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Brandschutz für Wallboxen in der Tiefgarage

Über diesen Artikel

Lesezeit

5 Minuten

Veröffentlichung

07.02.2022

Letztes Update

04.10.2022

Wallbox in der Tiefgarage: Das ist beim Brandschutz zu beachten

Die Wallbox in der Tiefgarage wird in absehbarer Zeit zum Standard. Doch wie steht es um den Brandschutz? Was erlaubt ist und was du beachten musst, kannst du hier nachlesen.

Inhalt des Blogartikels

Wallboxen in Tiefgaragen: Bedeutung des Brandschutzes

Nur 6 Prozent der 18 Millionen Wohngebäude in Deutschland sind große Mehrfamilienhäuser mit 7 und mehr Wohnungen. Viele dieser 108.000 Gebäude haben keine Tiefgarage. Das hängt unter anderem mit dem Alter der Bestandsgebäude und der Anzahl der Wohnungen zusammen. Dennoch ist das Thema „Wallbox in der Tiefgarage und Brandschutz“ von Relevanz, schließlich handelt es sich bei der Elektromobilität und der erforderlichen Ladeinfrastruktur im privaten Bereich um neue Anforderungen an die Sicherheit von Menschen und Gebäuden.

 

So viele Ladepunkte gibt es derzeit

Insgesamt, Stand Januar 2022, gibt es in Deutschland laut Bundesnetzagentur 52.203 öffentlich zugängliche Ladepunkte für Elektroautos. Wie viele private Ladestationen und nicht öffentliche Ladestationen von Unternehmen es genau gibt, lässt sich leider nicht sagen, weil diese Daten nicht erfasst wurden. Allerdings hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) etwa 900.000 Wallboxen gefördert. 200.000 davon sind bereits in Betrieb. Natürlich stellt nicht jeder einen Förderantrag für seine Wallbox. Somit dürfte die Dunkelziffer der installierten Wallboxen ein gutes Stück höher liegen.

Doch wie sieht es in Tiefgaragen aus? Laut ADAC gibt es bei den 4.815 Objekten der Wohnungswirtschaft mit mehr als 10 Stellplätzen auf 2 Prozent der Stellfläche eine Wallbox. 2 Prozent verfügen zumindest über einen Stromanschluss.

 

Besteht bei E-Autos in Tiefgaragen ein erhöhtes Brandrisiko?

Tatsächlich besteht keine erhöhte Brandgefahr. Das bestätigen sowohl der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. GDV als auch der Deutsche Feuerwehrverband. So liefern die Statistiken der GDV keinerlei Anhaltspunkte darüber, dass Elektroautos eine höhere Brandgefahr darstellen als Autos mit Verbrennungsmotor. Werden Tiefgaragen entsprechend den Vorgaben der geltenden Bauordnung errichtet, steht dem Abstellen sowie dem Aufladen von Elektrofahrzeugen mit einer zertifizierten Ladeeinrichtung nichts im Wege. Wurden die baurechtlichen Mindestanforderungen umgesetzt, sind die Garagen im Brandfall ausreichend sicher. Denn unabhängig von der jeweiligen Antriebsart wurden dann die brandschutztechnischen Schutzziele berücksichtigt. Bisherige Brandfälle zeigen, dass es kein zusätzlich erhöhtes Risiko gibt. Aufgrund der guten Sicherheitsstandards sind in Deutschland Fahrzeugbrände in Tiefgaragen und Parkhäusern relativ selten.

 

Fangen Elektroautos und Wallboxen schneller Feuer als konventionelle Antriebe?

Laut VDI-Nachrichten (VDI = Verein Deutscher Ingenieure) belegen aktuelle Statistiken sogar, dass Elektroautos seltener brennen als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Das bestätigen Aussagen der GDV. Diese geht davon aus, dass Autos mit Verbrennungsmotor im Vergleich zu Elektrofahrzeugen eine höhere Brandlast besitzen.

 

Welche Brandschutzvorschriften gelten in Tiefgaragen für Elektroautos und Wallboxen?

