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Autarkes Haus: Funktioniert das?

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

22.10.2020

Letztes Update

12.09.2022

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Was macht ein autarkes Haus autark?

Wohnst du in einem autarken Haus, koppelst du dich von der Versorgung von außen ab. Du kümmerst dich selbst um Energie und Wasser und wohnst somit eigenverantwortlich und unabhängig.

Inhalt des Blog

 

Mein Haus, meine Energieversorgung, mein Beitrag zum nachhaltigen Wohnen

Nahezu alles in unserem Leben ist irgendwie geregelt. Vorschriften und Gesetze berühren sämtliche Lebensbereiche. Es ist daher verständlich, dass immer mehr Menschen nach Autarkie streben. Das betrifft natürlich auch das Wohnen. Aber gibt es das autarke Ein- oder Mehrfamilienhaus? Und wenn ja, was gehört alles dazu, außer die solare Energieversorgung mit Photovoltaik und Solarthermie?

 

Das autarke Haus

Vereinfacht ausgedrückt bedeutet autark, unabhängig und sich selbst versorgend zu leben. Auf das Wohnen beziehungsweise das Haus übertragen heißt das nichts anderes als eine komplette Eigenversorgung mit Energie und Wasser sowie die eigenverantwortliche Entsorgung von Abfällen und Schmutzwasser.

Eigentlich gehört auch dazu, das Haus so zu gestalten, wie es dir gefällt und wie es am besten den autarken Anforderungen entspricht. Doch beim Bau des Hauses kannst du die Baustoffe und die Optik nicht einfach selbst bestimmen. Denn dem steht zumindest teilweise das deutsche Baurecht entgegen. Wenn du die Bauvorschriften nicht einhältst, kann es passieren, dass du keine Baugenehmigung bekommst. Baust du trotzdem, drohen Geldstrafen bis zu 50.000 Euro. Ferner kann dir die Nutzung verboten und der Abriss angeordnet werden. Also ist hier schon Schluss mit dem autarken Haus? Nein, aber ohne Zugeständnisse geht es zumindest in Deutschland leider nicht.

 

Das benötigst du für ein autarkes Haus

Ein Haus zu bauen, genügt allein natürlich noch nicht. Du benötigst zum autarken Wohnen auch sanitäre Einrichtungen, Trink- und Brauchwasser sowie Heizung und Strom.

Wassererschließung und -entsorgung

In den niederschlagsreichen Regionen in Deutschland würde das Auffangen von Regenwasser in Sammelbecken auch heute noch ausreichen, um ein Einfamilienhaus mit ausreichend Wasser zu versorgen. Allerdings ist in der EU das Regenwasser nicht als Trinkwasser zugelassen, sondern nur zur Versorgung als Brauchwasser. Grundwasser aus der Brunnenförderung hingegen ist nicht nur die ergiebigere Lösung, sondern es darf grundsätzlich auch getrunken werden. Allerdings muss das Gesundheitsamt das Brunnenwasser für diesen Zweck freigeben. Zudem musst du es jährlich auf mögliche Belastungen untersuchen lassen. Diese Kosten sind von dir zu übernehmen.

Sicherheitshalber ist die Anschaffung einer Wasseraufbereitungsanlage zu empfehlen. Das Bohren eines Brunnens ist melde- und genehmigungspflichtig. Etwa zwischen 3.000 und 6.000 Euro solltest du für das Anlegen eines Brunnens einplanen. Den Energieverbrauch für eine elektrische Pumpe musst du ebenfalls berücksichtigen.

Verwendest du Brunnen- und Regenwasser als Brauchwasser, beispielsweise für die Waschmaschine oder Toilette, muss das Schmutzwasser in die Kanalisation geleitet werden können; dafür wird dann eine Abwassergebühr fällig. Sickergruben werden nur noch in Ausnahmen genehmigt. Es gibt jedoch biologische Kläranlagen ab etwa 3.500 Euro aufwärts. Damit du diese betreiben darfst, muss die zuständige Untere Wasserbehörde ihr Okay geben.

Du siehst: Um einen Anschluss an das öffentliche Wasser- und Kanalnetz kommst du eigentlich nicht herum. In diesem Bereich ist also eine echte Autarkie nicht umsetzbar.

Wärmeversorgung

Auch im Bereich der Wärmeversorgung stößt man schnell an die Grenzen des Machbaren. Fossile Brennstoffe müssen gekauft und geliefert werden. Bei Holz ist es nicht anders. Allerdings ist Holz erneuerbar und in der Lage, das Haus ganzjährig mit Wärme und Warmwasser zu versorgen. Solarwärmeanlagen und Wärmepumpen benötigen für den Betrieb Strom. Solaranlagen sind zudem nicht in der Lage, ein Ein- oder Zweifamilienhaus zu 100 Prozent mit Wärme zu versorgen. Zumal die Nutzung direkter Solarenergie grundsätzlich mit dem Problem der ganzjährigen Energieversorgung rund um die Uhr zu kämpfen hat. Gleiches gilt für Blockheizkraftwerke, die immer auch eine Unterstützung durch einen zweiten Wärmeversorger benötigen. 

Eine Photovoltaikheizung kann über einen klassischen Elektro-Heizstab überschüssigen Solarstrom in Heizwärme umwandeln und so den Autarkiegrad erhöhen. Sie muss jedoch entsprechend groß dimensioniert sein, was auf einem Ein- oder Zweifamilienhaus nicht immer möglich sein dürfte. Eine für Einfamilienhäuser wirtschaftliche Lösung ist die Kombination von Photovoltaikanlage und Elektro-Wärmepumpe. Circa 10 bis 15 Prozent des Strombedarfs der Wärmepumpe liefert die Photovoltaikanlage. Integrierst du dann noch einen Solarspeicher, kannst du dich etwa zu 70 bis 80 Prozent autark versorgen.

