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Ein autarkes Haus bauen & unabhängig leben

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

23.11.2020

Letztes Update

10.03.2022

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Darauf solltest du beim Bau eines autarken Hauses achten

Das Streben nach Unabhängigkeit wächst. Noch handelt es sich um einen bescheidenen Trend. Im Bereich Bauen ist die Autarkie allerdings bereits angekommen.

Inhalt des Blogartikel

Was ist ein autarkes Haus?

Die meisten Menschen denken bei Autarkie lediglich an ein energieautarkes Haus, das es seinen Bewohnern ermöglicht, sich selbst mit Strom und Wärme zu versorgen. Für andere hingegen gehört die eigene Versorgung mit Wasser inklusive der Abwasserentsorgung sowie eine Kläranlage dazu, um komplett autark wohnen zu können. Aus technischer Sicht ist beides heutzutage problemlos ohne Komforteinbußen realisierbar. In Deutschland ist es jedoch so, dass nicht alles, was machbar ist, auch erlaubt ist. Dem stehen Gesetze und Verordnungen entgegen, die du beachten musst.

Es gibt noch eine Variante, die ein Stück weiter geht und beispielsweise in den USA und Südamerika umgesetzt werden darf: das Earthship. Hier werden ausschließlich Recyclingmaterialien wie Autoreifen, Glas- und Plastikflaschen mit Erde gefüllt und verbaut. Den Strom liefern Photovoltaikanlagen oder Windräder. Regenwasser wird aufgefangen und gefiltert. In Deutschland gibt es zwei Pilotprojekte, die sich hinsichtlich Anschluss an die öffentliche Wasserversorgung kompromissbereit gezeigt haben.

 

Ein autarkes Haus bauen

Grundsätzlich kann jedes Haus ein autarkes werden. Daher unterscheidet sich der Bau eines energieautarken Hauses auch nicht vom Bau eines konventionellen Hauses. Es müssen die gleichen Regeln beachtet und Prozedere durchgeführt werden. An der Bürokratie kommt auch der autarke Hausbauer nicht vorbei. Die Versorgung mit Energie – Strom und Wärme – übernehmen erneuerbare Energien, Überschüsse landen in Energiespeichern. Zur Wärmeversorgung wird oft Holz zur Unterstützung oder auch zur Vollversorgung verwendet.

Das Grundstück

Bevor du mit dem Bauen deines autarken Hauses anfangen kannst, benötigst du natürlich ein Grundstück. Damit allein ist es aber nicht getan. Du musst abklären, ob es überhaupt bebaut werden darf und es hinsichtlich Lage und Größe geeignet ist, um das Haus so zu bauen, wie es dir vorschwebt. Wenn du für dein energieautarkes Haus Solarenergie nutzen willst, sollte das Grundstück verschattungsfrei und nach Süden ausgerichtet sein. Willst du Erdwärme für eine Wärmepumpe nutzen, muss die Bodenbeschaffenheit stimmen, bei Warmwasser müssen die Qualität und der Stand des Wassers passen.

Bebauungsplan

Diesen Plan solltest du dir bereits vor dem Grundstückskauf anschauen. In ihm ist nämlich festgelegt, wie und was du bauen darfst. Also Dinge wie die Form des Daches, verwendbare Baumaterialien, Fassadengestaltung, Begrünung oder auch Zisternen zum Sammeln von Wasser. Die Liste ist lang und zeigt dir die eine oder andere Grenze hinsichtlich kreativen Bauens auf. Mit dem Bebauungsplan gemäß Baugesetzbuch (BauGB) soll ein einheitlicher Städte- oder Siedlungscharakter gewährleistet werden. Andererseits kannst du erkennen, welche Bauprojekte geplant sind. Ein großes Mehrfamilienhaus beispielsweise, das deine Photovoltaikanlage verschatten könnte, ist ein Grund, das Grundstück nicht zu erwerben. Den Bebauungsplan kannst du beim zuständigen Bauordnungsamt deiner Gemeinde oder Stadt einsehen. Immer öfter ist das inzwischen auch online möglich.

