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Altbau zum Passivhaus umbauen

Über diesen Artikel

Lesezeit

4 Minuten

Veröffentlichung

11.08.2021

Letztes Update

06.05.2022

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Vom Altbau zum smarten Passivhaus: So kannst du energieeffizient umbauen

Der sehr energieeffiziente Passivhausstandard wird in der Regel mit einem Neubau in Verbindung gebracht. Uns hat interessiert, ob sich auch ein Altbau zum Passivhaus umbauen lässt.

Inhalt des Blogartikels

Was ist ein Passivhaus?

Ein Passivhaus benötigt eine nur minimale Energiezufuhr von außen. Besonders deutlich wird das beim Verbrauch von Brennstoffen für Heizung und Warmwassererzeugung. Ein unsanierter Altbau benötigt im Schnitt 22 Liter Öl oder Gas pro Quadratmeter Wohnfläche und Jahr für die Heizung und Warmwassererzeugung. Nach aktuellen Anforderungen errichtete Gebäude liegen bei etwa 5 bis 7 Litern. Ein Passivhaus mit seiner hohen Energieeffizienz benötigt dagegen nur maximal 1,5 Liter. In der energetischen Sanierung von Altbauten verbergen sich also gigantische Einsparmöglichkeiten bei fossilen Brennstoffen und Heizkosten. Gleichzeitig lässt die umfassende Sanierung von Bestandsbauten große Effekte beim Klimaschutz und der Begrenzung der Erderwärmung erwarten.

 

Welche Komponenten zählen zum Umbau vom Altbau zum Passivhaus?

Wenn du einen Altbau zum Passivhaus umbaust, sind vor allem folgende Bereiche bzw. Arbeiten essentiell:

Dämmung und Luftdichtheit der Gebäudehülle

Der Passivhausstandard erfordert eine wesentlich stärkere Wärmedämmung als sonst bei heutigen Neubauten üblich. Das ist die Grundvoraussetzung für die hohe Energieeffizienz. Es betrifft alle Außenwände, aber auch die Bodenplatte bzw. Kellerdecke und vor allem das Dach. Bei den Dämmarbeiten müssen auch alle im Baukörper vorhandenen Wärmebrücken beseitigt werden. Der Wärmedurchgangskoeffizient an undurchsichtigen Flächen darf maximal 0,15W/qm*K betragen. Das bedeutet, durch die Wand oder Dachfläche darf der Wärmeverlust maximal 0,15 W pro Quadratmeter und Grad Temperaturunterschied zwischen innen und außen betragen. Für nicht dem Passivhausstandard entsprechende Gebäude schrieb die EnEV zuletzt einen Wert von 0,24 W/qm*K für die Fassade vor.

Die Luftdichtheit des Baukörpers musst du als Bauherr ebenfalls beachten. Es soll möglichst keine Wärme durch Fugen entweichen können. Bei einem Über- oder Unterdruck von 50 Pascal darf der Leckvolumenstrom nicht mehr als 0,6 * Hausvolumen pro Stunde betragen.

Fenster

In Passivhäusern werden speziell entwickelte Fenster verwendet, die viel Sonnenwärme in das Gebäude hineinlassen, aber den Wärmeverlust nach außen minimieren. Der Wärmedurchgangskoeffizient beträgt maximal 0,8 W/qm*K. Bei normalen Fenstern mit Doppelverglasung liegt dieser Wert bei 3,5 W/qm*K. Um möglichst viel Sonnenwärme in das Haus zu bekommen, haben Passivhäuser in ihrer Südwand sehr große Fensterflächen.

Lüftungsanlage

Durch die gewünscht hohe Luftdichtheit eines Passivhauses kann kein natürlicher Luftaustausch zwischen Innenräumen und der Außenluft stattfinden. Zur Aufrechterhaltung der Luftqualität im Haus und dem Abtransport von Schadstoffen ist daher eine Lüftungsanlage erforderlich. Damit über die Abluft kein Wärmeverlust auftritt, sind diese Anlagen mit einer Wärme- und Feuchterückgewinnung ausgestattet.

Nutzung regenerativer Energien

Passivhäuser kommen in der Regel ohne Wärmeerzeuger auf Basis fossiler Energien aus. Zur Wärmeerzeugung kannst du zum Beispiel eine Wärmepumpe oder Solarthermie einsetzen. Mit einer Photovoltaikanlage ist es möglich, den Strom für Wärmepumpe, Lüftungsanlage und andere Verbraucher zumindest zum Teil selbst zu erzeugen.