Die einzige Möglichkeit der vollkommen autarken Wärmeversorgung bieten Nullenergie- oder Energieplushäuser. Doch hierbei handelt es sich nicht gerade um eine kostengünstige Bauweise. Die Mehrkosten dürften etwa 30 Prozent betragen.

Nullenergiehaus und Plusenergiehaus

Nullenergiehäuser kommen ohne Fremdenergie von außen aus. Sie sind somit rein rechnerisch zu 100 Prozent energieautark. Der gesamte Energiebedarf – Strom und Wärme – stammt aus Eigenproduktion: beispielsweise durch eine Photovoltaikanlage, Wohnungslüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Luft-Wasser-Wärmepumpe und Solarthermieanlage. Möglich ist dies, weil Nullenergiehäuser – wie auch Plusenergiehäuser – sehr gut gedämmt sind.

Da es in der Praxis aber immer wieder zu Situationen kommen kann, in denen zu wenig selbst produzierte Energie zur Verfügung steht, muss doch Fremdenergie zugeführt werden. Plusenergiehäuser hingegen geraten durch die Speicherung von Energieüberschüssen nicht in diese Situation und sind tatsächlich energieautark. Aber auch mit den KfW-Effizienzhäusern und Passivhäusern lassen sich hohe Energieeinsparungen erzielen.

Stromversorgung

Photovoltaik- und Kleinwindanlagen bieten sich beim Thema Strom besonders an. Allerdings können beide Systeme nicht permanent Strom liefern, da die Stromproduktion vom Wetter und von der Tageszeit abhängt. Aus diesem Grund sind immer Energiespeicher erforderlich, um dieses Manko teilweise auszugleichen. Eine Photovoltaikanlage und ein Batteriespeicher können vielleicht nicht für eine komplett autarke Stromversorgung eines Einfamilienhauses sorgen, aber immerhin 50 bis 70 Prozent zur Deckung des Strombedarfs beitragen.

Kombinierst du hingegen Photovoltaik- und Kleinwindanlagen und ergänzt sie um einen Speicher, sind Eigenverbräuche von 80 bis 100 Prozent möglich. Dies ergibt auch insofern Sinn, weil sich Photovoltaik und Wind hinsichtlich des jahreszeitlichen schwankenden Energieangebots gut ergänzen – vorausgesetzt, es weht auch ausreichend Wind. Die kleiner gewordene Versorgungslücke füllt der Energiespeicher aus. Weil kleine Windkraftanlagen andere Anforderungen an einen Speicher stellen als Photovoltaik, bedarf es jedoch modifizierter Systeme. Solarstromspeicher allein sind aber heute noch recht teuer und die Speicherkapazität zu gering. Zudem dürfen kleine Windkraftanlagen aus baurechtlichen Gründen nicht überall gebaut werden. Somit stellt sich zumindest aus wirtschaftlicher Sicht die Frage, ob sich aktuell eine solche Kombination überhaupt lohnt.

Ausfall der PV-Anlage, was tun? Wenngleich es relativ selten vorkommt, dass eine Photovoltaikanlage auf dem Dach durch einen Defekt ausfällt, stellt sich dennoch die Frage, was in solch einem Fall zu tun ist. Denn bis ein Techniker kommt, kann schon einige Zeit vergehen. Und du stehst dann ohne Licht und Warmwasser da. Deswegen ist es ratsam, sich für solche Notfälle generell an die öffentliche Stromversorgung anschließen zu lassen.

Smart Home für mehr Energieautarkie

Mit Smart-Home-Systemen kannst du das komplette Heizsystem intelligent steuern, beispielsweise durch Abschalten der Heizung bei längerer Abwesenheit, individuelles Einstellen der Raumtemperatur und Herunterfahren der Heizung bei geöffnetem Fenster. Im Bereich Strom schaltet das System die Waschmaschine oder den Geschirrspüler automatisch ein, wenn gerade viel Solarstrom zur Verfügung steht oder lädt das Elektroauto dann auf, wenn sonst kein großer Strombedarf besteht. All das führt zur energetischen Optimierung der Energieversorgung des Hauses und somit auch zu mehr Energieautarkie.

 

Was kostet ein autarkes Haus?

Pauschal lässt sich das nicht sagen, aber günstig ist es nicht. Der Kostenaufwand für die Erreichung von Autarkie ist schon enorm. Dies liegt natürlich auch an der teilweise teuren Technik. Eine Photovoltaik- und Solarthermieanlage auf dem Dach, eventuell eine kleine Windkraftanlage oder ein kleines Blockheizkraftwerk, eine Wärmepumpe und Wohnungslüftung – all das will bezahlt sein. Hinzu kommen eventuell noch die Kosten für eine anspruchsvolle Wärmedämmung, Spezialfenster, das Brunnenbohren, die Wasseraufbereitungsanlage und eine biologische Kläranlage. Es spielt dabei keine Rolle, ob es sich um einen Neubau oder ein Haus handelt, das zur Erreichung möglichst großer Autarkie umgebaut wird: Der Investitionsaufwand ist sehr groß. Autarke Häuser sind aber immer für Umwelt und Klima ein Gewinn, denn durch den niedrigen Energiebedarf und den hohen Anteil an erneuerbaren Energien werden wenig Schadstoffe freigesetzt.

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