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Autarkiegrad

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

16.07.2021

Letztes Update

11.03.2022

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Der Autarkiegrad - Begriffserklärung und Berechnung

Bei vielen Nutzern spielt der erreichbare Autarkiegrad durch die Nutzung erneuerbarer Energien eine entscheidende Rolle. Hier erfährst du, was darunter zu verstehen ist.

Inhalt des Blogartikels

Was ist der Autarkiegrad überhaupt?

Der Autarkiegrad sagt aus, in welchem Maß du unabhängig bist. Stell dir ein Land vor, das zur Versorgung seiner Bevölkerung 100 Tonnen Getreide im Jahr benötigt. Das Land selbst kann aber nur 80 Tonnen Getreide erzeugen. Den Rest muss es von anderen Ländern kaufen. 80 von 100 sind 80 Prozent der benötigten Gesamtmenge. Damit beträgt der Autarkiegrad des Landes in Bezug auf das benötigte Getreide 80 Prozent.

Die Begriffe Autarkie und Autarkiegrad tauchen im heutigen Sprachgebrauch häufig im Zusammenhang mit Photovoltaikanlagen auf. Mit einer solchen Anlage machst du dich im gewissen Maß vom öffentlichen Stromversorger unabhängig. Du erreichst einen bestimmten Autarkiegrad. Wie hoch dieser ist, ergibt sich daraus, wie viel Strom dir aus deiner Solaranlage zur Deckung deines Jahresbedarfs zur Verfügung steht und wie hoch der Anteil ist, den du zukaufen musst. Wenn du nur 20 Prozent deines Strombedarfs zukaufen musst, beträgt im Umkehrschluss und in Anlehnung an das obige Beispiel mit dem Getreide deine Autarkie also 80 Prozent.

Autarkiegrad ist nicht gleich Eigenverbrauchsquote

Auch der Begriff Eigenverbrauch spielt im Zusammenhang mit Photovoltaik eine Rolle. Fälschlicherweise werden Autarkiegrad und Eigenverbrauch oft miteinander gleichgesetzt. Der Autarkiegrad bezieht sich auf deinen Gesamtbedarf (an Strom) und sagt aus, bis zu welchem Grad du ihn selbst deckst. Der Eigenverbrauch dagegen bezieht sich auf die von deiner Photovoltaik (im Jahr) insgesamt produzierten Strom und wie hoch dein Eigenverbrauchsanteil ist, den du nicht in das öffentliche Netz einspeist.

 

Was gilt als guter Autarkiegrad?

Beim Stromverbrauch ist ein Autarkiegrad von 70 bis 80 Prozent ein sehr guter Wert. Das heißt, 70 bis 80 Prozent deines Jahresstrombedarfs werden durch deine Solaranlage gedeckt. 20 bis 30 Prozent musst du vom öffentlichen Versorger zukaufen. Dieser Autarkiegrad ist auch gleichzeitig der Wert, der mit dem heutigen Stand der Technik erreichbar ist.

Dazu sind jedoch bestimmte Voraussetzungen notwendig. Es klingt vielleicht erst einmal etwas enttäuschend, dass du mit einer einfachen Photovoltaikanlage nur maximal 30 Prozent des erzeugten Solarstroms selbst verbrauchen kannst. Das liegt an der Funktionsweise einer solchen Anlage. Bekanntlich benötigen Solarmodule Tageslicht, um Strom produzieren zu können. Die allermeisten Haushalte benötigen Strom aber eher abends und nachts, wenn die Anlage nur wenig oder gar keinen Strom liefern kann.

Nicht selbst genutzter Strom wird im Moment der Erzeugung gegen eine Vergütung in das öffentliche Netz eingespeist. In der Vergangenheit war diese Einspeisevergütung so hoch, dass sich der Betrieb einer Solaranlage bereits dadurch rentiert hat. Mittlerweile liegt die Einspeisevergütung nur noch knapp unter 8 Cent pro Kilowattstunde (kWh) und sinkt weiter. Sie beträgt damit nur noch etwa ein Viertel der Kosten, die du beim Stromkauf pro kWh an den öffentlichen Versorger zahlen musst.

So erreichst du einen guten Autarkiegrad

Es liegt also in deinem Interesse, möglichst viel Solarstrom selbst zu verbrauchen und damit gleichzeitig deinen Autarkiegrad zu erhöhen. Dazu sind in der Hauptsache 2 Dinge notwendig:

  • die Solaranlage muss so viel Strom produzieren, dass damit dein Jahresstrombedarf gedeckt werden könnte,
  • du musst den tagsüber erzeugten und nicht verbrauchten Strom speichern, so dass er abends, in den Zeiten mit dem höchsten Bedarf, zur Verfügung steht.

Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, deine Autarkie zu erhöhen. Das ist die generelle Senkung deines Stromverbrauchs. Damit würde sich selbst bei einem unveränderten Eigenbrauch der Autarkiegrad erhöhen, weil du weniger Strom zukaufen musst.

 

Diese Faktoren beeinflussen den Autarkiegrad

Der erreichbare Autarkiegrad wird im Wesentlichen durch 3 Faktoren beeinflusst:

  • deinen Jahresstrombedarf
  • die Leistung bzw. den Jahresertrag deiner Photovoltaik
  • deinen Eigenverbrauch

Die Leistung der Solaranlage sollte in etwa dem Jahresbedarf an Elektroenergie entsprechen. Hat die Anlage eine signifikant geringere Leistung und daher einen geringeren Jahresertrag, schmälert das schon von vornherein deine Autarkie. Denn die Differenz zwischen Jahresertrag der Anlage und dem Jahresbedarf der Nutzer muss auf jeden Fall beim Stromversorger gekauft werden. Daran ändert auch ein relativ hoher Eigenverbrauch nichts. Alle drei Faktoren müssen daher optimal aufeinander abgestimmt werden.

 

Den Autarkiegrad berechnen

Wir nehmen als Beispiel einen 4-Personen-Haushalt, der in Deutschland einen Jahresverbrauch von circa 4.000 Kilowattstunden hat. Weiter nehmen wir an, dass der Haushalt über eine Solaranlage mit einer Leistung von 4 kWp verfügt. Das entspricht in Deutschland einem Jahresertrag von etwa 4.000 kWh.

Beispiel 1

Gesamtverbrauch: 4.000 kWh, Gesamtproduktion: 4.000 kWh, Eigenverbrauch: 1.000 kWh

Eigenverbrauchsquote = Eigenverbrauch/Gesamtproduktion = 1.000 kWh/4.000kWh = 25%

Autarkiegrad = Eigenverbrauch/Gesamtverbrauch = 1.000 kWh/4.000 kWh = 25%

In diesem Beispiel haben Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad den gleichen Wert. Schauen wir uns an, wie das bei einem geringeren Gesamtverbrauch aussieht.

Beispiel 2

Gesamtverbrauch: 3.500 kWh, Gesamtproduktion: 4.000 kWh, Eigenverbrauch: 1.000 kWh

Eigenverbrauchsquote = Eigenverbrauch/Gesamtproduktion = 1.000 kWh/4.000kWh = 25%

Autarkiegrad = Eigenverbrauch/Gesamtverbrauch = 1.000 kWh/3.500 kWh = 29%

Obwohl die produzierte Menge an Solarstrom und der Eigenverbrauch sich nicht geändert haben, ist durch den geringeren Gesamtverbrauch der Autarkiegrad gestiegen. Im nächsten Beispiel nehmen wir die Ausgangswerte aus Beispiel 1, erhöhen aber den Eigenverbrauch durch den Einsatz eines Stromspeichers.

Beispiel 3

Gesamtverbrauch: 4.000 kWh, Gesamtproduktion: 4.000 kWh, Eigenverbrauch: 3.000 kWh

Eigenverbrauchsquote = Eigenverbrauch/Gesamtproduktion = 3.000 kWh/4.000kWh = 75%

Autarkiegrad = Eigenverbrauch/Gesamtverbrauch = 3.000 kWh/4.000 kWh = 75%

Durch den Einsatz eines Stromspeichers wird momentan nicht benötigter Solarstrom zwischengespeichert und später verbraucht, wenn Bedarf besteht. Dadurch erhöht sich logischerweise die Eigenverbrauchsquote. Aber auch der Autarkiegrad ist sehr stark angestiegen.

 

Fazit: Ein Stromspeicher lohnt sich

Wie unsere Rechenbeispiele beweisen, lässt sich mit dem Einsatz eines Stromspeichers der Autarkiegrad stark erhöhen. Eine höhere Autarkie bedeutet, dass du weniger Strom zur Deckung deines Gesamtbedarfs beim öffentlichen Versorger zukaufen musst. Das bringt erhebliche Kosteneinsparungen. Das gilt umso mehr, weil die Vergütung immer weiter sinkt. Es lohnt sich daher für dich mehr, deinen selbst erzeugten Solarstrom auch selbst zu verbrauchen, als ihn ins Netz einzuspeisen.

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