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Mehrfamilienhaus-Passivhaus

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

11.07.2021

Letztes Update

06.05.2022

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Lohnt es sich, ein Mehrfamilienhaus als Passivhaus zu bauen?

Einfamilienhäuser werden heutzutage oft als Passivhaus errichtet. Grundsätzlich lässt sich auch ein Mehrfamilienhaus als Passivhaus konzipieren. Dabei gibt es einiges zu beachten.

Inhalt des Blogartikels

Was macht ein Passivhaus so besonders?

Der Begriff Passivhaus bezeichnet eine bestimmte Baukonzeption für besonders energieeffiziente Gebäude, die einen extrem niedrigen Wärmeverbrauch aufweisen. Auf eine klassische wasserführende Heizung wird in der Regel komplett verzichtet. Die Beheizung erfolgt über die Lüftungsanlage, wobei notwendige Restenergie aus erneuerbaren Energiequellen bezogen werden kann. Die Bezeichnung Passivhaus ist nicht geschützt, es gibt jedoch eine unabhängige Zertifizierung durch das Passivhaus-Institut.

Durch die Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann ein Passivhaus je nach Grad der Energieeffizienz für Zuschüsse, beziehungsweise günstige Kredite qualifiziert sein. Wie hoch diese ausfallen, hängt vom KfW-Effizienzhaus-Standard des Neubaus ab. Aufgrund des hohen planerischen und technischen Aufwands empfehlen Architekten, keine Bestandsbauten zu Passivhäusern umzubauen. Die besagten Fördermittel gibt es entsprechend nur für Neubauten.

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Mehrfamilien Passivhaus und einem Einfamilienhaus nach Effizienzhaus-Standard?

Zunächst standen vor allem Zweifamilienhäuser und Gebäude mit wenigen Parteien im Vordergrund, doch mittlerweile ist auch der Bau von großen Mehrfamilienhäusern als Passivhaus möglich, die 20 oder noch wesentlich mehr Wohnungen enthalten. Tatsächlich gibt es in Berlin ein Bauprojekt, bei dem ein gesamtes Stadtquartier mit Mehrfamilien-Passivhäusern gestaltet wird. Somit sind komplette Passivhaus Wohnsiedlungen keine Utopie mehr.

Die Hauptunterschiede liegen in der Dimensionierung der Gebäude, der Infrastruktur für die komplexe Haustechnik, die auf jede einzelne Wohnung individuell abgestimmt sein muss, sowie in den Anforderungen an das gemeinschaftliche Verhalten in Mehrfamilien-Passivhäusern. Wenn zum Beispiel eine Familie unnötigerweise ständig die Fenster öffnet, weil sie das Prinzip des Luftaustauschs über die Lüftungsanlage im Passivhaus nicht verinnerlicht hat, geht das zulasten des Energieverbrauchs des gesamten Gebäudes. Wird allerdings alles richtig gemacht, ist ein Mehrfamilienhaus als Passivhaus so effizient, dass nahezu keine Nebenkosten für Heizung und Warmwasserbereitung anfallen.

Doch auch von der Konstruktion her stellen größere Gebäude andere Anforderungen. Während Einfamilienhäuser in Passivhausbauweise meist ohne Keller konzeptioniert werden, ist dies bei Mehrfamilienhäusern anders, weil je nach Größe zum Beispiel auch Tiefgaragen und genügend Raum für die Haustechnik und Fundamente eingeplant werden muss. Diese zusätzlichen Räumlichkeiten können teilweise über die Abluft beheizt werden, reduzieren unter Umständen jedoch die Gesamteffizienz des Gebäudes.

 

Vorteile eines Mehrfamilien-Passivhauses

Der Bau eines Mehrfamilienhauses mit Passivhaus-Standard hat diverse Vorteile. Neben einer hohen Nachhaltigkeit, profitierst du außerdem von folgenden Aspekten:

  • geringere Betriebskosten, weil nahezu keine Heizkosten anfallen
  • sehr umweltfreundlich
  • Raumtemperatur bewegt sich ganzjährig in einem komfortablen Bereich
  • klassische Heizungsanlage ist fast immer überflüssig
  • bei korrekter Umsetzung keine Feuchtigkeits- und Schimmelbildung
  • sehr gute Luftqualität in den Innenräumen durch hochwertige Lüftungsanlagen (besonders für Allergiker von Vorteil)

Nachteile eines Mehrfamilien-Passivhauses

Ein Passivhaus zu bauen bedarf einer sorgfältigen Planung und erfordert Investitionen, die bis zu 15 Prozent höher ausfallen als übliche Baukosten. Außerdem solltest du dir über diese Nachteile bewusst sein:

