozent der Befragten bei den Modelabels positiv darüber, dass der Staat mit diesem Siegel seit Anfang September 2019 strenge Anforderungen für nachhaltige Produktion vorgibt. Die Untersuchung ergab zudem, dass 54 Prozent der Hersteller in Europa fertigen lassen. 77 Prozent setzen eigene Mitarbeiter ein, um die Zulieferer vor Ort zu kontrollieren. Für eine garantierte Zahlung fairer Löhne wollten sich nur 61 Prozent einsetzen.

 

Was sich ändern muss

Fassen wir uns zuallererst an die eigene Nase. Die meisten haben viel zu viele Kleidungsstücke im Schrank verstaut, die kaum oder überhaupt nicht getragen werden. Und obwohl wir wissen, dass die vermeintlich super günstigen Angebote in der Regel selbst das wenige Geld nicht wert sind, halten wir uns nicht zurück. Lieber ärgern wir uns kurz, weil das schwarze T-Shirt bereits nach der zweiten Wäsche hellbraune Auswaschungen aufweist, Buntes schnell die Farbe verliert und ein anderes Kleidungsstück die Form. Sicher, Qualität und Nachhaltigkeit haben ihren Preis, aber auf lange Sicht gesehen rechnet es sich: für uns selbst, die Frauen und Kinder in den Entwicklungsländern und für die Umwelt.

Kaufe daher nicht wesentlich mehr Mode als du wirklich benötigst und vor allem: kaufe mit Bedacht. An guter, nachhaltiger Produktqualität hast du lange Freude. Achte beim Kauf auf nachhaltige Modelabel, von denen du weißt, dass sie nachwachsende oder auch recycelte Materialien verarbeiten und über die ganze Wertschöpfungskette fair bezahlen und respektvoll mit ihren Mitarbeitern und der Umwelt umgehen. Welche das sind, erfährst du jetzt.

 

Auf diese Siegel solltest du achten

Die Nachfrage nach sozial-ökologisch produzierter Bekleidung nimmt immer mehr zu. Trotzdem sind faire Löhne, umweltschonende Herstellung und sozialverträgliche Arbeitsbedingungen noch eher die Ausnahme. Auf der Oberbekleidung findest du das vielfältigste Siegel. Um dir beim Kauf die Entscheidung zu erleichtern, nachfolgend Nachhaltigkeitssiegel, die 2020 von der Verbraucherzentrale empfohlen wurden. Sie halten alle die Grundprinzipien der International Labour Organisation ILO ein: Vereinigungs- und Kollektivvertragsfreiheit, Verbot von Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf, Abschaffung von Zwangsarbeit und Bekämpfung sowie Abschaffung von Kinderarbeit.

IVN Best

Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN): Zahlung von Mindestlöhnen, zu 100 Prozent ökologisch zertifizierte Naturfasern.

GOTS

Global Organic Textile Standard (GOTS): Mindestens 70 Prozent der Naturfasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder Tierhaltung, bei Label-Ergänzung „organic“ trifft das auf 95 Prozent der Fasern zu; soziale und ökologische Standards sind nicht so hoch wie bei IVN BEST.

Fairtrade Cotton

Fair angebaute und gehandelte Rohbaumwolle, der Textilstandard betrifft die gesamte Wertschöpfungskette, die Standards liegen deutlich über den ILO-Kernarbeitsnormen, Förderung des Bio-Baumwollanbaus.

Fair Wear Foundation

Gemeinsam mit Unternehmen wird die Verbesserung der sozialen Bedingungen in der kompletten Wertschöpfungskette in den Produktionsländern vorangetrieben. Aktuell verzeichnet Fair Wear eine Mitgliedschaft von über 80 Unternehmen mit 131 Marken. Firmen dürfen das FWF-Logo erst nach einem Jahr Mitgliedschaft und Einstufung in die beste Kategorie verwenden.

Cotton made in Africa

Unterstützung der Kleinbauern, ihre und die Lebensbedingungen ihrer Kinder zu verbessern. Ausschluss von Kinderarbeit, gefährlichen Pestiziden oder genveränderter Baumwolle, Schulungen zu Ertragssteigerung und Einkommenserhöhung.

Der Grüne Knopf

Staatliches Textilsiegel, 26 soziale und ökologische Produktkriterien sowie 20 Unternehmenskriterien werden vorgegeben. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vergibt das Siegel. Kontrolle der Einhaltung der Prüfkriterien durch unabhängige Prüfstellen, in der Startphase zunächst Prüfung der Unternehmensprüfung und der Produktionsschritte Nähen und Zuschneiden sowie Färben und Bleichen.

 

Nachhaltigkeitspyramide

Auch das Kaufverhalten kann nachhaltig gestaltet werden. Anhand der Nachhaltigkeitspyramide kannst du von unten nach oben die Möglichkeiten ablesen, die sich am einfachsten umsetzen lassen. Entsprechend sind auch nachfolgend die Punkte aufgeführt.

Trage, was du hast

Befolge bestenfalls nicht jedem kurzlebigen Trend. Viele neue Kleidungsstücke werden energieintensiv hergestellt und belasten die Umwelt.

Bessere aus oder schneidere um

Entsprechendes Geschick vorausgesetzt, lassen sich kleinere Beschädigungen günstig ausbessern oder deine geliebte Langarmbluse hat plötzlich kurze Ärmel. Professionelle Schneidereien sind eine Alternative.

Tausche Kleidung

Kleidertauschpartys und der Tausch über das Internet gewinnen an Beliebtheit. Es gibt zahlreiche Online-Tauschbörsen für Kleidungsstücke. Auf diese Weise kann gut erhaltene Kleidung wiederverwertet werden. Außerdem verhinderst du, dass neue Fast-Fashion-Ware produziert werden muss.

Leihe aus

Du bezahlst eine Mietgebühr, kannst aber auch ein Monatsabo abschließen. Geliefert wird per Post. Es gibt sogar Anbieter, die ausschließlich nachhaltige und faire Marken anbieten. Je nach Outfit und Mietdauer bewegen sich die Preise zwischen 50 und mehreren hundert Euro.

Nähe selbst

Mit einer Nähmaschine, zertifizierten Naturstoffen, alten Kleidungsstücken und Stoffresten lassen sich nachhaltige Kleidungsstücke herstellen.

Kaufe Second-Hand

Das geht online sehr gut. Es gibt inzwischen in jeder Stadt Second-Hand-Läden mit einem großen Angebot. Wenn du aus zweiter Hand kaufst, schonst du ebenfalls Umwelt und Ressourcen und gleichzeitig deinen Geldbeutel.

 

Vorsicht vor Greenwashing!

Einige Firmen verkaufen ihre Kleidung als nachhaltig, obwohl diese mitunter gerade einmal einen der Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Die Marketingstrategie des „Greenwashings“ gaukelt ein verantwortungsbewusstes Handeln vor, das nicht gegeben ist. Frage daher besser nach, ob Produkt und Unternehmen wirklich auf Nachhaltigkeit zertifiziert sind.

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