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Niedrigenergiehäuser & ihre Heizlast

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

19.04.2021

Letztes Update

05.05.2022

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Was versteht man unter der Heizlast in einem Niedrigenergiehaus?

Die Kosten für die Heizung bilden einen Großteil der Wohnnebenkosten. Ob ein Niedrigenergiehaus deshalb günstiger ist und sich daher der bauliche Aufwand lohnt, zeigen wir hier.

Inhalt des Blogartikels

Was ist ein Niedrigenergiehaus und was ein Passivhaus?

Es gibt keine einmal festgelegte Definition für ein Niedrigenergiehaus. Grob gesagt ist jedes Haus ein Niedrigenergiehaus, dessen Verbrauchswerte an Primärenergie besser sind als bei einem aktuellen Gebäude in Standardbauweise.

Der Begriff Niedrigenergiehaus wurde immer an die in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegten Werte gekoppelt. Allerdings hat der Gesetzgeber die EnEV im Laufe der Jahre mehrfach überarbeitet und dabei die Anforderungen für Neubauten und die energetische Sanierung von Bestandsbauten verschärft. Ein nach den Anforderungen der EnEV 2002 errichtetes Gebäude in etwa dürfte heute nicht mehr als Niedrigenergiehaus gelten.

Hinweis: Ende 2020 hat das sogenannte Gebäudeenergiegesetz (GEG) die EnEV und weitere Regelungen abgelöst – mehr dazu erfährst du weiter unten in diesem Artikel.

Für ein Passivhaus gelten hingegen ganz klare Festlegungen, die durch das Passivhaus Institut in Darmstadt getroffen wurden und weltweit beachtet werden. Zum Beispiel darf der Heizwärmebedarf einen Wert von 15 kWh pro Quadratmeter und Jahr nicht übersteigen. Das entspricht etwa einem Viertel des Wertes, der für ein aktuelles Niedrigenergiehaus gilt. Ein Passivhaus ist daher auch ein Niedrigenergiehaus, weil es die dafür notwendigen Mindestanforderungen unterschreitet.

 

Was versteht man unter der Heizlast und dem Heizwärmebedarf?

Heizlast (auch Heizleistung genannt)

Ist bei einem Gebäude die Innentemperatur höher als die Außentemperatur, verliert das Gebäude mit der Zeit Wärme, weil die Dämmung der Außenhülle niemals so absolut sein kann, dass kein Wärmeverlust auftritt. Die Heizlast (beziehungsweise Heizleistung) bezeichnet die Wärmemenge, die ständig zugeführt werden muss, um den Verlust auszugleichen.

Da es sich physikalisch gesehen dabei um eine Leistung handelt, wird sie in Watt (W) angegeben und alternativ als Heizleistung bezeichnet. Zur besseren Vergleichbarkeit wird diese Leistung auf die zu beheizende Fläche bezogen. Daraus ergibt sich die Maßeinheit Watt pro Quadratmeter (W/qm).

Die Heizlast ist eine wichtige Kennziffer zur Planung und Auslegung der Heizung für das Gebäude. Für ihre Berechnung ist die DIN EN 12831 anzuwenden. In einem Passivhaus in etwa darf die Heizlast 10 W/qm nicht übersteigen. Bei einem KfW-Effizienzhaus 55 beispielsweise, das im Neubau auch als Niedrigenergiehaus gilt, liegt die Heizlast bei circa 40 W/qm.

Heizwärmebedarf (Wärmebedarf)

Der Heizwärmebedarf ist die Menge an Wärme, die während eines Zeitraumes (üblicherweise 1 Jahr) im Gebäude verbraucht wurde, um die Räume aufzuheizen und warmes Wasser zu erzeugen. Auch der Heizwärmebedarf bezieht sich auf die zu beheizende Fläche. Seine Maßeinheit lautet daher Kilowattstunde pro Jahr und Quadratmeter (kWh/a*qm).

Bei einem Passivhaus darf der Heizwärmebedarf den Wert von 15 kWh/a*qm nicht übersteigen. Der Heizwärmebedarf eines Niedrigenergiehauses (KfW-Effizienzhaus 55) liegt etwa beim 2- bis 4-fachen.

Zusammenhang zwischen Heizleistung und Heizwärmebedarf

Wie wir schon festgestellt haben, ist die Heizlast gleichbedeutend mit dem Wärmeverlust durch die Gebäudehülle. Eine höhere Heizlast bedeutet also, dass mehr Wärme verloren geht und durch die Heizung ersetzt werden muss. Die Heizung muss stärker heizen und benötigt demzufolge mehr Energie. Das heißt, der Wärmebedarf steigt in gleichem Maße. Eine höhere Heizlast bedingt einen höheren Heizwärmebedarf.

 

Gibt es Unterschiede bei Neu- und Bestandsbauten?

Bei Neubauten sind hinsichtlich Heizlast und Heizwärmebedarf Vorgaben einzuhalten. Das haben wir oben bereits gezeigt. Bestandsbauten weisen in der Regel wesentlich schlechtere Werte auf. In früheren Jahrzehnten wurden Baumaterialien und Bauelemente verwendet, die gerade zur Verfügung standen. Die Bauherren haben nicht auf Dämmwerte und eine hohe Dichtheit der Gebäude geachtet.

