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Das moderne Energiesparhaus

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

03.05.2021

Letztes Update

06.05.2022

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Was zeichnet ein modernes Energiesparhaus aus?

Wohnhäuser verbrauchen sehr viel Energie. Doch die ist teuer und wertvoll. Wer hier spart, belohnt sich und die Umwelt. Alles rund um das Energiesparhaus erfährst du hier.

Inhalt des Blogartikels

 

Was ist ein modernes Energiesparhaus?

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass ein modernes Energiesparhaus optimal gedämmt ist, geringe Wärmeverluste aufweist und eine hocheffiziente Lüftungs- und Heiztechnik besitzt, die erneuerbare Energien nutzt. Die Bezeichnung Energiesparhaus ist ein Überbegriff für folgende Baukonzepte:

Der Begriff Energiesparhaus ist nicht geschützt. Er hat sich aber im Laufe der Jahre für Häuser etabliert, deren Energiebedarf viel niedriger ist als der höchstzulässige Wert bzw. Energiebedarf und dessen gesetzliche Anforderungen.

 

Arten moderner Energiesparhäuser

Das moderne Energiesparhaus kannst du auf verschiedene Arten realisieren. Diese unterscheiden sich unter anderem in ihrem Energiewert, dem Aufwand des Bauens oder der Höhe der Autarkie, die du durch sie erreichst. Im Folgenden erklären wir dir die wichtigsten Arten der Energiesparhäuser.

Das Passivhaus als Energiesparhaus

Das Passivhaus ist sehr gut gedämmt. Du benötigst also im Winter kein separates Heizsystem und im Sommer keine Klimaanlage, um ein behagliches Wohnklima zu erreichen. Die erforderliche Energie wird von einer kontrollierten Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung bereitgestellt. Diese Wärme wird passiv, durch große nach Süden ausgerichtete, dreifach-verglaste Fensterflächen sowie die Abwärme von Personen und technischen Geräten gewonnen. Damit sich das Gebäude nicht unnötig aufheizt sind vor größeren Fensterflächen geeignete Sonnenschutzmaßnahmen erforderlich.

Eine Sanierung deines Hauses zum Passivhaus ist technisch kein Problem, allerdings ist sie mit hohen Kosten verbunden und daher oft aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll.

Das Nullenergiehaus als Energiesparhaus

Das Nullenergiehaus ist die technische Weiterentwicklung des Passivhauses. Es soll ohne Fremdenergie von außen auskommen und ist somit zu 100 Prozent energieautark. Grundsätzlich kannst du hier deinen gesamten Energiebedarf durch eine Photovoltaikanlage, Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Luft-Wasser-Wärmepumpe und Solarthermieanlage selbst decken. Dadurch benötigst du deutlich weniger Energie, als es die gesetzlichen Mindestanforderungen vorsehen.

Das Plusenergiehaus als Energiesparhaus

Diese Weiterentwicklung des Nullenergiehauses ist sicher die teuerste Variante unter den modernen Energiesparhäusern. Das Effizienzhaus Plus ist nicht von einer speziellen Technologie abhängig. Du kannst es durch eine kreative und intelligente Verknüpfung aus energieeffizienten Bau- und Haustechniktechnologien sowie erneuerbaren Energien erreichen. Das Gebäudekonzept basiert auf 3 Säulen:

  • bestmögliche Steigerung der Energieeffizienz 
  • optimale Senkung des Energiebedarfs der Haushaltsprozesse
  • Einsatz erneuerbarer Energien

Eine Photovoltaikanlage, alternativ kleine Windkraftanlage, Wärmepumpe, hocheffiziente Verbrauchsgeräte, LED-Beleuchtung, intelligente Stromzähler und eine Hausautomation sind unverzichtbar. Gleiches gilt für den Stromspeicher, um produzierte Überschüsse zwischenzuspeichern. Bleiben weitere Stromüberschüsse übrig, kannst du diese in das allgemeine Stromnetz einspeisen.