Weil in Deutschland Bauen Ländersache ist, hat jedes Bundesland seine eigenen Bestimmungen und Vorschriften, die in der Garagenordnung festgeschrieben sind. Grundsätzlich sind diese jedoch identisch: Der Brandschutz hat in allen Garagenverordnungen der Bundesländer einen hohen Stellenwert, spezielle Regelungen für Elektrofahrzeuge gibt es allerdings nicht.

Das hängt damit zusammen, dass hinsichtlich des Brandschutzes die Batterie den einzigen relevanten Unterschied zwischen einem Elektroauto und einem Benziner oder Dieselfahrzeug darstellt. Sie ist hierbei insofern von Interesse, weil sie durch mechanische Beschädigungen, einen Kurzschluss oder thermische Einwirkungen einen Fahrzeugbrand auslösen könnte. Dennoch ist die Angst vor unkontrolliert brennenden Elektroautos in Tiefgaragen unbegründet.

Zudem müssen alle Autos höchste gesetzliche Anforderungen erfüllen, damit sie eine Zulassung erhalten. Das gilt für gasbetriebene Fahrzeuge (Autogas und Erdgas) und Elektroautos gleichermaßen wie für Benziner und Dieselfahrzeuge. Hinzu kommt, dass seit 2015 die sicherheitstechnischen Anforderungen an Elektrofahrzeuge europaweit durch die „Regelung Nr. 100 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) — Einheitliche Bedingungen für die Genehmigung der Fahrzeuge hinsichtlich der besonderen Anforderungen an den Elektroantrieb [2015/505]“ geregelt sind.

 

Brandschutz für Wallboxen in der Tiefgarage

Auch das Laden des Elektrofahrzeuges mittels Wallbox ist ungefährlich – professionelle Elektroinstallation nach den Regeln der Technik vorausgesetzt. Besondere Brandschutzvorschriften sind daher auch hier nicht zu beachten. Ladestationen bzw. Wallboxen werden nämlich als Bestandteil der technischen Gebäudeausrüstung eingestuft. Für den Brandschutz gelten daher die Regeln der jeweiligen Landesbauordnung und der Leitungsanlagen-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Leitungsanlagen.

Was hierbei genau zu beachten ist, wissen die mit der Installation beauftragten Elektrofachkräfte. Das ist mit einer der Gründe, warum die Installation von Ladestationen ausschließlich von entsprechend ausgebildetem Fachpersonal zulässig ist. Denn nur Profis sind in der Lage, die Mindestanforderungen richtig einzuschätzen. Das betrifft zum Beispiel den Einbau eines Leistungsschalters mit Fehlerstromschutz, der hohe Ströme schaltet und Kabel sowie Leitungen vor Überstrom, aber auch Personen vor elektrischem Schlag schützt.

 

Diese technischen Voraussetzungen müssen für den Brandschutz in der Tiefgarage für Wallboxen erfüllt sein

Mit den Wallboxen kommen zusätzliche Stromverbraucher an das Hausnetz. Die Anschlussleistung des Gebäudes ans Stromnetz muss daher so ausgelegt sein, dass weiterhin die Stromversorgung der Haushalte gewährleistet, aber zusätzlich auch die Wallboxen zum Laden der Elektrofahrzeuge zuverlässig und sicher sind. Dazu bieten sich 2 Lösungen an, die einzeln oder besser noch gemeinsam Einsatz finden:

  1. Erhöhung der Anschlussleistung
  2. Installation eines intelligenten Lastmanagementsystems

Es ist davon auszugehen, dass in den bestehenden Tiefgaragen der meisten Wohnanlagen und großen Mehrfamilienhäusern die Integration eines Lastmanagementsystems erforderlich ist. Denn das Lastmanagement priorisiert den Strombedarf der Haushalte. Sind im Hausstromnetz ausreichend Stromreserven vorhanden, werden diese dann auf die zu ladenden Elektrofahrzeuge verteilt. Dies ist insofern kein Problem, weil der Großteil der Elektroautos sowieso meist über Stunden oder sogar Tage abgestellt wird.