Wie eingangs erwähnt, gilt seit November 2020 das Gebäudeenergiegesetz (GEG), das die bis dahin geltende EnEV ersetzt und mit dem Energieeinsparungsgesetz (EnEG) und dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) verbindet. Demnach gelten jetzt bei Sanierungsmaßnahmen wie der Erneuerung der Fassade oder dem Austausch von Fenstern bestimmte Vorgaben.

Geregelt sind zum Beispiel die Dicke der Dämmung und der Wärmedurchgangskoeffizient der Fenster, die regulär aus einer Dreifachverglasung bestehen. Diese Maßnahmen führen zu einer Senkung der Heizlast und damit des Heizwärmebedarfs des Gebäudes sowie letztendlich der Heizkosten.

 

Wie kannst du die Heizlast und den Heizwärmebedarf berechnen?

Vorweg sei gesagt, dass es ziemlich kompliziert ist, beide Werte zu berechnen. Für die Heizlastberechnung musst du nach DIN EN 12831 vorgehen. Allerdings müssen dir dazu die Wärmedurchgangswerte sämtlicher Baumaterialien und Bauelemente und die durchschnittlichen regionalen Klimabedingungen (zum Beispiel tiefste Temperatur im Winter) bekannt sein. Eine genaue Heizlastberechnung kann daher in der Regel nur ein erfahrener Experte vornehmen.

Allerdings gibt es im Internet Online-Rechner, die typische bauphysikalische Werte von Gebäuden aus unterschiedlichen Bauzeiträumen berücksichtigen und mit der Eingabe einiger weniger Werte eine grobe Abschätzung liefern. Ein Beispiel ist der Online-Rechner auf der Seite des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP) e. V.

Ganz ähnlich sieht es mit der Berechnung des Heizwärmebedarfs aus. Die Berechnung erfolgt nach DIN EN 4108-6. Einbezogen werden die Wärmeverluste durch die Außenhülle und eine eventuell vorhandene Lüftung, innere Wärmegewinne durch Sonneneinstrahlung sowie die Wärme von Personen und Haushaltsgeräten. Außerdem spielt die Anzahl der Tage eine Rolle, an denen die mittlere Außentemperatur unter einem Grenzwert liegt. Den maßgeblichen Einfluss auf den Heizenergiebedarf hat demnach auch hier die Wirksamkeit der Dämmung der Gebäudehülle.

Hinweis: Vorsicht ist bei den Online-Tools geboten, die als Wärme- oder Heizwärmebedarfsrechner angeboten werden. Viele liefern eine grobe Abschätzung der Heizlast und nicht des Heizwärmebedarfs.

 

Wie groß sind die Heizlast und der Heizwärmebedarf eines Niedrigenergiehauses?

Wir hatten schon festgestellt, dass das Niedrigenergiehaus nicht genau definiert ist. Aber eine gute Orientierung ist das KfW-Effizienzhaus 55. Dessen Heizlast beträgt 40 W/qm. Der Heizwärmebedarf liegt bei etwa 35 kWh/a*qm.

Diese niedrigen Werte werden vor allem durch eine effiziente Wärmedämmung und eine weitgehend luftdichte Gebäudehülle erreicht. Eine niedrigere Heizlast und ein daraus resultierender geringerer Heizwärmebedarf bedeuten, dass du die Heizungsanlage kleiner dimensionieren kannst als für ein vergleichbares Gebäude mit einer höheren Heizlast. Der Heizkessel kann eine geringere Leistung aufweisen und für die einzelnen Zimmer genügen kleinere Heizkörper.

Eine geringe Heizlast bedeutet auch, dass eventuell der gesamte oder zumindest ein großer Teil des Wärmebedarfs über Heizungen gedeckt werden kann, die erneuerbare Energien nutzen. Infrage kommen zum Beispiel Solarthermie oder Wärmepumpen, eventuell in Kombination mit Holz- oder Pelletkesseln oder auch mit einem kleinen Gas-Brennwertkessel, um Bedarfsspitzen abzudecken.

 

Wie lassen sich Heizlast und Heizwärmebedarf weiter reduzieren?

Die effektivsten Stellschrauben sind die Wärmedämmung und Luftdichtheit, sofern die Möglichkeiten aus bautechnischer Sicht nicht schon ausgeschöpft sind beziehungsweise der dazu notwendige Bauaufwand finanziell noch sinnvoll ist.

Eine andere Möglichkeit ist die Vergrößerung der nach Süden ausgerichteten Fensterfläche, um noch mehr Sonnenwärme für die Raumtemperierung nutzen zu können. Allerdings sollten die neuen größeren Fenster über dreifach verglaste Wärmeisolierungsfenster verfügen und die Rahmen sowie die Kontaktbereiche zwischen Rahmen und Mauerwerk luftdicht ausgeführt werden.

Ob und mit welchen Maßnahmen du bei deinem Haus die Heizlast senken kannst, lässt du am besten durch einen erfahrenen Energieberater ermitteln. Er kann dir auch sagen, mit welchen Kosten und zukünftigen Einsparungen du rechnen kannst, welche moderne Heizung sinnvoll und ob die Nutzung von Fördermitteln möglich ist.

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