Das KfW-Effizienzhaus als Energiesparhaus

Den Orientierungsmaßstab für den Effizienzhaus-Standard haben das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, die Deutsche Energie-Agentur und die KfW gemeinsam entwickelt und eingeführt:  

  • Effizienzhaus-Standards für Neubauten: 40, 40 plus, 55
  • Effizienzhaus-Standards für Gebäudesanierungen: 55, 70, 85, 100, 115

Da die Energieeffizienz bei Neubauten ein wichtiger Bestandteil der Energiewende ist, gibt es hierfür staatliche Förderungen durch die KfW. Die Effizienzhaus-Standards sind somit nicht nur Orientierungshilfen für energiesparendes Bauen, sondern auch Förderkriterien. Je höher dieser Standard ist, umso weniger Energie verbraucht dein Haus und umso mehr Geld kannst du vom Staat bekommen. Das gilt für Neubauten und für die Sanierung.

  1. Wie hoch ist der Gesamtenergiebedarf der Immobilie?
  2. Wie gut ist die Wärmedämmung der Gebäudehülle?

Gesetzliche Vorgaben: Gebäudeenergiegesetz löst EnEV ab

Der anfangs beschriebene höchstzulässige Wert für den Energiebedarf wurde erstmals in der Energieeinsparverordnung (EnEV) von 2002 festgeschrieben. Er wird in regelmäßigen Abständen verschärft und an das Europarecht angepasst. Ein Energiesparhaus, das sich an den festgeschriebenen Werten des Jahres 2002 orientiert, ist somit eigentlich kein Energiesparhaus, da es weit von den im Jahr 2021 geltenden Standards für moderne Energiesparhäuser entfernt ist. Damit deine Immobilie als Energiesparhaus zählt, muss es den Vorgaben zum Zeitpunkt der Bauabnahme entsprechen.


Bis
Oktober 2020 gab die EnEV die energetischen Anforderungen vor. Seit dem 1. November 2020 gilt das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG). Wenn du also ein modernes Energiesparhaus bauen möchtest, musst du ab sofort die im GEG festgelegten Anforderungen erfüllen:

  • Der Jahresheizwärmebedarf für ein Niedrigenergiehaus bewegt sich beispielsweise zwischen 35 und 70 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.
  • Bei einem Passivhaus sind es nur noch maximal 15 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr.

Es gibt auch weitere, aber eher seltene Varianten mit einer besonderen Architektur wie ein Sonnen- und Glashaus. Grundsätzlich unterscheiden sich alle Energiesparhaus-Varianten in der Höhe der Energiekostenersparnis und der Investition. Je mehr Energie dein Haus einspart, umso höher sind in der Regel die Bau- und Technikkosten. Hast du jedoch gut gerechnet, gleichst du den finanziellen Mehraufwand durch die Einsparungen meist schnell wieder aus.

Das GEG löst nicht nur die EnEV ab, sondern verknüpft diese zusätzlich mit dem bisherigen Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Damit entsteht ein einheitliches Anforderungssystem. Was die energetischen Mindestanforderungen betrifft, so entsprechen diese im Wesentlichen denen der EnEV. Lediglich für die Dämmung der Gebäudehülle wurden die Anforderungen gelockert.

Das GEG gilt für alle beheizten und klimatisierten Häuser – öffentliche sowie private – und legt sein Hauptaugenmerk auf den Neubau. Die umzusetzenden Kriterien betreffen hauptsächlich die Heizung und den Wärmedämmstandard des Gebäudes. Mit dem GEG sollen auch die europäischen Vorgaben zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden umgesetzt werden. Es gibt vor, dass du zu einem bestimmten Anteil erneuerbare Energien integrieren musst.

