fassade-sanieren-ohne-daemmung-header-net4energy

Fassade ohne Dämmung sanieren: Geht das?

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

13.06.2022

Letztes Update

30.06.2022

Kostenlose Immobilienbewertung Experten 300x600

 

Gebäude sind täglich der Witterung ausgesetzt, sodass mit der Zeit Schäden entstehen können. In diesem Beitrag erfährst du, ob du die Fassade ohne Dämmung sanieren solltest.

Inhalt des Blogartikels

Fassade ohne Dämmung sanieren: Regelungen, Pflichten und Ausnahmen

Die Fassade ist im engeren Sinn die vordere, meist der Straße zugekehrte Außenseite eines Hauses. Sanierungen und Dämmarbeiten betreffen letztendlich alle Außenwände. Wenn wir hier von Fassade sprechen, sind alle Außenwände des jeweiligen Gebäudes gemeint.

Die Notwendigkeit einer Fassadensanierung zeigt sich vor allem in einem Altbau. Die Jahrzehnte hinterlassen Schäden an den Außenwänden. Zudem ist die Wärmedämmung in älteren Häusern sehr schlecht und entspricht nicht mehr den aktuellen gesetzlichen Vorgaben.

Tatsächlich existiert für Hausbesitzer eine gesetzliche Pflicht, bei einer Sanierung der Fassade auch eine Dämmung vorzunehmen. Sie resultiert aus der früheren Energie-Einsparverordnung (EnEV) und dem heute gültigen Gebäudeenergiegesetz (GEG). Ob die Pflicht greift, hängt unter anderem vom Umfang der vorgesehenen Arbeiten ab.

Sie wird wirksam, wenn du mindestens 10 Prozent der Fläche sanierst. Bei einer umfassenden Putzerneuerung oder dem Anbringen von Verkleidungen an den Außenwänden des Altbaus gilt die Pflicht zur Wärmedämmung. Wenn du nur einzelne Risse und Putzschäden ausbesserst, kannst du die Fassade ohne Dämmung sanieren.

Es gibt noch weitere Ausnahmen. Die Dämmpflicht trifft dich nicht, wenn du Hausbesitzer eines denkmalgeschützten Altbaus bist, dessen Fassade laut Behörde im Original erhalten bleiben soll. Unter Umständen können oder müssen dann Dämmmaßnahmen an den Innenseiten der Außenwände durchgeführt werden.

Du kannst auch dann die Fassade ohne Dämmung sanieren, wenn es sich um Außenwände handelt, die nach dem 31. Dezember 1983 unter Einhaltung energieeinsparungsrechtlicher Vorschriften errichtet oder erneuert wurden.

 

Vor- und Nachteile, die Fassade zu dämmen

Das Ziel der Dämmung der Außenwände (und des Dachs, der obersten Geschossdecke sowie des Erdgeschossbodens) besteht darin, die Wärmeverluste durch die Außenhülle des Gebäudes zu minimieren. In der Folge brauchst du nicht so viel Energie zum Heizen und sparst Kosten.

Ein geringerer Brennstoffverbrauch bedeutet auch weniger Ausstoß von CO2-Emissionen und hilft dabei, die ambitionierten Klimaschutzziele in Deutschland (Treibhausgasneutralität bis 2045) zu erreichen. Dazu sollen auch die gesetzlichen Vorgaben sowie attraktive Förderprogramme beitragen.

Das GEG regelt aber nicht nur die prinzipielle Pflicht, die Fassade, alle Außenwände, das Dach oder die oberste Geschossdecke und den Erdgeschossboden zu dämmen. Es gibt konkrete technische Werte vor, die du einhalten musst. Maßgeblich ist der Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert), den du mit der Dämmung mindestens erreichen musst.

Dieser Koeffizient bezeichnet den Wärmestrom durch eine Wand oder ein anderes Bauteil, abhängig von der Temperaturdifferenz zwischen der warmen und kalten Seite – berechnet auf eine Fläche. Die Maßeinheit ist Watt pro Quadratmeter und Kelvin (W/qm x K). Der Koeffizient zeigt gleichzeitig an, wie gut eine Dämmung ist. Je höher der Wert, desto mehr Wärme dringt durch das Bauteil hindurch. Oder umgekehrt betrachtet – je kleiner der Wert, desto besser die Dämmung.

Ein Beispiel: Der typische U-Wert für eine klassische ungedämmte Ziegelwand mit 24 Zentimeter Dicke, Gipsputz innen und Kalkzementputz außen beträgt 1,99 W/qm x K. Laut gesetzlicher Vorgabe nach EnEV und GEG ist mit der Dämmung ein maximaler Wert von 0,24 W/qm x K zu erreichen. Dieser gilt auch für die Dämmung von Dach bzw. oberster Geschossdecke. Anhand des großen Unterschieds zwischen den beiden U-Werten kannst du auch ohne tieferes Wissen über den Hausbau erkennen, dass durch die gedämmte Wand wesentlich weniger Wärme verloren geht.

