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Energieberater & ihre Aufgaben

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

11.02.2022

Letztes Update

17.03.2022

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Energieberater: Wann lohnt es sich, eine Energieberatung in Anspruch zu nehmen?

Ein guter Energieberater zeigt Optimierungsbedarf beim Neubau oder einer Sanierung auf. Doch wie findest du eine qualifizierte Energieberatung – und was kostet das alles?

Inhalt des Blogartikels

Was sind Energieberater und wozu brauchen wir sie?

Energieberater sind Experten für Energieeffizienz (und manche bezeichnen sich inzwischen lieber so). Sie sind die richtigen Ansprechpartner für die Planung, wenn ein Gebäude energetisch saniert werden soll. Während die Einbeziehung von Energieberatern früher rein freiwillig war, schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) inzwischen zum Teil einen Energieeffizienz-Experten sogar vor.

Wir wollen heute klären, wie sich eine Energieberatung auf die Energieeffizienz von Neubauten und Sanierungen von Wohngebäuden auswirkt und wie eine solche Beratung abläuft. Außerdem beleuchten wir die Kosten, Möglichkeiten zur Förderung und die Frage, wie du überhaupt einen qualifizierten Energieberater findest.

 

Warum gibt es einen Bedarf für Energieberater?

Neben den rechtlichen Gründen, die unter Umständen eine professionelle Energieberatung erfordern, gibt es auch rein praktische Gründe, die dafür sprechen, einen Energieberater zu engagieren. Viele Hausbesitzer möchten ihre Gebäude energieeffizienter machen oder sie von vornherein möglichst effizient planen. Dabei verlässt sich ein Großteil aber auf den Rat von Handwerksbetrieben und anderen Fachleuten, die allerdings nicht zwingend als Energieberater qualifiziert sind.

Obwohl natürlich auch ein Fachbetrieb für Heizungsanlagen oder ein Dachdeckerbetrieb solide Kenntnisse in seinen jeweiligen Fachbereichen mitbringt, fehlt es bei einer solchen Beratung oft am Überblick über das Gesamtbauwerk. Hier setzt die Energieberatung an. Ein unabhängiger und qualifizierter Energieberater kennt sich mit sämtlichen Aspekten der Energieeffizienz aus und kann alles im kompletten Zusammenhang beurteilen.

Daher solltest du bei jeder Maßnahme entsprechenden Rat einholen, egal, ob es um neue Fenster, eine neue Heizung oder die Optimierung der Gebäudedämmung geht. Dass das sinnvoll ist, zeigt eine Umfrage der Verbraucherzentrale Bundesverband. Demnach lag die Einsparung an Energie bei Häusern, die ohne Energieberater saniert wurden, bei durchschnittlich 16 Prozent. Bei Gebäuden, die ein unabhängiger Energieberater betreute, konnte eine Einsparung von durchschnittlich 27 Prozent erzielt werden. Das relativiert die Energieberater-Kosten natürlich gewaltig und stellt den Nutzen für die Hausbesitzer heraus.

 

Was tun Energieberater und wie läuft die Energieberatung ab?

Wenn du einen Energieberater anheuerst, erstellt dieser eine umfassende energetische Analyse des Gebäudes im aktuellen Zustand. Bei dieser Bestandsaufnahme beleuchtet er die Heiztechnik, die Bausubstanz, die bereits vorhandene Wärmedämmung, den Zustand der Fenster und andere Aspekte, die einen Einfluss auf die Energieeffizienz des Gebäudes haben.

Anschließend erstellt der Energieberater einen Bericht, der Vorschläge zur Modernisierung und Verbesserung der Energieeffizienz enthält. Dabei führt er auch die Kosten der jeweiligen Vorschläge detailliert auf, um die Wirtschaftlichkeit der Maßnahmen zu beurteilen.

Darüber hinaus stellt der Experte für Energieeffizienz Energieausweise aus und berät zur Inanspruchnahme möglicher Fördermittel. Denn je nach Einzelfall kann das Thema Förderung sehr komplex sein. Oft lohnt es sich, verschiedene Förderprogramme miteinander zu verknüpfen. Dies gilt sowohl für energetische Sanierungen als auch für den Kauf von Bestandsimmobilien oder Neubauten. Ein individueller Sanierungsfahrplan hilft dabei, alle Maßnahmen übersichtlich aufzulisten und sinnvoll strukturiert anzugehen.

 

Warum sollte der Energieberater unabhängig sein?

Ein Energieberater berät unverbindlich. Das heißt, dass du seine Vorschläge nicht befolgen musst. Du entscheidest selbst, ob und welche Maßnahmen du umsetzen möchtest. Wichtig ist jedoch, dass ein Energieberater unabhängig agiert.

Obwohl auch ein Mitarbeiter deines Heizungsbauers durchaus die Qualifikation erwerben kann, berät er immer als Vertreter des Unternehmens, für das er tätig ist. Das kann dazu führen, dass du Vorschläge für unnötige Maßnahmen erhältst oder die Auswahl bei Herstellern und ausführenden Firmen begrenzt ist.

Ein unabhängiger Energieberater hat keine solchen Bindungen. Verfügt er über die entsprechende Qualifizierung, kann der Energieeffizienz-Experte auf Wunsch außerdem im Rahmen einer Baubegleitung die Ausführung der Maßnahmen überwachen. Dadurch lassen sich Fehler schon während der Ausführungsphase entdecken und günstig beheben.

