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Entwicklung der Energiepreise 2022 in Deutschland

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

10.06.2022

Letztes Update

30.06.2022

Dass die Energiepreise momentan stark steigen, ist für jeden Bürger sichtbar. Über die Hintergründe und die weitere Energiepreisentwicklung für das Jahr 2022 informieren wir dich in diesem Artikel.

Inhalt des Blogartikels

Warum sind die Energiepreise Deutschland im Jahr 2022 so hoch?

Energie, insbesondere Strom, war in Deutschland schon vor der Corona-Pandemie vergleichsweise teuer. Doch mittlerweile hat sich die Situation noch verschärft. Die während der Pandemie weltweit stark gedrosselte Wirtschaft hat sich inzwischen wieder erholt. Folge davon ist der stark gestiegene Energiebedarf, der auf ein vermindertes Angebot trifft. Das führt zwangsweise zu höheren Preisen, die sich bei industriellen und privaten Verbrauchern niederschlagen.

Hinzu kommen noch die Auswirkungen des von der Russischen Föderation ausgegangenen Krieges gegen die Ukraine und die daraufhin von der Weltgemeinschaft verhängten Sanktionen gegen Russland. Eine der wichtigsten Maßnahmen ist die Drosselung der Abnahme von Gas und Erdöl von Russland durch EU und USA. Leider ist gerade in Deutschland die Abhängigkeit von diesen Importen besonders hoch.

 

Energiepreisentwicklung in Deutschland im Detail

Unsere Energieressourcen lassen sich grundsätzlich in 3 Kategorien einteilen: Strom, Gas und Öl sowie Kraftstoffe. Wir zeigen dir, wie sich die jeweiligen Posten 2022 verändert haben.

Gas und Öl

Erdgas ist hierzulande der wichtigste Energieträger. Hauptabnehmer ist die Industrie. Hier dient es nicht nur zur Wärmeerzeugung, sondern auch als Rohstoff für die Herstellung diverser Produkte. Für private Verbraucher ist Erdgas mit Abstand der wichtigste Brennstoff für Heizung und Warmwasser. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelte für das Jahr 2021, dass rund drei Viertel der deutschen Haushalte mit Gas oder Öl heizen. Laut Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) lag der Anteil von Gassystemen bei im selben Jahr neu installierten Heizungen bei 70 Prozent.

Die gestiegenen Weltmarktpreise wirken sich auch auf die Importe aus Russland aus. Durch diese Entwicklung hat sich der Gaspreis für private Verbraucher im Vergleich zum Vorjahr bereits verdreifacht. Für einen Haushalt im Reihenhaus mit einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) Gas bedeutet das aufs Jahr 2022 gerechnet Mehrkosten von etwa 2043 Euro.

Ähnlich sieht es bei Heizöl aus. Ein 4-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 20 Hektolitern Heizöl muss mit Stand vom April 2022 mit Mehrkosten in Höhe von 1881 Euro für das Jahr rechnen.

Strom

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung nähert sich in Deutschland der 50 Prozent-Marke. Zwar fiel er laut Umweltbundesamt von 45,2 Prozent im Jahr 2020 auf 41,1 Prozent im Jahr 2021. Aber im April 2022 lag er bereits bei 54,5 Prozent und wird für das Gesamtjahr auf 51,4 Prozent prognostiziert.

Damit muss rund die Hälfte des benötigten Stroms für die Spitzenlast- und Grundversorgung aus konventionellen Energieträgern erzeugt werden. In Deutschland sind dies Kohle und vor allem Gas. Die Stromerzeugung aus diesen Brennstoffen ist teuer. Und es schlägt natürlich auch der hohe Gaspreis durch.

Laut Berechnungen eines Vergleichsportals werden Verbraucher in einem 4-Personen-Haushalt, ausgehend von dem mittleren Strompreis vom März 2022, über das Jahr gerechnet rund 40 Prozent mehr Stromkosten verkraften müssen.

Die Ursachen für den europaweit höchsten Strompreis in Deutschland liegen aber nicht nur im hohen Gaspreis. Sie verstecken sich auch in der Energie- und Klimapolitik der letzten Jahre. Während andere Länder ihre hochmodernen Atomkraftwerke weiternutzen und sogar Neubauten planen, werden in Deutschland die letzten drei AKWs zum Jahresende abgeschaltet. Atomstrom ist vergleichsweise billig, da die AKWs längst abgeschrieben und die Betriebskosten relativ gering sind.

Darüber hinaus verbergen sich im Strompreis pro Kilowattstunde für den Verbraucher auch noch eine Reihe von Umlagen und Abgaben an den Staat. Zum Beispiel schlägt die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im laufenden Jahr mit 3,723 Cent pro Kilowattstunde zu Buche. Die Bundesregierung plant die Abschaffung der Umlage für den Sommer 2022. Dafür wird aber in den nächsten Jahren der Strompreis pro Tonne CO₂, die bei der Stromerzeugung anfällt, sukzessive steigen. Die Kosten für die notwendigen CO₂-Zertifikate legen die Stromanbieter natürlich auf die Verbraucher um.