Erschließung

Das Grundstück muss erschlossen sein, daran führt kein Weg vorbei. Um eine Baugenehmigung zu bekommen, ist der Anschluss an das öffentliche Straßen- und Wegenetz sowie die öffentliche Versorgung meist verpflichtend vorgeschrieben. Städte und Gemeinden können in ihrer Satzung den Anschluss an die Wasserversorgung und Kanalisation, aber auch an die Müllabfuhr, die Straßenreinigung und an das Fernwärmenetz vorgeben. Allerdings muss dann ein dringendes öffentliches Interesse vorliegen. Rein finanzielle Beweggründe reichen nicht aus. Es ist daher durchaus möglich, sich teilweise befreien zu lassen. Beispielsweise, wenn du nachweisen kannst, dass deine Anlagen zur autarken Versorgung und zur Entsorgung – Strom, Wasser, Abfall – über einen besseren Umweltstandard verfügen als die vergleichbaren kommunalen Anlagen. Manchmal hilft aber auch einfach das Gespräch mit den zuständigen Personen.

Bauantrag, Baugenehmigung und Baufreigabe

Um einen Bauantrag zu stellen, sind Planungsunterlagen zum Bauvorhaben erforderlich. Dazu benötigst du die Fachkenntnisse eines Architekten oder Bauingenieurs, der den Antrag für dich stellt. Ist soweit alles in Ordnung, wird in der Regel die Baugenehmigung erteilt. Doch erst wenn die Baufreigabe vorliegt, darfst du mit dem Bauen deines autarken Hauses beginnen. Diese bekommst du jedoch nur, wenn alle Genehmigungsverfahren abgeschlossen sind, die über die normale Baugenehmigung hinaus erforderlich sind; beispielsweise die eigene Kläranlage.

Solaranlagen 

Für auf Dächern oder an Fassaden montierte Photovoltaik- und Solarthermieanlagen ist in der Regel keine Baugenehmigung erforderlich. Solltest du allerdings eine Photovoltaik-Freiflächenanlagen planen, sind die Bedingungen der jeweiligen Landesbauordnung (LBO) relevant. Oft sind Freiflächenanlagen genehmigungspflichtig. Zumindest musst du gemäß § 36 BauGB die Zustimmung der Gemeinde einholen.

Kleinwindkraftanlagen

Für Kleinwindkraftanlagen zur Eigenstromversorgung, die höher als 10 Meter sind, gilt in allen Bundesländern eine Genehmigungspflicht. Je nach LBO sind jedoch für kleine Windkraftanlagen unter 10 Metern Höhe oft keine Baugenehmigungen erforderlich.

Kleinkläranlagen

Kleinkläranlagen müssen über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik in Berlin verfügen. Den Genehmigungsantrag musst du bei der zuständigen Wasserbehörde der Kommune oder Stadt einreichen.

Brunnenförderung

Ein Brunnen muss in Deutschland unabhängig vom Nutzungszweck immer verpflichtend angemeldet werden. Wobei die Kommunen Anforderungen, Genehmigungspflichten und Gebühren individuell regeln. Soll das Brunnenwasser an die Hausinstallation angeschlossen werden, sind die untere Wasserbehörde und das Gesundheitsamt für die Genehmigung und das erforderliche Gutachten zuständig.

 

Autarkes Haus vom Architekten oder von der Stange?

Lässt du dir dein autarkes Haus von einem Architekten bauen, hast du volle Gestaltungsfreiheit. Er geht im Rahmen des Machbaren auf deine Vorstellungen und Wünsche ein. Welche Baumaterialien du wählst, ist grundsätzlich dir überlassen: Ziegelsteine, Holz oder Beton. Nur Autoreifen oder Flaschen sind nicht zugelassen. Auch ein Fertighaus kannst du energieautark gestalten. Du bist jedoch dann in deinen freien Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt und musst für Änderungen oder Abweichungen extra zahlen.

 

Was kostet der Bau eines autarken Hauses?

Für einen Neubau mit einer Fläche von 160 Quadratmetern und einem energetischen Autarkiegrad von 90 bis 100 Prozent musst du mit 450.000 Euro rechnen. Wenn du aber ein komplett autarkes Haus möchtest, kommen noch die Kosten für Brunnen, Kläranlage, Wärmespeicher, Zisterne etc. dazu.

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