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Autarkes Wohnmobil: Ist das möglich?

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

25.01.2021

Letztes Update

11.03.2022

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Ein komplett autarkes Wohnmobil: Wo sind dem Grenzen gesetzt?

Auch Camper wollen noch mehr Unabhängigkeit. Daher wächst der Wunsch, dass das Wohnmobil autark ist. Und so geht es.

Inhalt des Blogartikel

Wann ist ein Wohnmobil autark?

Autarkie bedeutet größtmögliche Unabhängigkeit und steht für die vollständige oder teilweise Selbstversorgung. Übertragen auf das Campen mit deinem Wohnmobil heißt das:

  • übernachten abseits von Campingplätzen
  • eigene Stromversorgung und Wärmeversorgung
  • ausreichende Bevorratung mit Lebensmitteln und Wasser
  • Nutzung eigener sanitärer Anlagen

Campen immer und überall?

Im Großteil der europäischen Länder unterliegt Wildcamping strengen gesetzlichen Vorschriften oder ist meistens sogar komplett verboten. Die Strafen fallen je nach Land unterschiedlich hoch aus. In Deutschland sind es je nach Bundesland beispielsweise zwischen 5 und 80 Euro pro Person, schlimmstenfalls sogar bis zu 500 Euro. In Frankreich können es bis zu 1.500 Euro sein. Wenn du dich mit deinem Reisemobil erwischen lässt, kann es also ganz schön teuer werden.

Übrigens: Wildcamping bezieht sich in der Regel auf das Zelten. Mitunter gibt es jedoch speziell für Wohnmobile ausgewiesene Stellplätze. In Finnland, Norwegen und Schweden gibt es das „Jedermannsrecht“, das das Zelten grundsätzlich erlaubt. Das gilt auch für die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen.

Parkplätze nur bedingt erlaubt

Öffentliche Parkplätze darfst du in Deutschland grundsätzlich zum Übernachten nutzen, aber nur, wenn du dies machst, um deine Fahrtüchtigkeit wiederherzustellen. Sobald du Stühle aufstellst und du dich draußen quasi häuslich einrichtest, ist ein Bußgeld fällig. Zudem darfst du maximal 10 Stunden parken. Die Regeln sind in ganz Europa ähnlich. Lediglich in Frankreich darfst du das Wohnmobil ausschließlich auf ausgewiesenen Campingplätzen und Stellplätzen abstellen.

Abstellalternativen für ein autarkes Wohnmobil

Pop-up-Campingplätze haben sich kreative Köpfe in den Zeiten von Corona ohne Lockdown einfallen lassen. Hierbei handelt es sich um Parkplätze von Diskotheken, die geschlossen sind, aber auch ungenutzte Landflächen. Sanitäre Anlagen oder andere Anschlussmöglichkeiten gibt es für die Camper oftmals nicht. Sie sind daher der ideale Abstellplatz für dein autarkes Wohnmobil. 

Im Internet gibt es inzwischen zahlreiche Portale mit Stellplatzverzeichnissen für private Übernachtungsplätze in Deutschland. Die Stellplatzpreise bewegen sich zwischen kostenlos, günstig und teuer. Meist liegen die Kosten zwischen 3 und 10 Euro pro Person. Ein Anbieter verlangt 40 Euro. Eine nicht kommerzielle Plattform bietet ein Verzeichnis mit privaten Stellplätzen in Europa an, die du kostenlos nutzen darfst.

Tipp: Egal, wo du mit deinem Wohnmobil unterwegs bist, du solltest dich bereits vorab genau darüber informieren, wo du einen legalen Abstellplatz zum Übernachten findest. Idealerweise meldest du dich dort frühzeitig online oder telefonisch an.

 

Das brauchst du für dein autarkes Wohnmobil

Die Corona-Pandemie wird unser Leben noch eine geraume Zeit beeinflussen. Das betrifft auch alle Reisenden, die mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind. Sobald Campingplätze wieder öffnen dürfen, wird dies bestimmt mit Einschränkungen verbunden sein: reduzierte Stellplätze und eingeschränkte Nutzung oder Schließung der Sanitäranlagen. Dadurch rückt auch das Reisen mit einem autarken Wohnmobil immer mehr in den Fokus.

Nachfolgend erklären wir dir, wie du aus deinem Camper ein autarkes Wohnmobil machst. Dabei beschränken wir uns auf das klassische Reisemobil. Reisen durch menschenleere Regionen oder Wüstengebiete sind ein zu spezielles Thema.

Stromversorgung

Wenn du komfortabel und autark mit deinem Wohnmobil unterwegs sein möchtest, benötigst du für die Stromversorgung entweder eine Photovoltaikanlage, eine Brennstoffzelle oder einen Stromgenerator.

Stromgenerator

Um einen Stromgenerator zu betreiben, brauchst du fossile Brennstoffe: Benzin, Diesel oder Gas. Damit du zum Campen ausreichend Kraftstoff an Bord hast, sind Kanister beziehungsweise Gasflaschen unverzichtbar. Für diese musst du dann aber entsprechend Platz im Wohnmobil freihalten.

Brennstoffzelle

Brennstoffzellen sind sehr umweltfreundlich und wetterunabhängig. Aktuell gibt es in Deutschland nur einen Anbieter. Allerdings sind Brennstoffzellengeräte recht teuer und noch nicht sehr leistungsstark. Damit du 1 Monat über die Runden kommst, sind etwa 10 Liter Methanol erforderlich. 5 Liter haben einen Preis um die 30 Euro. Von Vorteil ist, dass du sie an alle gängigen Typen an Batterien anschließen kannst. Die Brennstoffzellengeräte kosten dich zwischen 2.600 und 5.500 Euro.

