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Was umfasst Autarkie?

Über diesen Artikel

Lesezeit

3 Minuten

Veröffentlichung

08.10.2020

Letztes Update

09.03.2022

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Inhalt des Blogartikel

Was versteht man unter Autarkie?

Im Zusammenhang mit der Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien wird regelmäßig auch die autarke Stromversorgung genannt, beispielsweise durch eine Photovoltaikanlage.

Unser Ziel ist es, durch neutrale Informationen die Energiewende gemeinsam mit dir erfolgreich zu meistern. Oft tauchen dabei Begriffe wie Nachhaltigkeit oder Autarkie auf. Wir alle benutzen sie und wissen irgendwie auch, was gemeint ist. Aber Hand aufs Herz: Was bedeuten sie genau? Aus diesem Grund wollen wir die Autarkie genauer unter die Lupe nehmen und erklären, was grundsätzlich gemeint ist und welche Bedeutung Autarkie für den Einsatz von Solarstrom und Solarwärme hat und welchen Autarkiegrad du in deiner Wohnung erreichen kannst.

 

Autarkie: Eine Begriffserklärung

Der Begriff geht auf das altgriechische autárkeia – autos „selbst" und arkein „genügen“ – zurück und bedeutet sich selbst genügend, ausreichende Mittel besitzend, unabhängig sein. Heute bezeichnet Autarkie die Selbstgenügsamkeit in wirtschaftlicher, kultureller oder politischer Hinsicht von Personen und Staaten. Gemeint ist damit das bewusste Verzichten auf die Teilnahme am internationalen Austausch von Gütern, Dienstleistungen, Ideen, Werten und technischen sowie kulturellen Entwicklungen. Die Beweggründe für dieses Verhalten können geografischer oder politischer Art sein.

Autarkie steht also auch für die vollständige oder teilweise Selbstversorgung eines Haushalts, einer Region oder eines Staates mit Gütern und Dienstleistungen. Ein Land ist wirtschaftlich autark, wenn:

  • es alles selbst besitzt (beispielsweise Agrarprodukte, Tierbestände, Rohstoffe)
  • es alles erzeugt, was erforderlich ist, um seinen Bedarf zu decken
  • es seinen Bedarf auf das beschränkt, was es selbst produziert

Exkurs: Oft werden Autarkie und Autonomie gleichbedeutend verwendet. Das stimmt so aber nicht. Wenngleich sich Autonomie auch aus dem Griechischen ableitet – autós „selbst“ und „nómos „Gesetz“ – ist die wörtliche Übersetzung Selbstgesetzgebung. Etwas weiter ausgelegt bedeutet Autonomie auch Selbstbestimmung. Für Staaten, Verbände, Vereine und Einzelpersonen steht Autonomie für ihr Recht auf Selbstverwaltung. 

Ein Staat ist allein für Gesetzgebung, Verwaltung und politische Entscheidungen zuständig, ohne Einmischung anderer Staaten. So haben Unternehmer Anspruch darauf, ihre Firma ohne Mitspracherecht staatlicher, wirtschaftlicher oder gewerkschaftlicher Organisationen zu leiten. Gewerkschaften und Arbeitgebern beispielsweise ist es erlaubt, Tarifverträge (Tarifautonomie) abzuschließen, ohne dass sich der Staat einmischt. Gleiches gilt für Vereine und Verbände (Verbandsautonomie), die ihre Satzungen sowie die Rechte und Pflichten der Mitglieder selbst festlegen dürfen oder Privatpersonen (Privatautonomie), die laut Zivilrecht ihre privaten Rechtsangelegenheiten wie Testament oder Abschluss und Inhalte eines Vertrages grundsätzlich selbst verantwortlich nach eigenem Ermessen regeln können.

 

Autarkie eines Staates

Theoretisch ist ein autarkes Staatssystem möglich, aber Staatsformen mit absoluter Unabhängigkeit hat es nie gegeben. Selbst Länder, die sich vollkommen abkapseln wie Nordkorea, haben Handelsbeziehungen zu anderen Ländern, um ihr Überleben zu sichern. Und das, obwohl die Autarkie ausdrücklich als Staatsziel proklamiert wurde.