 

Altbau zum Passivhaus umbauen: So geht’s!

Mit dieser praktischen Schritt-für-Schritt-Anleitung wird dein Altbau schnell zum Passivhaus umgebaut:

Bestandsaufnahme

Den Ausgangspunkt deines Sanierungsprojektes bildet eine intensive Untersuchung des Gebäudes und seiner unmittelbaren Umgebung. Du musst wissen, in welchem Zustand sich das Gebäude befindet und welchen jährlichen Energieverbrauch es verursacht. Daraus leiten sich die durchzuführenden Maßnahmen ab und auch die Erkenntnis, ob eine Sanierung bis zur Erreichung des Passivhausstandards überhaupt ökonomisch sinnvoll ist. Es kann auch sein, dass vor der eigentlichen Sanierung Baureparaturmaßnahmen notwendig sind. Es nützt zum Beispiel nichts, auf feuchte Wände eine Dämmung aufzubringen. Das Gleiche gilt für ein statisch nicht mehr standfähiges oder undichtes Dach. Als Bauherr musst du dafür sorgen, dass die Ursachen dieser Bauschäden aufgedeckt und die Mängel fachgerecht beseitigt werden. Wenn du nicht gerade selbst ein erfahrener Baufachmann bist, solltest du unbedingt einen Bau- und Sanierungsexperten zurate ziehen und das gesamte Projekt von ihm begleiten lassen.

Fachliche Planung

Hier geht es um die konkrete Festlegung der einzelnen Projektmaßnahmen und der zu verwendenden Materialien und Geräte. Der zu erreichende Endzustand und die daraus resultierenden Effekte in Richtung zukünftiger Betriebskosten werden theoretisch ermittelt.

Kostenplanung

Aus Schritt 2 leiten sich die Kosten für das Sanierungsprojekt ab und können mit den zukünftigen Betriebskosten des Gebäudes abgeglichen werden. An dieser Stelle ist es möglich, abzuschätzen, ob sich die Investitionskosten durch die zukünftigen Einsparungen in einem vernünftigen Zeitrahmen amortisieren.

Beantragung Fördermittel

Wenn die endgültige Entscheidung für die Realisierung des Sanierungsprojektes gefallen ist, kannst du staatliche Fördermittel beantragen. Die Beantragung muss immer vor Beginn der eigentlichen Baumaßnahme erfolgen.

Beauftragung Handwerker und Realisierung des Projektes

Hast du eine Fördermittelzusage erhalten, geht es an die konkrete Umsetzung der geplanten Sanierungsmaßnahmen.

 

Was kostet der Umbau vom Altbau zum Passivhaus?

Es ist völlig unmöglich, allgemeingültige Aussagen zu den Kosten eines solchen Umbaus zu treffen. Dazu sind die Ausgangssituationen und die letztendlich umgesetzten Lösungen solcher Projekte einfach zu unterschiedlich. Die Kosten liegen auf jeden Fall höher, als bei einer Sanierung und Modernisierung ohne den Anspruch, Passivhausstandard zu erreichen. Diverse Quellen sprechen von bis zu 1.700 Euro pro Quadratmeter.

Ob sich dieser hohe Aufwand lohnt, hängt davon ab, wie hoch deine Ersparnisse bei den Betriebskosten (insbesondere bei den Heizkosten) gegenüber dem unsanierten Zustand des Hauses sind. Deswegen ist die Ermittlung des Ausgangszustandes und eine akribische Planung so wichtig. Mittlerweile gibt es genügend Beispiele für erfolgreiche Sanierungen von Altbauten, bei denen Passivhausstandard erreicht wurde. Du findest sie mit einer kleinen Online-Recherche.

Für die energetische Sanierung von Altbauten werden staatliche Fördermittel bereitgestellt. Seit 2021 sind die Fördermöglichkeiten in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zusammengefasst. Ansprechpartner ist die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die Förderung erfolgt als zinsgünstiger Kredit oder als rückzahlungsfreier Zuschuss. Für die Sanierung eines Bestandsgebäudes kannst du zum Beispiel bis zu 150.000 Euro Kredit (KfW-Programme 261, 262) oder einen Zuschuss von bis zu 75.000 Euro (KfW-Programm 461) je Wohneinheit erhalten. Das mindert die hohen Kosten enorm.

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