Mit einer fachgerechten Dämmung profitierst du also von einem geringeren Heizbedarf und der damit verbundenen Kosteneinsparung. Darüber hinaus erhöht die Wärmedämmung den Wert deiner Immobilie. Eine Fassadensanierung, bei der du nur kleinere Schäden ausbesserst, bringt dir diese Vorteile nicht. Daher solltest du eine kleinere Fassadensanierung zum Anlass für eine komplette Wärmedämmung deines Hauses nehmen. Natürlich kostet die Wärmedämmung zunächst einmal Geld, rentiert sich aber später über die Einsparung bei den Heizkosten.

 

Mögliche Förderungen

Darüber hinaus hast du die Möglichkeit, Fördermittel zu beantragen. Sie werden als rückzahlungsfreier Investitionskostenzuschuss durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder als zinsgünstiger Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt.

Allerdings reicht für die Gewährung der Förderung der gesetzliche Mindestwert des Wärmedurchgangskoeffizienten nicht aus. Mit deiner Maßnahme musst du einen U-Wert von 0,20 W/qm x K oder weniger erreichen. Außerdem benötigst du für den Antrag die Hilfe eines Energieberaters bzw. Sachverständigen, der in der Expertenliste für Förderprogramme des Bundes erfasst ist. Für diese Beratung kannst du ebenfalls Fördermittel erhalten.

Sogar wenn du deine Sanierungsmaßnahme komplett aus eigener Tasche bezahlst und weder Kredit noch Fördermittel beanspruchst, greift dir der Staat unter die Arme. Dann hast du die Möglichkeit, über einen Zeitraum von 3 Jahren von einer Senkung deiner Einkommenssteuer zu profitieren.

 

Die Fassade sanieren und dämmen: So solltest du vorgehen

Wenn du dich dazu entschließt, deine Fassade mit Dämmung zu sanieren, solltest du oder besser ein Fachbetrieb wie folgt vorgehen:

Bestandsaufnahme mit einem Energieberater

Der erste logische Schritt ist eine Bestandsaufnahme. Dazu solltest du bereits einen Energieberater hinzuziehen. Er erfasst den baulichen Zustand und den aktuellen Dämmwert. Daraus kann er ableiten, wie dick die Dämmung sein muss und welche Materialien am besten geeignet sind. Sehr hilfreich ist die Aufnahme der Außenhülle des Gebäudes mit einer Wärmebildkamera, über die die meisten Energieberater verfügen. So werden Kältebrücken und Schäden sichtbar, die du vor den eigentlichen Dämmarbeiten beseitigen musst.

Fördermittel beantragen

Sind Planung und voraussichtliche Kosten klar, kannst du mithilfe deines Energieberaters die Fördermittel beantragen. Die Beantragung muss immer vor dem Kauf der Materialien, vor Beginn der Arbeiten und vor einem Vertragsabschluss mit einer Baufirma erfolgen.

Schäden beseitigen

Bevor du mit der Fassadendämmung beginnst, musst du Schäden in Putz und Mauerwerk beseitigen oder die komplette Fläche neu verputzen. Viele Dämmsysteme werden auf den Putz aufgeklebt. Daher muss die zu dämmende Wandfläche tragfähig, trocken und gleichmäßig eben sein.

Materialien wählen und Fassade dämmen

Im Fachhandel stehen verschiedene Materialien und Dämmsysteme zur Verfügung. Häufig kommen Dämmplatten aus Styropor oder aus mineralischen Materialien zum Einsatz. Die Platten klebst du möglichst fugenfrei mit Klebemörtel auf. Dazu bringst du zuerst ein umlaufendes Sockelprofil an, in das die untere Dämmplattenreihe eingesetzt wird. Die Verlegung der Platten erfolgt, wie beim Aufbau einer Ziegelsteinmauer, mit Versatz.

Wenn der Untergrund nicht ausreichend tragfähig ist, kannst du die Platten frühestens 3 Tage nach dem Verkleben zusätzlich mit entsprechenden Dübeln sichern. Anschließend wird die gedämmte Wand verputzt. Dazu musst du auf der gesamten Fläche Armierungsgewebe in eine dünne Schicht Klebespachtel einbringen. Die Armierungsschicht lässt sich durch das Abziehen mit einem Flächenspachtel glätten.

Ist die Armierungsschicht getrocknet, trägst du zunächst den Putzgrund auf und verputzt anschließend die gedämmte Wand mit einem mineralischen Edelputz oder Silikat- bzw. Silikonharzputz.

Verfügt dein Haus über doppelschalige Außenwände, kannst du statt des geschilderten Ablaufs auch eine Einblasdämmung aus unterschiedlichen Materialien zwischen die beiden Schalen einbringen. Der Zwischenraum muss vollflächig ausgefüllt sein, um eine gleichmäßige Wärmedämmung über die gesamte Wand zu gewährleisten.

Wie du siehst, bedeutet die Fassadensanierung mit Dämmung eine ganze Menge Arbeit, die auch einige bauhandwerkliche Fertigkeiten erfordert. Falls du also nicht selbst ein versierter Bauprofi bist, solltest du die Arbeiten lieber einer Fachfirma überlassen.

fassade-sanieren-ohne-daemmung-sanieren-e-book-guide-net4energy
Du möchtest mehr über das Thema Sanieren erfahren? Lade dir jetzt unseren Essential Guide herunter!
Jetzt downloaden