Neuerungen des GEG im Überblick

Die Anforderungen an dein Energieeffizienzhaus sind nahezu unverändert, dennoch gibt es einige Neuerungen, die für dich relevant sein könnten:

  • Die technische Ausführung zur Wärmeerzeugung beim Referenzgebäude wird nicht mehr auf Basis eines Öl-Brennwertkessels, sondern eines Erdgas-Brennwertkessels berechnet.
  • Die Referenzausführung für Wohngebäude wurde um die Gebäudeautomation, das Smart Home, ergänzt.
  • Neu ist auch, dass du die für Neubauten geltende Pflicht, erneuerbare Energien zu verwenden, nun auch durch die Nutzung gebäudenah erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien erfüllen kannst. Der Deckungsanteil des Wärme- und Kältebedarfs muss dann mindestens 15 Prozent betragen.
  • Für Wohngebäude mit einer Photovoltaikanlage ist der Nachweis alternativ auch über die Anlagengröße möglich.
  • Eine weitere Änderung betrifft ebenfalls die Pflicht, erneuerbare Energien zu nutzen. So ist es seit November 2020 gestattet, auch Gas-Brennwertkessel mit Biogas, Biomethan und biogenem Flüssiggas zu betreiben, wenn der Deckungsanteil mindestens 50 Prozent beträgt. Die genannten Gase durften bislang nur in KWK-Anlagen Verwendung finden, was bei einem Deckungsanteil von mindestens 30 Prozent auch weiterhin erlaubt ist.

Diese Neuerungen solltest du beim Bau eines modernen Energiesparhauses berücksichtigen. Es erleichtert dir die Realisierung. Ein Standardhaus gemäß GEG entspricht den Vorgaben des KfW-Effizienzhauses 100.

 

Welche Materialien muss ich verwenden?

Für die Materialien deines Energiesparhauses gibt es keine speziellen Vorgaben. Du kannst die gleichen Materialien verwenden wie für den normalen Massivhausbau. Eine Fertighaus-Bauweise ist ebenfalls problemlos möglich. Wichtig ist nur, dass du die jeweils erforderlichen Standards einhältst, wie beispielsweise die Dämmung, mehrfach verglaste Fenster und effiziente Verbrauchsgeräte.

 

Die Kosten für dein Energiesparhaus

Die vielen Varianten machen deutlich, dass allgemeine Angaben zu den Kosten nicht möglich sind. Sie hängen von dem jeweiligen Baukonzept, der Architektur und Größe des Hauses, den verwendeten Baumaterialien sowie der verbauten Heizung und weiterer Anlagentechnik ab.

Grob lässt sich sagen, dass Mehrkosten um die 20 Prozent, im Vergleich zu einem nicht so energieeffizienten Haus, entstehen können. Doch die Mehrkosten sollten dich nicht abschrecken. Die neue Bundesförderung, die seit 2021 in Kraft ist, hält lukrative Fördermaßnahmen bereit, welche die Kosten wieder deutlich senken.

 

Vor- und Nachteile von modernen Energiesparhäusern

Neben den Vorteilen von Energiesparhäusern, wie der Umweltfreundlichkeit, gibt es auch einige Herausforderungen, die du vor dem deinem Bau oder einer Sanierung kennen solltest:

Vorteile:

  • Du sparst Heiz- und Stromkosten.
  • Du gewinnst mehr Unabhängigkeit von Energiepreiserhöhungen.
  • Deine CO2-Ersparnis vergrößert sich.
  • Du profitierst von einem hohen Wohnkomfort.
  • Du hast gefilterte, frische Raumluft.
  • Du benötigst keinen Brennstoffraum oder einen Kamin.

Nachteile: 

  • Es können hohe Investitionskosten anfallen.
  • Du musst auf eine Südorientierung des Gebäudes achten.
  • Die Planung ist aufwendig.
  • Du benötigst eine Lüftungsanlage, deren Anschaffung, Wartung und Instandhaltung zusätzlich kostet.
  • Dein Gebäude kann sich im Sommer schnell aufheizen.

Gerade vor dem Hintergrund stetig steigender Energiepreise und dem desolaten Zustand von Klima und Umwelt lohnt es sich, weitsichtig zu handeln und die Mehrkosten für ein modernes Energiesparhaus in Kauf zu nehmen.

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