 

Dann ist eine Energieberatung zwingend notwendig

Für den Fall einer Sanierung oder eines Hausverkaufs ist eine Energieberatung laut GEG zwingend vorgeschrieben. Käufer von Ein- und Zweifamilienhäusern müssen nach Erhalt des Energieausweises ein entsprechendes Beratungsgespräch führen. Ist eine Sanierung geplant, müssen die Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern eine Energieberatung durchführen lassen, sofern Berechnungen zur Energiebilanzierung im Rahmen der Sanierung anfallen.

Wenn du staatliche Förderungen in Anspruch nehmen möchtest, sehen je nach Förderprogramm sowohl die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) als auch das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) Energieberater für verschiedene Maßnahmen als Voraussetzung für die Bewilligung einer Bundesförderung vor.

 

Kosten der Energieberatung

Wenn du einen Energieberater engagierst, entstehen durch seine Beratung Kosten, die du zunächst selbst zu tragen hast. Wie hoch diese Kosten ausfallen, hängt vom Umfang der Leistungen ab, die der Energieberater erbringt. Geht es beispielsweise nur um den Austausch deiner alten Heizungsanlage, ist der Aufwand geringer als bei einer umfassenden energetischen Sanierung oder der Konzeption eines Neubaus.

Obwohl die individuellen Kosten höchst unterschiedlich ausfallen können, kannst du folgende Beträge zur groben Einschätzung nutzen:

  • Die Energieberatung für ein Einfamilienhaus (circa 150 m² Wohnfläche) kostet ab 600 Euro aufwärts.
  • Bei einem Mehrfamilienhaus (ab 3 Parteien) sind Kosten von circa 750 Euro zu veranschlagen.

Für die komplette Baubegleitung entstehen selbstverständlich höhere Kosten. Eine Ausnahme sind kostenlose Energieberatungen, die laut GEG verpflichtend sind (siehe vorheriger Absatz). Auch sogenannte Basis-Energieberatungen sind häufig kostenlos. Die Verbraucherzentralen sind eine mögliche Anlaufstelle, um einen Berater für die kostenlose Energieberatung zu kontaktieren.

Gibt es für Energieberater KfW-Fördermittel?

Aufgrund aktueller Entwicklungen sind neue Anträge auf Kredite und Zuschüsse für energieeffiziente Neubauten oder die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus zum Großteil nicht mehr möglich. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) am 24. Januar 2022 vorläufig gestoppt.

Gut zu wissen:

  • Die Förderung für Sanierungen ist nur vorläufig gestoppt und soll nach Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmittel wieder aufgenommen werden.
  • Die Neubauförderung für KfW-Effizienzgebäude 55 endet komplett, sollte aber Ende Januar 2022 ohnehin auslaufen.
  • Bei Neubauten nach KfW-40-Niveau ist noch nicht über die Fortführung entschieden.
  • Nicht betroffen ist die BAFA-Förderung von Einzelmaßnahmen in der Sanierung.

BAFA-Förderung für Energieberatung

Das BAFA unterstützt im Rahmen der Bundesförderung für Energieberatung für Wohngebäude (EBW) eine qualifizierte Energieberatung. Die Antragstellung erfolgt über den Energieberater, an den auch der Zuschuss gezahlt wird. Die Rechnung für sein Honorar muss der Energieberater aber um den Zuschussbetrag kürzen.

Eine Förderung ist nur möglich, wenn der Energieberater auf der Energieeffizienz-Expertenliste aufgeführt ist. Da die Berufsbezeichnung Energieberater nicht geschützt ist, solltest du unbedingt auf diese Qualifikation achten. Die mögliche Höhe der Förderung durch das BAFA sieht wie folgt aus:

  • Zuschuss in Höhe von 80 Prozent des zuwendungsfähigen Beratungshonorars. Für Ein- und Zweifamilienhäuser maximal 1.300 Euro, bei Mehrfamilienhäusern ab 3 Wohneinheiten maximal 1.700 Euro.
  • Eine Förderung ist nur möglich, wenn das Gebäude in Deutschland steht, in erster Linie dem Wohnen dient und der Bauantrag für das Wohngebäude mindestens 10 Jahre zurückliegt.

Fazit: Lohnt sich eine Energieberatung bei jedem Sanierungsvorhaben?

Bei fast allen Bauvorhaben oder Sanierungsplänen lohnt es sich, einen Energieberater zurate zu ziehen. Allein das Einsparungspotenzial durch die höhere Energieeffizienz macht die Kosten für die Energieberatung schnell wieder wett. Außerdem sind viele Beratungsleistungen förderfähig, sofern ein entsprechend qualifizierter Energieberater sie durchführt. Basis-Beratungen kannst du bei der Verbraucherzentrale unter Umständen kostenlos in Anspruch nehmen.

Im Gegensatz zur fachlichen Beratung durch Handwerker und andere Betriebe hat der unabhängige Energieberater den besseren Überblick über die Gesamtsituation und kann die Wechselwirkungen verschiedener Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bauphysik besser beurteilen. Außerdem hilft der Energieberater bei der Beantragung von weiteren Fördermitteln und kann das Optimum aus der staatlichen Förderung herausholen.

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