  • da Fördermittel vor Baubeginn beantragt werden müssen, sind nachträgliche Änderungen der Bauplanung schwierig
  • gestalterische Freiheit des Architekten wird durch Anforderungen an die kompakte Bauweise begrenzt
  • Lage des Hauses muss beachtet werden
  • Grundstücke müssen bestimmte Anforderungen erfüllen
  • manche Menschen empfinden die fehlende Strahlungswärme der Heizung als Einschränkung beim Wohnkomfort
  • Gebäudedämmung ist manchmal nicht mit umweltfreundlichen Materialien zu realisieren
  • genaue Gegenüberstellung von Mehrkosten und Betriebskostenersparnis erforderlich

Die spezielle Haustechnik macht das Mehrfamilienhaus zum Passivhaus

Damit ein großes Gebäude mit mehreren Wohneinheiten zum Passivhaus werden kann, ist neben der exzellenten Wärmedämmung eine sorgfältig durchdachte Haustechnik erforderlich. Die besondere Herausforderung in unseren Breiten ist die Winterzeit, denn die passive Energiegewinnung hat witterungsbedingt ihre Grenzen. Die wichtigsten Eckpunkte der Haustechnik für ein Mehrfamilien-Passivhaus sind:

  • dezentrale Lüftungsanlage mit effizienter Wärmerückgewinnung (bis zu 90 Prozent)
  • passive Wärmeerzeugung durch geeignete Fensterflächen (Ausrichtung beachten)
  • Einsatz von Solarthermie und/oder Photovoltaik erzeugt notwendige Restenergie zur Wärmegewinnung beziehungsweise Warmwasserbereitung. Eventuell vorhandene elektrische Zusatzheizungen lassen sich über Photovoltaik je nach Witterung ebenfalls betreiben
  • Wärmepumpe zur Nutzung kostenloser Umweltwärme zur Heizungsunterstützung oder Warmwasserbereitung
  • Abluft kann zur Beheizung von Tiefgaragen oder Kellerräumen verwendet werden, die in Mehrfamilienhäusern oft zwingend notwendig sind

Kosten eines Mehrfamilienhauses in Passivhausbauweise

Generell fallen bei der Passivhausbauweise zunächst höhere Baukosten an. Diese bewegen sich je nach Aufwand zwischen 5 und 15 Prozent über denen für normale Häuser. Dies ist bei Mehrfamilienhäusern nicht anders. Allerdings rechnen sich Passivhäuser nach einiger Zeit fast immer durch die Einsparungen durch die Betriebskosten. Bei Mehrfamilienhäusern erreicht man diese Schwelle sogar noch früher, weil die Baukosten pro Quadratmeter im Vergleich zum Einfamilienhaus niedriger sind.

[Tipp: Viele Mehrfamilienhäuser lassen sich durch kluge Bauplanung relativ einfach auf den förderfähigen KfW 40 Plus-Standard bringen. Eine Möglichkeit hierfür ist die Nutzung von Mieterstrom über ein eigenes BHKW]

Ein Rechenbeispiel

Kosten für Mehrfamilienhaus in Standardbauweise nach EnEV

  • Heizkosten: circa 1,20 Euro pro Quadratmeter und Monat
  • Baukosten (ohne Grundstück): 725.000 Euro

Kosten für Mehrfamilienhaus als Passivhaus

  • Heizkosten: circa 0,08 Euro pro Quadratmeter und Monat
  • Baukosten (ohne Grundstück): 800.000 Euro

Rechnet man eine Energiekostensteigerung von durchschnittlich 9 Prozent hinzu, beträgt der Wert der Einsparung bei identischer Kaltmiete in beiden Gebäuden nach 25 Jahren Nutzungszeit circa 570.000 Euro.

 

Ein Mehrfamilienhaus als Passivhaus spart Geld und ist gut für die Umwelt

Der niedrige Energieverbrauch macht ein Mehrfamilienhaus als Passivhaus besonders attraktiv für Bewohner und Investoren. Doch auch die Umwelt profitiert von der nachhaltigen Bauweise, weil kaum noch zusätzliche Heizenergie aufgewendet werden muss beziehungsweise diese sich aus regenerativen Energiequellen beziehen lässt. Obwohl der Planungsaufwand sowie die Baukosten zunächst höher ausfallen, rentieren sich Mehrfamilienhäuser in Passivhausbauweise sowohl für Investoren als auch für die Natur nach wenigen Jahren. Ständige Verbesserungen bei der Haustechnik tragen zu einem sehr hohen Wohnkomfort bei.

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