Auch im Dritten Reich (II. Vierjahresplan) wurde die Autarkie angestrebt, weil es Probleme mit der Beschaffung wichtiger Ressourcen gab. Allerdings diente dieses Streben ausschließlich der Umsetzung der Kriegspläne, nicht dem Wohlstand der Bevölkerung. Doch der anvisierte Autarkiegrad konnte nicht realisiert werden. Stattdessen sollten ab 1939 Eroberungen die Lücke schließen. Dies zeigt, dass politische Autarkie ohne wirtschaftliche Autarkie nicht wirklich zu realisieren ist.

 

Autarkie in der Volkswirtschaft

In der realen Welt sind die Volkswirtschaften der Länder durch internationale Wirtschaftsbeziehungen miteinander verbunden. Um zu funktionieren, sind sie auf Rohstoffe und Lebensmittel angewiesen, die sie importieren müssen. Ein autarker Staat müsste daher entweder in ausreichender Form im Besitz aller wichtigen Ressourcen sein oder sich in bestimmten Bereichen in Verzicht üben.

Inzwischen sind die Volkswirtschaften weltweit derart miteinander verknüpft, dass der Wechsel hin zur Autarkie zum Verlust bedeutender Kostenvorteile führen würde, die sich durch die Spezialisierung auf Güter ergeben und Wirtschaftswachstum sowie Wohlstand fördern. Durch die starke internationale Arbeitsteilung ist es möglich, die weltweit vorhandenen die Ressourcen, die aber nicht überall in gleicher Menge vorhanden sind, effizienter einzusetzen. Vollkommene Autarkie ist deswegen in modernen Volkswirtschaften nicht möglich, geschweige denn sinnvoll.

 

Autark leben

Auch hier sei gleich vorweggenommen: so richtig geht autarkes Leben leider nicht. Aber zumindest ansatzweise. Es scheint ein Trend zu sein, autarkes Leben anzustreben. Das kannst du auch im Internet ausführlich nachlesen. Mit autark wohnen und autark leben ist die Abkehr vom „normalen“ Leben hin zu Selbstversorgung und Konsumverzicht gemeint. Es handelt sich hierbei also eher um eine Lebenshaltung beziehungsweise Lebensphilosophie.

Aber Gemüse anbauen, Möbel bauen, Kleidung selbst nähen oder im Wohnwagen oder auf einem alten Bauernhof wohnen, hat etwas mit Selbstbestimmung und teilweiser Selbstversorgung zu tun. Rein aus rechtlichen Gründen ist das beim autarken Wohnen schon etwas schwieriger. Den Wohnwagen oder das Wohnmobil kannst du nicht einfach irgendwo abstellen. Das geht nur auf ausgewiesenen Plätzen und kostet Geld. Auch Regeln sind dabei einzuhalten. Einfach sein Zelt im Wald aufzubauen oder gar eine Hütte zu zimmern, ist verboten, außer es ist dein Grund und Boden. Einfach einen Brunnen bohren darfst du auch nicht. Wer legal baut, für den ist der Anschluss an die Kanalisation und Wasserversorgung Pflicht. Aber es gibt tatsächlich einen Bereich, in dem sich Autarkie mehr oder weniger vollumfänglich umsetzen lässt: bei der Versorgung mit Energie.

 

Autarke Energieversorgung

Der Begriff Autarkie bezieht sich in der Energiewirtschaft auf Einsatz und Versorgung von Strom und Wärme im privaten, kommunalen und industriellen Bereich. Im Alltag, bei der Arbeit und selbst in der Freizeit sind wir auf diese Energien angewiesen. Den Strom und die Wärme liefern in der Regel Versorgungsunternehmen: über Stromkabel, Gasleitungen oder Tankwagen. Ein energetischer Autarkiegrad macht all das überflüssig. Ein 100-prozentiger Autarkiegrad lässt sich für einen Neubau durch entsprechende Planung und beispielsweise den Bau eines Energie-Plus-Hauses oder eines KfW-Effizienzhauses 40 leicht umsetzen. Eine richtig dimensionierte Photovoltaikanlage kombiniert mit einem Solarstromspeicher sorgt für autarke Stromversorgung für den Eigenverbrauch.

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