Solaranlage auf dem Fahrzeugdach

Eine Solaranlage auf dem Dach deines Reisemobils zur Erzeugung von Strom ist ebenfalls umweltschonend, allerdings von der Gunst der Sonne abhängig. Dennoch reicht das Energieangebot aus, um in deinem Wohnmobil mit grünem Strom zu kochen, die Heizung laufen zu lassen und Elektrogeräte zu betreiben. Normalerweise wird die Solaranlage auf dem Dach des Reisemobils montiert. Das bedeutet zum einen, dass dein Wohnmobil stets bestmöglich Richtung Sonne ausgerichtet sein muss und zum anderen besteht nur eine begrenzte Fläche für die Solarmodule zur Verfügung. Allerdings kannst du den kostenlosen Strom von der Sonne in Batterien speichern und bist somit auch bei Schlechtwetter gut versorgt.

 

Mobile Solaranlagen

Inzwischen sind mobile Photovoltaikanlagen auf dem Markt. Diese Solarkoffer und faltbaren Anlagen nehmen wenig Platz in Anspruch, sind schnell aufgebaut und lassen sich optimal ausrichten. Zudem sind sie erweiterbar. Somit hast du die Möglichkeit, die Solarleistung an deinen Energiebedarf anzupassen. Ein weiterer Vorteil ist, dass (wie bei der Brennstoffzelle) dein Wohnmobil im Schatten stehen kann und nicht in der prallen Sonne, um Strom zu produzieren. Solarkoffer mit 180 Watt gibt es schon für 250 Euro. Für eine 12-Volt-PV-Anlage mit 200 Watt Nennleistung beispielsweise musst du inklusive Batterie, Laderegler und Verkabelung etwa 1.000 Euro einplanen. Kleinere Solaranlagen mit einer Leistung von 20 Watt gibt es bereits ab 75 Euro.

Gasversorgung

Der absolute Klassiker im Wohnmobil und nach wie vor unverzichtbar ist die Energieversorgung mit Gas und sei es nur als Ergänzung. Gas kannst du vor allem zum Kochen, für die Heizung, die Warmwasserbereitung und teilweise für den Kühlschrank einsetzen. Beachte aber, dass du im Wohnmobil nur eine begrenzte Menge an Gas in 2 Flaschen mitführen darfst – eine Flasche für die Versorgung, eine als Ersatz. Wenn du länger unterwegs bist, solltest du daher mit dem Gaseinsatz durchaus sparsam sein. Leider ist beispielsweise zur Essenszubereitung ein offenes Feuer im Freien keine Alternative, denn das ist vielerorts verboten beziehungsweise nur an dafür ausgewiesenen Plätzen erlaubt.

Frisch- und Abwasser

Die Frischwasserversorgung und die Abwasserentsorgung sind ein heikles Thema. Zum Schutz vor Frost sind Frischwassertanks im Innenbereich des Wohnmobils untergebracht. Um gesundheitsschädlichen Keimen entgegenzuwirken, reinige das Frischwassersystem regelmäßig. Für das Trinkwasser gibt es spezielle Zusätze. Oberster Grundsatz beim Frischwasserverbrauch ist Sparsamkeit. Das gilt für die Körperpflege gleichermaßen wie für das Kochen und Spülen des Geschirrs.

Eine gute Alternative zur Dusche im Wohnmobil bietet dir die Solardusche. Bei dieser Dusche handelt es sich um einen speziell beschichteten Beutel, den du mit Wasser füllst und dann in die Sonne legst. Die Solardusche heizt sich schnell auf. Ein kleiner Wasserhahn und ein Schlauch mit Duschkopf sorgen für die erfolgreiche Körperhygiene.

Tankgrößen für dein Wasser

Für dein autarkes Wohnmobil sollte der Tank mindestens 60 bis 100 Liter fassen. XXL-Tanks mit 80 bis 100 Liter genügen für Wohnmobile von 3,5 Tonnen vollkommen. Abhängig von der Personenzahl reicht das dann für etwa 7 Tage.

Übrigens: Dein Abwassertank sollte der Größe des Frischwassertanks entsprechen. Abwasser darfst du nur an den dafür ausgewiesenen Entsorgungsstationen ablassen. Grauwasser aus Spül-, Waschbecken und Dusche befindet sich meist in einem Tank unter dem Wohnmobil. Für Schwarzwasser aus der Toilette gibt es einen Fäkalientank, den du bereits nach ein paar Tagen entleeren muss. Um hier Wasser zu sparen, kannst du deine alte Campingtoilette durch eine Trockentoilette austauschen.

Lebensmittel

Lege dir als Ergänzung zu frischen Lebensmitteln einen ausreichenden Vorrat an Nudeln, Reis und Hülsenfrüchten sowie Dosen zu. Diese kannst du lange lagern, zudem musst du sie nicht in den Kühlschrank packen.

Reiseapotheke

Achte darauf, dass der vorgeschriebene Verbandskasten in deinem Wohnmobil aktuell ist. Stelle dir zusätzlich eine Reiseapotheke ganz nach deinen Bedürfnissen zusammen, die beispielsweise Medikamente gegen Schmerzen, Fieber, Durchfall, Insektenstiche und Sportverletzungen enthält. Denn all das findest du im Verbandskasten nicht.

 

Ganz autark geht es mit dem Wohnmobil leider nicht

Mit den hier aufgeführten Punkten kommst du relativ einfach zu einem autarken Wohnmobil. Wenn du jedoch dauerhaft in einem Wohnmobil autark leben möchtest, scheitert das daran, dass du dein Fahrzeug anmelden musst und dazu benötigst du einen festen Wohnsitz. Außerdem darfst du dein Wohnmobil nur auf ausgewiesenen Stellplätzen abstellen. Und diese werden immer voller, denn der Urlaub im Wohnmobil boomt.

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