Ergänzend sei noch zu sagen, dass der Strompreis pro Kilowattstunde auch Netzentgelte enthält. Das ist eine Gebühr, die der Netzbetreiber für die Nutzung seines Stromnetzes pro kWh erhält und die der Verbraucher auch zusätzlich zum Strompreis zahlen muss.

Kraftstoffe (Benzin & Diesel)

Während die gestiegenen Heizkosten erst bei der Nebenkostenabrechnung für 2022 im kommenden Jahr bei den Verbrauchern ankommen werden, spürst du die hohen Kraftstoffpreise schon jetzt sehr schmerzhaft. Waren im vergangenen Jahr Literpreise um die 1,50 Euro schon teuer, sprengen sie jetzt mit weit über 2 Euro jegliche Grenze.

Hauptgrund sind auch hier die stark gestiegenen Weltmarktpreise für den Ausgangsstoff Erdöl. Die großen Erdöl-Verarbeiter nutzen allerdings auch die Gunst der Stunde und versuchen, maximale Verbraucherpreise zu etablieren. Hinzu kommt, dass in Deutschland im Spritpreis etliche staatliche Abgaben enthalten sind, die Benzin und Diesel im internationalen Vergleich extra teuer machen.

Laut einer Untersuchung des ADAC vom März 2022 entfallen bei einem Liter Superbenzin E10 zum Preis von 2,10 Euro 65,4 Cent auf die Energie- und 111,1 Cent auf die Mehrwertsteuer. Der Rest von 33,5 Cent enthält den Einkaufspreis, die CO₂-Abgabe und den mageren Gewinn für den Tankstellenbetreiber. Knapp die Hälfte des Literpreises landet damit beim Staat.

 

Was beeinflusst die Energiekosten?

Im Prinzip findest du die Antwort zu dieser Frage in den vorhergehenden Abschnitten. Aber hier für dich kurz zusammengefasst:

  • Beschaffungs- bzw. Produktionskosten
  • weltweite politische und wirtschaftliche Lage (Weltmarktpreise, Verfügbarkeit)
  • staatliche Steuern und Abgaben sowie sonstige Maßnahmen des Staates (z. B. ein Preisdeckel)

Was ist voraussichtlich in Bezug auf die Energiepreisentwicklung zu erwarten?

Im Moment unternimmt die Bundesregierung Anstrengungen, um die hohen Energiepreise für die Verbraucher abzumildern. Zum Beispiel wird ab dem 1. Juni 2022 die Energiesteuer auf Kraftstoffe für 3 Monate gesenkt. Inwieweit sich das positiv auswirken wird, bleibt abzuwarten. Die Kraftstoffhersteller haben jedenfalls im Vorfeld die Spritpreise bereits wieder angehoben. Die sich dann ergebenden Preise pro Liter werden daher immer noch über dem früher gewohnten Preisniveau liegen. Und es handelt sich um eine zeitlich begrenzte Maßnahme. Ob du in den Genuss weiterer staatlicher Entlastungen kommen wirst, bleibt abzuwarten.

Ansonsten musst du davon ausgehen, dass es in der kommenden Zeit bis 2024 keine signifikante Entspannung geben wird. Selbst wenn Russland den Krieg in der Ukraine schnell beenden sollte, wird es keine Rückkehr zur früher so sicheren und kostengünstigen Gas- und Ölversorgung geben. Denn die Mitgliedsstaaten der EU wollen zukünftig möglichst gar keine Energierohstoffe mehr von Russland kaufen. Aber neue Versorgungslinien aufzubauen und gleichzeitig die Verwendung fossiler Brennstoffe stark zu senken, braucht Zeit und viel Geld.

 

Was kannst du selbst gegen die hohen Energiepreise tun?

Du kannst Strom sparen, indem du momentan nicht genutzte Verbraucher konsequent abschaltest. Geräte im Standby verbrauchen auch Strom. Das ist zwar nicht viel, summiert sich aber mit der Anzahl der Geräte. Eine weitere Maßnahme ist der Austausch älterer Elektrogeräte gegen moderne, stromsparende Varianten.

Wesentlich größer ist der Effekt, wenn du zumindest einen Teil des benötigten Stroms selbst produzierst, zum Beispiel mit einer Photovoltaikanlage. So koppelst du dich weitgehend von der Strompreisentwicklung ab.

Heizkosten lassen sich sparen, indem du moderne Thermostate an deinen Heizkörpern einsetzt und vom Heizungsfachmann einen hydraulischen Abgleich deiner Heizungsanlage durchführen lässt.

Den größten Effekt bringt der Umstieg auf oder zumindest die Kombination mit einem Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien. Möglichkeiten sind die Kombination deiner bestehenden Heizung mit Solarthermie oder der Ersatz deines Heizkessels durch eine effektive Wärmepumpe. Letztere benötigt zwar Strom. Aber den könntest du mit einer Photovoltaikanlage auch selbst erzeugen.

Bei den hohen Kraftstoffkosten hilft wahrscheinlich nur, möglichst wenig das Kraftfahrzeug zu benutzen und spritsparend zu fahren. Ob sich der Umstieg auf ein Elektroauto lohnt, ist bei den hohen Anschaffungspreisen und Stromkosten im Moment schwer abzuschätzen.

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