Neben dem Lastmanagement ist es ebenfalls wichtig, dass die Elektroinstallation des Gebäudes dem aktuellen Stand der Technik und Vorschriften entspricht. Es kann daher durchaus sein, dass der Stromkreis entsprechend den technischen Anforderungen nach DIN VDE 0100-722 modernisiert oder neu verlegt werden muss. Zudem sollte im Verteilerkasten ausreichend Platz vorhanden sein oder eine entsprechende Erweiterung vorgenommen werden für:

  • zusätzliche Sicherungen,
  • Stromzähler und
  • Schutzschalter.

Wird eine Tiefgarage neu gebaut, sollten ausreichend Leerrohre verbaut werden, um eine spätere Nachrüstung beziehungsweise Erweiterung durch zusätzliche Ladepunkte zu erleichtern. Auch diese Maßnahmen sind für einen effektiven Brandschutz sinnvoll:

  • einfacher Zugang für die Feuerwehr zu Grundstück und Tiefgarage,
  • Anbringung der Wallboxen an möglichst leicht zugänglichen Stellen,
  • defekte Elektrofahrzeuge nicht in der Tiefgarage abstellen,
  • funktionstüchtige Brandmelde- und Sprinkleranlagen,
  • keine brennbaren Materialien in der Nähe der Ladestationen lagern.

Beim Brandschutz für Wallboxen in der Tiefgarage gilt: Immer Fachkräfte einbeziehen

Vor allem bei der nachträglichen Installation von Wallboxen ist es ratsam, mit Elektrofachfirmen oder entsprechend ausgewiesenen Sachverständigen eine Brandschutzbegehung zu machen. Außerdem musst du ermitteln, welche Leistung für die Wallboxen in der Tiefgarage zusätzlich erforderlich sind. Das ist wichtig, um die Anmeldung der Anlage an den Netzanschluss abzusichern und es zu ermöglichen, dass bereits im Vorfeld künftige Netzbelastungen absehbar sind. Ziehe daher bei der Planung und Installation der Ladetechnik den Netzbetreiber ein. Gerade bei Fragen zum Lastmanagement ist er der richtige Ansprechpartner, wenn es beispielsweise um die Einschätzung des Gleichzeitigkeitsfaktors geht oder wenn mehrere Elektroautos parallel laden sollen, um das Hausstromnetz entsprechend zu dimensionieren.

 

Was ist mit den Kosten, wenn es doch zu einem Brand kommt?

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. übernimmt die Kfz-Haftpflicht Schäden an Fremdfahrzeugen, Gebäuden und Personen, die durch einen Brand entstehen. Wobei die gesetzliche Mindestversicherungssumme festlegt, bis zu welcher Schadenshöhe der Versicherer die Kosten übernimmt:

  • Sachschäden bis zu 1.220.000 Euro
  • Personenschäden 7.500.000 Euro
  • reine Vermögensschäden 50.000 Euro

Versicherungsunternehmen bieten jedoch meist bis zu 100 Millionen Euro Deckungssumme an. Du solltest jedoch unbedingt vor Vertragsabschluss klären, welche Schäden und Kosten deine Elektroauto-Versicherung abdeckt.

Weil die Wallbox fest verbundener Bestandteil des Gebäudes ist, werden Schäden auch von der Wohngebäudeversicherung übernommen. Ein zusätzlicher Technikschutz zur Gebäudeversicherung übernimmt zudem Schäden, die an elektrischen Leitungen und der Wallbox durch Tierbiss entstehen sowie Überspannungsschäden durch Netzwerkschwankungen.

 

Keine besonderen Anforderungen an den Brandschutz für die Wallbox in der Tiefgarage

Genehmigungen und spezielle Brandschutzvorkehrungen sind aktuell meist nicht erforderlich. Die bauordnungsrechtlichen Grundlagen für die Errichtung von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge an Tiefgaragenstellplätzen sind grundsätzlich in der Garagen- und Stellplatzverordnung (GaStellV) des jeweiligen Bundeslandes festgelegt. Besonderen Anforderungen für die Errichtung von Ladeeinrichtungen gibt es bislang nicht. Entsprechende Anpassungen sind jedoch möglich beziehungsweise im Gespräch.

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